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Auswärts 30 ^.

Amtliches Grasn für Stsöt- unö LanöKreis Hannu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 32.

Mittwoch den 7. Februar

1900

Amtliches, ^tadt&reiö >anau.

Unter dem Rindviehbestande des Oekonomen Heinrich Gerlach hier, Große Dechaneistraße wohnhaft, ist die Maul- und Klauenseuche erloschen, die Gehöftssperre ist aufgehoben.

Der Stadtkreis Hanau ist nunmehr wieder frei von Maul- und Klauenseuche.

Hanau den 6. Februar 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 1137 _________v. Schenck.___________________

^axtö&rew ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen LandrathsaMes.

Unter dem Rindvieh des Gutspächters Bartmann zu Frankfurt a. M. ist die Maul- und Klauenseuche aus­gebrochen.

Hanau den 8. Februar 1900.

Dor Königliche Landrath.

V 1010 v. ScheN ck.

^taöt&rew ^anaxu Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Zur Einführung einer geregelten Müllabfuhr bedarf die Stadt Hanau

5000 größere und 3000 kleinere verzinkte

Mülleimer,

deren Lieferung im Wege der öffentlichen Ausschreibung ver­geben werden soll.

Besondere Lieferungsbedingungen liegen auf dem Stadt­bauamt II werktäglich in den Vormittagsstunden von 10120- Uhr zur Einsicht auf.

Die Angebote sind verschlossen mit der Aufschrift: Lieferung von Mülleimern" bis zum 24. d. Mts., morgens 11 Uhr, an das Stadtbauamt II einzureichen, zu welchem Termin im Beisein etwa erschienener Bieter die Eröffnung der Angebote erfolgt.

Hanau den 2. Februar 1900.

Stadtbauamt II.

Leers. 2092

Höhere Mädchenschule.

Anmeldungen für das neue Schuljahr werden vom 5. bis 10. Februar, vormittags von 11 bis 12 Uhr, im Schulgebäude, Steinheimerstraße 37, entgegengenommen, und es sirä hierbei die Geburts- und die Impfscheine vorzulegen.

F«uiü«1on.

Skizzen ans Dculsch-Böhmcn.')

Von Karl Geb h erbt.

(Nachdruck verboten.)

Wie ein fester Gürtel umgibt das geschlossene deutsche Sprachgebiet Böhmens das Land, und nur an einer Stelle ist dieser Gürtel durchbrochen: an der Glatzer Grenze gegen Skalitz und Josephstadt hin, dort, wo die preußischen Truppen im Jahre 1866 in den Kessel Hinabstiegen. Bayern, Franken und Sachsen haben der Stammeszugehörigkeit nach an unseren böhmischen Landsleuten Theil, ihr Blut hat sich im Laufe der Jahrhunderte mannigfach gemischt, viel hat sie ihre oft grausame Geschichte gerüttelt und geschüttelt doch bis in ihr Mark sind sie stets Deutsche geblieben, deutsch ihrer Erscheinung, deutsch ihrer Gesinnung, der Biederkeit, Treue unb Tapferkeit nach, deutsch auch in der scharfen Jndividualisiruitg der Bewohner der einzelncit Laudestheilc. Wer vom Südwesteu bis zum Nordosten durch Deutsch- BöhmenS Gaue wandert, dein eröffnet sich eine schier iiuer= schöpfliche Reihe herrlicher Naturanfichten, wechselnder Kultur­bilder und tiefe Micke in ein immer neu, immer eigenartig gestaltetes Volksleben.

Wir befinden uns in der majestätischen Einsainkcit des Böhmerivaldes. Hier herrscht noch mit ungeschmälerter Macht der alte Wald, der Horst der Märchen und der Kobolde. Ganz Mitteleuropa hat keine zweite so ausgedehnte und

*) Am 5. Februar haben die vielbesprochenen Verständigungs-Ver­handlungen zwischen Deutschen und Tschechen ihren Anfang genommen. In diesem Augenblicke dürfte es doppelt interessant sein, einen Blick auf die Bewohner in Böhmen und ihre schöne Heiinath zu werfen.

Zn die unterste Klasse IX werden diejenigen Kinder aus­genommen, welche 6 Jahre alt sind. Den geltenden Be­stimmungen gemäß finden jedoch auch die Kinder, welche dieses Lebensalter bis zum 1. Oktober zurücklegen, sofern sic in körperlicher und geistiger Beziehung zum Schulbesuche reif er­scheinen, zu Ostern Aufnahme.

Hanau den 30. Januar 1900.

Der Direktor.

B u n g e n st a b. 1803

Gesundem und verlorene Gegenstände etc.

Verloren: 1 Jnoaliditätskarte Nr. 3 für den Koch Erdmann Schwenke.

