Einzelbild herunterladen
 

toennetnentS» Preis:

Jährlich 9 M.

Halbjährl. 4 ^ 50 ^.

Bierteljährlich

2 ^ 25 ^.

Für auSwärüge Abonnenten mit dem betretenden Bostaufschlag.

Die einzelne

Nummer kostet 10 A

Einrückungs­gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamcnthcil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

Amtliches Argun für dfaöf- und LunöKreis Dausu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 14.

Mittwoch den 17. Januar

1900

Amtliches.

SlâdlKvsrs Äanau.

In Rumpenheim, K lein- und Groß-Steinheim ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Gehöft- und Gemarkungssperre ist aufgehoben.

Hanau den 11. Januar 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 489 v. Schenck.

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Hefundcn:1 brauner Kinderhandschuh (linker.) Verloren: 1 Korallenkette mit goldenem Schloß. Entlaufen: 1 graue, gestreifte dänische Dogge w. Geschl.

Vom Wasen meist er am 15. d. Mts. eingefangen:

1 weißer Spitz mit schwarzen Abzeichen m. Geschl.

Hanau den 17. Januar 1900.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 16. Ianua r.)

Tages-Ordnung: Fortsetzung der 2. EtatSberathung. Etat des Reichsamls deS Innern. Kapitel Reichsversicherungs­amt. — Abg. Stadthagen (soz.) weist auf die fort­gesetzt erheblich gestiegenen Unfallziffern hin. Die Unfallziffer für das letzte Jahr übersteige sogar noch die Ziffer der Ge- sammtverwundnngen von Offizieren und Mannschaften (88 000) im deutsch-französischen Kriege. Dabei bekämen die im Be­triebe verunglückten Arbeiter nicht einmal die volle Rente, wie sie etwa ein unbeteiligter Zuschauer, der durch Schuld des Unternehmer» verunglückt, erhalten würde,_ sondern nur 3 3 davon. Das sei ein ungeheurer Vortheil für die Unter­nehmer, zu dem noch der Vortheil au» der Karrenzzeit Hin- zutrete. ES müsse unbedingt dazu geschritten werden, daß den Arbeitern für alle Unfälle in Folge unzureichender Betriebs- einrichtungen voller Schadenersatz geleistet werde. — Staats­sekretär Graf Posadow » kq entgegnet dem Vorredner, eine Zunahme der schadenersatzpflichtigen Unfälle zeige sich nur bei denen, welche Tod zur Folge hatten. Und das erkläre sich zur Genüge daraus, daß wegen des starken gewerblichen Aufschwunges die letzten Jahre auch viele ungelernte Arbeiter in gefährliche Betriebe gelangten. Im klebrigen habe die An­zahl der Unfälle relativ abgenommen. Wenn der Vorredner verlange, daß der Unternehmer bei Unfällen infolge mangel­hafter Betriebseinrichtungen den vollen Schadenersatz leiste« solle, nun, mit demselben Rechte könnte doch auch der Unter­nehmer fordern, daß er bei Unfällen in Folge von Schuld des Arbeiters gar nichts zu zahlenchabe. ---Abg. Roesicke- Dessau (wildlib.) wendet sich ebenfalls gegen den Abg.

Fsmüvlvn.

Lomenee Marques und die Delagoa- Bai.

Von Otto Leonhardt.

■ (Nachdruck verboten.)

