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Amtliches Grgân für éfaâf- unö LsuöKreis ^anau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 20.
Mittwoch den 24. Januar
1900
Amtliches.
StäHLKvois Äanau.
Der am 28. März 1886 hierselbst geborene Schüler Josef B a ch, Sohn des Heizers auf dem hiesigen Gaswerk, Wilhelm Bach, ist seit dem 1. Oktober v. I., nachmittags, von hier verschwunden, ohne bis jetzt in die elterliche Wohnung zurückgekehrt zu sein. Die angestellten Nachforschungen waren bisher ohne Erfolg. Es wird vermuthet, daß er sich umhertreibt.
Bach ist 1,20—1,30 m groß, von schmächtigem Körperbau, hat schwarze Haare, dunkle Augen, etwas bräunliches, schmales Gesicht und auf der linken Stirnseite eine große Narbe, von einer Operation herrührend. Er ist sehr zuthun- lich. Bei seinem Weggange trug er braune Kammgarnjacke, dunkle Hose, grünen Schützenhnt, neues, braunwollenes roth- und weißgestreiftes Hemd, alte Schnürstiefeln, braune Strümpfe und dunkelgrüne Weste.
Um Anstellung von Nachforschungen nach dem p. Bach, Anhaltung im Betretungsfalle und sofortiger Nachricht wird ersucht.
Hanau den 19. Januar 1900.
' Königliche Polizei-Direktion.
I. A.:
P 550 Graf v. U n r u h.
^and&rew /öanau. .
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtâ
Zwecks Verhütung der Weiterverbreitung der Maul- und Klauenseuche ist für die Gemarkungen Niedererlenbach und Okarben (Kreis Friedberg) die Gemarkungssperre angeordnet worden.
Unter dem Viehbestand der städtischen Irre n- anstalt zu Frankfurt ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.
Zu Praunheim (Kreis Frankfurt), sowie zu D o r t e l- w e il, Obe r w öl l ft a d t und Reichelsheim ist diese Seuche erloschen.
Hanau den 23. Januar 1900.
Der Königliche Landrath.
V 651/2 v. Schen ck.
Mit Berichterstattung auf meine Verfügung vom 3. Mai 1898 — V 4763 — betreffend finnige Rinder und Kälber — Nr. 33 der Amtlichen Beilage zum Hanauer Anzeiger pro 1898 — ist noch eine Anzahl Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände.
ehuüteton.
Stadt durch den dünnen europäischen Firniß immer wieder körperlich wie geistig die alte Farmersfrau herauszuerkennen ist. Dieser Schlag ist nun mal nicht so einfach zu curopäisiren, oder wenn man will: zu kultiviren, und „Tante Krüger" ist auch als Präsidentin nichts weniger als eine Dame.
Gehen wir nun zunächst auf den Punkt ein, nach dem die Männer bei dem weiblichen Geschlechte doch immer zuerst fragen, so können die Surenfrauen im Allgemeinen allerdings nicht als Schönheitsideale gelten. In ihrem überkräftigcn, massiven Körperbau haben sie schon von Haus aus etwas Mannweibliches, und was ihnen doch noch etwa von weiblicher Grazie eigen, das pflegt bald die landesübliche Wohlbeleibtheit zu zerstören. Die' Gründe dieser für die Burenfrau geradezu charakteristischen Korpulenz sind mannigfach; das natürliche Phlegma, die in der Regel überaus stille, eintönige, behäbige Lebensweise und die wenig anstrengende Häusliche' Beschäftigung vereinigen sich da mit der reichlichen animalischen Nahrung und mit der Milde des südafrikanischen Klimas,' das erfahrungsmäßig überhaupt die Magerkeit nicht recht duldet. Der echte und rechte Bur sieht aber in dem staatlichen Embonpoint seiner Ehcliebstcn keinen 'Nachtheil, sondern eher eine Schönheit, und er spricht .eine Anerkennung nuS, wenn er die Gattin „moie fett" nennt. Auf den Fremden aber macht solch' eine massige, schwerfällige Riesendame natürlich nicht den bestechendsten Eindruck, und dieser Eindruck wird auch durch die geringe Reinlichkeit der Burenfrau nicht verbessert. Wohl gibt cs Burenfrauen, die die traditionelle Sauberkeit Alt-Hollands auch in Südafrika bewahren, aber die Regel auf der Burenfarin ist doch ein sehr sparsamer Verbrauch von Seife und Wasser und eine allgemeine Geringschätzung des Reinlichkeitssinnes. Geht man doch dort vielfach noch in voller Kleidung zu Bett, unb ein
Buren fraucn.
Don Peter Lemm.
. (Nachdruck verboten.)
