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Nr. 57.
Donnerstag den 8. März
1900
Amtliches.
^Lanö&rew ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Nach einer Mittheilung des Königlichen Polizei-Präsidiums zu Fran kfurt a. M. ist unter dem Viehbestand des Guts- pächters Bartmann daselbst die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 6. März 1900.
Der Königliche Landrath.
V 2120 v. Schenck.
Die Firma Müller u. Will in Ravolzhausen beabsichtigt ihre auf dem Grundstück Karte G Nr. 621/389 re. in der Gemarkung Ravolzhausen errichtete Dampfziegelei und Falzziegelfabrik durch den Anbau eines Prefsenhauses zu erweitern.
Es wird dieses in Gemäßheit der Vorschriften der Reichs- Gewerbe-Ordnung mit dem Bemerken veröffentlicht, daß etwaige Einwendungen gegen die neue Anlage, deren Zeichnungen im Sekretariate des Kreisausschusses hierselbst — Zimmer 22 — zur Einsicht ausliegen, innerhalb 14 Tagen mündlich oder schriftlich bei mir angebracht werden können.
Zur Erörterung der rechtzeitig eingehenden Einsprüche wird Termin auf
Donnerstag den 22. März d. I., vormittags 9 Uhr, in das oben erwähnte Geschäftszimmer anberaumt, wozu die Betheiligten hiermit eingeladen werden.»
Hanau den 3. Marz 1900.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
A 890 v. Schenck. : 3901
Die Russensteinfabrikanten Gebrüder Heinrich und Wilhelm Altvater in Ost heim beabsichtigen die auf dem Grundstück Karte 26 Nr. 155/22 der Gemarkung Ostheim konzessionirte Ziegelei in eine solche mit Dampfbetrieb umzuändern und dortselbst eine Maschinenhalle zu errichten.
Die Zeichnungen zur neuen Anlage liegen im Sekretariat des Kreisausschusses zur Einsicht aus.
Einwendungen können innerhalb 14 Tagen, vom Tage der Veröffentlichung ab gerechnet, bei mir erhoben werden.
Zur Erörterung der rechtzeitig eingehenden Einsprüche steht Termin am
Donnerstag den 22. März d. I., vormittags 9 Uhr, im oben erwähnten Geschäftszimmer an, wozu die Betheiligten eingeladen werden.
Später angebrachte Einsprüche werden nicht berücksichttgt. Hanau den 3. März 1900.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses.
A 834 v. Schenck. 3900
Bekanntmachung.
Die beim hiesigen Justizgefängnisse entstehenden Abfälle von 17000 Kilogramm Kartoffeln, das Küchcngespül und zirka 60 Kilogramm Knochen, sowie die Asche und der Kehricht sollen an den Meistbietenden für die Zeit vom 1. April 1900 bis 31. März 1901 vergeben werden.
Unternehmungslustige wollen ihre Angebote verschlossen mit der Aufschrift „Angebote auf Küchenabfälle, Asche und Kehricht" bis 3um Samstag den 24. März 1900, mittags 12 Uhr, an den. unterzeichneten Gefängniß-Vorsteher einreichen.
Die Bedingungen sind vorher im Dienstzimmer der Königlichen Staatsanwaltschaft Nr. 13 einzusehen.
Hanau den 5. März 1900.
Der Erste Staatsanwalt.
P i n o f f. 3860
Handelsregister.
Die Firma August Kohlhepp jun. in Hanau soll von Amtswegen gelöscht werden. Ihr Inhaber, der Bijouteriefabrikant August Kohlhepp jun. aus Hanau, wird deshalb aufgefordert, einen etwaigen Widerspruch spätestens am 30. Juni 1900 geltend zu machen.
Hanau den 3. März 1900.
Königliches Amtsgericht, Abth. 5. 3874
Handelskammer zu Hanau.
Musische PlemßtzW am Freitag den 9. März 1900, nachmittags 4’/» Uhr, im Bureau der Handelskammer (Stadtschloß.) Tagesordnung.
1) Ministerialerlasse.
2) Mittheilungen.
3) Der Jahresbericht für das Jahr 1899.
4) Der Etat für das Jahr 1900'1901.
5) Die Neuordnung des Deutschen Handelstages.
6) Der Entwurf einer neuen Anordnung des deutschen' Zolltarifes.
7) Der Entwurf eines Gesetzes über die Einführung einer; besonderen Besteuerung der Waarenhâuser.
8) Der Entwurf eines Gesetzes über den Verkehr mit Wein
9) Erschwerungen in dem Handelsverkehre mit Brasilien.
