Erstes Blatt.
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Zugleich
Amtliches Organ für 5faât- und LanöKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristische: ^'il^ao
Nr. 23.
Samstag den 27. Januar
1900
Amtliches.
^anöâre i# ^axtatt.
Bekauntmachungeu des Königlichen Landrathsamtes.
Im Verlage der „Germania" zu Berlin ist eine kleine Druckschrift unter dem Titel „Was Jedermann über die Invalidenversicherung missen mutz" erschienen. Diese Schrift, von dem Reichstagsabgcordnetcn Dr. F. Hitze versaßt, enthält einen übersichtlichen Bericht verständlicher Zusammenstellung aller die Alters- und Invalidenversicherung betreffenden Bestimmungen unter Berücksichtigung des Ab- änderungsgcsetzes vom 13. Juli 1899. Sowohl Behörden als auch Privatpersonen kann die Schrift, die zur Masseu- verbreitung geeignet ist, dringend empfohlen werden. Der Preis der Schrift beträgt 25 Pfennig per Exemplar, bei größeren Bezügen treten Preisermäßigungen ein.
Ich bin bereit, durch Vermittelung der Herren Bürgermeister Bestellungen, welche bis zum 1. Februar ds. hier ein- gehen, entgegen zu nehmen.
Hanau den 13. Januar 1900.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
SlcrHlkrksis /^anavu
Bekamltmachlmgel! des Oberbürgermeisteramtes,
Die Erhebung der Steuern und des Schulgeldes pro IV. Vierteljahr findet in der Zeit vom 1. bis 15. Februar statt.
Da der Andrang zu den Katzen in genanntem Zeitabschnitt sehr stark ist, so werden diejenigen Steuerzahler, denen an einer schnelleren Abfertigung gelegen ist, darauf aufmerksam gemacht, daß schon vor Beginn des Hebeterrnins Zahlungen in den auf dem Steuerzettel, Sette 3, ersichtlich gemachten Kastenstunden entgegen genommen werden.
Die städtische Steuerkaste befindet sich Markt 16, Zimmer 6 «. 7, zn ebener Erde.
Kanau den 24. Januar 1900.
S t a d t k a s s e. 1525
Schulnachricht.
Die Anmeldungen für das neue Schuljahr finden unter Vorlage der Geburts- und Impfscheine in der Zeit vom 29. Januar bis 3. Februar d. Js., vormittags von 11 bis 12 Uhr, in den betreffenden Schulgebäuden statt und erfolgen
1. für die Knabenmittelschule bei Herrn Rektor D « rtmuß, Johanniskirchplatz 1 a;
2. für die Mädchenmittelschule bei Herrn Rektor
I ck l e r, Bebraer Bahnhofstraße 9;
3. für die Knabenvolksschule bei Herrn Rektor- Di e t e r ich, Johanniskirchplatz 1 b;
4. für die Mädchenvolksschule bei Herrn Rektor Umbach, Nebengasse 13 (Neustadt).
Schulpflichtig werden zu Ostern d. Js. alle Kinder, welche das 6. Lebensjahr bereits vollendet haben oder bis zum 30. Siptember d. I«. vollenden werden. Dieselben sind daher in der angegebenen Zeit ordnungsmäßig zur Schule an- zumelden.
. Wenn schulpflichtig gewordene Kinder geistig oder körperlich so wenig entwickelt sind, daß sie an dem Klaffenunter- richt noch nicht erfolgreich theilnehmen können, so haben die Eltern oder Vormünder dieselben unter Vorlage der ärztlichen Bescheinigung dennoch zur Schule anzumeld«,, damit zum Nachweise der erfüllten Schulpflicht das Erforderliche gewahrt werde.
Kleinkinderschulen dürfen Kinder nicht über daS bezeichnete Lebensalter hinaus in Pflege behalte«.
Die Unterlassung der rechtzeitigen Einschulung schulpflichtiger Kinder unterliegt den Strafbestimmungen über un- rntschuldigtc Schulvcnäumnissc.
