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Hanauer Anzeiger

16. März

das Konzert in D-molI von H. Wieniawski und die Ernst- sche Othello-Fantasie zum Bortrag und erntete ungetheilte An­erkennung, die sich in reichem Applaus kundgab. So waltete von Anfang bis zu Ende ein günstiger Stern über diesem Konzerrabend. Möge, wenn sich im Herbst die Pforten des Theaters wiederum diesen Konzerten öffnen, dem künstlerischen Streben des Veranstalters eine reichere Unterstützung unseres kunstsinnigen Publikums zu Theil werde».

* Ehrung. Wie wir soeben erfahren, sind einige unserer Mitbürger, welche seit 20 Jahren das schwierige Amt eines Armenpflegers versehen, durch eine verbindliche Zuschrift des Herrn Oberbürgermeisters geehrt worden.

R Durchreisende Araber passirten gestern Vor­mittag den hiesigen Ostbahnhof. Diese Gesellschaft, ca. 40 Personen stark, kam um 85S von Frankfurt an und konnte erst um 1008 nach Aschaffenburg bezw. Wien Weiterreisen. Im Wartesaal 3. 4. Klaffe entspann sich nun ein munteres Leben, denn nach der angestrengten Reise war ein kräftiger Appetit vorhanden. Die zahlreiche Kindcrschaar wie die Er­wachsenen nahmen auf dem Fußboden Platz und ließen sich das lucullische Frühstück, welches aus Gurken, Apfelsinen und Eiern bestand, vorzüglich munden. Daß auch die Araber einen guten Appetit haben, dürfte daraus hervorgchen, daß in der kurzen Zeit des Aufenthalts ein junger Mann 1 Kotelett und 10 Eier mit dem nöthigen Brod, wie auch eine Flasche Weißwein vergnügt verzehrte. Anwesende Fahrgäste ließen die Gelegenheit nicht vorübergehen und sahen sich die Ge­sellschaft gründlich an. Die Kleidung wie auch die Reinlich­keit ließ bei der Gesellschaft viel zu wünschen übrig, dahin­gegen waren die Männer wie auch die Frauen sehr reich mit kostbaren Ringen versehen. An Geld schien auch kein Mangel zu sein, denn die Geldtaschen waren sehr gefüllt. Die Truppe scheint eine Reise durch Frankreich und England gemacht zu haben.

J. „Die Katakomben von Hochstadt". Ein hochinteressantes Höhlensystem wurde uns gestern Abend un­weit Hochstadt vorgeführt. Wohl wird es manchem unserer Leser befremdlich erscheinen, wenn er hört, daß sich in aller­nächster Nähe von Hochstadt Höhlen besinden, unterirdische Gänge, die, wie es uns nach den allerersten Aufräumungs­arbeiten erscheint, wohl zunächst als unterirdischer Steinbruch für den Aufbau der Hochstädter Mauer das Material gelie­fert haben mögen, andrerseits aber sehr wohl eine Zufluchts­stätte in Kriegszeiten für die Gemeinde Hochstadt abgegeben haben können. Bis zum Jahre 1864 wußte man gar nichts von der Existenz dieser Höhlen, auch. in keiner Chronik finden sich Angaben über diesen Punkt. Ein Eingang in dieselben wurde damals nxr durch Zufall gelegentlich der Pflanzung eines Baumes entdeckt, aber wieder zugeworsen und fast ver­gessen. Erst durch die Anregung des Herrn I. R » u s s e l l e wurden in den letzten Tagen neue Nachforschungen u»ter- nsmmen, die zu einem großartigen Resultat geführt haben, denn die kreuz und guer laufenden Gänge scheinen nach einem einheitlichen System angelegt zu sein und auf verschiedene Hauptstraßen zu führen, die allerdings erst gesucht werden müssen, jedenfalls aber, bei der Komplizirtheit der ganzen Anlage, bei weiterem Vordringen gefunden werden. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieselben bis unter das Dorf führen und daß auch von dortaus ein Eingang in dieselben gefunden »erden muß. Jedenfalls ist unsere Gegend durch diese neuerliche Wiederentdeckung um eine hochinteressante Merkwürdigkeit be­reichert worden.

* Zur Auffindung der Kindeslriche. Wie uns aus Großauheim berichtet wird, wurde gestern Abend eine dort wohnhafte, in einer Hanauer lithographischen Anstalt beschäftigte Arbeiterin verhaftet und kurz darauf in das Land- gerichtsgefängniß überführt. Die Verhaftung steht in ursäch­lichem Zusammenhang mit der gestern gemeldeten Auffindung einer Kindesleiche.

