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Vierteljährlich
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Amtliches Organ für Siaöi- unö Landkreis Sanan»
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit beüetristlscder Beilage
Nr. 24.
Montag den 29. Januar
1900
Amtliches.
^and^reis /öanctu.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Zn Breitenborn a. W. (K reis Gelnhausen) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.
Hanau den 26. Januar 1900.
Der Königliche Laudrath.
V 751 v. Schenck.
Gefundene und verlorene Gegenstände etc.
Gefunden: 1 gelber Damenledergürtel, 1. weißer Kopf- shwal, 1 Beitragsbuch der Kranken-Unterstützungskasse für Gold- und Silberarbeiter-Gehülfen für Jean Labourë, I Knabcumütze, 1 Mädchenmütze, 1 schwarzer Ueberzieher, 1 Naturgeschichte, 1 blaue Schirmmütze, 1 Haarpfeil.
Zugelaufen: 1 schwarzer, kurzhaariger Bernhardiner- hund mit weißer Brust und 4 weißen Pfoten, m. Geschl.
Hanau den 29. Januar 1900.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau. Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe „Han. Nnz." gestattet.
Kaisers Geburtstag.
Die eingelaufenen Berichte lassen erkennen, daß überall in Stadt und Land der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers festlich in patriotischer Weise begangen worden ist. Haben auch die jüngsten Tage Trauer in das Herrscherhaus getragen und mußten auch die geräuschvollen Feste in der Nähe desselben zurücktreten, so läßt es sich doch das deutsche Volk in engerem und weiterem Sinne nicht nehmen, seinem mit starker und kundiger Hand das Steuer des großen Staatsschiffes leitenden Kaiser den Ausdruck der Bewunderung und Dankbarkeit zu zollen. Der militärischen Feier haben wir bereits Erwähnung gethan. In den Schulen fiel der regelmäßige Unterricht aus und an dessen Stelle trat ein Festakt, gilt doch die Feier von Kaisers Geburtstag unserer Jugend als einer der wichtigsten Tage des Jahres. Im Kgl. Gymnasium hielt Herr Oberlehrer Mascher, in der Oberrealschule Herr Oberlehrer Lohmann und in der höheren Mädchenschule Herr Oberlehrer Honsel die Festrede. — Am Nachmittag fanden sich im Saale der „Centralhalle" Behörden, Offiziere und Bürgerschaft zu einem Festmahle zusammen, das auch dieses Mal eine große Dchaar von echter Vaterlandsliebe durchdrungener Männer vereinte. Den Kaisertoast brachte Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s aus.
— Am Abend folgten die Veranstaltungen der einzelnen Kompagnien und Eskadrons in den verschiedenen Lokalen der
FviMMm.
Stadtthcater in Hanau.
Hanan, 29. Januar.
Zur Nachfeier des Geburtsfestes unseres Kaisers hatten wir gestern Sonnlag im Stadttheater den zweiten Göthe-Abend in dieser Spielzeit. Zur Ausführung gelangte des Meisters fünfaktigeS Trauerspiel „Egmont", für das Ludwig van Beethoven die herrliche begleitende Musik geichaffen hat. Mit dem Träger der niederländischen Bewegung, dem historischen Egmont, der Goethe zu seiner Dichtung anregte, hat der Held seines Dramas bekanntlich nur den unverdienten gewaltsamen Tod, den er für die Freiheit seiner Provinzen erleiden mußte, gemein, alles andere ist die freie Erfindung des Dichters, aus der Fülle seiner schöpferischen Kraft heraus gestaltet. Dem Meister hat die freie Behandlung des Stoffes nnd besonder» der historischen Person des Grafen Egmont manche Anfechtung gebracht, aber wir verdanken der Umwandlung des Charakters des Helden und der Verjüngung in einen Liebhaber doch eine Perle unserer Litteratur, denn Egmont und sein Clärchen haben wie Faust und Gretchen, Ferdinand und Lonise ihren Platz in dem empfänglichen Herzen des Volkes gefunden und werden ihn auch dauernd bestatten. Die Regie des Herrn Zeitz war mit gutem Gelingen bemüht die gestrige Aufführung des Dramas zu einer erfolgreichen zu machen und den abwechselnden Scenen in ihrer Vielgestaltigkeit sowohl in dekorativer als auch in darstellerischer Weile einen guten Eindruck zu sichern. Auch die Einzelleistnngen genügten den Anforderungen, die an unser Bühnenpersonal gestellt werden können. Herr Becker stellte einen ritterlichen Grafen Egmont auf die Bühne, seine hübschen