Hanau den 24. Januar 1900.
Der Stadtschulinspektor.
B unge n st a b. 1511
Kaisers Geburtstag.
27. Januar.
Kaiser Wilhelm II. vollendet heute sein 41. Lebensjahr. Das deutsche Polk ist sich der Bedeutung dieses Tages wohl bewußt; denn überall, wo Deutsche wohnen, wird der Schirm Herr des Reiches in Wort und Schrift gefeiert, quillt das
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltungsbl tt 12 Seite«.
nationale Empfinden aus der Tiefe der Volksseele hervor, um dem Träger unserer Kaiserkrone zu huldigen — ein Ausfluß der Ueberzeugung, daß die Geschicke des deutschen Reiches bei Kaiser Wilhelm II. in den besten Händen ruhen.
Unser Kaiser ist ohne Zweifel eine machtvolle Persönlichkeit; er ist keine Natur, die sich mit der Schattenrolle zufrieden geben kann, wie sie die englischen Herrscher spielen. Wilhelm II. ist ein echter Hohenzoller vom Scheitel bis zur Sohle, jeder Zoll von ihm ist kaiserliche Würde und fürstliches Bewußtsein. Dem Eindruck einer so hervorragenden Persönlichkeit faxn sich auf die Dauer Niemand entziehen; in der That hat Kaiser Wilhelm II. die Augen der ganzen Welt auf sich vereinigt, zuinal da es ihm gelungen ist, zahlreicher innerer und äußerer Schwierigkeiten Herr zu werden und in seiner elfjährigen Regierung den Frieden ungetrübt zu erhalten. Heute blickt die deutsche Nation bewundert und anerkennend auf eine statrliche Reihe von Erfolgen, die der klare, weit vorausschauende Blick des Kaisers für Deutschlands Macht, Größe und Wohlfahrt errungen hat.
Nicht genug zu danken ist dem Kaiser dafür, daß er wie sein Großvater, Kaiser Wilhelm der Große, vor allem für Deutschlands Wehrkraft, unsere erste Existenz-Bedingung, besorgt ist, daß er durch seine unermüdliche Arbeit die Organisation und die Verstärkung der deutschen Kriegsflotte angebahnt hat, die heute endlich vom gejammten deutschen Volke als unbedingt nothwendig erkannt wird. Das ist die werthvollste Errungenschaft aus den letzten Lebensjahren des Kaisers, die ergänzt wird durch den Erwerb von Kiautschou, den Karolinen und Samoa, mit der Sicherung, neuer Absatz- Gebiete für Deutschlands Industrie und Handel. Durch einen großen Theil des deutschen Volkes geht wieder ein frischer nationaler Zug, namentlich in der Eniwickluxg eines gesunden Selbstbewußtseins gegenüber dem Auslande. Auch sonst haben Kaiser und Reich Grund, mit Befriedigung znrückzublickcn; das wirthschaftliche Leben zeigt erfreuliche Blüthen. Industrie und Handel haben in deutschen Landen einen ungeahnten Aufschwung gewonnen; die Landwirthschafr hat die eifrigste Fürsorge und Förderung der staatlichen Gewalten erfahren, und ihre berechtigten Wünsche finden allezeit ein offenes kaiserliches Ohr. Die wirtschaftlichen Interessen in Deutschland si»d auf dem besten Wege, zu einem gerechten Ausgleich zu gelangen.
Alle diese bedeutsamen Ergebnisse einer fortschreitenden Entwicklung sind natürlich nicht ausschließlich auf das persönliche Wirken des Kaisers zurückzuführen. Immerhin ist es von großem Einfluß, wenn au der Spitze des Reiches ein Herrscher steht, dessen Adlerblick allen Dingen bis auf den Grund dringt, der für alles sein lebhaftes Interesse bekundet, der nach allen Seiten hin unausgesetzt Anregungen gibt, für Heer, Industrie, Handel, Landwirthschaft, .Kunst und Wissenschaft gleichmäßig zu sorgen bemüht ist.
