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Amtliches Organ für Staöl- unS Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die Sgespaltme Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklainentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

Nr. 63.

Donnerstag den 15. März

1900

Amtliches, ^anöâreiö ^anau.

Bekanntmachuugen des Königlichen Landrathsamtes.

JnßH e l l ft e i n (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau den 13. März 1900.

Der Königliche Landrath.

V 2340 v. Schenck.

Der Arbeiter Kaspar B a u s ch e r aus Nieder- d o r f e l d e n hat sich am 2. März cr. vom Grouauerhof, diesseitigen Kreises, entfernt und ist bis jetzt noch nicht zu­rückgekehrt. Die nach dem Verbleib des p. Bauscher ange­stellten Ermittelungen sind bisher ohne Erfolg geblieben; es ist daher die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß ihm ein Unfall zugestoßen ist.

Bauscher ist 58 Jahre alt, 1,62 m groß, hat einen grau gestreiften Vollbart, hat schwaches Kopfhaar und ein gewöhn­liches Gesicht.

Um Anstellung von Recherchen nach dem p. Bauscher, An­halten im Betretungsfalle und sofortige Nachricht hierher wird ersucht.

Hanau den 13. März 1900.

Der Königliche Landrath.

V 2401 v. Schenck.

^taötâreU '^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Es wird hiermit öffentlich bekannt gemacht, daß für den Stadtkreis Hanan, als Sektion der heffen- naffanischen landwirthschaftl. Bernfsgenoffen- schaft, zu Vertrauensmännern gewählt worden sind:

Für den Bezirk I, Neustadt Herr Oekonom Heinrich Seitz I, zu dessen Stellvertreter:

Herr Kunst- und Handelsgärtner Georg Henrich.

Für den Bezirk II, Altstadt

Herr Kunst- und Handelsgärtner Thomas Holzschuh, zu dessen Stellvertreter:

Herr Oekonom Heinrich Seitz III.

Hanau den 3. März 1900.

Der Sektions-Vorstand.

I. V.: Bode. 4405

Am Freitag den 16. März 1900, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rath­hauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerbe- gerichts statt, in welcher Parteien etwaige Streitigkeiten, ] Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den 12. März 1900.

Der Vorsitzende des Gewerbegcrichts. ___ Dr. Bulle. ___4406

Aufgebot.

Auf Antrag 1. der Antonie C a s si an, geb. Bissinger in Frankfurt a. M., 2. des Adolf Aumann in Berlin, vertreten durch den H e in r i ch Ca ss i a n in Frankfurt a. M. wird das Aufgebotsverfahren zum Zwecke der Todeserklärung des am 17. Juli 1838 als Sohn des Säcklermeisters Christian, Wilhelm Aumann von Hanau geborenen Friedrich, Philipp Aumann von Hanau, welcher im Jahre 1857 nach Amerika ausgewandert und seit 1863 ver­schollen ist, eingeleitet.

Der Verschollene wird aufgefordert, sich spätestens im Aufgebotstermin,

den 5. Oktober 1900, vormittags 10 Uhr, zu melden, widrigenfalls seine Todeserklärung erfolgen wird.

Alle, welche Auskunft über Leben oder Tod des Ver­schollenen zu ertheilen vermögen, werden aufgefordert, spätestens im Aufgebolstermin dem Gericht Anzeige zu machen.

Hanau den 7. März 1900.

g_________Königliches Amtsgericht, Abih. 2.___4300

Holz-Verkauf.

Königliche Oberförsterei Wolfgang.

Am Donnerstag Den 22. März 1900, von nachmittags ^2 Uhr ab, soll in der Fickert'schen Gastwirthschaft zu Oberrodenbach nachstehendes Holz und zwar aus dem Schutzbezirk Oberrodenbach, Jagen 20, 24a, 25, 30a, 31a. 32, 38c, 39b, 45a und aus der Totalität:

Eichen: 17 Abschnitte 5. Kl. mit 1,31 fm, 7 Stangen 1. u. 2. Kl., 26 rni Knüppel, 6,00 Hdt. Reis 3. Kl.

Buchen: 6 Stangen 2. Kl., 16 rm Scheit, 34 rin Knüppel, 13,20 Hdt. Reis 3. Kl.

And. Laitbl).: 4 rm Knüppel, 1,40 Hdt. Reis 3. Kl.

Nadelholz: 1) Fichten: ca. 500 Stangen 1. bis

3. Kl., 470 rm Reis 3. Kl. (Schleifhaufen),

2) Kiefern: 1 Abschnitt 3. Kl. mit 1,27 fm, j

6 rm Nutzknüppel, 19 rm Scheit, 151 rm Knüppel, i 44 rm Stockholz 1. Kt. und 113,10 Hdt. Reis 3. Kl.I öffentlich meistbietend zum Verkauf ausgeboten werden. 4402!