Wer sich von der Delagoa-Bai und ihrer Hafenstadt Vouren^o Marques nach dem Interesse, da» diese Stätten nun schon seit Wochen in der ganzen zivilifirten Welt erregen, ein Bild gemacht hat, der muß wohl enttäuscht werden, wenn das Schiff nach der langen Fahrt über den Atlantic endlich in diesen Hafen einläuft. Denn Lourcn?o Marques ist keineswegs ein bedeutender Platz und Sehens­würdigkeiten wird man da umsonst suchen. Die Hafen- anlagen, das Zoll und Schatzamt, ein Leuchtthurm, das Etablissement der ostafrikanischen Tclegraphen-Gescllschaft — das sind etwa die nenneuSwrrthesten Baulichkeiten der Stadt. Im klebrigen Wellblechbaracken, unansehnliche Häuser, — da» ist Löuren^o Marques. Nimmt man dazu, daß auch seine Lage nichts Anziehende« bietet und daß das Hinterland ein einförmiges, an Reizen iberauS armes Hügelland bildet, das langsam gegen da» Transvaal hin anstcigt, so ist leicht zu ermessen, daß Lourenqo DiarqueS nicht ein Aufenthalt für Vergnügungsreisende ist, sondern nur von Denen aufgesucht wirb, die ■ sich geschäftlich hier aufhalten müssen. Die» um so mehr, als das Klima der Stadt überaui ungesund ist. Eie ist an der ganzen südostafrikanischen Küste als ein böses Fiebernest berüchtigt, die Zahl der Todesfälle ist im All­gemeinen eine erschreckend hohe und in dieser oder jener Weise muß jeder Europäer deNi Fieber seinen Zoll entrichten. Die Gründe für diese Ungunst der klinmtischen Verhältnisse

Stadthagen, wobei er u. A. betont, daß die Berufsgcnosfen- schaften in Wirklichkeit Alles thäten, was möglich sei, um Unfälle zu verhüten. Glaube denn Herr Stadthagen, daß in Betrieben, deren Besitzer Sozialdemokraten seien, keine Unfälle vorkämen? — Abg. Böckel (Antis.) erblickt in der Unfall­versicherung einen großen Kulturfortschritt, obwohl der Mittel­stand, die kleinen Unternehmer, weit mehr als die großen dadurch belastet seien. Aber die Urtheile der Schiedsgerichte erregten oft Kopfschütteln, sic seien oft zu engherzig, namentlich in Bezug auf den Begriff Betriebsunfall nnd die Einhaltung der Fristen. — Staatssekretär Graf Posadowsky er­widert, daß die Schiedsgerichtsurtheile nicht so schlecht seien, beweise der relativ geringe Prozentsatz der Berufungen. Dasselbe gelte von den Entscheidungen der Berufsgenosfcn- schaften selbst. — Das Kapitel Reichsoersicherungsamt wird genehmigt, ebenso debattelos der Rest des Etats des Reichs­amts des Innen:. — Es folgt die erste Berathung des Ge­setzentwurfs über die Konsulargcricktsbarkcit. — Unterstaats­sekretär von Richttzofcn erklärt, c» sei Hauptzweck dèr Vor­lage, die Bestimmungen über die Konsulargerichtsbarkeit mit den 'Bestimmungen des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches in Einklang zu bringen und noch verschiedene andere Neuord­nungen zu treffen. — Abg. v. Schrader (frs. Vp.) bean­tragt Verweisung der Vorlage an eine Kommission. — Abg. Beck-Heidelberg (ntl.) ist mit Verweisung einverstanden.— Abg. M ü ller - Meiningen (frs. Vp.) hat verschiedene Be­denken gegen den Entwurf. Namentlich fragwürdig sei auch die Vorschrift in § 22 (durch kaiserliche Verordnung soll be­stimmt werden können, ob in den Konsulargerichtsbezirken die Gesetze über Schutz von Kunst- und Litteraturwerken, über Musterschutz rc. Anwendung finden sollen oder nicht); ebenso § 47 (betr. Konkursordnung). — Die Vorlage wird an eine besondere Kommission verwiesen. — Es folgt die erste Lesung des Gesetzentwurfs betr. die Patentanwälte. — Abgeordneter Schrader (frs. Vg.) betont die hohe gewerbliche Bedeutung der Patentanwälte und meint, cs sei mit Recht dahin zu streben, daß sich in dieser Stellung tüchtige Männer befänden. — Abg. Möller (ntl.) führt aus, in technischen Kreisen würden die Vorschriften des § 3 über die Ausbildung der Anwälte lebhaft beanstandet. Weiter werde von den In­teressenten selbst gewünscht, bei den Ehrengerichten dem Ver­eine der Patentanwälte eine Mitwirkung cinzuräumen. — Abg. Oertel- Sachse« (kons.) glaubt die Frage, ob der Entwurf im Allgemeinen zweckmäßig sei, bejahen. zu müssen, abgesehen von Einzelheiten. — Staatssekretär Graf Posa­dowskv vertheidigt die Vorschriften iber die Ausbildung und über den Nachweis der erforderlichen Rechtskennünsse durch Prüfung. Eine bloße Prüfung könne unmöglich ge= Rügen. Wie solle man überhaupt Jemand prüfen, der gar liegen zunächst in dem jähen Wechsel de» Temperatur, die von 5—7° R. jn der Nacht bis zu 30° R. am Tage schwankt; sodann und vor Allem aber in den giftigen Dünsten, die die Sümpfe aushauchen, die die Sadt im Westen, Nbrd- westen und Norden umgeben. Man ist freilich bestrebt, diese Sümpfe zuzuschütten, aber zu diesem Zwecke läßt die Behörde einfach alle Abfälle aus der Stadt in da» sumpfige Terrain schaffen; und daß die fürchterlichen Miasmen, die diese Reste in der tropischen Hitze in unmittelbarer Nähe der Stadt aushauchen, nicht zur Verbesserung der Gesundheits- vcrhâltniffc beitragen, liegt auf der Hand. Wenn eS den Europäern in der Stadt gar z« arg wird, dann flüchten sic sich auf die kleine, der Delagoa-Bai östlich vorgelagerte Insel Jnhaka, die Höhen bis zu 240 Fuß (engl.) besitzt und als eine Art Sanatorium benutzt wird.