An der Wende des von revolutionären Bestrebungen erfüllten 19. Jahrhunderts verkörpert unser Kaiser das monarchische Prinzip in seiner ganzen Lebensfähigkeit und Bedeutung. Es ist etwas Gewaltiges um die monarchische Ueberlieferung, um ihre staatserhaltcude Kraft, um da» feste soziale Band, da» sie um Fürst und Volk schlingt. Zwar gibt es Manche, die abfeit* stehen. Im Grunde genommen aber lebt auch in den Herzen dieser Irregeleiteten noch immer die Liebe zum Vaterland? und damit auch ein gewisses mo - narchischcs Gefühl, da» durch die Hetze berufsmäßiger Wühler nur künstlich zurückgedrängt ist.
Die große Masse des deutschen Volkes folgte in Treue dem Kaiser und wünscht Glück uitb Segen auf ihn und sein Haus herab. In reifer Männlichkeit, in voller Kraft steht der Kaiser an der Spitze des deutschen Reiches und Volke?, und dieser blickt vertrauensvoll auf ihn; denn es weiß, daß er seine höchste Aufgabe darin sicht, sein Volk glücklich zu ; sehen. Das stetige Fortschreiten auf beut Wege der sozialen Reform ist die Bürgschaft dafür, daß unser Kaiser, seinem Worte treu, für des Volkes Wohl zu handeln bestrebt ist. Und wenn heute die Lage in mancher Beziehung ernster er scheint als sonst, so wollen wir uns um so fester um ihn fdiaaren, eingedenk des deutschen Wortes: Treue um Treue!
Heil unserm Kaiser!
Die Borgänge in China.
Ein vorgestern veröffentlichtes Kaiserlickcs Edikt gibt bekannt, daß der Kaiser von China wegen seines schlechten Gesundheitszustandes nicht in der Lage ist, die StaaÄgeschäfte zu leiten und Pu Chun, ber Sohu des Prinzen Tuan, zum T h r o u e r b e n ernannt ist. AuS beut Edikt ergibt sich, daß die Kaiserin-Wittwe den Kaiser Kwangsu zwingen will, zü Beginn bei chinesischen
i Neujahrs abzudanken, obwohl biet in gewissen Hofkreisen er- j hebliche Opposition finden dürfte. Zwar bedeutet das Edikt ! nicht völlige Abdankung Kwangsus, man glaubt aber in hohen ' asiatischen Kreisen, daß dieselbe nur eine Frage der allernächsten ■ Zeit sein wird. Seit mehreren Monaten wurde fortwährend verbreitet, die Kaiserin-Wittwe beabsichtige, ihren Plan bis zu Ende durchzuführen.
Ausführlichere Mittheilungen lassen deutlich erkennen, daß es sich in Wahrheit um die gewaltsame Absetzung des jungen Kaisers Kwangsu durch die ehrgeizige Kaiserin-Wittwe handelt. Dieser Staatsstreich bedeutet den endgültigen Sieg der Kaiserin-Wittwe, in dem langjährigen, bald offenen, bald versteckte» Kampfe, den sie mit dem Kaiser um den Besitz der Macht geführt hat. Ein solcher Ausgang konnte nicht mehr zweifelhaft sein, nachdem cs der Kaiserin-Wittwe gelungen war, ihrem Adoptivsohn am 22. September 1898 die Zügel der felbftftânbigen Regierung aus den Händen zu nehmen, ihn zu entmündigen und sich selbst wieder zur Mitregentin zu erheben, ein Amt, das sie schon 1861 bis 1889, während der Regierung des verstorbenen Kaisers und dann während der Minderjährigkeit Kwangsus bekleidet hatte. Die Kaiserin- Wittwe ist die Beschützerin des Altchinesenthums im Gegensatz zu dem mehr reformfreundlichen Kaiser. Seine endgültige Beseitigung bedcuict eine Verschärfung des fremdenfeindlichen ZugeS der chinesischen Regierung. Bezeichnend dafür ist schon, daß die Kaiserin-Wittwe den Sohn des Leiters der größten anti-europäischen Geheimbünde zum Nachfolger Kwangsus ernannt hat. Trotzdem dürfte mindestens eine der China interessirten europäischen Mächte mit dieser Veränderung zufrieden fein: Rußlands Einfluß im fernen Osten ist so feftgegründct, daß offielle Fremdenfeindlichkeit der Regierung für das Zarenreich höchstens willkommene Erschwerung der europäischen Konkurrenz in Peking bedeutet.
