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Nr. 34.

Freitag den 9. Februar

1W0

Amtliches.

-Sandltrcw ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Unter dem Viehbestand des W i l h. M ü l l e r in Fran k- f u r t a. M., Gluckstraße 7, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Hanau den 8. Februar 1900.

Der Königliche Landrath.

V 1168 v. Schenck.

^taöt&reiö ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Nach § 65 des Jnvalidenversicherungsgesetzcs vom 13. Juli 1898 sind in der Versicherungsanstalt alle diejenigen Personen zu versichern, welche im Bezirke derselben beschäftigt werden. Soweit die Beschäftigung in einem Betriebe stattfindet, dessen Sitz in dem Bezirk einer anderen Versicherungsanstalt belegen ist, kann mit Zustimmung der betheiligten Versicherungsanstalten die Versicherung auch bei der Versicherungsanstatt des Betriebssitzcs erfolgen.

Unsere Zustimmung zu der Versicherung bei der Ver­sicherungsanstalt des Betriebssitzes werden wir auf etwaigen Antrag nur in denjenigen Fällen ertheilen, in denen wir da­zu gesetzlich verpflichtet sind, d. h. wenn die beschäftigten Per­sonen Mitglieder einer für den Betrieb errichteten Betriebs- (Fabrik)-Krankenkaffe sind, unb wenn seitens des zur Beitragsleistuttg verpflichteten Arbeitgebers der erforderliche Antrag gestellt worden ist.

Es sind hiernach für alle in der Provinz Hessen-Nassau und in dem Fürstenthum Waldeck (ausschließlich Pyrmont) vcrsicherungspflichtig beschäftigte Personen Beitragsmarken der Versicherungsanstalt Hessen-Nassau zu verwenden, soweit nicht die vorstehenden Voraussetzungen zutreffèn.

Wir ersuchen, den im dortigen Verwaltungsbezirk etwa vorhandenen Betrieben, deren Betriebssitz außerhalb des Be­zirks unserer Anstalt belegen ist, sowie solchen Betrieben, welche Zweigbetriebe außerhalb unseres Verwaltungsbezirks besitzen, hiervon Kenntniß zu geben.

Cassel den 23. Januar 1900.

Der Vorstand der Landesversicherungs-Anstalt Hessen-Nassau.

Freiherr R i e d e s c l, VAI Nr. 297. Landes-Direktor.

An die Königlichen Herren Landräthe der Provinz Hessen- Nassau, die Fürstlichen Herren Kreisamtmänner des Fürstcu- thums Waldeck, sowie die Magistrate in Cassel, Frankfurt a./M., Wiesbaden, Hanau, Marburg, Fulda, Eschwege, Biebrich a./Rh. und Höchst a./M.

Wird hierdurch zur Kenntniß gebracht.

Hanau den 5. Februar 1900.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 2385

In der Nacht vom 18. zum 19. Januar 1900 sind dem Handelsmann Hermann Levi in Elle r s (Neuhof) mittelst Einbruchs Schuhwaaren aller Art im Gesammtwerth von etwa 380 Mark gestohlen worden.

Der That dringend verdächtig sind 2 Personen (1 Mann und 1 Frauensperson) mit nachfolgender Personalbeschreibung, die von Neuhof nach Salmünster gewandert, von dort am Abend des 19. Januar mit der Eisenbahn nach Frankfurt a. M. und von da angeblich weiter, wohin unbekannt, gereift sind.

Ich ersuche geeignete Ermittelungen nach den Dieben an- zustcllen, sie im Betretungsfalle festzunehmen und dem nächsten Amtsgericht zuzuführen.

Beschreibung des Mannes:

Alter: etwa 30 bis 32 Jahre, Größe : etwa 1,68 in, Statur: schmächtig, Haare und Augenbrauen: dunkelblond, Bart: blonder Schnurr- und Backenbart, Kinn: rasirt, Ge­sichtsfarbe : blaß, Sprache: ziemlich gut deutsch; bekleidet mit dunklem Anzug und schwarzem, weichen Filzhut.

Beschreibung der F r a u e n s p c r son:

Alter: etwa 19 Jahre, Größe : etwa 1,6466 in, Statur: schlank, Haare und Augenbrauen: dunkelblond, Ge­sichtsfarbe : gesund (rundes, volle« und frisches Gesicht mit rothen Backen), Zählte: gut (auffallend weiß), Bekleidung: brauner Rock, schwarzes Jäckchen mit sehr weiten Puffärmeln und ein aus schwarzer Eiswolle angcfcrtigtcs Kopftuch.l

Hanau den 6. Februar 1900.

Der Erste Staatsanwalt.

Pin off. 2424

Ausscheiden.

Seit dem 30. d. Mts., mittags 1 Uhr, ist der hiesige Gerichtsgefäugniß-Jnspektor Friedrich Habermann ver­schwunden und liegt gegen denselben der dringende Verdacht der Unterschlagung amtlicher Gelder vor.

p. Habermann ist am 6. 4. 1858 zu Bütow geboren, 1,73 in groß, dunkelblond, hat flache Stirn, starke Augen­brauen, braune Augen, breite Nase, gute Zähne, frisches, längliches Gesicht und trug zugespitztcn, braunen Vollbart.