Aus dem Gerichtsfaal.

Sitzung ver Strafkammer II vom 15. März.

Ein gefährlicher Dieb st ah l.

_ „Du, ich weiß was '* sagte der Maurer Enders von Salmünster, als er mit seinem Zechgenossen dem Dienstknecht Harnischfeger in der Nacht vom 10. zum 11. Septbr. v. J. aus der Wirthschaft auf die Straße trat. Seine Weisheit bestand darin, daß er einen an einem Küchenfenster hängen­den Dasen entdeckt hatte, dessen Annektirung bei ihm be- schloffene Sache war. Harnischfeger war mit von der Parthie, aber der dritte Gefährte, der Schreiner Korn, hatte seine ge­rechten Bedenken gegen diese Annexion, denn der begehrte Hase gehörte niemand anders, als dem Amtsgerichtsrath von Salmünster. Korn ließ sich nach einigen energischen Drohungen doch bewegen, die Expedition mitzumachen und so wurde denn zunächst eine große Stange geholt, daran ein Messer be­festigt und mit diesem improoisirten Speer sollte dann der Hase abgeschnitten werden; man hatte nämlich seitens der Besitzer des Hasen gegen die kangfinger die Ungefälligkeit begangen, den begehrten Braten im 2. Stock aufzuhängen. Das Vorhaben glückte nun wider Erwarten nicht und so wurde ein anderes Mittel zur Erlangung des Hasen er­sonnen. Enders holte nämlich eine Leiter und damit war daS Problem gelöst, denn nun war der Hase glücklich erlangt. Die beiden Matadoren bei dieser Sache waren Enders und Harnischfeger, die mit ihrer Beute befriedigt von dannen zogen. Korn, der zuerst Wache gestanden hatte, war, als der Hase erlangt mar, ausgerückt und brachte nachher die ganze Ge­schichte zur Anzeige. Das Schöffengericht zu Salmünster hatte Enders und Harnischfeger für diesen ziemlich unver­frorenen Coup zu mehrtägigen Gefängnißstrafen verurtheilt, den mitangeklagten Korn aber freigesprochen, weil es ange­nommen, daß Letzterer nur unter dem Einfluß der Drohungen den Zug mitgemacht hatte. Gegen das frei sprechende Urthei

hat die Amtsanwaltschaft Berufung eingelegt, dieselbe wird aber von der Strafkammer verworfen.

Gesunde und k r a n k e K u h.

Der Handelsmann Salomon Adler von Schlüchtern soll einen Betrug dadurch begangen haben, daß er dem Schreiner Nâchter von Höf und Heid vorspiegelte, die ihm von Nüchter unter Gewährschaft verkaufte Kuh sei jungen- und perlsüchtig und ihn dadurch veranlaßte, den ursprünglich auf 316 Mark festgesetzten Kaufpreis auf 100 Mk. zu reduziren, was nicht der Wahrheit entsprochen habe. Die Sache stellt sich jedoch in der Hauptverhandlung in einem ganz anderen Lichte dar. 3iü$ter hatte im Herbste des vorigen Jahres dem Adler eine starke Kuh um den obengenannten Preis unter Gewährschaft verkauft, als das Thier jedoch einige Tage in des Letzteren Stalle gestanden und gekalbt hatte, fieberte es und kam sehr herunter. Der Thierarzt, der gerufen wurde, um die Kuh zu untersuchen, erklärte, soweit sich dies an einem leben­den Thier feststellen lasse, sei dasselbe anscheinend perl­süchtig, Adler solle sein Gewährrecht nicht verstreichen lassen. Adler theilte darauf dem Nüchter die Ansicht des Thierarztes mit und dieser ging darauf mit dem Preis herunter. Die Kuh erholte sich später unter sorgfältiger Pflege wieder und wurde, als sie nach einigen Wochen geschlachtet wurde, für völlig gesund befunden. Nüchter, der dies hörte, gliubte, er sei betrogen worden und machte gegen Adler Anzeige wegen Betrugs. Dieser wird nach Aufklärung des Sachverhalts freigesprochen.

Jugendlicher Kirchenräuber.