Entlaufen: 1 schwarz-weißer russischer Windhund.

Vom Waseumcister am 5. d. Mts. eingefangen: 1 Bastard, schwarz-weiß, glatthaarig, w. Geschl., 1 rother Hühnerhund mit weißen Abzeichen, m. Geschl.

Hanau den 7. Februar 1900.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 6. Februar.)

Fortsetzung der Berathung der lex Heinze, betreffend den sogenannten Arbeitgeberparagraphen. (§ 182a.) Derselbe ist gegen den Wunsch der Regierung von der Kommission ange­nommen. Er bezweckt den Schutz weiblicher Angestellten gegen sexuelle Angriffe ihrer Dienstherren und Arbeitgeber. Es liegt hierzu ein Abänderungsantrag Albrecht (Soz.), sowie ein solcher des Abg. Beckh (freis. Volksp.) vor. Abg. v. Treuenfels (kons.) bittet um Annahme des Pa­ragraphen. Abg. Beckh (freis. Volksp.) empfiehlt seinen Antrag. Abg. H eine (Soz.) verspricht sich keine Besserung der sozialen Zustände von solchen Strafgesetzen. Die Strafbestimmungen seien eigentlich in diesem Paragraphen noch viel zu niedrig, doch verzichteten seine Freunde darauf, eine höhere Strafnorm zu beantragen. Um Erpressungen möglichst auszuschließen, beantragt seine Fraktion eine nur einjährige Verjährungsfrist. Staatssekretär Nicberding erkennt den Gedanken, welcher dem Antrag Beckh zu Grunde liegt, als richtig an. Er wendet sich darauf gegen die Aus­führungen des Abg. Heine, dessen Wünsche eine ganz unmög­liche Gesetzgebung herbeiführen würden. In seinen weiteren Ausführungen erklärt der Staatssekretär den Arbeitgeber­paragraphen, ebenso den vom Reichstage schon angenommenen Paragraphen, der das Schutzalter der Mädchen vom 16. auf das 18. Jahr hinaufsetzt, als für die verbündeten Regierungen unannehmbar. Abg. Rören (Ctr.) bedauert lebhaft diese Stellungnahme der verbündeten Regierungen und bittet das Haus dringend, den § 182a anzunch«:n. Staatssckrretär

Rieberding erläutert nochmals den Standpunkt der Re­gierung. Abg. Esche (natl.) stimmt mit einem Theil seiner Freunde dem Kommissions-Vorschlage mit der vom Abg. Beckh beantragten Aenderung zu. Nach weiterer unwesent­licher Debatte wird der § 182a in der Fassung der Kom­mission mit schwacher Mehrheit angenommen, nachdem die Anträge Beckh und Albrecht abgelchnt worden waren. Ferner wurde noch der § 184 angenommen, welcher von der Ver­breitung unsittlicher Bilder und Schriften handelt.

Morgen 1 Uhr: Weiterberathung und Interpellation Czarlinski. Schluß 61/* Uhr.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 6. Februar.)

Im preußischen Abgeordnetenhause wurde heute der Berg- Etat erledigt. Es begann alsdann die Spczial-Bcrathung des Etats der Handel- und Gewerbe-Verwaltung. Nach längerer Debatte iMirde die Weiterberathung auf morgen vertagt.

Politische und unpolitische Nachrichten.

Depeschen -Bureau Herold.

Berlin, 6. Februar. An der gestrigen Sitzung des Staatsministeriums, die von 3 bis 7V* Uhr dauerte, nahmen auch die Staatssekretäre Graf Posadowskp, Graf Bülow, Tirpitz, Thielmann und Nicberding theil.

Berlin, 6. Februar. Die Wahlprüfungs-Kommisston des Reichstages hat die Wahl des Abg. Harriehausen (natlb.) für ungültig erklärt.

Berlin, 6. Februar. Der neu ernannte Erzbischof von Köln ist hier eingetroffen, um sich dem Kaiser und den Mi­nistern vorzustellen.

Berlin, 6. Februar. Die Budget-Kommission des Reichs­tages setzte heute die Berathung des Etats fort beim Titel Verwaltung der Eisenbahnen. Im Laufe der Debatte kam das Eisenbahn-Unglück bei Bischweiler zur Sprache. Von Seiten der Regierung wurde erklärt, daß eine gewisse Schuld des Weichenstellers nachgewiesen sei. Derselbe sei zwar aus der Haft entlassen, die Anklage aber aufreiht erhalten worden. Der Elattitel wurde bewilligt.

Wien, 6. Februar. Im Abgeordnetenhause hielten heute Vormittag die deutschen und tschechischen Delegirten der Ver­ständigungs-Konferenz Berathungen ab, in welchen das Arbeits- Programm der Konferenz und die Folgeu-Ordnung der zu berathenden Gegenstände festgestellt wurden.

