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für Stadt- und Landkreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
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Amtliches Organ für 6faöf- uuö LanöKreis Aanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 44.
Mittwoch den 21. Februar
1900
Amtliches.
^faöt^rew .^artaru
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes. Bekanntmachung.
Die Lieferung der Hosen für die uniformirten städtischen Beamten soll für das Jahr 1. April 1900—31. März 1901 vergeben werden.
Lieferungsbedingungen liegen auf der Botenmeisterei, Rathhaus, Zimmer Nr. 17, werktäglich von 10—12*/2 Uhr, in der Zeit vom 22.-25. d. Mts. zur Einsicht offen.
Angebote sind unter Beifügung von Mustern bis zum 25. d. Mts., vormittags 11 Uhr, an uns einzureichen.
Hanau den 20. Februar 1900.
Der Magistrat.
Bode. ' 3043
Grulldstücksver-achtung.
Das links des Baumer'schen Weges nächst der kl. Rohrspitze belegene, 50 ar 22 qm große Ackergrundstück, Karte U 226/16 soll
Donnerstag den 22. Februar d. Js., vormittags 11 Uhr,
im Kämmereilokal — Neustädter Rathhaus Zimmer Nr. 10 — öffentlich meistbietend auf 6 Jahre verpachtet werden.
Der Zuschlag bleibt vorbehalten.
Hanau den 17. Februar 1900.
Alth. Hospitalkasse.
_________ Scherzberg._____________2926
Konkursverfahren
In dem Konkürsserfahren über das Vermögen des Bauunternehmers Friedrich Wilhelm Müller, in Firma Elzenheimer u. Müller in Hanau, ist zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen Termin auf
den 20. März 1900, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 4, anberaumt.
Hanau den 16. Februar 1900. 3008
Der Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts, Abth. 5.
Grundstücksverpachtullg in Niederrodenbach.
Nochmaliger Termin zur anderyeiten öffentlich meistbietenden Verpachtung dâ nachbenannten
domainenfiskalischen Grundstücksparzellen in der Gemarkung von Niederrodenbach, als:
a. von Karte Lit. B Nr. 200, 201 und 203 Land auf dem Heffeuroth die Abtheilungen 7, 40 und 11 zur Fläche von je 48 ar 11 qm zus.
I ha 44 ar 33 qm.
b. von Karte Lit. H Nr. 107 nnd 107 a, Wiese vie
Erlenbufchwiefe, Abtheilung 8 zur Fläche von 61 ar 26 qm.
c. Karte Lit. P Nr. 28 Wiese und Land in der alten Wiese zur Fläche mm 1 ha 53 ar 30 qm. vom 1. Januar 1900 ab auf zwölf Jahre wird auf
Freitag den 23. dieses Monats, Nachmittags 1202 Uhr
in die Haupt'sche Gast Wirth sch aft in Niederrodenbach anberaumt.
Es werden Pachtbewerber hierzu mit dem Bemerken eingeladen, daß auf angemessene Gebote der Pachtzuschlag ohne Abhaltung eines weiteren Termins erfolgt. 2841
Hanau, am 16. Februar 1900.
Königl. Domainen-Rentamt.
J. V.:
Reinhardt, Regierungs-Sekretär.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 8 Dutzend Feuerwehrknöpfe, 1 goldener Damenring mit zwei weißen Perlen.
Zugelaufen: 1 Hund, Foxterrier, schwarz und weiß gescheckt, braune Schnauze, w. Geschl.; Empfangnahme bei Herrn Stuckateur Jeau Becker in Bergen.
Vom Wasen meist er am 20. d. Mts. eingefangen: 1 schwarzer Rehpinscher, Bastard, m. Geschl.
Hanau den 21. Februar 1900.
Preußischer Landtag.
Abgeordnetenhaus.
(Sitzung vom 20. Februa r.)
Die Abgeordneten setzten die erste Berathung der Sekundär bahn vor läge fort. Eine Anzahl Redner brachten Wünsche lokaler Natur vor. — Abg. Lot ich iu s wünscht eine bessere Berücksichtigung von Hessen-Nassau und der Rheinprovinz; namentlich liegt ihm an der Förderung des Kleinbahnwescns speziell im Kreise St. Goarshausen. Eine Kleinbahn von Nastättendorf nach Schwalbach und von da nach Schlangenbad sei dringend erforderlich, ebenso eine bessere Dampferverbindung zwischen Rüdesheim und Bingen.