Es wird gesagt, daß man die Kultur eines Volkes am klarsten an seinen Frauen erkennen und bemessen könne: und das ist gewiß richtig. Wenn wir nun von den Burenfrauen erzählen sollen, so muß uns der geneigte Leser nicht mit falschen Voraussetzungen entgegentreten. In der Höhe, Feinheit und Schönheit der Kultur liegt bekanntlich die Stärke des Burenvolkes nicht, und so können wir auch nicht die Bilder von geistreichen, ticfgebildetcn, feinerzogenen Damen, von eleganten Schönheiten, von leidenschaftlichen Vollnaturen vorführen. Kurz gesagt: die Burenfrau bildet einen mehr interessanten, merkwürdigen, charakteristischen, als anziehenden oder reizenden Typus. Freilich hat die neueste Zeit an diesem Typus hier und da auch schon nivellirend gearbeitet. Die Burenfrau, die in Bloemfontein, der Gartenstadt, in, der Goldstadt Johannesburg oder in Pretoria lebt, ist doch schon „von der Kultur beleckt", hat den europäischen Lebensgewohn- Heiten Konzessionen gemacht. Doch diese modcrnisirten Burcn- franen interesstren uns hier nicht. Wie den echten Buren, so muß man auch die echte Burenfrau in der einsamen entlegenen Farm aufsuchen, wo sich das Leben noch heut in denselben Formen, wie vor Jahrzehnten, abspiclt, wo der nächste „Mensch" d. h. Weiße meilenweit entfernt wohnt, und ringsum nur „Volk" d. h. Schwarze, Boesjemans oder dergleichen leben, wo die Büchse der treueste Freund des Farmers ist. Dort haben sich seit vielen vielen Jahrzehnten die charakteristischen Eigenthümlichkeiten der Burenfrauen langsam herausgebildet, rind sie sitzcil so fest, daß schließlich auch in der
Es «wird deshalb an die baldige Erledigung der genannten Verfügung mit dreitägiger Frist erinnert.
Hanau den 16. Januar 1900.
Der Königliche Landrath.
V 532 v. Schenck.
Schulnachricht.
Die Anmeldungen für das neue Schuljahr finden unter Vorlage der Geburts- und Impfscheine in der Zeit vom 29. Januar bis 3. Februar d. Js., vormittags von 11 bis 12 Uhr, in den betreffenden Schulgebäuden statt und erfolgen
1. für die Knabenmittelschule bei Herrn Rektor Bartmuß, Johanniskirchplatz 1 a;
2. für die Mädchenmittelschule bei Herrn Rektor Jckler, Bebraer Bahnhofstraße 0;
3. für die Knabenvolksschltle bei Herrn Rektor D i e t e r i ch, Johanniskirchplatz 1 b;
4. für die Mädchenvolksschrtle bei Herrn Rektor Umbach, Nebengasse 13 (Neustadt).
Schulpflichtig werden zu Ostern d. Js. alle Kinder, welche das 6. Lebensjahr bereits vollendet haben oder bis zum 30. Skptember d. Js. vollenden werden. Dieselben sind daher in der angegebenen Zeit ordnungsmäßig zur Schule an- zumelden.
Wenn schulpflichtig gewordene Kinder geistig oder körperlich so wenig entwickelt sind, daß sie an dem Klassenunterricht noch nicht erfolgreich theilnehmen können, so haben die Eltern oder Vormünder dieselben unter Vorlage der ärztlichen Bescheinigung dennoch zur Schule anzumelden, damit zum Nachweise der erfüllten Schulpflicht das Erforderliche gewahrt werde.
Kleinkinderschulen dürfen Kinder nicht über das bezeichnete Lebensalter hinaus in Pflege behalten.
Die Unterlassung der rechtzeitigen Einschulung schul- pflichtiger Kinder unterliegt den Strafbestimmungen über unentschuldigte Schulvernumnisse.
Hanau den 24. Januar 1900.
Ter Stadtschulinspektor.
Bun gen st ab. 1511
Rußland auf d m Posten.
„Jeder russische Schritt in Mittelasien ist für England ein verhängnißvoller Schlag," schrieb kürzlich ein russisches Blatt und erinnerte dabei an das Wort von dem Elephanten, dem der Walfisch nichts anhaben k nne. — In der That genügt'schon eine kleine russische Truppen-Dislokalion an der afghanischen Grenze, um alle Welt daran zu erinnern, daß dort der am leichtesten verwundbare Punkt des englischen
Weltreichs ist. Schon vor 15 Jahren, nach dem Tode des Emirs von Afghanistan, schien es, als ob es dort zu einem kriegerischen Zusammenstoß zwischen Rußland und England kommen sollte; England wich jedoch im letzten Augenblicke der Gefahr durch Konzessionen aus, durch die sich Rußland bis hart an die afghanische Grenze ausdehnen konnte. Seitdem ist die transkaspische Bahn bis Kuschk verlängert worden, und russische Blätter haben nicht Unrecht, wenn sie einen Marsch auf Herat, den „Schlüssel von Indien," als einen militärischen Spaziergang bezeichnen.