Podwoloczyska, 6. Februar. Die hiesige Export- Firma S. G. Maranz, welche in Rußland zahlreiche Filialen

Wohlstand und die Bewohner gewannen das Selbstgefühl, das sie noch heut kennzeichnet. Mit ihnen theilen die sogen, künischen (d. h. königlichen) Freibauern", die im Böhmer­wald von Neuern bis gegen Winterberg Hausen, den alten Adelsstolz. Auf ihren Höfen, bereit Anlagen an das west­fälische Bauernhaus erinnert, sitzen sie wie kleine Herren; eng sind sie mit dem Lande, das sie bebauen, verwachsen; denn dieses kraftvolle kernige Bauernthum, das noch bis vor nicht gar langer Zeit seine eigenen Richter wählte und noch jetzt durch ein Band am Hute seine Zugehörigkeit zum alten Gerichtsbczirkc bezeichnet, dies Bauernthum ist seit Ur­zeiten der Hüter der Grenze gegen feindliche Einfälle von Westen her gewesen.

Gegen Norden hin aber verliert der Böhmerwald allmäh­lich seine« rauhen Charakter und liebliche Bilder; empfangen uns, wenn wir ins Egerland eintreten. Was der Humanist Caspar Bruschius 1542 über dies Stück Erde schrieb, das paßt noch heute darauf:Und ist dieses Lândlein von der Stadt Eger an bis unter Schlackenwcrd ein sehr schön lustig Ort Lands, von hohem Gebirge, holdselig schönen Thaten und Wülden, unzähligen nicht allein süßen, sondern auch Sauer- brunnen und Bächlein, daß ich's kaum genug loben und preisen kann". Also denkt auch der Egerländer selbst: und wer verstünde seine innige und unauslöschliche Liebe zil seinem Hcimathsländchen nicht, der vom Kapellenberge bei Sächsisch-Schönberg zwischen den dunkelen fichtcnbcüam denen Bergert das Egerland sich breiten sicht: grüne Wiesen, bräunliche Moore, weite Strecken Kulturland, glitzernde Teiche, blühende Dörfer unb einsame Gehöfte. Aus schattigem Parke leuchten die vornehmen irrigen Häuser von Franzensbad ; drüben hinter der Kammer- Höhe aber liegt ds alte prächtige Eger, eine echte deutsche Reichsstadt noch heut, obwohl nun Wall und Graben gefallen find, mit hohen schmalen wappengeschmückten

großartige Waldwildniß. Dem Auge (sagt Brendel) begegnet nichts als Berg an Berg, bewachsen mit dunkelen Fichten­wäldern, in den Niederungen braunroth leuchtende, stellen­weise von der kriechenden Sumpfkiefer bestockte Filze und in den tieferen Thalgründen brausende unb schäumende Wild­bäche. Hier im Waldgebirge tragen Natur und Leben ernste Züge. Erst zu Anfang Juni ist der Lenz siegreich in diese einsamen Gründe eingezogen, und schon im Oktober greift der Winter ihn wieder mit Kraft an; nicht lange währts, und das Gebirge ist in tiefen Schnee gehüllt und der rauhe Sturm fegt heulend durch die Schluchten. Dann aber er= wacht im Böhmerwald ein reges Leben. Nach Weihnachten bevölkern sich die verlassenenHolzstädte" im Walde, eine Handvoll dürftiger Blockhäuser auf einer Lichtung, wo nun die Holzarbeiter in Sturm und Kälte hausen, während sie ihr oft nicht ungefährliches Gewerbe ausüben. Reich macht das Waldgebirge seine Bewohner nicht, wenn es ihnen auch Holz und Quarz zur Glas- erzeugung spendet; und so ist der hier wohnende Men­schenschlag zumeist ernst und streng ; bei ihren Festen schlagen die Bèhmenvökler nicht selten, wie ihre dajuvarischcn Nach­barn, über die Stränge, und die Kirchweih schließt oft mit einer solennen Rauferei ab. Es ist Kern in diesen Ge- birgslcuten, sie sind gerade, offen, redlich und vertrauensvoll; selbst in Städten, wie Prachatitz werden des Nachts viel­fach die Thüren nicht verschlossen. Eine eigenartige Gruppe in dieser Bevölkerung bilden die Walliitger, deren HeimathS- ort Wallern mit feilten eng aneinandergeorängten Häusern, die von ganz niedrigen, weit vorspringenden und mit schweren Steinen belasteten Dächern überragt sind, einen höchst eigen­artigen Anblick gewährt, dem freilich die neueste Zeit manches von seiner Originalität geraubt hat. Einst mußten alle Wanderer, die dengoldenen Steig" über das Gebirge be­nutzten, in Wallern säumen ; und daher kam die Stadt zu