Bekleidet war er mit dunklem Cheviot-Anzug und braunem Ueberzieher, sowie gleichfarbigem weichen Hut.

Da P. Habermann bei seinem Fortgange einen Revolver zu sich steckte, wird Selbstmord vermuthet.

Um eingehende Nachforschungen evtl. Festnahme und Nach­richt wird ersucht.

Frankfurt a. M., 31. Januar 1900.

P 1048 Der Polizei-Präsident.

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 fast neue Peitsche mit schwarzem Stiel, 1 hellgelbes Portemonnaie mit 3 M. Inhalt, 1 blaue, seidene Kaputze mit schwarzer Spitze überzogen.

Entflogen: 1 Berliner Taube.

Hanau den 9, Februar 1900.

auf 728 Meter gesteigert werden konnte. Dies verleiht dem Geschoß eine außerordentliche Durchschlagskraft, die unter Umständen nur so einfache Schußwunden zur Folge hat, daß die von einem. Geschoß Getroffenen noch längere Zeit am Kainpfe thcilnehmen können; trotzdem haben die Buren weder zu Dum-Dum-, noch zu Hohlspitzengeschossen ihre Zuflucht genommen. Die Feuergeschwindigkeit läßt sich bei dem Mausergewehr der Buren in gezieltem Feuer bis auf 25 Schuß in der Minute bringen, während .bie mechanische Leistungen des Gewehrs, also ohne Zielen, 50 Schuß in der Minute aufweist. Es steht schon jetzt außer Zweifel, daß sich das beutle Fabrikat in dem Transvaalkricge allen andern Fabrikaten ganz erheblich überlegen gezeigt hat.

Politische und unpolitische Nachrichten.

Deveschcn-Bureau Herold.

Berlin, 8. Febrtlar. Im Rittersaale des königlichen Schlosses leistete heute Mittag um 123/* Uhr der neu er­nannte Erzbischof von Köln, Dr. Simar, dem Kaiser den Huldigungseid. Bei der Eidesleistung waren u. A. zugegen : Der Ministerpräsident Fürst Hohenlohe, die Minister Dr. Studt, Schönstedt und Freiherr von Rheinbaben. Nach der Vereidigung waren der Erzbischof und die anderen Herren beim Kaiser zum Frühstück geladen.

Berlin, 8. Februar. Ueber die heute im Schloß statt- gefundene Eidesleistung des Erzbischofs von Köln berichtet noch derReichs-Anzeiger", daß nach der Vorstellung des Kultusministers der Erzbischof eine Ansprache an den Kaiser hielt, in welcher er für die Ernennung seinen Dank ausspracb. Nachdem der Erzbischof alsdann den Eid geleistet hatte, gab der Kaiser seiner Befriedigung Ausdruck, daß der Erzbischof seiner Berufung freudig Folge leisten will. Er sei der vollen Zuversicht, daß der Erzbischof auch in seinem jetzigen Wirkungskreise mit aller Hingebung die ihm anverrrauten Diözesanen in allen christlichen Tugenden unterweisen und sie gleichzeitig zu guten Christen und Patrioten erziehen werde.

Berlin, 8. Februar. Ein Pistolen-Duell har gestern früh in dem Zehlendorfer Forst stattgefunden. Die Gegner waren ein Zeuge aus demHarmlosen"-Prozeß, Leutnant von R. und der Rittergutsbesitzer Erich von H., Offizier der Re­serve. Der erstere soll, wie ein Berichterstatter meldet, schwer verwundet sein.

Berlin, 8. Februar. Das Abgeordnetenhaus erledigte heute den Etat der Handels- und Gewerbevcrwaltnng. Als­dann wurde der Gesetzentwurf betreffend die Bestrafung von Verkehrsabgaben-Hintcrziehung einer Kommission überwiesen. Die Etats' des Kriegsministers und des Staats-Archivs wurden ohne wesentliche Debatte genehmigt. Morgen 12 Uhr Justizetat.

Berlin, 8. Februar. DerLokal-Anzeiger" meldet aus London: Lord Salisbury hat auf morgen einen Kabinetsrath einberttfen.

New-Nork, 8. Februar. Eine Anzahl englische Agenten durchziehen die westlichen Staaten der Union, um große Mengen Don Pferden anzukaufen.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 8. Februa r.)

Haus und Tribünen sind sehr gut besetzt. Am Bundes- rathstische: Graf PosadowSky, Tirpitz, Graf Bülow, Freiherr v. Thielemann, u. Goßler it. A. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung der Novelle zum Flottengcsctz.