10) Österreichischer Zoll auf Goldwaaren.
11) Errichtung deutscher Handelskammern im Auslande.
12) Neuer Entwurf über Vorschriften für die von den gesetzlichen Handelsvertretungen beeidigten Handelschemiker.
13) Anträge des Verbandes kaufm. Vereine zur Berufs- und Arbeitslosenstatistik.
14) Gebührenordnung für Revisoren bei Gründung von Aktiengesellschaften.
15) Die Besetzung des Sekretariates.
Die Handelskammer. 3858
Canthal.
Der Sekretär: Steller.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 2 Ortskrankenkassenmarken â 60 Pfg., 1 blaue Druckschürze.
Verloren: 1 goldenes Kinderarmband mit Herzchen, 1 brauner Krimmerhandschuh mit Lederbcsatz.
Zugelaufen: 1 schwarze, engl. Setthündin, 1 Foxterrier, weibl. Geschl., bei Karl Kaufmann Wwe., Rückingen.
Entlaufen: 1 Foxterrier, Hündin, weiß mit schwarzem Kopf, hört auf den Namen Lady.
Hanau den 7. März 1900.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 7. M ä r z.)
Das Gesetz über die K o nsul a r g er i ch t s b ark e i t wird in dritter Berathung en bloc angenommen.
Einige Rechnungssachen werden debattelos erledigt.
Sodann wird die zweite Berathung der R e i ch s s ch u : den - Ordnung fortgesetzt. — Von dieser waren neulich die §§ 2 und 16 an die Kommission zurückoerwicsen worden, und diese beantragt unveränderte Annahme ihrer früheren Be- schlüsse, was auch geschieht. — Es folgen Kommissionsberichte über Petitionen. Leber eine Petition, um Zulassung der Frauen zur I m m a t ri kul at i o n auf d en Un i- versitäten und zu den Staatsprüfungen beantragt die Kommission Uebergang zur Tages orduung. Abg. Schrader (fr. Vg.) beantragt dagegen, die Petition dem Reichskanzler mit dem Ersuchen zu überweisen, eine Vereinbarung der verbündeten Regierungen herbeizuführen, nach welcher diejenigen Frauen zum Besuche der sämmtlichen Vorlesungen an deutschen Universitäten zuzulaffen sind, welche die in dem Beschlusse des Bundesraches vom 24. April 1899 verlangte Vorbildung Nachweisen.
Feuilleton
Die zweite diesjährige Ausfüllung Hanauer Kunstvereins.
hält, und ihr strahlendes Gesicht lassen sogar vermuthen, daß : sich betrachtet, ein Verehrer mit ihr redet, der ihr soeben dies f’
„alter Tiroler", drei Porträts von Hanauer
Liebeszeichen überreicht Hai. Der junge Tiroler dagegen hinter dem Fenster scheint wenig Nottz von seiner lieblichen Nachbarschaft zu nehmen. Er ist eifrig daran, die Pfeife wieder in Brand zu bringen. Von wunderbarer Treue ist der Beleuchtungsunterschied zwischen den Theilen des Wagcnabthcils, die man durch das Fensterglas sieht, und
Kindern und endlich ein Selbstporträt des Malers, dessen
Werke uns in dieser Ausstellung erfreuen.
Nächstdem möchten wir zunächst ein eigenartiges Bild von G. H. Engel in Berlin erwähnen, Darstellungen »on der deutschen Küste oder „von der Waterkant", wie der Künstler sie nennt. Es sind drei Bilder in einem großen, als Triptychon gedachten Rahmen. Zunächst sehen wir links ein Seestück an der Küste mit Fischerbooten auf be-
Nach einer nur kurzen Pause ladet der Hanauer Kunst- verein zur Besichtigung einer neuen Ausstellung ein. Im Mittelpunkte des Interesses steht diesmal die Sonderausstellung von Werken des Malers Friedrich Prölß in München. Wenn er auch nicht Oberbayer oder Tiroler von Geburt ist, so hat er sich doch so in das Wesen seiner Adoptivlandsleute vertieft, mit so viel hingebender Liebe ihre Art studirt, ihre kleinen Eigenthümlichkeiten so treu belauscht, er versteht sie in so schöner, edler Zeichnung, in solch zartem und doch nicht schüchternem Farbenglanz wiederzugeben, daß er einem Defregger sich ebenbürtig an die Seite stellt, ohne durch Wiederkehr bestimmter Typen den Beschauer zu ermüden. Und was noch mehr ist, er weiß auch für den Nichtttroler die entsprechend lebenstreue Charakter maske des biederen Gebirgsbewohners ausfindig zu machen, hat er es doch verstanden, einen frischen Hanauer Jungen bei porträtähnlicher Treue der Gesichtszüge' in ein»?kecken tiroler Gais- bub ober kleinen Jäger zu übersetzen, den gewissenhafte», 8u »cuvi^iytu.
