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Für auswärtige Abonnenten mit dem betressenden Poftauischlag.

Die einzelne dininmer kostet 10 A

Einrückungs- gebützr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond­zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Reklamentheil die Zeile 20 .4, für Auswärts 301.

Amtliches Grgan für $fa6t- unö LenöKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 10.

Freitag den 12. Januar

1900

Amtliches.

^anb^rei^ Känct^.

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

Aus dem Baiersröderhof ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen.

Hanau, am 11. Januar 1900.

Der Königliche Landrath, v. Schenck.

StctdLLrr-ers ^anatu

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Sitzung der Stadtverordnetsn- Versawmlung

am Montag den 15. Sammt 1900, nachmittags 5 Uhr, im oberen Saale des Rathhanses.

Tagesordnung:

1. Einführung der neugewählten Mitglieder.

2. Geschäftsbericht.

3. Neuwahl der Mitglieder für den Vorstand und die Aus­schüsse, sowie Neuwahlen zu den Deputationen, Kom- msssionen und Kuratorien.

4. Ordnung, betreffend die Erhebung einer Gemeindesteuer von Bier und Obstwein (mit Ausschluß des Trauben­weins.)

5. Gesuch der seminarisch gebildeten Lehrer um Erhöhung des Wohnungsgeldes und der Alterszulagen.

6. Festsetzung des ruhegehaltsberechtigten Dienstalters des Direktors der gewerblichen Fortbildungsschule Heckeroth.

7. a) Bewilligung von 3500 M. aus dem Schulhaus­baustock zur Aussetzung von Preisen beim Jdeen- wettbewerb für ein Mädchen-Volksschulhaus;

b) Einsetzung eines Preisrichterkollegiums ;

c) Ankauf des Fischer'schen Garteus zum Preise von 16 M. pro qtn.

8. Ueberweisung von 60 000 M. aus der Anleihe von 600 000 M. an die Schlachthofkasse gegen 5e/o Zinsen, zwecks Erbauung eines Polizeischlachthauscs und an­derer Gebäude.

9. Bildung einer Schlachthofkommission.

10. Jnrestausgabestellung von 5000 M. des auf E. 0. II 7 pro 1899 bewilligten Betrages für Zufüllen des alten Kanals Gerbergraben-Stadtgraben rc. _____

Feuilleton.

Sarasate in der Hrimath.

Spanierls Geigerkönig, der sein Leben ganz und gar auf Reisen im Auslande zubringt, vergißt über der Fremde seine heimathlichen Gefilde nicht. Einmal im Jahre lenkt Pablo Sarasatc feine Schritte nach den Fluren des stolzen kleinen Reiches zurück, das so viele grosse^ Männer geboren hat, wo seit dem grauesten Alterthume die Poesie so wundersame Blüthen getrieben, nach dem kernigen Navarra, und kehrt im schönen Pamplona ein, wo seine Wiege stand. Eine Fest­woche durchrauscht dann das gute Städtchen. Vom Gou­verneur und Alcalde bis auf das geringste Bettlerkind streut alles dem mächtigen Zauberer Blumen auf den Weg, von allen Triumphzügen, die dem Meister in der großen Welt bereitet werden, vollzieht sich hier in dieser kleinen Welt die eigenartigste Huldigung. Aber sie ist gegenseitig. Sarasate ehrt seine Mitbürger ebenso glänzend, wie Pamplona seinen Pablo. Keinen Pfennig Geldes nimmt Pablo aus seiner Heimath mit fort. Ihr ge­hört alles, fließt alles wieder zu, was er dort erwirbt. Der Ertrag seiner drei großen Konzerte, die er dort gibst, wan­dert üi8 Hospital, an die Kirche, zu den Armen. Sarajate ist in jeder Beziehung den Singvögeln des Waldes gleich. Von Zweig zu Zweig flattert er und schmettert er seine Jubellieder in bte Lüste hinaus. Jeder Tag erwirbt ihm nur, was er für den Tag braucht. Schätze sammelt er nicht an. Er besitzt nichts. Was ihm die Geige einträgt, verschenkt er, gibt er her zu wohlthätigen Zwecken. So bekannt und selbstverständlich ist diese seine großherzige Verschwendung, daß einst seiner Bewunderer einer, der ihm ein prächtiges Häuschen gekauft und zum Geschenke gemacht, da er es dem

11. Vertragsabschluß mit dem Chemiker Dr. Rau über die

Vornahme stadtseitiz auszuführender chcm. Untersuchungen.

12. Betr. Pachtvertrag mit Plakatsäulcnunternehmer. Hanau den 10. Januar 1900.

Der Stadtverordneten-Vorsteher.

