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Amtliches Organ für Staöt- unö LanSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 58.
Freitag den 9. März
1900
Amtliches.
^anö&rew ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Unter dem Rindvieh und ben Schafen zu Spielberg (Kreis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Hanau am 7. März 1900.
Der Königliche Landrath.
V. 2177 v. Schenck.
i entfernt imstande ist, den Bedarf unserer Industrie an Gerbstoffen zu decken, so handelt die Regierung nur pflichtgemäß, wenn sie dem Drängen einzelner landwirthschaftlicher Kreise auf Verhinderung der Einfuhr solcher Stoffe durch hohe Schutzzölle Widerstand leistet. Die Pflicht der Regierung ist es, ausgleichende Gerechtigkeit zu üben und gleichmäßige Fürsorge walten zu lassen, und je mehr sie dieser Pflicht nachkommt, desto vollkommener erfüllt sie die Aufgaben, die im Wesen des Staates liegen.
In Oberissigheim ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Die für einzelne Gehöfte noch bestehende Sperre wurde aufgehoben.
Hanau, 9. März 1900.
Der Königliche Landrath.
V. 2190 v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: Eine fast neue Fahrradlaterne, ein Abschlagszahlungsbuch ohne Umschlag.
Hanau den 9. März 1900.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 8. M ä r z.)
Preußen auch noch haben, daß man nicht amtlich vor dem Umgang mit uns warnt und uns wie Aussätzige behandelt. Abg. Porsch (Ztr.) entgegnet, der Vorredner brachte einseitige Behauptungen von zwei Leuten vor; er halte die Untersuchung für geboten. Wir würden es entschieden mißbilligen, wenn in beiden Fällen der Verkehr mit Evangelischen als solcher maßgebend war. Jedenfalls dürfe man aus solchen Einzelfällen nicht auf die Allgemeinheit schließen. Ein evangelischer Lehrer, der eine katholische Frau hat, dessen Kinder aber evangelisch waren, wurde in einen evangelischen Ort Niederschlesicns »ersetzt. Ein Superintendent, der gleich- - zeitig Kreisschulinspektor ist, theilte ihm mit, cs sei nicht ■ angängig, daß er evangelischen Kindern Religionsunterricht
Das F l e i s ch b e s ch a u g e s e tz kam heute im Reichstage i ertheile ; wenn seine Frau nicht binnen vier Wochen evangelisch zur zweiten Berathung. Eine stärkere Frequenz im Hause : würde, könne er die Stelle nicht erhalten. Die Frau wollte und auf den Tribünen bekundete das der Verhandlung zuge- nicht; der Lehrer erhielt die Stelle nicht. Dies ist doch ein wandte Interesse. Am Dundesrathstische wohnten Grast viel krasseres Beispiel von Intoleranz. Auch die Worte des Posadowsky, Frhr. v. R i ch t h o f e n, der Präsident' Professors Bevschlag-Halle sind nicht gerade sehr entgegen-
Landwirthschaft und Regierung.
Von einzelnen Wortführern in laxdwirthschaftlichen Versammlungen wird zuweilen die Behauptung ausgestellt, die gegenwärtige Regierung hätte kein Herz für die Landwirthschaft und ließe es bei schönen Worten bewenden. Das Unbegründete derartiger Behauptungen wird aber sofort deutlich, wenn man einzelne der am lautesten und häufigsten erhobenen Forderungen näher ins Auge faßt. Es zeigt sich dann sofort, daß diesen Forderungen entweder bereits in wesentlichem Maße Genüge geschehen ist, oder aber daß dieselben in der Sonder-Berücksichtigung der Landwirthschaft zu weit gehen, um von dem Standpunkte des allgemeinen Staatsinteresscs und Staatswshles aus gebilligt werden zu können.
