Einzelbild herunterladen
 

Abonnements- PreiS:

Jährlich 9 M.

Haldjâhrl. 4 .X 50 A- Vierteljährlich 2 ./* 26 ^.

Für auswärtige Abonnenten mit dem betrejsmden Pvitaulichlag.

Die einzelne , Nummer kostet

19 A

EinrückungS- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gesvaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 4

Amlkichös Organ für $fa$f~ und LanSKreis Hanau.

Et scheint täglich mit An?,Nahme btt Sonn- und Feiertage,' tf.it MSctTimjiler Beilage

Nr. 12.

Montag den 15. Januar

1900

Amtliches ^taötüi'cio ^anavt.

Unter dem Rindviehbestande des Ockonomen Heinrich Gerlach hier, Große Dechaneigasse, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Gehöftssperre ist angeordnet.

Hanau den 15. Januar 1900.

Königliche Polizei-Direktion.

P 460 v. Schenck.

^anö^rets ^anau.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In dem Gehöft des Landwirths Andreas Reu hl I in Bischofsheim ist die Maul- und Klauenseuche ausgc- brochen und die Sperre über dasselbe verhängt worden.

Hanau, am 15. Januar 1900.

Der Königliche Landrath.

V 440 v. Schenck.

Unter den Pferden des Landwirths Wilhelm Traxel III in Langendiebach ist die Influenza (Brustseuche) ausgebrochen.

Hanau den 15. Januar 1900.

Der Königliche Landrath.

V 439 v. Schenck.

Die Stelle eines Burcaugehülfen ist sofort zu besetzen.

Bewerber, welche gewandt und zuverlässig, wollen sich unter Vorlage eines Lebenslaufs und Zeugnissen beim Unter­zeichneten melden.

Hanau den 12. Januar 1900.

Der Königliche Landrath.

A 137 v. Schen ck.

In das Firmenregister ist eingetragen: Zu Nr. 106: Firma Otto B emdero th in Langendiebach".

Inhaber der Firma ist der Kaufmann Otto B e n d e- roth zu Langendiebach, laut Anmeldung vom 9. Januar 1900.

Eingetragen am 9. Januar 1900.

Langenselbold, 9. Januar 1900.

Königliches Amtsgericht. 959

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 Taschenmesser, 1 Ortskrankenkassenbuch für Elise Reinhardt, 1 brauner Kinderhandschuh (linker), 1 blaue Kindermütze mit Anker, 1 Scheere.

Verloren: 1 braunes Knabcurädchen, 1 goldener Trau­ring, gez. K R 1874.

Hanau den 15. Januar 1900.

An der Wende des Jahrhunderts, v.

D i e Kunst im 19. Jahr hundert.

Das 18. Jahrhundert, das Goethe als dasselbstgerechte" bezeichnet hat, übertrug seine Ueberschâtzung menschlichen Er- keuntnißvermögcns und menschlicher Leistungsfähigkeit auch auf sein Kunstschaffen. Man hat von ihm gesagt, er habe das Weltgefühl" auf die Baukunst und die Bildhauerei über­tragen. Vereint mit diesem. Weltgefühl war das Bestreben, jeden Gedanken an die Vergänglichkeit aller Dinge zu be­seitigen und namentlich Fürsten und Könige zum Mindesten als Halbgötter darzustellen. Soweit die große Masse des Volkes oder doch der Gebildeten mit der Kunst in Be­rührung kam, führte gerade das Bestreben, die menschliche Natur über ihre gegebenen Grenzen hinaus zu ver­herrlichen, zu abgeschmackter Nüchternheit, zu alledem, was auf jedem Gebiete der Kunst Stubenpoesie zu heißen verdient.