Ein „vielversprechendes" Bürschchen ist der 13 jährige Wilhelm Appel von Wirtheim. Er ging am Neujahrstage nach Beendigung des Gottesdienstes in die Kirche, wo er die Sammelbüchse des „Kindheit-Jesu- Vereins" erbrach und deren Inhalt im Betrag von 7—8 Mark sich aneignete. Das Gericht diktirt ihm für diesen ersten Versuch 1 Monat Ge­fängniß.

Körperverletzung.

Im November v. I. kam der geisteskranke Jakob Eurich zu Udenhain zu seinem Schwager, dem Bauer Eckert, und erklärte diesem, er sei von seinem Bruder, dem Johann Eurich, mit seinem Schuh geschlagen worden, weil er morgens nicht habe aufstehen wollen. Der Schwager that den Geisteskranken von dem Eurich, der bei diesem feinen Einsitz hat, fort, und nahm ihn zu sich, veranlaßte auch den Bürgermeister zu einer näheren Untersuchung, denn der Geisteskranke hatte eine blutende Wunde an den Schläfen. Der Johann Eurich be­stritt, seinen Bruder geschlagen zu haben und das Schöffen­gericht zu Wächtersbach sprach ihn von der Anklage der Körperverletzung frei, da der Geisteskranke der einzige Zeuge war und das Gericht annahm, daß derselbe auch durch einen Fall oder eine andere Ursache sich die Wunde zugezogen haben könne. Der Amisanwalt legte gegenüber dem Urtheil Be­rufung ein und heute erscheint der Geisteskranke wieder als Zeuge. Er ist^ncht fest auf den Beinen und sein Zustand wird von dem Sachverständigen als kindisch bezeichnet. Der­artige Personen stellten Vorgänge ganz entgegengesetzt dar wie sie sich in Wirklichkeit verhalten. Die Strafkammer er­kennt wegen Mangel an genügenden Beweisen ebenfalls auf Freisprechung.

Viehseuchengesetz.

Der Handelsmann Katzenstein von Rhina wurde vom Schöffengericht zu Burghaun zu 10 Mark Geldstrafe verur­theilt, weil er zur Einstellung eines Viehtransports in Langen­schwarz, entgegen der Verordnung des Regierungspräsidenten zur Verhütung der Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche, nicht die ortspolizeiliche Genehmigung nachgesucht hatte. Der angeklagte Handelsmann Katzenstein wurde freigesprochen, da seine Behauptung, er sei gar nicht bei dem Transport ge­wesen, nicht widerlegt werden konnte. Die Berufung der Amtsanwaltschaft gegen dieses Urtheil wird verworfen. — Die Berufung des vom Schöffengericht wegen Vergehen gegen das Viehseuchengesetz verurtheilten Schäfers Maienschein von Altengronau wird wegen Nichterscheinen des Angeklagten ver­worfen.

Vereittsnachrichte»

für Freitag den 16. März.

Kunstverein: In der Aala der Königl. Akademie- Ausstellung von Bildern und Skulpturen.

Stadttheater in Hanau: Zum Benefiz für die Herren Kron und und Schmith: „3« Forsthause', Schauspiel in 4 Akten von Skowronneck; Anrang 7 Uhr.

Im „Deutschen Haus": Abends 8 Uhr: Vortrag des Herrn Kapitän- Leutnant a. D. Weyer aus Berlin über „Deutschlands Han­delsinteressen und die Flotte".

Eaang. Männer- und Jünglingsverein: Unterhaltungsabend (Evang. Vereinshaus,.

Deutschnationaler Handlungsgehülfen-Verband - Vereinsabend in der „Sonne".

Klub der „Harmlosen": Gemüthliche Zusammenkunft im „Frankfurter Bau.

Turn- u Fechtklub: Turnen.

Hanauer Schützenverein: Zimmerstutzenschietzen.

Bicycletlub „Hannovia"- Klubabend in der „goldenen Gerste".

Mânnerabtheilung der Turngemeinde - Turnen.

Verein für Homöopathie und Naturheilkunde: Vereinsabend in der „großen Krone".

Nadfahrerverein Hanau 1885: Klubabend im Restaurant Kippert.

Radfahrerverein Hanauer Radsport 1895: Vereinsabend im „Reftaurau Ulsamer", Römerstratze

Gesellschaft „Scharfes Eck": Vereinsabend.

Athletenklub ..Germania" : Riegenstemmen und Ringen der 1., 2. und 3. Klaffe (Restauration Wagenbach, Paradeplatz).

Für die Buren

sind bei uns weiter eingegangen:

16.— Mk., gesammelt bei Theilung der Spar- und Spiel­kasse „zum weißen Roß" in Marköbel.

