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Hamuer GMeiaer

^X Zugleich G ^r

Amtliches Organ für Htaöt- unö LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Sinrst lknngS« «ebtihr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ di« Igespaltcne Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

3m Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Nr. 54.

Montag den 5. März

1900

Amtliches.

c^anö&ret^ ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter Hinweis auf die Bestimmungen im Artikel 80, Nr. 1 u. 2 der Anweisung vom 31. August 1894,Zu- und Abgänge bei der Einkommen- und Ergänzungssteuer betr.", veranlasse ich die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher, die Einkommen- und Ergänzungsstener-Zn- und Abgangslisten für das II. Halbjahr 1899 bis spätestens den 20. d. Mts. an mich einzureichen.

Die giften- sind nach den diesseits geprüften und vervoll­ständigten Auszügen aus den Zu- und Abgangskontrollen aufzustellen und mit den Belägen, welche gehörig geordnet und geheftet sein müssen, zu versehen.

Hierbei ist der Erlaß des Herrn Finanzministers vom 2. Februar 1893 zu beachten, wonach die Listen in den Gc- meinde-(Guts)-Bezirken getrennt nach den Steuern einerseits von physischen Personen mit Jahreseinkommen von nicht mehr als 3000 Mk., andererseits von physischen Personen mit höherem Einkommen anzulegeu sind.

Ich bemerke hierbei, daß in die Abgangslisten auch die im Berufungsverfahren entstandenen Ermäßigungen und Frei­stellungen ausgenommen werden müssen.

In denjenigen Gemeinden und Gutsbczirken, in welchen keine Zu- und Abgänge an Einkommen- und Ergänzungs­steuer vorgekommen sind, wollen die Herren Gemeinde- und Gutsvorsteher Fehlanzeige erstatten.

Hanau den 2. März 1900.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kominission für den Landkreis Hanau.

St. 959 J. V.: Valentiner, Reg.-Assefsor.

Handelsregister.

Heute ist bei der Firma A. Sonneberg zu Hanau eingetragen worden, daß die Prokura der Ehefrau Sophie Sonneberg, geb. Goldschmidt zu Frankfurt a. M. erloschen ist.

Hanau den 2. März 1900.

Königliches Amtsgericht, Abth. 5. 3707 Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Gebund Schlüssel (3 Stück), in einem grauen Etuis, 1 Taschenmesser mit Perlmuttcrschalcn, 4 Klingen und Korkzieher.

Verloren: 1 großer, goldener, viereckiger Man­schettenknopf.

Hanau den 5. März 1900.

Seemacht und Landkrieg.

Ein bemerkenswertster AufsatzSeemacht und Landkrieg" wird in dem Märzheft derDeutschen Rundschau" ver ntlicht; sein Verfasser ist C. Frhr. v. d. Goltz, General-Leutnant und General-Inspekteur des Pionier- und Ingenieur-Korps und der Festungen. An der Hand geschichtlicher Beispiele legt er die Bedeutung der Flottenmacht in großen Kriegen dar und weist darauf hin, daß der Schauplatz der künftig zu er­wartenden internationalen Verwicklungen großen Stiles nicht mehr wie bis 1870/71 Mitteleuropa, sondern das Weltmeer werden durfte. Der Aufsatz zeichnet in großem historischen Rahmen die Aufgaben, die in einem See- und Landkriege zu lösen sind, und welche Bedeutung gerade bei den großen historischen Entscheidungen immer zu allerletzt die Macht zur See geübt hat. Eingehend werden die Möglichkeiten dar- gclegt, auf die sich Deutschland im Falle eines See- und Land­krieges einzurichten hat, und die militärischen und wirthschaft- lichen Folgen, die unausbleiblich sind, wenn das deutsche Volk nicht stark genug ist, sich seine Häfen offen zu halten.