So wird beispielsweise wieder und wieder die Beschaffung billigen Kredits für den ländlichen Mittelstand verlangt. Nun ist aber doch gerade auf diesem Gebiete unter der Ministerpräsidentschaft des Fürsten Hohenlohe ein äußerst wichtiger Schritt gethau worden. Es wurde die Centralkasse für Genossenschaftswesen ins Leben gerufen und mit reichem Kapital ausgestattet. Infolgedessen genießt der landwirth- schaftliche sowie der gewerbliche Mittelstand Kredit nicht nur zu den seinen wirthschaftlichen Bedürfnissen entsprechenden längeren Fristen, sondern auch selbst in Zeiten, in denen der Zinssatz der Reichsbank sprungweise bis 7 und 8 Prozent stieg, zu dem im Voraus feststehenden mäßigen Satze von 3^2 Prozent.
Ein weiteres Verlangen richtet sich auf die durchgreifende Reform der Produktenbörse. Auch diesem Verlangen ist bereits in hohem Grade stattgegeben worden. So entschieden gingen im landwirthschaftlichen Interesse die leitenden Staatsmänner gegen Mißbräuche auf dem Gebiete der Produkten- Börse vor, daß die börsenfreundlich und manchesterlich gesinnten Kreise nicht genug zu klagen wußten und deut Minister für Handel und Gewerbe die Bezeichnung als Minister „gegen den Handel" beilegten. Was ferner das noch nicht erledigte Fleischbeschau - Gesetz anlangt, das ebenfalls recht häufig zum Gegenstände von Beschwerden und Vorwürfen gemacht worden ist, so hat der Reichskanzler ausdrücklich das Versprechen abgegeben, daß „selbstverständlich gegenüber der ausländischen Einfuhr von Fleischwaaren mindestens gleichwerthige hygienische Vorsichtsmaßregeln zur Anwendung gelangen werden wie gegenüber den inländischen Erzeugnissen gleicher Art". Zur Beseitigung der Leutenoth sodann sind seitens der staatlichen Betriebs- und Gefängniß-Verwaltungen die von den landwirth- schaftlicheit Vertretern gewünschten Anordnungen getroffen wordeit. Im Reiche mürben die geforderten Maßregeln znr Verhütung von Mißbräuchen des Gesinde-Vermiethungswesens beschlossen. Endlich sind gesetzgeberische Maßnahmen zur Einschränkung des Kontraktbruches in Aussicht gestellt, kurz, wohin man blickt, überall zeigt sich die gegcitwärtige Regierung eifrigst bemüht, ihre Fürsorge für die Landwirthschaft durch die That gu beweisen.
Freilich findet diese Fürsorge, wie schon eingangs bemerkt, ihre Schranken an dem allgemeinen Staatsinteresse, mit dessen Wahrnehmung die Regierung betraut ist. Wenn beispielsweise in der Frage des Quebracho-Zolles sorgfältige Erhebungen festgcstellt haben, daß der deutsche Eichenschälwald nicht
des Reichsgesundheitsamts und Vertreter einzelner Bundesstaaten der Berathung bei, ohne in die Debatte einzugreifen, die sich im Wesentlichen um die in den Agrarfragen bestehenden Gegensätze bewegte. Das von der Kommission im § 14 beschlossene Fleischeinfuhrverbot wurde von den Rednern der freisinnigen Parteien (Abgg. Frese und Beckh), der süddeutschen Volkspartci (Hoffmann- Hall) und der Sozialdemokraten (Abg. Wurm) von dem bekannten Standpunkte aus bekämpft, daß diese Maßregel weniger im hygienischen als im „agrarischen" Interesse vorgeschlagen werde und eine Vertheuerung der Volksernährung bezwecke oder doch zur Folge haben würde. Die Sozialdemokraten begnügten sich nicht damit, sich des amerikanischen Fleisches anzunehmen, sondern beantragten zugleich, die Kontrole auf die