Abg. Junghenn-Hanau: In dem Gesetzentwurf, betreffend die Erweiterung des Staatseisenbahnnetzes, ist auch die Anlage einer Bahn von Vilbel über Höchst a. d. Nidder nach Stockheim in Hessen vorgesehen. So lange ich die Ehre habe, diesem hohen Hause anzugehören, habe ich mich um diese Bahnlinie — ursprünglich in einer ausgedehnteren Richtung — bemüht. Endlich, nachdem ich um die Bahn 7 Jahre ausdauernd wie Jakob um Rahel geworben, hat sie in der so sehnlichst erwarteten Vorlage Aufnahme gefunden, und nehme ich gern Anlaß, meiner Freude hierüber Ausdruck zu geben. Alle laut gewordenen Wünsche werden durch die projektirte Bahnstrecke nicht erfüllt. Sie wird indeß eine Reihe von preußischen Orten berühren. Sie wird den be- theiligten Gemeinden in industrieller, vornehmlich aber in landwirthschaftlicher Beziehung zum Segen gereichen, sie wird besonders dem Kreise Hanau Vortheil bringen. Das hohe Haus bitte ich, seine Zustimmung zur Erbauung der Bahn Vilbel—Höchst a. d. Nidder—Stockheim in Hessen geben zu wollen.
Minister Thielen beantwortet verschiedene Wünsche. Die Frage hinsichtlich der Umwandlung der Kleinbahnen in Nebenbahnen sei nicht prinzipiell zu regeln; natürlich werde den Wünschen, wenn die Verhältnisse irgendwie danach geartet seien, entsprochen. Eine Aenderung der Spurweite bei den Kleinbahnen sei nicht beabsichtigt, da dieselbe sich gut be- I währte. Besondere Tarife für einzelne. Güter stehen den l Kleinbahnen nicht zu. Wo indessen der dringende Wunsch nach solchen Vergünstigungen besteht, soll er entsprechend berücksichtigt werden. Zur Prüfung der Frage soll eine Kommission einberufen werden. Die Beschränkung der Kon- zessionirung von privaten Bahnbauten sei darauf zurückzu- führen, daß diese Bahnen meist den Durchgangsverkehr der Staatsbahnen auf sich ablenkcn wollen. Das kann der Staat natürlich nicht zugeben. — Nach weiterer Debatte wird die Weiterberathung auf morgen 11 Uhr vertagt. Während der Sitzung erschien Minister v. Miquel im Hause. — Schluß 4 Uhr 20 Minuten. Morgen außerdem kleinere Vorlagen.
Tagesschau.
In der Budgetkommission des Reichstags wurde gestern die Berathung des Extraordinariums des Militärctats fortgesetzt. Zum Neubau und zur Ausstattung einer evangelischen Garnisonkirche in Breslau wird eine erste Baurate von 90000 Mk. gefordert. Im Ganzen sind die
Feuilleton
Die neuesten Heilmittel gegen die Influenza.
Von Dr. med. R. Ebing.
(Nachdruck verboten.)
Im letzten Dezenium hat sich die Influenza jährlich bei Beginn der feucht-kalten Witterung bei uns eingestellt. Auch in diesem Jahre hat sie schon wieder ihre Antrittssisite gemacht und zwar in sehr brutaler Weise. In den Großstädten sind Massencrkrankungen an der Influenza wieder an der Tagesordnung. Da dürfte es von Interesse sein, die neuesten Mittel gegen die böse Influenz? etwas näher zu betrachten. Diese neuesten Mittel sind erfunden worden von der chemischmedizinischen Industrie. Diese Industrie aber ist eine ganz moderne Erscheinung. Sie hat ohne Frage viel Gutes gestiftet — aber auch viel Unheil.
In früheren Zeiten erfanden oder entdeckten neue Heilmittel nur Aerzte oder Apotheker. Diese Entdeckungen oder Erfindungen waren sehr selten. Sie wurden vom Entdecker oder Erfinder ohne jedwede Reklame ärztlichen Autoritäten überliefert mit dem Ersuchen, sie auf ihre Wirkung zu untersuchen, sie am Krankenlager zu erproben. Darüber vergingen oft Jahrzehnte, bevor solch' ein neues Mittel die verdiente Anerkennung und Anwendung faud. Einige Beispiele mögen es beweisen. Der Brechweinstein, dieses vorzügliche, sicher wirkende Brechmittel, welches heute noch jeder Arzt fast täglich in mehr oder minder großen Gaben verschreibt, wurde schon im sechzehnten Jahrhundert entdeckt, um erst vom Jahre 1631 an int allgemeinen Gebrauch zu kommen und zwar durch den Arzt Hadrian von Mynstcht zu Schwerin in
Mecklenburg. Das Morphium, dieses so bekannte und viel angewandte Schlaf- und Beruhigungsmittel, wurde schon im Jahre 1700 entdeckt, um erst in hundert Jahren später die verdiente Anerkennung und Anwendung zu finden und zwar durch die Apotheker Saguin und Sertürner. DaS Chloroform, dieses wunderbare Betäubungsmittel, ohne welches heute kein Chirurg mehr operirt, war schon beim Beginn unseres Jahrhunderts bekannt, um erst fünfzig Jahre später zur Anerkennung zu gelangen, durch den Arzt Simpson zu Edinburg.