Und dennoch hat Lourcnpo Marques seit etwa einem Jahrzehnt bereits außerordentliche Fortschritte gemacht und ist in steter schneller Eittwickelung begriffe«. An- fang 1887 war der Ort noch ein Flecken (Villa) und zählte etwa 750—8000 Einwohner; heut ist er eine cida.de (Stadt), Hauptstadt einer eignen Provinz der portugiesischen Kolonie Mozambique und die Einwohnerzahl dürfte heut 1200 bereits erheblich überschritten haben. Ja, Lourcnqo Margirc« darf fchon heut als der bedeutendste Platz von ganz Portugiesisch- Ostafrika bezeichnet werden und wird sich nur noch immer mehr dazu entwickeln. Das macht zunächst feine' Lage und sein Werth als Hafen. In ihrem innersten Winkel verengert sich nämlich die Delagoa-Bai zu dem etwa eine halbe Stunde breiten sogen. English rivet, der, durch Hügel im Südwester: und Nordosten geschützt, einen selbst für größere Dampfer zu­gänglichen natürlichen Hafen bildet, — eine höchst werthvolle Seltenheit an der an Häfen so überaus armen Ostküste von Süd-Afrika. Am Nordost-Ufer dieses English river liegt die Stadt. Trotz dieser Lage aber ist sie Jahrhunderte lang

keinen geordneten Bildungsgang nachweise. Taxen, wie man sie verlangt habe, seien zur Zeit wegen Verschiedenheit der Materien noch nicht möglich. — Abg. Müller- Meiningen (freis.^Vp.) steht in Bezug auf $ 3 (Bildungs­gang) auf dem »Standpunkt der Regierung. Bedenklich sei 8 6, demzufolge der Patentanwalt sich auch außerhalb des Berufs der von demselben erforderten Achtung würdig zeigen solle. Bedenklich seien überhaupt die Bestimmungen über das Disziplinarverfahren. — Abg. Stadthagen (Soz.) bekämpft lebhaft den § 3. Durch denselben würde nur wieder ein neuer privilegirter Stand geschaffen werden. Ganz unannehmbar sei auch § 6. — Nach weiterer Debatte geht die Vorlage an eine besondere Kommission.

Nächste Sitzung Donnerstag 1 Uhr. Tages-Ordnung: Justizetat, Etat des Reichsschatzamts. Schluß 5°/« Uhr.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

(Sitzung vom 16. Januar.)