Hausschlachtung auszudehnen, worin sie die Volksparteien unterstützten. Während der sozialdemokratische Redner sich indessen in den Grenzen verhältnißmäßiger Sachlichkeit hielt, vertrat Herr Frese den Kommisfionsbeschlüssen gegenüber die Interessen des 'Handels und der Schifffahrt in einer so maßlosen Weise, daß ein späterer Redner mit Recht sagen konnte, diese Rede sei der Sache, der sie dienen wollte, nicht nützlich gewesen. Die Wendung: „Ausbeutung der Arbeiterbevöl- kcrung", die der freisinnige Vertreter Bremens nicht verschmähte, bedarf keiner sachlichen Kritik, aber die Behauptung, daß man durch den Kampf gegen das amerikanische Fleisch einen wirthschaftlichen Krieg Hervorrufen würde, der einen I vcrhängnißvollen wirthschaftlichen Niedergang Deutschlands j zur Folge haben, seinen Handel lähmen und die deutsche Schifffahrt ernstlich gefährden würde, ist, wenn nicht tendenziöse Schwarzmalerei, zum mindesten ein Appell an die Furcht, von dem man nur wünschen kann, daß er in Amerika nicht irrige Ansichten über die Entschlossenheit Deutschlands, sein Recht in wirthschaftlichen Dingen zu wahren, bestärken möchte. Demgegenüber war es allerdings berechtigt, wenn Graf K l i n ck o >» st r ö m mm einer wirthschaftspolitischen Angstmeierei sprach, und wenn der Abg. H o l tz den selbstverständlichen Satz in Erinnerung brachte, daß eine starke Nation wirthschaftliche Fragen vom Standpunkte des eigenen Interesses zu behandeln hat. Der nationalliberale Abg. Sieg trat der Kommission bei; ebens» die Centrumspartei, für die der bäurische Abg. Gerstenberger sprach. Diese „agrarischen" Redner sprachen die Ueberzeugung aus, daß die deutsche Landwirthschaft im Staude sein würde, nach dem Eintritt des Einfuhrverbots, der nach dem Kommissionsvorschlage in vollem Umfange erst mit dein Beginn des .Jahres 1904 erfolgen soll, den Flcischbedarf Deutschlands zu
decken, und daß sic dies ohne erhebliche Steigerung des Fleischpreises' thun würde. Nachdem auch der Antisemit V i e l h a b e n für die Kommissionsbeschlüffe gesprochen hatte, wurde die weitere Berathung auf morgen
vertagt.
Preußischer Landtâg. Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 8. März.)
Die Abgeordneten setzten die Berathung des Kultus- etats fort? Abg. Beumer (ntl.) führt zwei Fälle an, wo katholischen Lehrern der Berkehr mit evangelischen Kollegen untersagt wurde; der eine wurde bei der Rcktorwahl übergangen, weil er seiner 16 jährigen Tochter nicht den Verkehr mit den Töchtern eines evangelischen Lehrers verbieten wollte. Es wurde ihm von dem Rektor bedeutet, daß sein Verkehr mit Evangelischen zum Diinbeften auffällig sei. Das müsse aufhörcn; wenu dann so zwei bis drei Jahre ein Beweis des ernsten Strebens gegeben werde, werde er weiter kommen. Redner schließt, soviel Recht werden wir Evangelischen in
: kommend, welcher sich in seiner Denkschrift zur Flottenfrage über das Zentrum, den Papst und die katholische Kirche : ausspricht, daß man es von den Katholiken nicht verdenken kann, wenn sie den Verkehr mit solchen Leuten «blehnen müssen. Abg. Jazdzewski (Pole) wiederholt seine Klagen über die Unterdrückung des polnischen Unterrichts. Man fördere doch die Kultur des Landes nicht dadurch, ’ daß man seine Sprache und die nationale Kultur unterdrücke. Kultusminister v. Studt weift entschieden