, Die Bewegung, die kürzlich vom Kaukasus nach Kuschk vorgenommen wurde, wird in der russischen Presse bald als eine einfache Probe-Mobilisation, bald als eine einfache Dislo- kirung eines Theils der kaukasischen Truppen dargestellt. Gleichviel, es kommt ihr jedenfalls die Bedcumng einer Warnung zu, keine englischen Truppen weiter aus Indien zur Verwendung auf dem südafrikanischen Kriegsschauplatz heraus- I zuziehen. Bei der Zielsicherheit der russischen Politik war die Wirkung der jüngsten Truppen-Verschiebnng offenbar vorausgesehen, und die russische Presse sagt ganz offen, daß es darauf abgesehen sei, die Entsendung von Truppen aus Indien nach Natal und Kapland zu verhindern. Demnächst will Rußland offenbar bereit sein, wenn in dem Pufferstaat zwischen den englischen und den russischen Besitzungen, in Afghanistan, neue Wirren losbrechcn, was nach dem Tode des gegenwärtigen Emirs mit Bestimmtheit zu erwarten ist.
Die asiatische Politik Rußlands arbeitet langsam, aber sicher; sie überstürzt nichts und braucht sich nicht zu übereilen, da das russische Reich ein so großes natürliches Schwergewicht besitzt. Die Vorschiebung von Truppen nach Kuschk ist ein acte de présence, der, man mag ihn noch so harmlos deuten wollen, klar daran erinnert, daß Rußland auf dem Posten ist.
Deutscher Reichstag.
(Sitzung vom 23. Januar.)
Am Bundesrathstische Staatssekretärs Graf Posadowsku. | Der Reichstag setzt die Berathung der Unfallnoöcllc fort. Abg. Fischbeck (freist) erklärt namens seiner politischen Freunde, er sei im Allgemeinen mit der Vorlage einverstanden, besonders erkenne er an, daß die Regierung, der Majorität des Hauses nachgebend, die Rentenstellen nicht für die Unfallversicherung dienstbar gemacht habe, denn es liege die Gefahr nahe, daß die lokalen Behörden Renten zusprechen um die Armenpflege zu entlasten. Erfreulich sei die Ausdehnung der Versicherung auf eine Reihe von Gewerben. Bei den kleinen Renten dürfte sich das Prinzip der einmaligen Ablösung empfehlen. Dtebner spricht sich gegen die Bestimmung aus,
I kürzlich bekannt gewordener Scherz einer Zeitung, durch die ; die in Ladysmith eingeschossenen Engländer sich die Zeit und die trüben Gedanken zu vertreiben suchen, läßt darum die Frau Präsidentin klagen, ihr Mann werde ihr zu englisch — er gehe schon ohne Hut und Stiefel schlafen. Freilich mag sich diese wenig angenehme und wenig gesunde Gewohnheit wohl noch aus der schweren Zeit erklären, da der Bur und die Seinen Tag und Nacht in voller Bereitschaft eines lleberfalls der Schwarzen sein und darum die Kleider nicht \ ablegen durften. Und so wird der, der sich die Lebens- I geschichte einer Burenfrau vergegenwärtigt, auch unschwer I verstehen, warum sie geistig ein beschränktes Wesen von ! geringen Interessen sein muß. Tont cemprendre c est tont pardonner!
Bis in ihr 13. Lebensjahr wächst das Mädchen auf der Farm sozusagen wild auf, und der Unterricht, den sie dann erhält, pflegt hauptsächlich ein religiöser zu sein. Die Ansichten, die ihr da beigebracht werden, sind orthodox und streng; die echte Burenfrau hält es selbst für Unrecht, einem i andern Manne, als ihrem Gatten, die Hand zu reichen. ! Run ist das Mädchen in das Backfisch- und Fungfrauen- alter eingetreten; aber keine der Unterhaltungen, die bei uns in dieser Zeit den jungen Damen - oft zu reichlich! — zu Theil werden, ist ihr beschieden. 'm völliger Einsamkeit lebt sie fort, und wenn die Nachbam zu Besuch geritten kvnnnen und bedächtig die Tagesereignisse miteinander bereden, so hat sie sich bei Seite zu halten; auch könnte sie aus diesen Diskursen über Wetter und Vielmaud nicht viel Anregung schöpfen. Eine Festlichkeit erlebt sie kaum jemals, ein Tänzchen kennt sie in der Regel gar nicht: der Burengeist liebt derlei weltliche
Vergnügungen nicht, und überdies: woher sollte das Buren mädchen, an deren Wiege die Grazien gewöhnlich nicht ge ' standen haben, wohl tanzen können, da es auf Heuen