Das Haus berieth in erster Lesung den Etat. — Abg. Sattler (natl.) führt aus, der Etar weise Ueberschüssc von ganz enormer Höhe auf. Das sei kein Wunder, wenn man cs von dem Streben auf allen Gebieten der Wissenschaft und Industrie aus betrachte. Leider treffe diese Blüthe nicht für alle Zweige der wirthschaftlichen Thätigkeit zu, namntlich für die Land wirthschaft, welche in e ster Linie unter der Leutenoth leide. Redner bespricht die einzelnen Etats und findet das Anwachsen des Extraordinariums bedenklich. Die Aufstellung des Eisenbahnetats verrathe Widersprüche. Redner wirft der Bahnverwaltung zu große Sparsamkeit vor. Die Einnahmen im Etat seien im Allgemeinen viel zu niedrig angesetzt; er habe einen Etat, der förmlich so von Gelde strotzt, noch nie gesehen. Redner hebt die Aufwendungen für die Besserungen der Wohnungsverhältniffe der Bahnarbeiter hervor; er be­grüßt die Aufwendungen für Kunst und Wissenschaft, vermiß: aber eine stärkere Trennung der Bahnverwaltung von der allgemeinen Finanzverwaltung, die so oft, so dringend ge­wünscht wurde. Wo bleibt ferner die Verwendung des Er­löses für die Forsten und Domänen zum Erwerbe neuen Staatseigenthums? Auch fehlt noch die Vermehrung de» Fonds für die innere Kolonisation. Es ist Thatsache, daß in den letzten Jahren in Posen mehr Grundstücke in die Hände von Polen' als Deutschen übergegangen sind, es ist dies ein Beweis, daß die Thätigkeit der Ansiedelungs- femmiffion noch unterstützt werden muß. Redner erkennt die Thätigkeit des Finanzminister» an, welche das Land über schwierige Jahre hinwegbrachte; derselbe richtete aber seine Thätigkeit nicht auf dir Zukunft und sagte nicht bei der Erats-

ein öder, kaum beachteter, elender Flecken gewesen, und sie wäre cs noch hcut, hätte nicht die Nachbarschaft de» jüngsten der Burenstaaten, des Transvaals, die «Sachlage geändert. Denn Transvaal steht über Louren^o Marques in der nächsten Verbindung mit der Welt und in dem Maße, als in dem neuen Burenlande sich Handel und Wandel hob und die Bedürfnisse sich vermehrten, bedeckte sich die Straße von Sourengo Marques ins Innere mit den Wagen der sogen. Transportriders, die mit ihren 18 bis 20 Paar C chsenge - spannen eine Länge bis zu 75 Meter cintabmen und unter fürchterlichem Lärmen, Pfeifen und Peitschenknallen der wüsten oder farbigen Fuhrleute langsam die stellenweise aus fuß- tiefen, lockerem Sandboden bestehende Straße zurücklegten. Al» nun vollends in Transvaal die Goldfelder entdeckt waren, war der Plan einer Eisenbahn nicht länger zurückzuftcllen. Eine englische Gesellschaft übernahm den Bau bis zur portu­giesischen Grenze, Baumaterialien langten aus Europa an und gegen Ende April 1887 sonnte der portugiesische Padre von Lorwentz» Marque», ein Farbiger, die feierliche Taufe der ersten Lokomotive vollziehen, die sich zu einem solennen Volksfeste für den Ort gestaltete.

Nun begann für eine Zeit ein bewegte» Leben, da« die Einförmigkeit des Daseins in Lmwenqo Marques angcnchnt unterbrach. Europäische Ingenieure und Ar­beiter kamen, Hunderte von Schwarzen wurden al» Arbeitikräfte aus bem nördlich belegenen Haicnpla^c Jnhambank cingcführt, bai Platzgeschäft hob sich in ungeahnter Weise, da der Bedarf an Baumaterialien und an Lebensbedürfnifftn für die Eisenbahnbeamten und die Arbeiter von Lourrnho Marques aus zu decken war, fünf ^Hotels* und ein Dutzend „Bar'è'" entstanden, und sogar die portugiesische Regier'ung begann sich um das vernachlässigte Stiefkind zu bekümmern, vermehrte die Beamtenstellen und errichtete eine neue Polizcitruvpe.