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für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Rcklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Nr. 43.

Dienstag den 20. Februar

1900

Amtliches.

^tadt&rew ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbnrgermeisteramtes. Bekanntmachung.

Für die hiesige Armenverwaltung soll die Brodlieferung pro 19001901 vergeben werden.

Geeignete Lieferanten wollen ihre Angebote bis spätestens Freitag den 9. März d. I., vormittags 12 Uhr, im Geschäftszimmer (Nr. 2) der Armen-Verwaltung der schlossen einreichen.

Die Lieferungsbedingungen liegen zur Einsicht in dem Bureau der Armen-Berwaltung (Zimmer 2) auf.

Hanau den 10. Februar 1900.

Der Magistrat. — Armenamt.

Pannot. 2947

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 alter Regenschirm, 1 schwarzer Kopfshawl.

3 ug es logen: 1 Paar schwarze Brieftauben, 1 schwarze Taube mit weißem Kopf.

Zugelaufen: 1 brauner, langhaariger Hühnerhund ohne Abzeichen w. Geschl.

Hanau den 20. Februar 1900.

Tagesschau.

Die Badgetkommission des Abgeordnetenhauses erledigte in nochmaliger Berathung die aus dem Justizetat "zurückverrviescuen Positionen wegen Regelung des Gerichts- v ollzieher wese ns. Man beschloß ferner : „Die Königliche Staatsregierung zu ersuchen, nach Maßgabe der demnächst für die Staatsregierung sich ergebenden Ersparniß eine Herabsetzung der Gerichtsvollziehergebühren in die Wege zu leiten." Ein weiteres Ersuchen an die Staatsregierung, möglichst bald einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch welchen die Haftpflicht des Staates für Versehen der Staatsbeainten, einschließlich der Gerichtsvollzieher, geregelt wird, wurde zurückgezogen, nachdem die Staatsregierung erklärt hatte, daß ein bezüglicher Gesetzentwurf in Bearbeitung sei.

Besteuerung an Golderzeugung.

Die „Volksstem" vom 27. Dezember 1899 hat das Ge­setz, welches die Besteuerung der gesaminten Golderzeugung der S ü d a f r i k a n i s ch e n Republik regelt, veröffentlicht. Dieses Gesetz, welches uns in englischer Uebersetzung vorliegt, geht von dem Grundgedanken der Nothwendigkeit aus, zur Deckung der Kriegsausgaben außerordentliche Mittel zu be­

schaffen, und bestimmt alsdann, daß von der gesammten Gold- produktion, welche durch einzelne Personen, Syndikate, Kon­zessionäre, oder Gesellschaften gewonnen wird, eine besondere Steuer zu Gunsten des Staatsschatzes erhoben wird. Die Steuer wird, wie folgt, festgesetzt: a. Wenn der Minenbesitz durch einzelne Personen, Syndikate oder Gesellschaft aus­gebeutet wird, so hat er 30 v. H. von der Gesammtproduktion zu entrichten: b. Wenn privater Minenbesitz durch die oder im Namen der Regierung der Südafrikanischen Republik aus­gebeutet wird, so beträgt die Steuer 50 v. H. von der Ge- fammtgewinnung; c. Eine Steuer von 30 v. H. wird von der Gesammtgewinnung solcher Minen erhoben, welche ge­schlossen worden sind. Dieser Steuersatz wird berechnet nach dem Ertrag der letzten 3 Monate, welche die geschlossenen Minen im Betrieb gestanden haben; d. Eine Steuer von 30 v. H. wird erhoben von dem Reinertrag der Goldge­winnung metallurgischer Unternehmungen, Goldscheide-An­stalten und ähnlicher Gesellschaften für die Verarbeitung un­reinen Goldes, vorausgesetzt, daß die Verarbeitung für Rech­nung der betreffenden Gesellschaften selbst geschieht, nicht aber für Rechnung oder zu Gunsten anderer Personen, Syndikate, Konzessionäre oder Gesellschaften. Im letzteren Falle haben diese Personen, Syndikate u. s. w. die Steuer von 30 v. H. zu entrichten. Das Gesetz ist bis zum 11. Oktober v. I. d. h. dem Datum des Kriegszustandes zurückdarirt und sollte mit Veröffentlichung des Gesetzes im „Staatseourant" in Kraft treten. Ob diese Publikation im Letzteren wirklich er­folgt ist, läßt sich nicht feststellen. Bekanntlich ist auch deutsches und französisches Kapital in beträchtlichem Umfange an dem südafrikanischen Minenunternehmungen betheiligt. Der Erlaß des Gesetzes hat daher namentlich die Bankkreise berührt, da cs nahezu auf Konfiskation des Vermögens hinausläuft. Gewisse Anforderungen, wie Vorlegung der Bücher u. dgl. m. werden üherhaupt unausführbar, weil in Folge des Ausbruchs des Krieges der Geschäftsbetrieb der Sitten vollständig hat eingestellt werden müssen. Im Ueb- rigen wird sich bei der gegenwärtigen Lage nicht viel erreichen lassen. Die Transvaal-Regierung wird voraussichtlich nach Abschluß des Krieges billigen Erwägungen zugänglicher sein. Die Interessenten werden sich deshalb gedulden müssen und sich inzwischen mit der Zuversicht trösten, daß ihre Sache im gegebenen Augenblick, falls erforderlich, mit allem Nachdrucke geführt werden wird.