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 blaues Rädchen mit Sammetkragen, 1 braunes kleines Rädchen, 1 Baumleiter.

Entflogen: 1 französ. roth und weiß geherzte Täubin, 1 rothe Tümmlertaube.

Zugelaufen: 1 braun und grau gesprenkelter Jagd­hund mit braunen Flecken und braunem Kopf, m. Geschl.

Hanau den 15. März 1900.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 14. M â r z.)

Soweit heute im Reichstage die Spezialberathung der Strafgesetznovelle geführt wurde, in dem Wohnungs- und dem Arbeitgeberparagraphen, hat die Mehrheit aus Centrum und Konservativen an dem Kompromiß festgehalten. Zu dem ersteren Punkte nahm der Staatssekretär des Reichs- justizamts Dr. N i e b e r d i n g das Wort, um zu erklären, daß die verbündeten Regierungen auf die Wieder-Herstellung des Paragraphen 181 b der Vorlage den größten Werth legenund die inderzweiten Lesung beschlossene Fassung tolcriren würden. Der gegenwärtige Zustand, daß die Polizeibehörden sich außer Stande sehen, gegen Miethsverträge cinzuschreiten, die nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts als kupplerisch strafbar sind, sei unerträglich für die Gerichte, wie für die Polizeibehörden. Daß sich auf Grund des Paragraphen Bordelle entwickeln würden, sei nicht zu befürchten, weil eine Ausbeutung des unsittlichen Erwerbes bestraft werde, und weil ein Wirthschaftsbetrieb unter die Konzessionspflicht auf Grund der Gewerbeordnung falle. Die Debatte, die im klebrigen eine Wiederholung der in der zweiten Lesung ge­führten war, spitzte sich schließlich zu einer scharfen Aus­einandersetzung zwischen den Sozialdemokraten und dem Abg. Stöcker über die beiderseitige soziale Bethätigung zu, die auf Seiten der Ersteren allerdings, wie Herr Stöcker sehr treffeitd sagte, lediglich in Worten besteht. ~ Die Debatte über den Arbeitgeberparagraphen bezog sich fast ausschließlich auf die Angriffe, die der Abg. Bebel geaen das sittliche Ver­halten der ländlichen Arbeitgeber, der Gutsbesitzer und der Guisinspektoren gerichtet hatte und heute erweiterte. Die Quelle, aus der ihm seine Angaben zugeflossen sind, weigerte er sich zu nennen. Trotzdem erregte er sich darüber, daß seine Behauptungen vom Abg. Hosang als beweislose Verdächtigungen bezeichnet wurden, und er nahm für sich, i als ob ihm niemalsIrrthümer" bedenklicher Ar. nach- i gewiesen worden wären, in Änsvruch, daß man einer An­gabe, für die er die Verantwortung übernehme, ohne Weiteres glaube, worauf man ihm den Tucker-Brief in Erinnerung rief. P^^aw^^g^^^^^w^^wwnwi^^ ut^u^aBCTF^Msgawaw» ^»«.?»M»«MW

Feuilleton.

wäre und den Pfad geebnet hätte, den er gehen sollte. Noth und Leiden blieben ihm eigentlich unbekannt; mit 17 Jahren war er innerlich fertig und reif, und so mancher lyrische Erguß, der aus der Seele dieses halben Knaben stammt, hält nach Form und Inhalt noch heut die strenge Prüfung des Kunstrichters aus. In Berlin und Bonn, wo er dann erst klassische und später romanische Philologie studirte, flogen dem jungenApollino", der wie ein heiterer Götterjüngling dahin- wandclte, alle Herzen zu und selbst die spröde Dame Wissen­schaft machte ihm keine Schwierigkeiten, ihm von ihren streng gehüteten Schätzen der schönsten manche zu zeigen. Jüng­linge, die später selbst gefeierte Dichter wurden (Grosse z. B.), schwärmten für ihn, Frauenherzen schlugen für ihn; die Bluse blieb ihm hold und beschenkte ihn so reich, daß er schon als Zwanzigjähriger sein erstes Drama ver­öffentlichen konnte.