Dalziels Bureau meldet aus Schanghai: „Die Kaiserin- Wittwe Hieb gestern eine Rathssitzung der Regierungschefs und kaiserlichen Familienmitglieder ab, wobei ihre Absicht angekündigt wurde, den Kaiser abzusetzen und seinen Nachfolger zu ernennen. DaS Schicksal des Kaisers Kwangsu ist unbekannt. In manchen chinesischen Kreisen erwartet man aus- ländische Intervention. Der Vater des neuen Kaisers ist das Haupt der großen geheimen Gesellschaften der langen Messer und der Boxer, deren Mitglieder kürzlich den Reverend Brookes ermordeten. Die Mandschu-Clique ist dem Regierungswechsel günstig, die Chinesen dagegen nicht. Letztere prohe- zeicn eine furchtbare Erhebung. Einem Gerückt zufolge soll Kaiser Kwangsu, nach Unterzeichnung de» Edikts und nachdem er der Kaiserin-Wittwe seinen Dank ausgesprochen, Selbstmord begangen haben. Die auswärtigen Vertreter haben noch keine Schritte ergriffen, man glaubt jedoch, daß die russischen Truppen in Port Arthur und an anderen Punkten das neue Regime zweifellos unterstützen werden. Nach soeben eingctroffcnen Telegrammen ist eine französische Marine- soldaten-Abtheilung in Peking angelangt. Man zivcifelt nicht daran, daß Englands Rivalen die durch den südafrikanische» Krieg gegebene Gelegenheit zur Ausbreitung ihres Einflusses prompt ergreifen werden. Es heißt, die britische Gesandt schaft wurde durch die Entthronung des Kaisers total überrascht."
Politische und unpolitische Nachrichten.
Depesch en-Buren u Herold.
Berlin, 26. Januar. Wie der „Reichs-Anzeiger" meldet, legt ber königliche Hof heute für die Herzogin Adelheid Trauer auf drei Wochen und zwar bis einschließlich 16. Februar an.
Berlin, 26. Januar. Nach einer Meldung aus Dresden wird die Leiche der Herzogin Adelheid von Schleswig-Holstein heute Abend nach Primkenau überführt.
Berlin, 26. Januar. Den „Berliner Neuesten Nachrichten" zufolge erhält sich ‘in parlamentarischen Kreisen die Ueberzeugung, daß die Annahme der Flocten-Vorlage im Reichstage gesichert ist.
Berlin, 26. Januar. Die Nachricht von der Ermordung des Regierungsrath«« Dr. Plehn auf der Konzession her Süd-Kamerun-Gesellschaft am Congofluß wird den „Berliner Neuesten Nachrichten" bestätigt. Dr. Plehn ist von den Eingeborenen durch Pfcilschüsse getödtet worden.
Berlin, 26. Januar. lieber die Schädigung des Poü- verkehrs nach Südafrika durch englische Behör-den geht ber „National-Zeitung" folgende Mittheilung zu: Die am 29. September, 10. und 13. Oktober v. J. nach TränSoaal aut- gegebene deutsche Post, die letzte der über Southampton- Kapstadt geleiteten, sind am 3. Januar d. I. von Kapstadt zurückgesandt worden und am 22. ds. in Köln wieder ein-