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Amtliches Organ für StaSi- unö Lanökreis Hnnâu.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 62.
Mittwoch den 14 März
1900
Amtliches.
^anö&rew ^anaw Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter Hinweis auf die in Nr. 222 des „Hanauer Anzeiger" von 1895 ergangene Bekanntmachung vom 20. September 1895 bezüglich der Ausfälle an Einkommen- imd Ergäuzitngssteuer im Steuerjahre veranlasse ich bte Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die erforderlich werdenden Ausfall-Listen in doppelter Ausfertigung nebst Unterlagen am Schluffe dieses Monats der Königlichen Kreiskasse einzureichen.
Hanau dm 12. März 1900. Z.-Nr.f8t. 1073
Der Vorsitzende
der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.
J. V.: Valentiner, Reg.-Asfcssor.
Städtische Oberrealschulei
I. Das Schuljahr 1900/01 beginnt Montag den 23. April, vormittags 8 Uhr, mit der Aufnahmeprüfung.
II. Anmeldungen für die Vorschule und die Oberrealschule, wobei Geburts- und Impfschein vorzulcgen sind, nimmt der Unterzeichnete von Montag den 19. bis Freitag den 23. März, täglich von 10—12 Uhr, in der Anstalt entgegen.
Hanau, 12. März 1900.
Der Direktor der Oberrealschule.
Dr. Schmidt. 4228
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
G e f u n d e n t Zwei 5 Pfg.-Stücke.
Hanau den 14. März 1900.
Grundftücksberpachtung in Niederdorfelden.
Die in der Gemarkung von Niederdorfelden belegenen domainenfiskalischen Grundstücke von 52 ha 56 ar 41 qm sollen in 148 Parzellen vom 1. Januar d. J. ab nochmals anderweit auf zwölf Jahre öffentlich zur Verpachtung ausgeboten werden.
Termin hierzu ist auf Freitag den 16. dieses Monats, von vormittags 9 Uhr ab, in den SaalderHolhorft'schen Gaftwirthschaft in Nieder dorfelden anberaumt.
Auf angemessene Gebote erfolgt der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins.
Besonders bemerkt wird, daß lediglich die Einzelverpachtung erfolgt und eine Verpachtung an Konsortien gänzlich ausgeschlossen ist.
Hanau den 8. März 1900.
Königliches Domainen-Rentamt.
J. V.: Reinhardt, Regierungs-Sekretär. 3977
Tagesschau.
Zeitgemäßes zur Flottenfrage.
Die „Weser-Zeitung" veröffentlicht folgende zeitgemäße Erinnerung: „Unter heutigen Verhältnissen dürfte eine Rede, die vor mehr als einem Vierteljahrhundert, am 21. Mai 1873 gehalten ist, ein erhöhtes Interesse gewinnen. An dem genannten Tage waren Bundesrath und Reichstag in Bremen anwesend und hier brachte der bayerische Justizminister Dr. Fäustle folgenden T r i n k s p r u ch auf die deutsche Flotte:
Mein Trinkspruch gilt der deutschen Marine. Der lose Verband, der die deutschen Stämme und Landschaften früher umfaßte, hat sich nirgends unzulänglicher bewiesen, als in den Beziehungen Deutschlands zum Auslande und hinsichtlich des, Schutzes der deutschen Flagge auf dem Meere. Dank der wiedergewonnenen deutschen Einigung ist das anders geworden. Die deutsche Flotte ist wiedererstanden, ganz Deutschland betheiligt sich an ihr und es gibt auch in dieser Aufgabe keine Mainlinie mehr. M. H.! Nach unserer ganzen deutschen Entwickelung, nach unserer geographischen Lage, nach unserer Denkweise können wir vielleicht, die deutsche Nation, mit nicht minderem Recht als Andere von sich, von uns sagen: unser Reich ist der Friede. Aber wer auf dieser Welt Frieden haben will, der muß stark sein, deshalb streben wir eine starke Seemacht an, die sich entfalte, wie es die deutsche Landmacht in den jüngsten Kriegen dank ihrer vortrefflichen Führung (Bravo) bewiesen hat. M. H., civis romanus sum, das war der Stolz des Römers, dieses nationale Hochgeffihl auf den deutschen Bürger zu übertragen, das muß unsere Losung werden, wenn wir vorwärts kommen wollen, und dazu muß uns die deutsche Seemacht die Wege bereiten. Ich lade Sie ein, die Gläser zu leeren auf ein rasches Aufblühen der deutschen Seemacht, auf eine kräftige Entfaltung, sieg- und ehrenreiche Zukunft der deutschen Marine, sie lebe hoch."