ernsten Hanauer Fabrikherrn in dem Genrebild „Wein- ? meisterhaft darzustellen weiß. Das zeigt sich and in dem probe" sogar in einen österreichischen Grenzjäger zu uer Bilde „lesender Tiroler". Die halbgeschlossenen Läden, die wandeln! " ■ Hemdärmel, das Taschentuch, mit dem sich der Lesende wohl
Wir nennen von seinen größeren ausgestellten Bildern i die Schweißtropfen abgewischt hat, lassen vermuthen, daß draußen vor allem das Bild „Im Eisenbahnzug".' Zwei reizende' grelle Hitze den Heurigen kocht. Wir nennen noch neben diesen tiroler Mädchengesichter schauen aus dem geöffneten Eisen-!Bildern „die dicken Freunde von Mittenwald", irwei ober- bahnfenster 3. Klasse heraus. Sie plaudern und scherzen bayerische Bauern in der Sch-'s" offenbar mit Bekannten, die am Perron stehen. Das frische darunter einen „Seppl", die „geschmückte Braut", L« .......— ...... ««««v« t«u «k«^,^» v;>...... .....
Blumensträußchen, welches das eine Mädchen in der Hand Handspiegel, dessen Licht auf das liebliche Gesicht zurückitrahlt, melde die Bevölkerung der Küue bariteUen. Unter Olt
denen, die durch das geöffnete Fenster sich zeigen. Von
hervorragender Schönheit ist auch das Bild, das uns eine; wegten Wellen bei trübem, unruhigen Wetter in Abend- beleuchtung. In der Mitte blicken wir von dem etwas er
einfache Bauernfamilie „beim Mittagsmahl" zeigt. Aus
den Kindergesichtern leuchtet die ^elle Freude über das Mahl,
das der Vater aus der Schüssel soeben vorlegt. „Am
Sonntag" stellt eine alte Bauersfrau dar im Zimmer, dessen Fenster mit Blumen besetzt und theitweise mit Gardinen be-
hangen sind, wie sie in ihrem Erbauungsbuch lieft, „Frühstück" eine junge Bäuerin, die ihr frisches Kind, das vor ihr auf dem Tisch 'sitzt, füttert, „auf Schloß Warth" versetzt uns in ein Zimmer mit zwei Bauernmädchen, die eifrig die kleine" Photographie eines jungen Burschen — wie es scheint in Uniform - betrachten und i
dem Licht, das zu den Erkerfenstern hereinströmt, beleuchtet werden. Prölß scheint das gebrochene Licht, das zu den mit Läden verstellten Fenstern hereinschcint, für feine Bilder zu bevorzugen. Man muß gestehen, daß er cs
höhten Gestade aus über eine Grasstäche nach de« Meere hin. Der Horizont vor uns liegt noch im Morgengrauen, über uns erstrahlt die Luft schon im Sonnenglanz, dessen Wirkung wir auch auf dem Wasser wahr- nehmen. Dieses Bild ist in großen, ziemlich gleichartigen Flächen ohne Vortreten von Einzelheiten, fast in der An einer Dekorationsmalerei hingeworfen, und doch ist es von
großartiger Wirkung, weil es eben getreu die Natur wicdcr- gibt. Wer je die See ktirz nach Sonnenaufgang in äbn-
dabei von ! lieber Beleuchtung gesehen hat, wird von der Wahrheit dieses , beleuchtet Bildes entzückt sein. Das ist Impressionismus, mit dein man
sich befreunden kann, weil er eben nicht gesucht, sondern
wahr ist.
Das Bild rechts endlich zeigt uns das Ufer eines norddeutschen Küstenslusscs mit Feldern und Wiesen an hellem, sonnigem Mittage. Auch dieses Bild Harmonie im seiner ganzen Art mit den beiden andern. Wenn wir sagten, die Bilder bilden eine Art von Triptychon so müssen wir hinzufügen, daß die Bilder nicht unmittelbar an einander
vu -m.«......^« , ^.„^ «.. stoßen, sondern durch Zwischenräume des Rahmens getrennt chenke) mehrere Studienköpfe, und von ihm oben und unten umgeben sind. Diese Zwischen- die im räume nun werden von fast lebensgroßen Figuren ausgefüllt
(zwei ober-
Seppl", die „geschmückte Braut