äußeren Mitteln unter; stützen aufs Beste fein verständnistvolles Spiel; die Liebcsjcenc mit Elärchcu hätte etwas wärmere Empfindung verlangt und der Monolog der Kerkerscene etwas bessere Nüancirnug, das sind die einzigen kleinen Ansstellungen, die wir an seiner groß angelegten und gut durchgesührte» Leistung machen wollen. Besonders glücklich war Herr Becker im Betonen der sorglos heiteren Natur und der edlen Männlichkeit des Grasen. Auch dem Clärchen des Frl. S t c i n b r ü ck kann Anerkennung gezollt werden. Sie verkörperte das einfache Bürgermädchen mit dem über; quellenden Herzen an Liebe nnd Verèhrnng für den Grafen auf recht sympathische Weise. Auch Herr Schmith als Brackenburg bot recht Lobcnswcrthes; dieser einfache, von seiner Liebe zu Clärchen so ganz bc
Stadt nnd Umgebung. — Am gestrigen Tage veranstalteten der Verband deutscher Kriegsveteranen und der Verband deutscher Eisenbahn-Handwerker und -Arbeiter, ersterer in der Stadt Bremen, letzterer in seinem Vereinslokale Festlichkeiten aus Anlaß des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers. Ueber die Festlichkeit der mittleren Staats-Eisenbahn-Beamten liegt folgender eingehender Bericht vor:
* Bei den Staats-Eisenbahn-Beamten. Am Samstag den 27. ds. feierte der Verein der mittleren Staats- Eisenbahn-Beamten in dem Wartesaal I. und II. Klasse des hiesigen Ostbahnhofs den Geburtstag Sr. Majestät unseres Kaisers. Die Feier war in jeder Richtung eine gelungene zu nennen. Des Gesangvereins „Eintracht" sei hier besonders gedacht, da dessen wohlgelungene Chöre wesentlich zum Gelingen des Ganzen beitrugen. Die Festthcilnehmer trennten sich erst in früher. Morgenstunde und wird Jedem derselben die wohlgelungene Feier lange im Gedächtniß bleiben. Welcher Beliebtheit sich der hiesige Verein der Staats-Eisenbahn-Be- amtcn erfreut, erhellt daraus, daß über 450 Personen an dem Feste thcilnahmen.
% Rotzdarf, 28. Januar. Auch in unserem Orte fand eine würdige Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers statt, veranstaltet vom Kricgeroercin. Das Kaiscrhoch brachte der Vorsitzende Herr Fr. Köbel aus, daran schloß sich die Absingung der Nationalhymne. Der Gesangverein „Eintracht" verherrlichte durch seine Mitwirkung die hehre Feier.
):( Langenselbold, 27. Januar. Trüb und regenichwcr stieg der Tag des Geburtsfestes Allerhöchst Sr. Majestät des Kaisers und Königs heraus und hielt der fortgesetzt niedergleitende Regen die Einwohner in ihren Wohnungen zurück. Nur gegen 9 Uhr belebten sich die Straßen auf kurze Zeit, indem die schulpflichtige Jugend eilig den Schulhäusern zustrebte, um an den stattsindenden Schulfeiern theilzunehmen. Auch hier und da wurde eine Fahne aufgehißt, deren Wimpeln aber nur zu bald völlig durchnäßt an den Fahnenstöcken klebten. Doch wie ganz anders gestaltete sich das Straßenbild am Abcitd, als der Regen nachließ,' ja hier und da ein Sternlein schüchtern durch die Wolkenritzen lugte, gleichsam dem Beschauer zurufend: „Nun mache Dich auf, lieber Bürger, eile zur geplanten Kaiserfeier, für heute ist es genug des Gießens." Und in der That, Biele verstanden den Wink, denn bald begann ein lebhaftes sich Hin- nnd Herbewegen auf den Straßen, Krieger, Sänger :c. eilten den Stammlokalen zu, um dort einige Stitnden im Kreise guter Freunde und lieber Kameraden im Andenken an den hohen Herrscher des Vaterlandes zu verweilen. Die offizielle Festtafel fand diesmal in dem mit den Büsten der Hohenzollernkaiser geschmückten, mit Schützenemblemen und duftigem Kannen grün höchst geschmackvoll dekorieren, sowie durch Acetylengaè (das zu Ehren des Abends probeweise eingeführt worden war) erleuchteten Saale des Gasthauses „zum Adler" (K. Schweinc- berger) statt. Die Präsenzliste wies über 80 Namen aus den besseren Familien des Ortes auf. Herr Amtsrichter Lucas (der die Uniform seines ehemaligen Regiments angelegt hatte), brachte in kurzer, kerniger und prägnanter Weile den Kaisertoast aus. Ausgehend von der tiefen Trauer, in welche die hohe kaiserliche Familie durch das Hinscheiden Ihrer Hoheit der Frau Herzogin Friedrich von Schleswig-Holstein in