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 13. März.)
Auf der Tagesordnung steht die dritte Berathung der Novelle zum Strafgesetzbuch, betr. Verschärfung der Kuppelei- u.s.w.-Paragraphen, der sogenannten Lex Heinze.
Ein Kompromißantrag der Abgg. Graf Bernstorff -Lauenburg ZsRp.), Himburg (k.), Dr. Oertel-Sachsen (t), Dr. Stockmann (Rp.) und Roeren (Z.) verlangt die Streichung der in zweiter Lesung angenommenen §§ 182 und 182 a, welche die Heraussetzung der Schutzgrenze für Mädchen von 16 auf 18 Jahre und verschärfte Bestrafung von Arbeitgebern für unsittliches Verhalten ihren weiblichen Angestellten gegenüber, ferner für die §\S 184 a und b folgende neue Fassung fordern: 184a: „Mit Gefängniß bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 600 Mk. wird bestraft, wer Schritten, Abbildungen oder Darstellungen, welche, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzen, 1. zu geschäftlichen Zwecken an öffentlichen Straf en, Plätzen oder an anderen Orten, die dem öffentlichen Verkehr dienen, in Aergerniß erregender Weise ausstellt oder anschlägt; 2. einer Person unter 16 Jahren gegen Entgelt überläßt oder anbietet —". 184 b: „Wer innerhalb öffentlicher Schaustellungen, Aufführungen oder Vorträgen von Gesangs- nnd sonstigen Unterhaltungsstücken öffentlich ein Aergerniß gibt durch eine Handlung, welche, ohne unzüchtig zu sein, das Schamgefühl gröblich verletzt, wird mit Gefängnißstrafe bis zu einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu 1000 Mk. bestraft." — Nachträglich wird von den Antragstellenr der Eingang des § 184 b dahin geändert: „Wer in öffentlichen Vorträgen von Gesangs- und sonstigen Unterhaltnngsstücken oder innerhalb öffentlicher Schaustellungen oder Aufführungen öffentlich ein Aergerniß gibt u.s.w."
In der Generaldiskussion tritt Abg. Roeren (Z.) zunächst dem Vorwurf entgegen, daß die Antragsteller die Anträge bis heute geheim gehalten hätten, um den Reickstag zu überrumpeln. Der Text sei erst jetzt festgestellt worden und cs sei allgemein üblich, solche Abänderungsanträge nicht lange vor der Sitzung zu veröffentlichen. Wie wichtig ein solches Gesetz sei, habe ihm gerade die große Zahl von unflätigen und frivolen Zuschriften gezeigt, die ihm nach der zweiten Lesung zugegangen seien. Man habe gegen die Beschlüsse zweiter Lesung eine heftige Protestbewegung eingeleitet und in der Versaminlung habe sich gezeigt, daß die Redner Professor Eberlein, Schauspieler Nissen und Schriftsteller Sudermann wohl viel von Knebelung der Kunst u.s.w. zu erzählen wußten, von dem Text der im Reichstage angenommenen Paragraphen aber überhaupt gar keine Ahnung hatten. Keiner der Redner habe auch nur den geringsten Beweis dafür erbracht, daß die Kunst durch die beiden
Feuilleton.
Moderne Frühjahrsübcrllkidcr.
Bearbeitet und mit Abbildungen versehen von der Internationalen Schnitt- manufaktur, Dresden. Reichhaltiges Modenalbum und Schuittmuiterbuch für 50 Pfennig daselbst erhältlich.
Nicht zum ersten Male hört man von einem allgemeinen Umschwung im Reiche der Mode reden, und geheimnißvoll deutet man auf die Eröffnung der Pariser Weltausstellung hin, welche uns große Ueberraschungen bringen soll. Skeptische Naturen wollen nicht so recht daran glauben und so entsteht in Erörterung des Gegenstandes ein Für nnd Wider, welches schon an sich interessant ist. Betrachtet man die letzten Modelle maßgebender Kreise, so kommt einem der Gedanke von einem „DoUftaubigen Umschwung" gar nicht so unwahrscheinlich vor, denn man höre und staune, die neuesten Modelle, im Besonderen die Pariser Modelle haben keine Taille mehr! — Zumindest vorn ist die grüßte Anzahl der neuen Ball- und Straßenkleider lose fallend, während der Hintere lose Fall nur vereinzelt und dann in Form einer, von der Mitte des Rückens ausfallenden Watteaufalte auftritt, was aber eben nur für ticfausgcschnitteue Gesellschaftstoiletten im Stile Madame Saus Gène möglich ist. Bei den übrigen Toiletten wird der Hintere Anschluß größtentheils durch ein kurzes Figarojäckchen erreicht.