Die erste Folge würde eine schwere wirthschaftliche Katastrophe sein, ein anhaltender Rückgang, von Handel, Werkthätigkeit und Wohlstand. Aber cs ist, so fährt die Schrift fort, noch weiter folgendes in Betracht zu ziehen: Wir dürfen nicht vergessen, daß Deutschland sich heute nicht mehr von den Erzeugnissen des eigenen Bodens ernährt. Er lieferte während der Jahre von 18881897 nur für 4243 Millionen Menschen das nöthige Brodkorn, und die noch übrigen 89 Millionen Einwohner des Reiches waren in dieser Hinsicht schon auf fremde Einfuhr angewiesen. Diese Zahl steigerte sich im Jahre 1899 noch auf 12 Millionen Menschen. So muß heute die Gcsammt-Levölkernng Deutschlands bereits an 88 vollen Tagen des Jahres vom Auslande leben.

Es kann streitig sein, ob der Boden Deutschlands bei stärkerer Ausnützung im Stande ist, die Gesammt-Bevölkerung auch im Kriegsfälle zu ernähren. Sollte es aber selbst ge­lingen, die jetzige Bevölkerung aus dem Lande zu ernähren, so wird dies doch in nicht ferner Zeit durch den reißenden Zuwachs unmöglich werden. Vergessen wir nicht, daß wir im Jahre 1910 schon auf 60, 1925 auf 70 und, wenn die Vermehrung fortschreitet wie bisher, im Jahre 1950 auf nahe an 90 Millionen Deutsche innerhalb unserer Grenzen rechnen müssen. So ist denn die erste Bedingung, daß Deutschlands Flotte stark genug sei, um uns vor der Absperrung zur See durch den Feind zu bewahren.

Deutschland," so lautet das Schlußwort,durchschreitet gerade jetzt einen der gefährlichsten Momente, welche es in seiner Geschichte gegeben hat. Seine Flotte entspricht den Aufgaben, welche ihr naturgemäß zufallen, nicht; sie ist zu schwach dazu. Unvermerkt hat sich unser Volk eine Versâumniß zu Schulden kommen lassen. Aber in letzter Stunde ist dies, hoffen wir, noch rechtzeitig erkannt worden, und der bedenkliche Punkt kann überwunden werden. Doch ist Gefahr im Verzüge und Eile geboten. Wer die Kraft und das Talent zu einem so schnellen Aufschwünge besitzt, wie Deutschland ihn in den letzten Jahren erlebt hat, muß auch den Muth haben, seine Errungenschaften zu vertheidigen, oder er steigt von der Höhe wieder herab, und Niemand wird leugnen können, daß er sein Loos sich selbst bereitet habe. Mögen Deutschlands Volks­vertreter davor bewahrt bleiben, daß ihnen dereinst ein deutscher Staatsmann mit Recht einen ähnlichen Vorwurf mache! Versäumte Gelegenheiten kommen in der Geschichte niemals wieder!"

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 3. M ä r z.)