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herrschte Bürgerssohn, bietet einem denkenden Schauspieler eine äußerst interessante Aufgabe; Herr Schmith brachte die wechselnden Gefühlsregungen dieses einfachen unentschlossene» Menschen in einigen Nuancen vielleicht etwas zu stark zum Ausdruck, im Ganzen aber bot er eine vortreffliche Leistung, die wir nicht anstehen, als d-s Beste zu erklären, was wir bisher von dem jungen Darsteller gesehen haben. Weiter war es Herr Metz, der als Herzog von Alba eine gut durchgesührte schau- spielerische Leistung geboten Und Herr Kron, der seinen Ferdinand recht sympathisch gestaltete. Unter den Bürgern waren cs die Herren Ambrogio und Gehrmann als Zelter, Schneider und Zimmermann, die sich in der charakteristischen Gestaltung ihrer Aufgaben hervorthun konnten. Die übrigen Rollen wurden mit mehr aber minder gutem Gelingen bargestellt. Die Wiedergabe der Beelbovensichen Musik machte dem Orchester unseres Stadtthealers alle Ehre.
Aus Kunst und Leben
Ueber eine Aufsehen erregende Erfindung auf dein Gebiete der Elektrizität, die sogenannte Teleplastik, wird in verschiedenen Zeitungen berichtet. Zwei Berliner Ingenieure sollen einen Apparat erfunden haben, der plastische Formen von lebenden und todten Körpern sowohl in natürlicher Größe als auch in Verkleinerung und Vergrößerung auf weite Entfernungen überträgt, so baß die in diesen Apparat eingestellten Formen am Hndpunkte genau so wieder erscheinen, wie sie am Ausgangspunkte vorhanden sind. Ein Rahmen umspannt eine beträchtliche Anzahl leicht verschiebbarer, dicht aneinander befindlicher Stäbe. Drückt man an diese eine plastische Form, z. B. daS Gesicht einer Person, so treten die Stäbe, der Form entsprechend, auf der eut- gegengeseyten Seite vor und lassen auf dieser ein genau plastisches Bild der Form erscheinen. Wird die Platte mit einer gleichen Platte eines anderen Ortes derart elektrisch verbunden, daß die Ausbiegungen jedes Stabes der Ausgangsstation eine gleiche Formveränderung des entsprechenden Stabes der Aufnahmestation zur Folge haben, so tritt bie'
diesen Tagen versetzt worden sei, feierte der Redner des Kaisers Majestät als den obersten Kriegsherrn, den Sicherer des Friedens, den Beschützer des Rechts und das Vorbild in der Gottesfurcht, als den Herrscher, der fein Volk tüchtig machen wolle, daß es zu jeder Zeit, gegen wen es auch sei, sein Recht, seine Krone, seine Freiheit verrheidigen könne, wie es jenes kleine Burenvolk dort im Süden gegenwärtig so ruhmvoll thue gegen einen übermächtigen Feind. Mit Begeisterung stimmte man ob solchen Ausführungen in das Kaiserhoch ein, um dann die Kaiserhymne zu intoniren. Nach Aufhebung der Tafel erschien der Winkelmann'sche Gesangverein, auf der Bühne, um den nun beginnenden gemüthlichen Theil Des Festabends durch einen Ehor patriotischen Inhalts zu eröffnen. Die weiteren angenehm zu Gehör gebrachten Darbietungen des Vereins erfreuten sich des allgemeinen Beifalls, sowie auch die dazwischen eingeftreuten Soli, Quartette und Terzette. Ler Lokaldichter F. S. gab zwei Deklamationen „Die Kaiserparade" und „Kaiser Wilhelms II. Meerfahrt" zum Beste», gegen Schluß der Feier kamen noch zwei improvisirte Einakter durch die Herren Postassistcnr D. und Gerichtsaktuar E. zur Darstellung, in welchen die beiden Herren Akteure ebensoviel Humor als miniisches Talent an den Tag legten. Resumiren wir die Einzelheiten des Festabends, so kann sich auch diese patriotische Veranstaltung würdig den bisherigen anschließen, ja sie hat den Vorzug, daß sic gleichsam aus sich selbst hervorgegangen ist, im Sinne des Dichterworts: „Da ist Freude, da ist Leben, Wenn's von allen Zweigen schallt." Zum Schlüße sei denn auch noch des Herrn K. Schweinsberger als Gastgeber gedacht, dessen Küche und Keller nicht zum Mindesten zum Gelingen des Festabends mitbeitrugcn. Das Menu (Mk. 1.50) war in jeder Beziehung zufriedenstellend und was den Stoff anlangt, dessen National auf die weltbekannten G. A. Waltz'schen Kellereien zu Hanau verwies, wollen wir uns jeder Aeußerung enthalten, indem die sich nach und nach auf- pflanzenden, bemontirten Flaschenbatterien keines Kommentars bedürfen.