Ob dies Alles nun nur eine vorübergehende Modelaune ist, welche nur an einigen wenigen capriziösen Toiletten zum Ausdruck kommt, oder ob es in der That einen vollständigen Umschwung der Damenmode bedeutet, entzieht sich vorläufig unserer Beurtheilung ; Thatsache ist jedoch, daß schon jetzt die äußere Gestalt der deutschen eleganten Frauenwelt auf der Promenade die Annahme des „Für" mehr berechtigt erscheinen
läßt, als die des „Wider". Ich denke dabei an den modernen Sackpaletot. Schon den ganzen Winter über hat man ihn in den verschiedensten Variationen sehen können. Lang, kurz, hell, dunkel, einfach im Tailor-made-Genre, oder im französischen Geschmack mit Volants und Applikationen und last not least gutsitzend, sehr chic nnd schneidig oder auch ganz verunglückt, ein Ausbund von Häßlichkeit und das Gegentheil von Grazie. Ja, man sollte es eigentlich kaum glauben, daß ein Kleidungsstück von so einfachem Schnitt, wie der Sackpaletot, so viel Verschiedenheit aufweisen kann. Dies kommt vielleicht eben gerade von der Einfachheit des Schnittes her, denn sobald derselbe von Anfang an nicht ganz korrekt ausfällt, läßt sich eben wenig mehr damit anfangen. Der Aplomb, der gute Fall ist dabei die Hauptsache m und daß der Mantel nicht. zu viel Weite
in der Taille aufweist und nicht zu wenig
am unteren Rand, ist das andere wichtige Erforderniß. Die nur noch ein Bolerojäckchen werden ließe, anderen Dinge, wie Farbe unb Ausstattung, Länge und Ver- Dabei kann man eigentlich nicht sagen, daß schiedenheit des Schnittes in Bezug auf Kragen, unteren - diese Jackels nicht hübsch wären, denn ge- Rand und bergt ist lediglich Geschmacksache. Für jugendliche - rabc der knappe Anschluß im Rücken und Damen am beliebtesten sind ohne Zweifel die einfach glatten das kurze geschweifte Schößchen sehen uuge= Paletots in dreiviertel Länge und Tailor-made-Genre, wie i mein fesch aus. Erhöht wird dixser Ein- ihu unser Modell Nr. 768 darstellt. Derselbe ist nur mit-druck dadurch, daß die Schößchen immer mehreren Steppreihen verziert und im klebrigen ganz im' irgend eine hübsche Schweifung oder bergt Genre der Herrenmäntel gehalten. Diese Art der PaictoiS aufwciscn, welche, wenn auch in sich variiri, gehört auch immer noch zu den solideren Formen, denen die doch, stets dieselbe Grundform Mweisen, Bizarrerie wenig anhaben kann. Diese macht sich desto mehr nämlich vorn und hinten lang und an der Modell Nr. 169.
Modell Nr. 772.
an den reichgarnirten Mänteln geltend, denen sie durch Applikarionen und Spitzenauflagen, phantastische Stickereien, Volants-, Kapuschöns und Revers in phantastischen Formen, ja selbst durch gesteppte nach unten ausspringende Falten ein auffälliges, hpper- modernes Gepräge verleiht.
Doch wozu sich mit derartigen Phantasie- gebilden beschäftigen, welche doch nur für einen winzigen rhcit der Frauenwelt Wirk
lichkeit bedeuten. Gibt es doch noch genug realere Formen, welche der Berichterstattung werth sind, denn ungeachtet der Beliebtheit doch nur einen
ber Sackpaletots bilden sie Bruch theil der Frühjahrsmode in Ueberkleidern, welche merkwürdigerweise
das gerade Gegentheil der Sackpaletots sind. Wenn jene lang und weit sind, so sind
diese, die modernen Jackels, kurz und knapp. Ja, man kann sagen bis an die Grenze des Möglichen, denn die modernen Schöße sind so kurz, daß ein Mehr ans dem Jäckel nur noch ein Bolerojäckchen' werden ließe.