Monnements.
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Amtliches Organ für Staöt- unö LânöKreis Rauau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Rr. 9.
Donnerstag den 11. Januar
1900
„Amtliche Beilage" Nr. 3.
Amtliches.
^anöUrcio ^artatu
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.
Bei einem Schwein des Wilhelm Rink I. in Langenselbold ist die Rothlaufseuche festgestellt und infolgedessen Gehöftsspcrrc angeordnet worden.
Hanau den 10. Januar 1900.
Der Königliche Landrath.
V 291 v. Schenck.
Konkursverfahren
In dem Konkursverfahren über das Vermögen der Firma Zeuner u. Co. zu Hanau, in dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Emil Zeuner zu Hanau und in dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmanns Wilhelm Zeuner zu Hanau werden die Glüubigervcrsammluugen zur Beschlußfassung darüber, wie jedem einzelnen Verfahren nach Erledigung des Rechtsstreits gegen Eisenach Fortgang gegeben werden soll, auf den vor dem unterfertigten Gericht
am 23. Januar 1900, vormittags 10 Uhr, stattfindenden Termin einberufcli.
Hanau den 5. Januar 1900.
Königliches Amtsgericht, Abth. 5. 736
Der Stapellauf des Dampfers Deutschland, t Stettin, 10. Januar. Bei etwas nebeligem, im klebrigen aber angenehmen Wetter fand heute Mittag der Stapellauf des größten Dampfers der Welt, des für die Hamburg-Amerika-Linie erbauten Schnelldampfes „D e u t s ch - land" statt. Der Kaiser traf um ff Vs Uhr mittelst Sonderzuges hier ein und begab sich auf den: Regierungs- Dampfer durch den festlich geschmückten Hafen zu der Werft des Vulkan, von beiden Ufern von einer zahlreichen dort angesammelten Menschenmenge lebhaft begrüßt. Auch auf der Werft hatte sich außer den geladenen Gästen eine große festlich geschmückte Zuschauermenge eingefunden. Nachdem der Kaiser die mit frischem Grün geschmückte Tanfkanzel bestiegen hatte, hielt der Staatssekretär Graf Bülow die Taufrede mit etwa folgendem Wortlaut:
Ew. Majestät, Meine Herren! Vor 52 Jahren, im Jahre 1847 wurde in Hamburg eine Gesellschaft begründet zum Zwecke der Segelschifffahrt zwischen Hamburg und New-Pork. Diese wurde mit einem Kapital von 450 000 Mark gegründet, heute ist ihr Aktienkapital auf 65 Millionen Mark angewachsen. Der Raumgehalt ihrer Schiffe hat längst die Zahl von 400 000 Tons überschritten. Sie beschäftigt ans" ihren Seedampfern, ihren Flußfahrzeugen und auf dem Laude 9000 Personen. Im verflossenen Jahr legten ihre Schiffe fast 4 Millionen Seemeilen zurück. Vor wenigen Wochen ist für dieselbe Gesellschaft auf derselben Werft der Reichspostdampfcr „Hamburg" vom Stapel gelaufen, mit welchem die Gesellschaft in den Reichspostdienst mit dem fernen Osten eingetreten ist und den sie gemeinschaftlich mit ihrem Bremer Bruder, dem „Rord- deutscheu Lloyd", betreiben wird. Diese Gesellschaft, die während des letzten halben Jahrhunderts mit dem Bremer- Lloyd zur größten Rhederei der Welt emporstieg, ist die Hamburg-Ämerika-Linie, deren Flotte heute ein neues Schiff eingereiht werden soll für die Fahrt auf jener Hochstraße des nordatlantischeu Verkehrs, die uns mit dem befreundeten Volke der Vereinigten Staaten Nordamerikas verbindet. Dieses Schiff ist auf der Werft des Vulkan erbaut worden, welche die Hamburg-Amerika-Linie begonnen hat unb heute auf seinen sieben Hellingen mit 8000 Arbeitern nicht nur unsere Maring sondern auch den Marinen der fremden Nationen alle Schiffstypen vom Torpedoboot bis zum stärksten Panzer, vom Flußschiff bis zum größten Ozean- Schnelldampfer liefert. Das vom Vulkan erbaute Schiff der Hamburg-Amerika-Linie, welches wir heute seinem Element übergeben wollen, sott das mächtigste Schiff der Welt werden und soll an Schnelligkeit alle heute in Fahrt befindlichen Schiffe übertreffen.