Der Stübenpoesie auf dem Gebiete der Litteratur hatten die Dichterhelden unserer großen klassischen Litteraturperisde, Lessing, Goethe, S ch i llcr, He rd er, W ie land, be­reits während des letzten Jahrzehntes des achtzehnten Jahr­hunderts ein Ende gemacht und den Blick wieder auf das Große, das Allgemeine gerichtet. Die deutsche Musik hat sich längst in ihren großen Vertretern Bach, Händel, Haydn und Mozart von italienischen und französischen Vorbildern unabhängig gemacht; jetzt, d. h. während der ersten drei Jahr­zehnte des neunzehnten Jahrhunderts, führte Beethoven, der unvergleichliche Meister, sie ihrer höchsten Vollendung ent­gegen. Für die Baukunst, diegefrorene Musik", gab cs ans dem Wirrwarr und kleinlichen Schnörkelkram des fran- zöselnden Rokoko keine Möglichkeit fortschreitender Bewegung mehr, außer in der Rückkehr zur schlichten Größe. Diese Rückkehr zur schlichten Größe predigte W inkelman n, und er glaubte, die musterglütigen Vorbilder in den Bauwerken des klassischen Griechenthums zu finden, genau wie Goethe und Schiller nach Anpassung an die Gesetze des antiken Dramas und Versbaues strebten. Allein Dichter und Künstler sind immer, ob bewußt oder unbewußt, der Widerhall dessen, was in ihrer Zeit und in ihrem Volke lebt sie sind der Mund ihrer Zeitgenossen, bisweilen im prophetischen Sinne, indem sie ver­möge ihres intensivern Innenlebens ihrer Zeit voraneilen. So mußten sic auch der großen Zeitströmung des erwachenden deutschen Volksbewußtseins Rechnung tragen, und sie thaten

cs, wenn auch in anderer Form, als etwa die Sänger der Freiheitskriege, Theodor Körner, E. M. Arndt, Max von S ch e n k e n d o r f f u. s. w. Goethe hatte im Faust, im Götz von Berlichingen, in Balladen und Liedern deutsche Stoffe verarbeitet; in der Malerei belebte unterdessen der Düsseldorfer Peter von Cornelius das bewußt Deutsche, indem er die Nibelungen, den Faust u. a. m. zum Inhalte feiner großempfundenen Kompositionen machte. Ihm zur Seite stand Schnorr von Carolsfeld, dessen Bibel in Bilder wohl verdient, unter die unvergeßlichen Kunstschöpfungen des neun­zehnten Jahrhunderts gezählt zu werden. Als geistesver­wandte Bildhauer stehen Rauch, Drake und Ri e ts ch e l neben den Corueliusschülern in der Malerei. Ihnen allen schwebte mehr oder minder das Ideal des Klassizismus als höchstes Ziel vor Augen.Klassisch" heißt in der Form vollendet. Da liegt cs denn auf der Hand, daß bei allzu- regem Streben nach Formvollendung der seelische Inhalt des Kunstwerkes sehr leicht zu kurz kommt. In der That ist das bei einer Reihe von Künstlern und Dichtern, die aus der Schule des Klassizismus hervorgingen, der Fall. Es gibt eine ganze Reihe von Epigonen: Dichter, die sich am bloßen Klang der Worte begeistern, Bildhauer, die der Eleganz der Form jede anatomische Wahrscheinlichkeit opfern und sich nicht über den Durchschnitt des Zuckerbäckers erheben, Maler, denen Glätte, Sauberkeit und Farbenglanz genügend er­scheinen, um den Schönheitsdurst der Menschenscele zu stillen.

Die Menschenseele sucht in erster Linie die Wahrheit; von Schönheit wird sie nur so lange befriedigt, wie die Schön­heit als Gewand der Wahrheit auftritt. Eine todte Glieder­puppe mit drapirtem Sioffbehang befriedigt nicht auf die Dauer. Die Anhänger und Nachahmer des Griechenthums oder Klassizismus hatten übersehen, daß das Griecheuthum nur die Befreiung des Intellektes bedeutet, und hatten auch nicht bedacht, daß sic, als Nicht-Griechen und Kinder einer ganz andern Zeit, niemalsGriechisches,, geben konnten, sondern immer nur das, was sie selbst sich unter Griechen- thum vorstellten. Selbst Cornelius und Rauch hatten ver­sucht, deutsche Empfindungen in griechisch-klassische Form zu kleiden. Es liegt auf der Hand, daß ihre Schüler sich mehr und mehr vom Wahrheitsgehalt echter Kunst entfernen mußten, je öfter ihre Arbeiten Nachahmungen von Nachahmungen wurden. Trotzdem hat es kein Jahrzehnt gegeben, wo der Quell echter Kunst gänzlich versagte; denn ein echter Künstler bleibt immer Herr über die Mittel, deren er sich bedient, welcher Art sie auch sein mögen.