die Urtheile zurück, die der Vorredner über das Vorgehen der Regierung gefällt habe. Er sprach sogar von einer Tyrannei, wo es sich um wohlerwogene Regierungsmaßnahmen handelt. Eine Einigung mit den Polen ist ausgeschlossen, solange der jetzt herrschende Einfluß maßgebend ist. Die loyale Haltung des Abg. Jazdzewski ist rein persönlich. Die Polen und die polnische Presse sehen in den Deutschen den widerwärtigsten Feind, den man nur mit Verachtung behandeln kann. Ich kann nur versprechen, daß die Regierung von dem Boden des Rechts keinen Schritt abweichen und jegliche Chikanirung vermeiden wird. Er müsse auf das Entschiedenste betonen, daß die Regierung auch die Verpflichtung zum Schutze der deutschen Katholiken habe, er verwahre sich dagegen, daß er irgendwelche Verordnungen in Polen erlassen habe, wofür er keineVcrsntwortung habe. Er sei fürAlles allein »erantwortlich. — Abg. Friedberg (natl.) führt aus: Dr. Bosse gebühre der wärmste Dank für seine Amtsführung; wenn auch der l Abg. Jazdzewski und die ihm nahestehenden Kreise anderer Ansicht sind. Er wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Porsch. In den von dem Abg. Beumer aufgeffihrten Fällen erwies sich die Regierung in Düsseldorf jedenfalls nicht stark genug. Professor Beyschlag schied in seiner Broscküre ausdrücklich Katholizismus vom Ultramontanismus. Wenn andererseits ein evangelischer Professor an einer lutherischen Universität wie in Halle seinen Gefühlen freien Ausdruck gibt, so könne man sich nicht wundern. — Abg. Porscb (Ctr.) tritt den Ausführungen des Abg. Friedberg entgegen. Bei unangenehmen Maßnahmen gegen uns sagt man immer, wir meinen ja nicht die katholische Kirche, wir meinen den Ultramontanismus. — Abg. Barth (fr. Vgg.) kommt auf den Fall Arons zurück. Die Haltung Arons war nach den Zeugnissen innerhalb und außerhalb tadellos. Die Bekundung der politischen Gesinnung erfolgte ebenfalls in einer Weise, die bei keiner Stelle Anstoß erregte, so sagte die Fakultät. Was ist nun der Grund für die höchstmögliche Disziplinarstrafe? Nur der Umstand, daß er zur sozialdemokratischen Partei hinneigt. Es sei eine Verletzung des Rechtszustandes, daß ohne das Vorhandensein einer rechtlichen Verordnung eine Partei wie die Sozialdemokratie von der Regierung boykottirt werde. — Abg. Graf Limburg-Stirum (kons.) flirrt aus: Die Sozialdemokratie, welche sich gegen die Grundlagen des Staates und der Religion richte, müsse anders behandelt werden wie die aitdcrcn Parteien. Er könne die Gleichberechtigung der Sozialdemokratie nicht anerkennen. Wenn sie wirklich so thue, als ob sie mit friedlichen Mitteln das Ziel erreichen wolle, könne man sich doch darüber nicht hiinvcgläuschen, daß sie, sobald sie stark genug ist, mit anderen Mitteln Vorgehen werde. Es wäre ein Beweis der Schwäche der Regierung, wenn sie aus bloßer Furcht davor einen Feind mehr zu bekommen, eine staatsrechtlich für nothwendig befunbene Maßregel unterlasse. Daß sich die Sozialdemokratie ruhig wieder in das Staatswesen einstige. kann nur der Fall sein, wenn wir den Wünschen der Arbeiter cnt- gcgenkommen, andererseits sei. die Sozialdeniokratie auf das Schärfste zu bekämpfen. — Abg. Schaube (st.-konsU erklärt Namens der Freikonscrvativcn sich mit dem Abg. Omar Limbnrg-Stirum einverstanden und bedauert aufs Tiefste, daß