Kapitalanlagen der Jnvalidenverfichcrnngs- anstalten.

Die in der Februar-Nummer der „Amtlichen Nachrichten vom Reichsversicherungsamt" veröffentlichte Zusammenstellung von Kapitalanlagen der Jnvalidenversicherungsanstalten für gemeinnützige Zwecke läßt wiederum eine sehr erfreuliche

Zunahme derartiger Anlagen erkennen. Nicht wenig t als rund 133 Millionen Mark sind danach bis jetzt von ben Versicherungsanstalten zur Förderung gemeinnütziger Zwecke verwendet worden, und zwar beträgt der Zuwachs im Jahre 1899 allein über 48 Millionen Mark gegen 35 Millionen Mark im Jahre 1898. Von der Gesammt- sumine entfallen auf den Bau von Arbeiterwohnungen 52 Millionen Mark, auf die Befriediguug des landwirth- schaftlichen Kreditbedürfnisses (Hypotheken, Kleinbahnen, Land- und Wegeoerbesserungen, Hebung der Viehzucht, Linderung der Futternoth rc.) 45 Millionen Mark und auf den Bau von Kranken- und Genesungshâuscrn, Volksheilstätten, Ge­meindepflegestationen, Herbergen zur Heimath, Arbeiterkolonien, Volksbädern, Blindenheimen, Klein-Kinderschulen, auf Straßen­bauten, Wasserleitungs-, Kanalisations- und Entwässerungs­anlagen sowie auf Spar- unb Konsumvereine und andere ähnliche Wohlfahrtseinrichtungen 36 Millionen Mark. Den landwirthschaftlichen Gebieten kommen von letzterer Summe rund 10 Millionen zu gute, sodaß — abgesehen von den Arbeiterwohnungen, die auch vielfach schon auf dem platten Lande mit den Mitteln der Versicherungsanstalten errichtet wurden — allein etwa 55 Millionen Mark, b. h. weit mehr als ein Drittel der Gesammtsumme im Interesse der ländlichen Bevölkerung angelegt worden sind. Jedenfalls sind diese amtlichen Ziffern geeignet, die auf der letzten Hauptversammlung des Ausschusses für Wohlfahrtspflege auf dem Lande zu Berlin (13. Februar 1900) mehrfach ge­äußerten Klagen der Landwirthe darüber, daß die großen Kapitalien der Versicherungsanstalten fast nur den Städten Nutzen brächten, schlagend zu widerlegen.

Politische und unpolitische Nachrichten.

Depeschen-Bureau Herold.

Berlin, 19. Februar. Finanzminister Miguel, welcher heute seinen 71. Geburtstag begeht, ist von seiner mehr­wöchentlichen Erkrankung völlig wieder genesen. Der Mi­nister hat seine Arbeitsthätigkeil in vollem Umfange wieder ausgenommen.

Berlin, 19. Februar. Wie ein Berichterstatter meldet, ist der Kultusminister Dr. Studt heute infolge der Nässe ausgeglitten und hat sich eine Verstauchung des rechten Armes zugezogen. Die Folgen des Unfalles werden voraussichtlich bald behoben sein.

Berlin, 19. Februar. Die im Befinden des Reichs- tagsabgeordneten Dr. Lieber eingetretene Besserung hält weiter an. Die Nacht ist gut verlaufen.

Berlin, 19. Februar. Das bei Port Elisabeth be- schlaguahmte Schiff „Sabine" gehörte nicht zur deutschen Marine, da ein Fahrzeug gleichen Namens weder in dem

Feuilleton.

Aus Kunst und Leben.

Berliner Theater. Im königlichen Opernhaus machte „Kain", das neue einaktige Musikdrama von Eugen d'Albcrt, einen sehr guten Eindruck. Den Stoff hat Heinrich Bulthaupt mit feinem Verständniß und geschickter Hand nach der bekannten Byron'schen Dichtung zu einer sich rasch ent­wickelnden dramatischen Handlung umgestaltet.

Frau Rath Goethe-Denkmal in Frankfurt am Main. Unter dem Protektorate Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Friedrich Karl von Hessen (Schwester unseres Kaisers) hat sich ein Komitee der ersten Frankfurter Damen gebildet, um der großen Mutter unseres großen Dichters ein Dcukzcicheu in Frankfurt zu errichten. Die Frauen Frankfurts wollen damit die liebenswürdige, all­gemein geschätzte und geliebte Frauengestalt und die unver­gleichliche Mutter ihres herrlichen Sohnes ehren. — Es er­geht damit gleichzeitig der Aufruf an alle beulte Frauen und Verehrerinnen deutscher Frauengestalteu und speziell Frau Ajas, das Werk zu unterstützen. — Beiträge nehmen die Damen des Komitees entgegen: Frau Oberbürgermeister Adickes, Frau Heinr. Andreae Lemmö, Freifrau Moritz von Bethmann, Frau Wilhelm Bonn, Frau Otto Braunfels, Frau Adolf von Brüning, Frau Intendant Claar, Frau Eduard von Grunelius, Frau Dr. Fritz Hallgartèn, Frau Karl Katzenberg, Fräulein Lony Mayer, Frau Marie Meister, Frau Dr. Marie Melber, Frau Gustav Metzler, Fran Her­mann von Mumm, Frau Lina Nestle, Frau Brandiue Os­walt, Frau Emma Passavam-Goutard, Freifrau Willy vou Rothschild, Frau Georg Schäffer-Mack, Frau Geh. Medizinal