Canthal. 775

Konkursverfahren

Das Konkursverfahren über das Vermögen des Kauf­manns Bernhard Pfältzer in Hanau ist durch rechts­kräftig bestätigten Zwangsvergleich beendet und wird auf­gehoben.

Hanau den 8. Januar 1900.

Königliches Amtsgericht, Abth. 5. 774

In das Handelsregister ist eingetragen: Zu Nr. 105 : Firma G u st a v Oehlschläger in Langenselbold" Inhaber der Firma sind:

1. Kaufmann G ust a v Oehlschläger.

2. Dessen Ehefrau, Augu st e, geb. L a n t e l m e zu L a u g e n s e l b o l d

laut Anmeldung vom 29. Dezember 1899, eingetragen am 4. Januar 1900.

Langenselbold, 4. Januar 1900.

Königliches Amtsgericht. 786

Niltzholz-Bclstcigcrung

Montag den 22. Januar 1900, vormittags 11 Uhr, im Kai serh of Lamboustraßc Hanau, aus den Distrikten 3) Scheuer, 4) Schönetanne, 10) Judenschlag, 18) Kohlbrunneu der Obcrcörüc.A Hanau-

Eichen: Distr. 3) 38 Stämme mit 33,96 fm, 410 m lang, 2265 cm Durchmesser, 4) 19 Stämme mit 5,60 fm, 39 m lang, 2030 cm Durchmesser, 18) = 27 Stämme mit 41,98 fm, 310 m laug, 3770 cm Durchmesser.

Ferner: 3 rm Nutzscheitholz II. Klasse, 1 m lang und 2,5 rm dcsgl. 2,5 m lang.

Buchen: Distr. 3) = 1 Stamm mit 1,09 fm, 4 m lang, 59 cm Durchmesser.

Hainbuchen : Distr. 3) = 32 Stämme mit 16,10 fm, 311 m lang, 1949 cm Durchmesser, Distr. 4) = 5 Stämme mit 1,22 fm, 34 m lang, 2831 cm Durchmesser, 18) = 1 Stamm mit 0,52 fm.

Rüstern : Distr. S) = 4 Stämme mit 2,74 fm, 5 6 m laug, 2265 cm Durchmesser.

verehrten Künstler überwies, die wohlgemeinten Worte hinzu­fügte:Das Haus ist Dein, Dir gehört es und Deinen Erben. Du sollst darin wohnen und schalten, wann immer Du kommst. Aber den Besitztitel gebe ick Dir nicht in die Hände. Sonst wandert das Haus morgen als Geschenk an wer weiß wen." Hat doch Sarasatc sogar die persönlichen Ehrengaben, die ihin Kaiser und Könige verehrt, an seine Vaterstadt hergegeben, die sic dereinst zu einem Museum ver­einigen will. Er selbst hat nichts behalten, als seine Geige, den bekannten Stradivarius, den ihin seine Londoner Ver­ehrer für 1200 Pfund Sterling gekauft haben. Auch dies Instrument wird selbstverständlich nach seinem Tode der Heimachstadt Zufällen. Nach dem, was seine Mitbürger zu melden wissen, ist Pablo de Sarasate 1844 geboren, also jetzt 55 Jahre alt. Seiner Mutter Name war Sigante, sein Vater war Kapellmeister im dritten spanischen Artillerie-Regi­ment. Ein enragirter Republikaner, machte der alte Francisco Sarasate aus seinen Gesinnungen keinen Hehl. Die Folge davon war, daß er als ein politischer Verbrecher ins Ge­fängniß wanderte. Seine Frau und sein Pablo wurden so des Ernährers beraubt und dem größten Elend preisgegeben. Eine vornehme Dame nahm sich des genialen Knaben an, der damals schon wunderbar die Geige handhabte. Sie war es anch, der Legende nach, die der verlassenen Mutter den Rath gab:Du gehst nach Madrid zur Königin! Pablo soll ihr etwas Vorspielen. Das wird helfen!" Gesagt, ge­than. Mutter und Sohn wanderten nach Madrid, ht$ Schloß zur Königin. ES gelang der bedrängten Frau, eine Audienz bei der Monarchin zu erwirken. Ihren Knaben an der Hand, der seine kleine Geige fest unter dem Arm trug, trat sie in den königlichen Salon. Der Königin gefiel das winzige Bürschlein ausnehmend.Die Geige spielst Du?" sagte sic freundlich,Was kannst Du denn schon?" Alles, was Du willst!" erwiderte Pablo ernsthaft.So?

Birken: Distr. 18) = 2 Stämme mit 1,12 fm.