0 Langendiebach, 29. Jan. Der Geburtstag Sr. Majestät des Kaisers wurde am vergangenen Samstag vom hiesigen Krirgerverein im Vereinslokale durch eine kleine, aber sonst recht hübsch arrangirle Feier begangen. Von einer größeren Festlichkeit mußte Abstand genommen werden, da der Verein noch eine größere Restschuld für das Kriegerdenkmal zu decken hat. Das Hoch auf unseren obersten Kriegsherrn i brachte der Vereinsvorsitzende Herr Wörner in kurzen, aber markigen Worten zum Ausdruck. Hierauf entwarf Herr Pfarrer Herchenröther in beredten Worten einen Rückblick auf das vergangene Jahrhunden. Durch Absingung patriotischer Lieder mit Klavierbegleitung und sonstigen Vorträgen verfloß die Zeit nur allzu rasch und man trennte sich in früher Morgenstunde mit dem Bewußtsein, das Geburtstagsfest unseres erhabenen Kaisers durch eine kleine, aber würdige Feier begangen zu haben. Sonntag Vormittag war Fest- gottesdienst, an welchem sich der Kricgcrverein in corpore betheiligte.
Q Fechenheim, 29. Januar. Am Samstag Abend veranstaltete der hiesige Kriegerverein „Alemannia" im „Saalban zur Schanze" die Feier des Geburtstages Sr. Maj. des Kaisers und Königs. Da bei der großen Mt- gliederzahl des Vereins — derselbe zählt gegenwärtig über 300 Mitglieder — eine starke Betheiligung zu erwarten war, würben, um eine Ueberfüllung der Fcsrräume zu vermeiden, ■MBKMMMMiWBM———————
plastische Fvrm an dieser Station ebenso hervor, wie an der Ausgangsstation. Werden die Stäbe in der „telegraphirten Stellung" fixirt, dann läßt sich leicht ein Abguß der Form j machtzp. Von dem Apparat verspricht man sidi große Erfolge, namentlich in seiner Anwendung bei Verfolgung flüchtiger Verbrecher, indem es leicht sein würde, die Identität eines Verdächtigen mit der gesuchten Person schneit und sicher feftzustellen.
An die falsche Adrefie gerathen. Von einem in England sehr bekannten Professor der Zoologie wird ein amüsantes Gcschichtchcn erzählt. Der alte Gelehrte, der sich in ein kleines Städtchen in Sussex zurückgezogen har, wünschte zu seinen Experimenten etwas trichinöses Schweincficisch, und so sprach er eines Morgens bei den: Schlächier vor, den seine Gattin mit ihrer Kundschaft beehrte, und fragte ihn, ob er nicht manchmal schlechtes Fleisch in die Hände bekomme. „Nur höchst selten, und dann lasse ich es sofort vernichten", entgegnete'der vorsichtige Fleischermeifter. „Nun", meinte bev Professor, „wenn Sie das nächste Mal ein trichinöses Schwein schlachten, dann schicken Sie mir doch ein paar Pfund." Der Zoologe dachte dabei natürlich an sein Laboratorium. Obwohl dieser Auftrag den naiven Fleischlieferanten ein wenig I konsternirte, versprach er jedoch, ihn auszuführen. Drei Wochen waren vergangen, als der Gelehrte wieder das i Geschäft betrat. „Haben Sie noch immer kein schlechtes Fleisch gehabt?" fragte er ungeduldig den Meister. „ Aber gewiß", erwiderte dieser: „ich habe Ihnen doch schon vor einer Woche zwei Pftmd hinaufgeschickt. „Wo haben Sic co abgeben lassen 7" inquirirte der bis in die Lippeu erblaßte alte Herr. „Nun, selbstverständlich in Jbrer Küche", war ' die Antwort. Vollkommen geknickt schlich der Professor nach Hause, um seine erschlafften Lebensgeister an etwas altem Cognac wieder gufzufrischeu.