BilduuMeschichte des unteren Mainthals.

Von Dr. O. Alltel. (Hanau.)

(Nachdruck verboten.) (Schluß.)

2. Alluvium.

Durch die eigenen Geröllaufschüttungen aus seinem Bette verdrängt, schlug der Main in der Alluvialzeit von Aschaffenburg aus wieder eine nördlichere Richtung ein und wählte ungefähr den Weg, den er schon einmal in der mitt­leren Diluvialzeit verfolgt hatte. Er durchsägte den Gneis bei Aschaffenburg, setzte zwischen den Basalten von Steinheim und Wilhelmsbad die frühere Erosionsthätigkeit fort und grub sich zwischen dem Bornheimer und Lachsenhäuser Berg in den älteren Diluvialablagerungen und den Tertiärschichten bis auf den Rupelthon hinab eine Laufrinne, die er noch heute inne hat. Zugleich mit der Ausräumung dieser Rinne erfolgte, indem der Main von Norden nach Süden und um­gekehrt hin- und herpcndelte, besonders bei Hochwasser, die Aufschüttung einer etwa 5 m mächtigen aus Sand und Ge­röll mit eingestreuten Blöcken bestehenden (5) Alluvi al terraffe. Diese Terrasse überlagernd und in sic einge­bettet, liegen nun die andern Alluvialbildnngen: Aulehm, Flugsanddünen, Rie tböden und 'Torfmoore (Enkheim, Offenbach, Hanau u. a. O.), welch letztere einen deutlichen Hinweis bilden auf die mannigfaltigen Flußver­schiebungen und Flußgabelungen, die der Rèain auch in dem

rath Dr. Moritz Schmidt-Metzler, Frau Anna Schmidt- Polex, Frau Sofie Schulz-Euler, Frau Sofie Soemmering, Frau Georg Speyer, Frau Geh. Sanitätsrath Dr. Alexander Spieß, Frau Theod. Stern, Frau Bürgermeister Dr. Varren- trapp, Frau Julie Wertheimber.

jüngsten geologischen Zeitabschnitt erfahren hat. Es würde mich zu weit führen, wollte ich hier auf all die älteren Fluj- betten des alluvialen Mains näher eingehen; sie sind durch das Bodenrelief und durch ihre zum Theil sumpfige Be­schaffenheit genügend gekennzeichnet. Erst im Laufe der Ge­schichte sind durch die Thätigkeit des Menschen die Ufer des Flusses eingeengt und gefestigt worden, aber wiederholt hat er bei Hochfluthen versucht, die alten Rinnen, wenigstens zeitweise, wieder in Besitz zu nehmen, ein Bemühen, das bei der intensiven Kultur des Mainthals unter den heutigen klimatischen Verhältnissen als aussichtslos erscheint.

IV. Brüche, Schollen; Basalte.

Das untere Mainthal ist, wie oben dargethan wurde, bildungsgeschichtlich als Fortsetzung der oberrheinischen Tief­ebene zu betrachten. Es wird durch eine ganze Anzahl in der Hauptsache nordsüdlich streichender Brüche, die wieder von westöstlich ziehenden Sprüngen gekreuzt werden, und deren Entstehung zweifellos mit der Spaltenbildung zusammen­hängt, der die rheinische Ebene ihr Dasein verdankt'), in eine Reihe geologischer Schollen von verschiedener Größe zer­legt, die freilief) erst nach Abdeckung des Alluviums und Diluviums klar hervortreten, aber auch so für den Geologen sich scharf genug abhcbcn. Die wichtigsten dieser Schollen, die sich zwischen Taunus, Spessart und Odenwald im Ganzen senkten, im Ein­zelnen infolge von Verwerfungen bis weit in die Quartärzeit hinein, ja man kann sagen, bis heute in verschiedenem Blaße gegen einander verschoben, so daß jetzt Stufen ganz verschiedenen

0 Die beiden Hauptrheinthalspalten, die östliche und die weülicke, greifen bei Niederrad und Flörsheim auch auf das rechte Mainmer über und wenden sich von da gegen das Niddathal und das Lorèbacher !hal. Den bildungsgeschichllichen Zusammenhang von Main- und Rheinebene beweisen auch die von dieser nach Norden ansstrahimden Orbbeben, zuletzt das Beben vom 19. Dezember 1899.