Ueberdics setzte eine kräftige Gegenströmung früh ein. Durch die Berührung mit Shakespeare, welche Schlegel und Tieck dem deutschen Volke vermittelten, erhielt das ur-

FvmUvlan.

Stadilhcatcr in Hanau.

Hanau, 15. Januar.

Ueber fünfzig Jahre sind vergangen, seit der junge Ibsen in sturm- bewegter Zeit sein dramatisches Erstlingswerk vollendete und diesen ersten Versuch seinem Valerlande durch Druck zugänglich machte; jetzt hat der greise Dichter der Welt seine letzte Arbeit übergeben, die er selbst als den Schlußstein seines Lebensiverks bezeichnet. Was der nordische Dichter in dieser langen an Arbeit und Erfolg so reichen Zeit der Weltlitteratur ge­worden ist, welchen gewaltigen Einfluß er nach und nach auf das ge­jammte geistige Leben gewonnen und wie er seither mit unverminderter Kraft dieser gewaltigen geistigenBewegnng vorangeschrilten und ncueBahnen er­schlossen, kann bei jedem Gebildeten als bekannt voran^esetzt werden. Wir haben es vor einigen Jahren mit Dank begrüßt, als unsere Theater- leitung den Werken des genialen Norwegers auch auf unserer Bühne eine Heimstätte zu bereiten begann und dem Spielplan jeder neuen Saison wenn auch nur ein Drama des Dichters cinfngte. Die jetzige Spielzeit hat uns am letzten Freitag das vieraktige Schauspiel .John Gabriel Borkmann" gebracht, das der jüngsten Schafienlperiode Ibsens angehört und die Eigenart des Dichters wieder voll und ganz charakterisirt. Man fühlt sich wunderbar gefesselt durch den Eindruck einer ungemein feinen Menjcheubcobachtnng, durch den vollendeten Ausbau des Dramas und doch wird man das Gefühl des Unklaren ui* Uebcrspnnnlcn nicht ganz los werden. Im Gegensatz zu der Handlung desVolksfeinds", die nur als Exposition für das kommende Drains betrachtet werden kann, ba mit dem letzten Fallen der Vorhangs erst der Kampf der Helden gegen drohendes Verhängniß beginnt, hat sich das tragische Geschick des Helden dieses Schauspiels schon erfüllt und wir werden mir zu Zeugen der letzten erschütternden Ausgangs gemacht. Ibsen ist ein unerreichter Meister in der seelischen Ausgestaltung seiner Charaktere. Mit Vorliebe sucht er die zerrissenen unb verzweifelnden Seelen auf und klar und deutlich ist jede Regung bis in die feinsten Nüanccn ausgeprägt. Den Darstellern gibt er hohe Aufgaben, die ihre ganze Kraft erfordern. Die Vorstellung am Freitag stellte in ihrer Gesammtwirkung, als auch in den f-inzelleistüngen unserm Ensemble ein treffliche» Zeugnis, aus. Herrn Metz als Regisseur sowohl als auch als Darsteller gebührt die größte Anerkennung/ SeinJohn Gabriel Borkmann" war eine hervorragende schauspielerische Leistung, groß angelegt und bis ins kleinste Detail herans-

Anton Appunn f.

Hanau, 15. Januar.

B. Am Sanistag Abend verschied infolge einer Lungen­lähmung Herr Anton Appunn, eine um das Musikleben unserer Vaterstadt hochverdiente Persönlichkeit.

gearbeitet. Neben ihm behauptete sich an erster Stelle Frl. B random als Frl. Ella Rentheim, die mit gewohnter Sorgfalt und Verständniß ihre interessante Aufgabe löste. Auch Frl. Steinbrück als Fran Borkmann fand sich überraschend gut in den Charakter ihrer Rolle. Gut wirkten ferner Frl. Schumann, Frau Fanny Wilton, Frl. Muck, Frida Foldei, Herr Kron, Erhard Borkmann, Herr Heinich, Wilhelm Foldel unb Frl. Dönberg, Stubenmädchen.