Fortsetzung der Etatsberathung, Etat der Zölle und Ver­brauchssteuern, zunächst derjenige der Zölle. Hier beantragt die Kommission eine Resolution zu Gunsten der Aufhebung der für Schiffs-Ausrüstungs-Gegenstände bestehenden Zoll­freiheit. Abg. Speck (Centr.) bespricht das neue Regu­lativ für Ausfuhr-Vergütungen bei Mühlen-Fabrikaten, beklagt die an Spanien gewährte Meistbegünstigung und empfiehlt lebhaft die Resolution der Kommission. Abg. Graf Schwerin-Löwitz (kons.) ist von dem neuen Mühlen- Regulativ und dessen Wirkungen sehr befriebigt. Dasselbe entspreche allen irgendwie berechtigten Forderungen. Red­ner wünscht völlige Aufhebung der Mühlen-Conlen oder ge­mischter Transitläger. Abg. Brömel (frei). Ver.) nimmt die Transitläger in Schutz, sowie die Einrichtung der Zoll- kredite und bekämpft alsdann die Resolution der Kommission. Redner ermahnt den Reichstag, einen derartigen Vorschlag reiflich zu überlegen. Er bittet dringend, das Haus möge die Resolution ablehnen. Abg. ,v. Kardorff (Reichsp.) sucht nachzuweisen, daß die Beschäftigung der Werften heute eine weit größere sei als 1879 und deshalb könne sehr wohl die Zsllfreihcit für Schiffs-Ausrüstungs-Gegenstände fallen und wendet sich dann scharf gegen die Regierung in der Frage der Mühlen-Conten. Abg. v. Wangenheim (kons.) konstatirt, daß der Staatssekretär auf Anfrage seiner Partei wegen der Transitläger nicht geantwortet habe. Staatssekretär Thielmann erwidert, er könne keine andere Antwort geben, wie im Vorjahre. Der Titel wird be- willigt. Die Abstimmung über die Resolution wird bis zur dritten Lesung vertagt. Es folgt der Titel Zucker- steuer. Zu demselben beantragt die Kommission eine Resolu­tion betreffend den Verkauf künstlicher Süßstoffe nur in Apo­theken und nur auf ärztliche Anordnung. Auf eine An­frage erklärt der Staatssekretär Thielmann, daß die Ver­handlungen mit Amerika bezüglich der Behandlung des deut­schen Zuckers deutscherseits mit allem Nachdruck geführt wür­den, solange, bis dem deutschen Zucker sein Recht werde. Nach kürzer Debatte wird die Abstimmung über die Re­solution bis zur dritten Lesung ausgesetzt. Der Etar der Stempelabgaben wird genehmigt.

Dienstag 1 Uhr: Zweite Lesung der Vorlage betreffend die Konsular-Gerichtsbarkcit im Auslande und Petitionen.

Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus.

(Sitzung v o m 3. M â r z.)

Am Ministertische: ». Thielen und Kommissarien. Tagesordnung: Fortsetzung der Spezialberethung des Eisen­bahnetats. Abg. Jderhoff (Hosp. d. Fks.) tritt für die Aufhebung oder wenigstens Ermäßigung der Abfertigungs­

gebühr und für größeres Entgegenkommen gegenüber den Kleinbahnen ein. Abg. Pleß (Centr.) meint, der Mi­nister werde sich einer Verbilligung der Tarife nicht gut ent­ziehen können; ein etwaiger Ausfall würde sicher in kurzer Zeit durch den gesteigerten Verkehr ausgeglichen sein. Redner bringt noch lokale Wünsche vor, namentlich wegen der Eisen- bahnstrecke von Crefeld nach Berlin und Duisburg-Ober­hausen. Abg. HauSmann (natl.) wünscht, daß der Personenzug Berlin-Köln, der neu eingelegt ist, nicht über Hannover, sondern über Braunschweig, Hildesheim, Hameln geleitet werde. Abg. Stötzel (Centr.) führt aus, das Kohlensyndikat habe in den Kohlenbezirken den ganz unglaub­lichen Zustand geschaffen, daß dort die Kohlennoih für die kleinen Leute am Größten sei. Die regierungsseitig aufge­stellte Behauptung, daß die Arbeitsleistung geringer geworden sei, erkläre sich dadurch, daß zahlreiche junge ungeübte Ar­beiter eingestellt seien, die weniger zu Tage förderten und daß jetzt weniger lohnende Flöße abgebaut würden. Abg. Friedberg (natl.) plaidirt für eine schnellere Zugver­bindung zwischen Magdeburg und Halle. Die Debatte wird geschlossen. Die einzelnen Eisenbahntitel werden ohne weitere Debatte bewilligt; der Antrag Wiemer (freis. Volksp.) auf Ermäßigung der Personentarife wird abgelehnt.