Die Redaktion des „Han. Anz."

Barometerstand

am 15./3. 16./3.

mittags 12 Uhr

Sehr trocken Beständig

Schön Veränderlich

Regen (Wind)

Viel Regen Sturm

Ans der Provinz und Nnchhargehieten.

Cassel, 15. März. Am Mittwoch Nachmittag kurz vor 3 Uhr entgleiste vor der Station Warburg, auf der Eisenbahnstrecke Cassel—Hagen, vermuthlich durch den Bruch einer Weiche, ein Güterzug. Das Personenzug-Geleise mußte gesperrt werden. Ein Baurath, ein Bau-Inspektor, ein Werkmeister mit 60 Schlossern der hiesigen Eisenbahn-Werk- stütte fuhren am Nachmittag auf Anordnung der hiesigen Eisenbahn-Direktion nach der Unfallstelle Warburg ab, um das Geleise frei zu machen. Der Perssnen-Verkehr Warburg- Cassel mußte durch Umsteigen aufrecht erhalten werden. Im Laufe des Nachmittags und Abends trafen die aus dieser Richtung hin entlausenden Züge mit 50—80 Min. Ver­spätung ein.

«> Klein-Sternheim a. M., 15. März. - Der XIU P r o v i n z i a l - F e u e r w e h r t a g der Provinz totarfenburg wird dieses Jahr am 7., 8. und 9. Juli dahier abgehalten. Unsere Wehr, welche 90 aktive Mitglieder zählt, ist mit allen erforderlichen Geräthschaften der Neuzeit ausgerüstet. Vor Kurzem hat sie wieder eine freistehende nach allen Richtungen hin drehbare Leiter erhalten, die es ermöglicht in die obersten Stockwerke der höchsten hiesigen Häuser zu gelangen. Die Vorführungen dieser Leiter, nebst den in größerem Umfang geplanten Uebungen an derselben sowohl, sowie an den übri­gen Gerüchen dürften dem Fachmann und auch für jeden be­liebigen Zuschauer von ganz besonderem Interesse sein. Unsere Gemeinde wird Alles aufbieten, den Kameraden die Tage ihres hiesigen Aufenthaltes nicht allein nutzbringend zu ge­stalten, sondern es soll auch den Bedürfnissen nach gelhaner Arbeit bei frohem kameradschaftlichen Zusammensein Rechnung getragen werden.

Grotz-Steinhrim, 14. März. Die hiesige israelitische Gemeinde wird Freitag, Samstag und Sonntag das Fest der Einweihung ihrer neuerbauten Synagoge begehen. Freitag Nachmittag findet in der alten Synagoge Abschiedsgottesdienst statt, worauf dann unter Betheiligung des Stadtvorstandes und sämmtlicher Vereine der feierliche Umzug durch die ge­schmückten Straßen nach der neuen Synagoge stattfindet. Abends findet Konzert im Hofbrauhaus statt. Am Samstag ist vormittags Festgottesdienst, nachmittags und abends finden verschiedene Festlichkeiten statt.

©testen, 14. März. Einen grausigen Fund machte man gestern in einem Hause am Seltersweg. An einer schwer zugänglichen Stelle des Dachgeschosses öffnete man einen dort stehenden alten Holzkasten, in dem sich vollständig mumifizirte Leichentheile befanden. Wahrscheinlich hat früher einmal ein Mediziner im Hause gewohnt, der diese Theile zu Studienzwecken verwendet hatte.

Vermischte Nachrichten.

Thaler mutz sterben? Am Montag wurde im Reichstage in zweiter Lesung über Veränderungen des Münz­wesens berathen und dabei über die Mehrausprägung der Zehnmarkstücke und Einschmelzung der Thaler viel gesprochen. Doch war das Haus nicht beschlußfähig, was dem Thaler altem Anschein nach das Leben rettete. Ob er aber noch die dritte Lesung überleben wird, ist sehr zweifelhaft.

Hafer

-Flocken,

■Quäker,

-Grütze,

-Kerne,

-Mehl, -Cacao.

Ch. J. Lossow

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Kaffee-Zusatz erreicht, (Original-Marke in Doan.)

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Infolge seiner eigenartigen patentirten Herstellungsweise besitzt Kathreiners Malzkaffee in hohem Grade Geschmack u. Aroma des Bohnenkaffees und ist für diesen entschieden der beste Ersatz bezw.

Zusatz!

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