Am gestrigen Abend gelangte wieder Shakespeare zu Wort.Romeo und Julia", der Tragödie der Liebe, folgte gesternOthello", die Tragödie der Eifersucht. Der gewaltige Geist des Dichters hat in diesen beiden Dramen menschliche Leidenschaften gcschilderl, die in gleicher Vollendung noch keinen Nachahmer gefunden, trotzdem drei volle Jahrhunderte seit dem Erstehen der beiden Tragödien vergangen sind. ES war ein interessanter Versuch, die schönen Mittel unseres jugendlichen Helden Herrn Becker in der inächrigen leideufchafUichen Gestalt des Mohren erproben zu sehen. War dieser Versuch auch noch kein völliges Gelingen, so offenbart sich der junge Darsteller doch als ein auch für das klassische Drama begabter Künstler, dessen prächiige Mittel ihm eine ax Erfolgen reiche Zukunft ix Aussicht stellen. Noch war der Charakter des Othello nicht aus einem, Guß ge­staltet, noch beschränkte sich der Erfolg seiner Darstellung' nur auf Momente, die im dritten Akte ihren Höhepunkt erreichten und int vierten und fünften Akte etwas abfallen ließen, aber wir zweifeln feinex Augen­blick nach den Fortschritten, die wir an dem jungen strebsamen Künstler bisher beobachtete», daß er bald einen ganzen Othello auf die Bühne stellen wird. Einfach und schlicht, wie es die Dichtung verlangt, gab Frl. Papperitz dieDesdcmona" mit weichem Gefühl und warmem Ausdruck. Der teuflischen Freude am Bösen gab Herr Zeitz in seinem Jago" guten Ausdruck, de» ritterlichenEafsio" spielte Herr Shmith recht temperamentvoll. Unter der großen Zahl der Mitwirkcn- ben wollen wir besonderer Erwähnung thun der Emilie der Frl. B r a n d » w, des Brabantio des Herrn Heinich und des Rodrigo des Herrn Kron. Die Ausjührung nahm unter der Regie des Herrn Zeitz einen guten Verlauf.

Ter Verstorbene ist in Hanau 1839 geboren, hat auch in seiner Vaterstadt gelebt und hier eine segensreiche Thätig­keit entfaltet. Schon längere Zeit kränkelnd, mußte er sich am vorigen Freitag einer Operation unterziehen, die glücklich verlief. Turch eine hinzugetretcnc Herzlähmung wurde jedoch seinem Leben leider ein Ende gefetzt. Appunn hat ein Alter von 60 Jahren erreicht.

Bei dem Namen Appunn werben wir an eine Künstler- fainilie erinnert, die sich auf musikalischem Gebiete Anerkennung und Hochachtung zu verschaffen wußte. In besonderem Maße können wir dieses von dem Heimgegangenen sagen. Mit rastlosem Fleiße bei eminenter Begabung hat er von Jugend an auf musikalischem Gebiete theoretische und praktische Studien getrieben und sich ein großes Maß von Wissen und Fcrriz- keiten angeeignet, das er in der Praxis in vorwefflicher Weise verwerthete. Er war bestrebt, auch andere in die schöne Kunst der Musik einzuführen und entfaltete darum als Ge­sang- und Piusiklehrer in hiesiger Stadt eine mit Erfolg ge­krönte Arbeit. Viele Schülerinnen und Schüler verdanken ihm ihre Vorbildung.

Auch als Dirigent von Chören war der Verstorbene hoch­geschätzt. Den hiesigen Oratorienverein leitete er viele Jahre mit musikalischem Verständniß und großer Hingabe. Ihm ge - bührt daS Verdienst, dabin geivirkt zu habcii, daß größere Werke zeitweise mit Orchester begleitet werden konnten, um so die Größe und Pracht derselben dem Publikum vorzufübrcn und ihnen einen nachhaltigen Eindruck zu sichern.

In den Männer-GesangvereinenFrohsinn" undTumier ' u. a. war der Verstorbene vorübergehend thätig und Hai dorren mit Eifer und Hingabe für die edle Gesangeskunft gewirkt. Als er im vorgeschrittenem Alter nicht mehr selbst thätig »ein konnte, so sehen wir ihn häufig im Kreise von Sängern und bei deren festlichen Veranstaltungen, um den Vorträgen zu lauschen und seine warmen Sympathien für die anfstrebenden