Staatssekretär T i r pi tz: Zur Begründung der Schaffung einer stärkeren Flotte für Deutschland haben die historischen Ereignisse der letzten beiden Jahre eine so deutliche Sprache geredet und so aufklärend gewirkt, daß die Nothwendigkeit der Verstärkung in allen Kreisen unseres Vaterlandes anerkannr worben ist. Die Flottengegttcr und Flottenfreunde unter­scheiden sich bei unS nur wesentlich darin, daß die Ansichten auseinandergehcn über den Umfang und das Tempo der Vcr- ftärfxng und über die Frage, in der sie zu erfolgen hat. Die Gründe für die Verstärkung lassen sich in wenig Worte zu- sammenfassen. Der Abstand zwischen der maritimen Stärke unseres Landes und derjenigen einzelner fremder Ländch ist so groß, daß die verbündeten Regierungen dann eme so er hebliche Gefahr erblicken, und zwar ist diese Gefahr um so größer, als die wirthschaftliche Konkurrenz jener Länder nach menschlichem Ermessen in den nächsten Jahrzehnten noch zu nehmen wird. Wenn man die Frage einer Verstärkung der Marine voll würdigen will, so muß man sich zunächst klar darüber werden, daß sich Kriegsmarinen nicht improvisiren lassen, sondern, daß ihre Herstellung vieler Jahre bedarf. Es ist klar, daß

Tägesschau.

Das Mausergewehr der Buren ein wichtiger Faktor ihrer Erfolge.

Zweifelsohne ist das Gewehr der Buren, das deutsche Mausergewehr, mit ein Hauptfaktor bei den Erfolgen unserer niederdeutschen Vettern in Südafrika. Die Schicßerfolge der Buren im gegenwärtigen Kriege sind nicht allein ihrer außerordentlichen Uebung und Fertigkeit im Schießen zu- zuschrcibcn, sondern auch der Güte der Waffe, die sie führen. Sie ist ein Erzeugniß deutscher Technik, uitb das von Mauser mit den neuesten Verbesserungen als Modell 96 konstruirte Repetirgewehr ist dem englischen Lee-Mctford-Gewehr nicht nur in konstruktiver, sondern auch in ballistischer Hinsicht weit überlegen. Wenn auch die Konstruktion des neuen Mauser auf der unseres Jnfantcriegewehrs 88 beruht, die als bekannt angenommen werden kann, so weist sie doch erhebliche Abweichungen auf, da Laufmantel und Magazin eine durchgreifende Aenderung erfahren haben. Den Lauf­mantel hat man ganz aufgegeben und an seiner Stelle einen hölzernen Handschutz angenommen, der bis zum Unterring reicht und den Lauf wie in ein Holzfutteral eingelagert erscheinen läßt. Auf diese Weise ist die leichte Handhabung der Waffe auch bei heißgeschossenem Laufe gewährleistet. Beim Magazin ist der bisher über den Schaft hervorragende Kasten, sowie der Patronenrahmen aufgegeben worden. Für den letztem gelangte das System des Ladestreifens zur Ein­führung; dieser wird nach dein Ocffnen der Kammer in 2 Auèfräsungen der Hülse festgestcllt und die 5 übereinander liegenden Patronen mit dem Daumen in das Magazin ge­drückt, in dem sie zickzackförmig, drei rechts und zwei links, lagern. Das Magazin ist mit der unteren Fläche de» Schaftes verglichen und geschlossen, so daß Sand oder Schmutz nicht hineindringen kann. Beim Schließen der Kammer fällt der Ladestreifen von selbst zur Erde. Sind alle Patronen verschossen, so sritt der Zubringer so hoch heraus, daß sich die Kammer nicht schließen läßt, wodurch der Schütze darauf aufmerksam gemacht wird, daß von Neuem zu laden ist. Zu den weiteren Neuerungen gehört die An­fertigung der Kammer aus einem Stück, so daß der Ver­schlußkopf nicht abnehmbar ist. Das neue deutsche Infanterie- gewehr wird ebenfalls diese Konstruktion aufwciscu die bei dem Burcngcwehr ein Caliber von , Millimeter hat. Durch die Vereinfachung der einzelnen Theile ist daS Gewehr weit kriegsbrauchbarer gestaltet worden, auch sind viele Ursachen derlei den früheren Konstruktionen nicht selten vorkommen- den Ladehemmungen unb Versager beseitigt worden. Auf das Gewehr kann ein kurzes Seitengewehr aufgepflanzt werden; ohne dies wiegt die Waffe bei einer Länge von 1,25 Meter nur 4 Kilogramm. Die Patrone ist im ganzen der deutschen ähnlich und hat eine Länge von 78 Millimeter bei 24,8 Gramm Gewicht; sie enthält das bekannte läng­liche Geschoß, das aus einem Hartbleikern mit nickel- plattirtem Stahlmäntel besteht und mit ranchschwachcm Blättchenpulver verschossen wirb. Der vollständige be­strichene Naum von der Mündung an beträgt gegen Infanterie 600 Meter und gegen Reiterei 700 Meter, während die Geschoßgcschwindigkcit an der Mündung bis