Ein Zufall machte, als er 1852 in Italien weilte, den Anfängen seiner wissenschaftlichen Laufbahn ein Ende und führte ihn ganz und für immer in die Arme der Poesie. Auch dieser Schritt, der so manchem Andern die schwersten Kämpfe gekostet hat, gelang ihm gleichsam spielend, und schon damals versprach man sich von ihni so viel, daß Maximilian, der große Kunstfreund auf Bayerns Throne, ihn 1854 nach München lud, wo er einen erlesenen Dichterkreis um sich ver­sammelte. Und NUN brachen schöne Jahre der Freundschaft, des Schaffens, des Lebensgenusses an. ImKrokodil", wo Heyse Kuustgenoffen wie Lingg, Geibel, Dahn, Schack, Scheffel, Jensen und viele Andere traf, herrschte im Wechsel des Gebens und Empfangens der frische Geist idealen Strebens, die heitere Lust künstlerisch geadelter Geselligkeit: solch' einen Künstlerkreis hat Deutschland seitdem nicht wieder zusammen gesehen. Dann wieder saß der junge Dichter im stillen Weinstübchen bei den Malern, unter denen Benelli, der Löwe, herrschte. Ueberall Schwung, Leben, Weihe;

Paul Hcysc.

Eine Studie zu seinem 70. Geburtstage, 15. März.

Von Alexander Härlin.

(Nachdruck verboten.)

Lenbachs Meisterhand hat die Züge Paul Heyses festge- halten. Es ist ein echter Dichterkopf, wie mir ihn uns wohl in schwärmerischen Jugendtagen ausmalen : voll idealen Schwunges, voller Geist unb Feinheit, faszinirend durch seine reiche Lebensfülle, doch nicht frei von jener letchten Ironie, die dem vielkundigen Kenner des sonderbaren Genus homo sapiens wohl ansteht. Die Schönheit hat körperlich und geistig ihr Gepräge auf dies Poetenhaupt gedrückt. Ja, Paul Heyse ist immer ein erlesener Liebling der großen Fee Schönheit gewesen; sie hat ihm verschwenderisch ihre drei mächtigen Zanber alle in die Wiege gelegt: betp die Schönheit in seiner Seele zu tragen unb so als ein Schön­heitsmensch durch die Welt zu gehen; den andern, die Welt im lichten Glanze der Schönheit zu erblicken, und den dritten, vielleicht stärksten, die Herzen der Menschen zu ge­winnen.

Und wunderliches Spiel des Zufalls! djes Kind der Schönheit entstammte dem nüchternen Spree-Athen, ju dessen Schutzgöttinnen ja die Grazien gewöhnlich nicht ge­rechnet werden. Die Heyses sind eine alte Philologen- familie; von feinem Vater ist ein Fremdwörterbuch noch heute weit verbreitet. So wurde Paul Heyse als der Erbe alter Bildung geboren; er wuchs in behaglichen, sicheren Verhält­nissen, in einer feinen, geistig belebten Atmosphäre auf; er entwickelte sich früh zu einem schönen, selten begabten Jüng­ling. Immer ist es, als wenn eine Fee vor ihm hergegangen

überall Abkehr von der Alltäglichkeit und Gemeinheit, und Heyse selbst trug zu dieser Stimmung nicht am We­nigsten bei.

IN diesen glücklichen Tagen entstanden seine ersten No­vellen. Sie erschienen 1855, und gleich unter ihnen sinder sich jeneLArrabbiata", die sofort als ein Meisterstück I allgemein bewundert wurde und bis heut eine der schönsten ; Perleit seiner Kunst geblieben ist. Paul Heyse har als Dichter keine Wandlungen, keine Entwickelung durchgemachr; : fertig trat er auf den Plan und ist bis heut geblieben, was er 1855 war. Er hat sich nicht verändert und er ist nickr gealtert; selbst mit grauem Haare bleibt dieser Dichterkopf jung. Die litterarischen Strömungen des Tages sind ohne Einfluß auf ihn geblieben; die Politik und ihre gewaltigen Begebenheiten in den letzten 50 Jahren haben den Spiegel seiner Poesie nicht getrübt Wo sind überhaupt die Einflüsse zu suchen, die auf unserm Dichter wirkten? Er wuchs in einem Kreise auf, in bem Goethe geradezu vergöttert wurde, und in den Jungbrunnen Gothischer Dichtung ist auch er tief hinabgetaucht : die köstliche Reinheit seiner Sprache, die feste und doch seine Plastik seiner Gestalten, die heitere Ruhe seines Geistes finb von Goethe mit beeinflußt. Bedeutend war ferner die Einwirkung der Novellisten der Renaissance, vor Allem des Boccaccio, auf ihn; sie haben ihn, kann man wohl sagen, auf sein eigenstes Gebiet, die Novelle, Hinge- leitet und seine Auffassung vom Wesen dieser eigenartigen und immer etwas schwankenden Kunstgattung fußt" ganz auf der jener Dichter. Wenn er selbst die Erzählung, die Ge­schichte oder das Abenteuer als die eigentliche Grundlage der Novelle bezeichnet, so htüpft er damit unmittelbar ân der Boccaz an.

Aber gleich in seinen ersten Novellen bat er, ganz instinktiv, den Ton gefunben, der so reckt eigentlich sein ganzes Schaffen charakterisirt und den Grundton seiner