Beim AusgabetitelBeamtenbesoldungen" liegen zwei Anträge vor, der eine vom Abg. Werner (Antist), die aus dem Supcrnumerariate hervorgegangenen Abfertigungsbeamten im Gehalte den Bureaubcamten gleichzustcllen und zu diesem Zwecke eine genügende Anzahl Stellen im Abfertigungsdienst zu schaffen. Der andere Antrag, welcher vom Abg. Fried­berg (natl.) eingebracht ist, will Gehaltserhöhung für die Eisenbahnbctricbssekrclâre. Beide Anträge gehen an die Budgetkommission. Abg. Goldschmidt (freist Vp.) klagt über die lange Dienstzeit der Betricbsbeamten. Die lange Dienstzeit verschulde wohl die große Zahl der Be­triebsunfälle. Reg.-Kommiss. Geh. Rath Wehrmann legt dar, daß die genauen Aufnahmen über Unfälle erkennen ließen, daß lange Arbeitszeit nicht die Ursache von Unfällen gewesen sei. Die Dienstzeit der einzelnen Beamten und Ar­beiter sei übrigens seit 1872 in steter Abnahme begriffen. Abg. Dr. Heisig (Centr.) beklagt, daß der Akkordlohn herabgemindert werde, sobald die Arbeiter fleißig seien. Abg. Nadbyl (Centr.) bedauert, daß der Minister den Burcaubeamtcn der Eisenbahndircktionen zwei bestimmte Steno- graphiesystcme zur Erlernung empfohlen habe. Minister Thielen erwidert, er habe nur zwei erprobte Systeme em­pfohlen; damit sei die Erlernung anderer Systeme nicht aus­geschlossen. Ein inzwischen eingegangener Antrag Echmidr- Warburg (Centr.), welcher eine Verbesserung in der Tienst- zeitanrechnung der Eisenbahnbau- und Betriebsinspektion be­zweckt, wird ohne Debatte an die Budgetkommission ver- wiestu. Abg. Sattler (natl.) bedauert die Beseitigung der Stellen der Betriebssekretäre, Zeichner und Kanzlisten. Llbg. Gamp (frcikons.) empfiehlt dem Abg. Goldschmidt, seine Anträge in der Berliner Stadtverordnetenversammlung anzubringen, da die Löhne, welche die Stadt Berlin zahle, ja noch geringer sein sollten, als die der Eisenbahn. Abg. Goldschmidt (freist Vp.) hält seine Behauptungen trotz der Anführungen des Rcgicrungskommissars aufrecht. Minister Thielen bezeichnet Goldschmidts Mittheilungen als auf falscher Grundlage beruhend. Abg. Dasbach (Centr.) bemängelt die Organisation der Arbeiterintersiützungskaffen, welche nur geringe Unterstützungen trotz der hoben Beiträge der Mitglieder zahlten. Minister von Thielen er­widert, die Kassen seien gut und sicher funbirt; sie befänden sich aber noch nicht im Beharrungszustandc.

Nächste Sitzung: Montag 11 Uhr. T.-O.: Weiter- bcrathnng. Der Präsident kündigt für Montag eine Abend­sitzung aii, wenn der Eisenbahnctat nicht bis dahin erledigt sein sollte.

Tagesschau.

iMcr die Gesammtla-e der Landwirthschaft im Jahre 1899 spricht sich der soeben veröffentlichte GeichânS- bericht des Deutschen Landwirthschaftsraths in folgender Weise aus:Leider hat die relativ bessere Lage der deutschen Land­wirthschaft in_ bett Jahren 1897 und 1898 für daS Jahr 1899 nicht Stand gehalten, und die deutsche Landwirthschaft geht allen, Anscheine nach einer ebenso schlimmen Periode wie 189396 entgegen. Es scheint überhaupt charakteristisch für die weitere Entwicklung der landwirthschoftlicken Verhältnisse zu sein, daß zwar ebenso wie früher günstige und ungünstige Jahre miteinander abwechseln, daß aber die sogenannten günstigen Jahre nicht so lohnend sind wie in früheren