Erlen: Distr. 3) = 21 Stämme mit 7,37 fm, 413 m lang, 1629 cm Durchmesser.

18) = 2 Stämme mit 0,63 fm.

Ferner: 5 rm Nutzscheitholz II. Klasse in 2 m langen Rollen.

Linden u. Weiden: Distr. 3) = 8 Stämme mit 2,95 fei, 59 m lang, 1829 cm Durchmesser.

Kiefern: Distr. 10) 17 Stämme mit 11,25 fm, 49 m lang, 2841 cm Durchmesser.

Königliche Oberförsterei Hanau zu Forsthaus Neuhof. 801

Des preußische Staatshaushaltsetat für 1900,

über den Einzelheiten bereits gestern veröffentlicht wurden, weist bei der Domänenverwaltung eine Minder­einnahme von 253 800 M. auf. Zur Vermehrung und Ver­besserung der Arbeiterwohnungen sind wiederum 0,5 Mill. M. ausgeworfen. Der Posten zur Erwerbung und ersten Einrichtung von Domänen ist um 0,4 Mill. M. er­höht, weil beabsichtigt ist, einen Theil der Position auch zur Förderung wichtiger land- und volkswirthschaftlicher Interessen im Bereiche der Domänenverwaltung, speziell zum Wieder­erwerb von Domänen an Stelle abvcrkaufter Domänen und Domänenantheile zu verwenden. Der außerordentliche Zu­schuß zu dem Tomänenbaufonds ist um 0,3 Mill. Mark erhöht.

Im Etar der Forstverwaltung sind die Einnahmen um 5,5 Mill. höher angesetzt. Es sollen 5 neue Ober- försierstellen geschaffen werden. Es soll ein außerordentlicher Zuschußposten zum Forstbaufonds in Höhe von 600 000 M. unter dje einmaligen Ausgaben eingestellt werden.

Im Etat der Verwaltung der direkten Steuern ist die Einkommensteuer mit 159 (+ 14) Millionen, die Er- gänzungssteucr mit 33 (+ 1) Million angesetzt, im Etat der Verwaltung der indirekten Steuern die Stempel­steuer mit 32 (+ 2) Millionen. Zur Beschaffung von Dienstwohnungen für Grenzaufseher sind 859 570 Mark unter den einmaligen Ausgaben ausgeworfen.

Der Etat der Lotterieverwaltung schließt in Ein­nahme mit 82,5 Millionen, in Ausgabe mit 72,7 Millionen, sodaß ein Ueberschuß von 9,8 Millionen verbleibt.

Im Etat des Seehandlungs - Instituts sind die Einnahmen auf 2 Millionen, die Ausgaben auf 0,4 Mil­lionen bemessen.

Nun, dann laß einmal hören." Und der Kleine begann zu spielen, was ihm der Geist eingab. Aber was tönte nicht alles aus dem winzigen Instrument heraus! Da erklangen nordspanischc Volksgesänge, da wehklagten andalusische Fla­mencos/ da wirbelte die Jota, da näselte die Hirtenflöte der Galliugos, da summten die Maulthiertreiber ihre Dudelsack- lieder. Die gesammte buntspanische Musik schien in das Violinchen des schwarzlockigen Kindes Hmcingezaubert zu sein. Der stattlich ex Frau Isabella rollten die dicken Thränen über die Wangen herab, und als Pablo sein Spiel geendet, sagte sic entzückt zu ihm:Junge, verlange von mir, was Du willst! Es ist Dir im Voraus gewährt 1"Die Begna­digung meines Vaters!" erwiderte Pablo mit zitternden Lippen und erhielt sie. Der alte Francisco kehrte aus dein Gefängniß zu den Seinen zurück. Trotzdem und trotz der königlichen Huld muß es doch aber der Familie Sarasate recht traurig ergangen sein. Man scheint nicht recht zu wissen, was eigentlich aus dem Vater nach seiner Freilassung geworden, wohin er gekommen ist. Die Mutter ist nachher in großer Armuth im Hospital verstorben, und Pablo wurde nach Paris gebracht. Dort errang er schon mit sieben Jahren die größten Auszeichnungen auf dem Eonservatorium und mit 18 Jahren war er Sarasate geworden.

IV. Symphonie-Konzert der Infanterie- Kapelle.

Hanau, 12. Januar.

Im hiesigen Stadt-Theater fand gestern Abend das IV. Sumphonic-Konzert unserer 166er statt. Leider wies das Haus wieder große Lücken auf. Einleitend trug die Kapelle unter der Direktion des Herrn S ch mi d t die ewig schöne und ansprechende Ouvertüre zuFreischütz" von