Es ist ein langer, mühsamer Weg, der von den kleinen Anfängen bis zu dem stolzen Fahrzeug geführt hat, und wie sich die Hamburg-Amerika-Linic in immer großartigerer Weise entwickelte, wie der Stettiner Vulkan seine Leistungs-1
fähigkeit mehr und mehr steigerte, so hat während dieser selben Periode das Vaterland begonnen, das wieder zu gewinnen, was seit den Tagen der Hansa verloren gegangen war. Seit dem Untergänge der „Hansa," die zu ; Grund ging, weil das alte Reich sie nicht genügend stützte und weil damals der deutsche Kaufmann keine genügende staatliche Rückendeckung fand, wandte sich Deutschland von der See ab. Während dreier Jahrhunderte ging es uns wie dem Peter in der Fremde unserer alten Erzählung, dem vor der Fahrt über das Meer gruselte, uns, die wir einst fremde Länder mit Kolonien besetzt, Barbaren zur Gesittung geführt, die wir den Erdball mit unseren Faktoreien überzogen hatten. Erst als die Nation durch unsern großen Kaiser, durch die unsterblichen Berather unseres großen Kaisers, durch die Opferwilligkeit und Vaterlandsliebe aller Stämme und Schichten des deutschen Volkes die staatliche Einheit wieder errungen hatte, besann sie sich wieder auf das alte Hanseatenwort : Mein Feld ist die Welt! und betrat sie wieder das Theater der Weltpolitik. Denn unsere gegenwärtige überseeische Politik ist hervorgegangen aus dem gewaltigen wirthschaftlichen Aufschwung, der wiederum die Folge war der Schaffung des Reiches. Als die deutsche Arbeit sich eine Stellung auf dem Weltmarkt erobert hatte, mußte unsere auswärtige Politik der Entfaltung der wirthschaftlichen Kräfte folgen. Unsere heutige überseeische Politik, unsere heutige Weltpolitik haben sich aus unsern: wirthschaftlichen Wachsthum mit Nothwendigkeit ergeben. Heute fühlen wir mehr und mehr, daß ein Volk, das sich von der See abdrängen läßt, dem Weltgetriebe bei Seite steht, wie ein Statist, der sich im Hintergründe herumdrückt, während vorne auf der Bühne die großen Rollen agircn. Deutschland, dessen Handel sich während der letzten vier Jahrzehnte von 2Vs Milliarden im Jahr 1860 auf 8Vs Milliarden im Jahre 1897 gehoben hat, das seit 30 Jahren die Tonnage seiner Handelsmarine verfünfzehnfacht hat, das in Handel, Verkehr und Schifffahrt an die zweite Stelle aufgerückt ist, Deutschland darf weder im wirthschaftlichen noch politischen Wettbewerb zurückbleiben. Deutschland, das dem Meere so ungeheure Werthe anvertraut hat, welches längst nicht mehr nur ein Binncnvolk im Herzen Europas, sondern auch eine Welthandelsmacht im Vordcrtreffen der Konkurrenz ist, muß auch zur See stark genug sein, um den deutschen Frieden, deutsche Ehre und die deutsche Wohlfahrt überall wahren zu können. Und wenn wir auf diesem vom Schicksal vorbezeichneten Wege Hindernisse zu überwinden und schwierige Stellen zu passiren haben, wird uns das weder irre machen, noch nicderbeugen. Muttig, stetig und energisch müssen und wollen wir dem Endziele entgegenschreitcit.
Und nun soll dieses schöne Schiff einen Namen erhalten. Der Name, den das^ Schiff erhalten soll, ist der Name, den auch das erste Schiff der Hamburg-Amerika-Linie getragen hat, jenes kleine Segelschiff, das am 15. Oktober 184S von Hamburg nach Newyork mit 220 Passagiere in See stach. Es ist derjenige Name, der von allen irdischen Namen uns der theuerste, höchste und heiligste ist, der Name Deutschland. Ich taufe Dich auf den Namen „Deutschland".
Nachdem die Schaumweinflasche am Stern des Schiffes zerschellt war, fuhr Graf Bülow fort:
Segne Gott dieses Schiff, das den Namen unseres Landes trägt. Er schütze es auf allen Fahrten. Er schütze die Freundschaft und den Verkehr zwischen uns und den Vereinigten Staaten. Er schütze die deutsche Arbeit, deutschen Fleiß und deutsche Tüchtigkeit. Er gebe uns Frieden und Eintracht im Innern, sichere Wehr, Macht und Stärke nach außen. Er schirme und segne Deutschland. Und wie dieses Schiff den anderen Schiffen über sein soll, so viele ihrer die Meere durchqueren, so möge immerdar für jeden DeutschenDeutschland Deutschland über Alles sein, über Alles auf der Welt. Wir aber vereinigen uns in dem Rufe, der zusammcnfaßt, was wir fühlen, hoffen und erstreben : Der Führer der Nation, Seine Majestät der Kaiser und König lebe hoch!
Graf Bülow über die deutsche auswärtige Politik und die Flottenfrage.