Wie ganz anders ist das heutzutage. Zahllose chemische Fabriken sind entstanden, die sich damit befassen, neue Heilmittel zu erfinden. Diese neuen Heilmittel werden dann patentirt, mit riesenhafter Reklame angepriesen, so daß sie einige Jahre maffenhaft verordnet und eingenommen werden, um dann der Vergessenheit anheimzufallen. Doch das schadet den Erfindern nichts, denn sie haben ihr Geschäft gemacht. So wurde beispielsweise das bekannte Kopfschmerzmittel Phenacetin gleich nach seiner Entdeckung das Kilo mit 300 bis 400 Mark verkauft, während man cs heute nach Erlöschung des Patentes für. 30 Mark herstellt, also zehnmal billiger.
In den deutschen Apotheken findet man ein Büchlein, in dem alle die neuen Mittel angegeben sind, welche in den letzten zwanzig Jahren entdeckt wurden, cs sind deren über tausend. Von diesen tausend leben aber heute saunt noch ein Dutzend. Zu diesem Dutzend gehören auch die Mittel: Phenacetin, Antipyrin und salizylsaures Dtatron, die ja jeder Laie kennt, der an Kopf- oder Rheuma-Schmerzen gelitten hat oder noch leidet.
Aus diesen drei genannten, auch wirklich werthvollcn Arzneistoffeu hat man die neuesten Mittel gegen die böse Influenza zusammengestellt. Man empfiehlt jetzt folgende zwei Mischungen. Erstens: Antipyrin und Phenacetin je einen halben' Gramm. Zweitens: Salizylsaures Natron
i 1 Gramm, Coffein 0,1 Gramm. In der Hand des Arztes I mögen diese Pulver ihre gute Wirkung sehr häufig thun, aber sie als Universalmittel gegen die Influenza zu empfehlen, das ist höchst verwerflich, denu alle die genannten Mittel wirken schädigend auf die Herzthätigkeit ein. Schon mancher Patient hat sich durch Einnehmen von salizylsaurem Natron die Gicht vertrieben, um an Herzlähmung zu sterben.
Es hat nie ein Universalheilmittel gegeben und kann es niemals geben. Jeder Arzncistoff, jedes Rezept muß dem individuellen Organismus angepaßt sein. Was für den einen ein Heilmittel ist, das ist für den anderen oft Gift, auch unter scheinbar gleichen Krankheitser- schcinungcn.
Wie will man nun gegen die Influenza ein Allheilmittel anpreifen? Diese Krankheit verschont kein Alter, kein Geschlecht, keinen Stand. Um eine Krankheit zu bekämpfen, muß man zuerst ihre Eigenart kennen. Die Influenza ist zwar schon eine uralte Krankheit, aber ihr Wesen hat man erst im Jahre 1892 erkannt. Berliner Aerzte waren es, welche im genannten Jahre den Jnfluenzabazillus entdeckten. Mit dieser hochwichtigen Entdeckung war der Beweis erbracht, daß die Influenza zu den ansteckenden Krankheiten, zu den epidemischen Krankheiten gehört.
Wie aber schützt man sich gegen ansteckende Krankheiten? Durch Abhärtung und Diätetik macht man sieb am sichersten immun. Unbestreitbar bestehen die Hauptschutzmsttcl gegen afie Epidemien in Verbesserung der Lage, Nahrung, Kleidung und Wohnung der ärmeren Volksklasscu. Notorisch werden diese nämlich am meisten und am schlimmsten von allen Seuchen befallen. Sie geben erfahrungsgemäß den Herd ab, in welchem die jeweilig herrschende Seuche sich nährt, sich zur Bösartigkeit und zur verstärkten AnsteckungSfähigkeit sich steigert. Mit der Verbesserung der Lcbensverhältnisse der