Stettin, 10. Januar. Bei dem Festessen nach dem Stapellauf hielt der Staatssekretär Graf Bülow nachfolgende Rede:
Meine Herren! Ich danke dem Herrn Vorredner für seine freundlichen Worte und Ihnen Allen für die gütige Aufnahnic, die Sie seinen Worten bereitet haben. Als Staatssekretär des Acußeren habe ich die Pflicht, unsere
auswärtige Politik in dem Geleise zu halten, das der größte Staatsmann unserer und wohl aller Zeiten, Fürst Bismarck, vsrgczcichnet hat (Bravo), im Geleise ruhiger Stetigkeit, friedlicher Besonnenheit, fester Sicherheit und Würde, die dem Deutschen Reiche das Vertrauen der anderen Kabinette erworben haben und die ein festes Fundament des europäischen und des Weltfriedens bilden. Wenn ich auch wohl weiß, daß auf dem Gebiete der inneren Politik, um mich diplomatisch auszudrücken, manche Differenzen obwalten, so glaube ich doch, daß hinsichtlich der Ziele unserer auswärtigen Politik und auch der Mittel, um diese Ziele zu erreichen, tiefere Differenzen in der Nation nicht wohl obwalten können. In dieser Einigkeit unseres Volkes liegt gegenüber der Schärfe der inneren Gegensätze ein Ausgleich und eine Gewähr für die Zukunft unserer Volkes. In dieser Ueberzeugung von der Uebereinstimmung der ungeheuren Mehrheit der Nation hinsichtlich ihrer Daseins- bedingungen habe ich seiner Zeit die Geschäfte meines Ressorts übernommen und ich hoffe, daß es mir nach und nach gelingen möge, so freundliche Anerkennung, wie sie mir soeben zu Theil geworden ist, und daè Vertrauen und die Zufriedenheit im Lande zu verdienen. Meine Herren! Von den beiden Herren, die vor mir das Wort ergriffen haben, ist die Frage der von den verbündeten Regierungen für nothwendig erachtete Ergänzung und Erweiterung des Flottengcfetzcs von 1898 berührt worden. Wir Alle halten an der Hoffnung fest, daß die Vertreter des deutschen Volkes mit oft bewährter Vaterlandsliebe und Einsicht, in Würdigung der Weltlage und unserer Lage in der Welt, in Würdigung der Nothwendigkeiten und der Gefahren unserer Lage, der Verstärkung unserer Seestrcitkr'äfte auch diesmal ihre Zustimmung nicht versagen werden. (Lebhafter Beifall). Meine Herren! Ich habe oft gedacht, daß doch ein tiefer Sinn darin liegt, daß der Flottengedankc und die Einheitsbewegung ungefähr gleich alt sind. Der Antrag auf Ausrüstung eines deutschen Kriegsschiffes wurde gestellt in Baden, in demselben Jahre 1817, wo die Wartburgfeier stattfand. Als 1840 das Lied vom freien deutschen Rhein ertönte, trat der Vorkämpfer für deutsche Seemacht, Friedrich List, in die publizistischen Schranken. 1848 flammten der Einheits- und Flottengcdanke gleichzeitig auf und wurde zwei Jahre später zusammen eingcsargt, um gleichzeitig wieder aufzuerstehen. Im Jahre 1867 wurde gleichzeitig der norddeutsche Reichstag und die norddeutsche Marine geboren, die sich vier Jahre später in den deutschen Reichstag und die deutsche Flotte verwandelten. Sie sehen also, daß im Grunde der Reichstag und die Flotte Geschwister sind. (Heiterkeit und lebhafter Beifall.) Wir hoffen Alle, daß der Bruder seiner Schwester weiter verhelfen möge zu Wachsthum, Stärke und Größe, daß die Mutter Eermani- auch weiter au diesen beiden Kindern ihre helle Freude habe. (Lebhafter Beifall.)
Graf Bülow schloß seine mit stürmischem anhaltenden Beifall aufgenommene Rede mit einem Hoch auf die beiden großen Gesellschaften, die Hamburg-Amerikalinic und den Vulkan.
Aus dem preußischen Staatshaushaltsetat für 1901h
Aus dem Hxtraord inarium der Ein zeletat s für das Jahr 1900 ist u. A. nach einem Telegramm der „Frkf. Ztg." Folgendes mitzuthcilen.
Im E i s e n b a h n c t a t werden erste Raten verlangt für den schlesischen Bahnhof in Berlin und für die Erweiterung der Bahnhöfe Jauer, Grottkau, Kirchhain, Nörten, Northeim und Rangirbahnhof Cassel (Mk. 100,000), Ge- sammtkosten Mk. 600,000. Ferner werden zur Herstellung des zweiten Geleises auf der Strecke Lammersdorf-Montjoie sowie zur Anlage eines neuen Rangirbahnhofes in Köln-Süd, erste Raten verlangt. Die Eisenbahnbrücke über den Rhein bei Horchheim soll verstärkt und der Bahnhof Honnef erweitert werden, des Weiteren am Bahnhof Bonn ein neuer Güterschuppen gebaut werden, wofür erste Raten aufgeworfen sind. Zur Erweiterung der Bahnhöfe in Schwerte, Remscheid, Barmen und Opladen, sowie zu baulichen Anlagen auS Anlaß der Düsseldorfer Ausstellung im Jahre 1902 werden erste Raten verlangt, desgleichen für die Bahnhöfe Themar, Eisenach, Neudietendorf, Koburg, Merklinde, Altcndorf-Essen- Sâd, Gütcrdahnhof Heissen und Rangirbahnhof Esten. Im Bezirk der Eisenbahndirektion Frankfurt a. Nik. wird zur E r b a u u n g' eines Lokomotivschuppen auf Bahnhof Hanau-Ost (Gcsammlkostcn Mk. 298,000)