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Amtliches Organ für Sta6f- unö Lanökreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

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Auswärts 30 ^.

Nr. 6.

Montag den 8. Januar

1900

Hierzu „Amtliche Beilage" Nr. 2.

Amtliches. ^mtö&rew ^anau,

Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtes.

In Albstadr (Kreis Alzenau) ist die Maul- und Klauenseuche erloschen.

Hanau den 6. Januar 1900.

Der Königliche Landrath.

V 111 v. Schenck.

^taöt^rei^ ^anau.

Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Nachdem der Baufluchtlinienplan für das Gelände südlich der Akademiestraße auf Grund des Gesetzes vom 2. Juli 1875 förmlich festgcstellt ist, liegt derselbe von jetzt an auf dem Ctadtbauamt II (Langstraße 41) zu Jedermanns Einsicht offen.

Hanau den 5. Januar 1900.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 537

Bekanntmachung.

11. 10. 99

Der von den städtischen Körperschaften unterm ^* * gg beschlossene Baufluchtlinicnplan für die Hospitalstraße, von dem die Parzellen:

988 981

H Nr. 111, 95, 04 89, 90, 86, 85, 84,

„ „ 83, 82, 75, 74.

E „ 40, 41, 32, 26, 25, 22, 24, 23, 21, 9() 1—

betroffen werden, liegt auf Grund des § 7 des Gesetzes vom 2. Juli 1875 vom 10. d. Mts. an 4 Wochen zu Jeder­manns Einsicht im Stadtbauamt II während der Dienst­stunden von 10—121/a Uhr vormittags offen.

Einwendungen gegen den Plan können innerhalb ge­nannter Frist daselbst zu Protokoll gegeben, oder an uns schriftlich gerichtet werden.

Hanau den 4. Januar 1900.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 536

Gefundene und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 2 fast neue Holzböcke.

Verloren: 1 silberne Damenuhr.

Entlaufen: 1 schwarzer Dachshund mit weiß und gelben Abzeichen m. Geschl.

Hanau den 8. Januar 1900.

„Die Weltmacht der Zukunft:"

Es ist noch nicht lange her, seit über den Deutschen und alles, was aus Deutschland kam, im Auslande die Nase ge­rümpft wurde — ein Erbtheil aus der Zeit der deutschen Ohnmacht und Zerrissenheit. Verhältnißmäßig am spätesten hat sich der stolze Brite dazu bequemt, sein Urtheil über Deutschland den Thatsachen anzupassen. Wie man jetzt jenseits des Kanals über unser Vaterland denkt, dafür ist ein Artikel des „Daily Telegraph" über „Deutschland im Jahre 1900" bezeichnend, worin sich das Londoner Blatt mit der Ent­wicklung Deutschlands im letzten Jahrhundert beschäftigt und Deutschland die „Weltmacht der Zukunft" nennt.

„Keine Nation", so führt das Blatt aus, „eröffnete je­mals ein neues Zeitalter mit einem so triumphirenden Rück­blick und einem so glänzenden und vertrauensvollen Ehrgeiz als der, welcher die 60 Millionen des deutschen Volkes an diesem Jahrestage bewegt. Für die übrige Welt bedeutet dieser Tag das nahende Ende des alten Jahrhunderts, für Deutschland ist es der Beginn des neuen. . . Die neue deutsche Nation hat bis jetzt in allem, was sie anfaßte, Erfolg gehabt. Jedes Ziel, das ihr vor Augen schwebte, hat sie mit bewunderungswürdiger Umsicht in meisterhafter Methode erreicht und logisch, wie das Schicksal, hat Deutschland Schritt für Schritt vorwärts gemacht."

Das Blatt vergleicht dann das zersplitterte Deutschland am Anfang des vorigen Jahrhunderts mit der Gegenwart, indem es schreibt: „Bor hundert Jahren war Deutschland in einem Zustand apathischer Anarchie versunken, der es zum Gespött der Welt machte. . . Die Deutschen waren damals sozial noch im Mittelalter, politisch in einem Zustand des Chaos und ökonomisch fast soweit zurück als Kamschatka. Das war vor drei kurzen Generationen der Zustand, indem sich die Nation befand, die heute mächtig und ehrgeizig da­steht und den ersten Play in der Welt beansprucht. . . In den letzten dreißig Jahren hat man eine derartige ungeheure Entwicklung, wie die der Industrie und der Gcsammtlage Deutschlands überhaupt nicht gesehen, außer höchstens in Amerika. Die Löhne steigen und die Arbeitszeiten werden geringer. Die Auswanderung, die früher sehr stark war, nimmt von Jahr zu Jahr ab. . . Viele Städte sind fast vollständig neu und viel schöner, als sie früher waren, ge­

baut. . . Das ist im Süden ebensowohl Thatsache, als auch im Norden, und es zeigt, mit welchen gigantischen An­strengungen dieses Land mit aller Energie und mit allem Ehrgeiz vorwärts eilt, um seine Konkurrenten aus dem Felde zu schlagen.

Die Gründe für Deutschlands Aufschwung und Blüthe faßt der „Daily Telegraph" wie folgt zusammen: „Die deutsche Nation verdankt der Wehrpflicht eine körperliche Aus­bildung, die der geistigen Entwicklung, die das Erziehungs- System ihr gibt, nichts nachgibt. Intelligenz, Disziplin und Ausdauer, das find die Waffen, mit denen der einzelne Deutsche auszieht, um sich eine Stellung in der Welt zu schaffen. Das Zusammenwirken der Kräfte von 60 Millionen solchen Deutschen ist es, worauf die Regierung des Kaisers, die fähig, wachsam, zähe, frei und unbeeinflußt durch die auseinanderstrebcndcn Elemente der Parteien ist, sich stützt, um das neue Deutschland zu einer großen, wenn nicht der größten Weltmacht des 20. Jahrhunderts zu machen."

Wir Deutschen können mit diesem Urtheil zufrieden sein. Allerdings dürfen wir nicht vergeffen, daß wir, um jenes Ziel zu erreichen, Opfer bringen müssen. Ohne Fleiß kein Preis! Freuen wir uns, daß wir in unserm Kaiser einen Führer haben, der den Weg zum Ziele klar erkannt hat und der uns muttjig voranschreitet. Folgen wir ihm, wirke vor allem Jeder dahin, daß wir bald eine dem Heere ebenbürtige Flotte haben; denn nur dann kann Deutschland seine hohe Mission erfüllen.

An der Wende des Jahrhunderts.

IV.

D i e Kirche im 19. Jahrhundert.

Am Anfang des Jahrhunderts herrschte der Rationalismus in den christlichen Kirchen, der christliche Glaube schien er- tödtct, die Vernunft-Religion triumphirte und mit ihr die religiöse Zerfahrenheit. Damals hielt Schleiermacher seine „Reden über die Religion an die Gebildeten unter ihren Verächtern" und rief denselben zu: „Ich weiß, wie schön es Euch gelungen ist, das irdische Leben so reich und vielseitig auszubilden, daß Ihr der Ewigkeit nicht mehr bedürfet, und wie Ihr, nachdem Ihr euch selbst ein Weltall geschaffen habt, nun überhoben seid, an Dasjenige zu denken, welches Euch schuf. Ihr seid darüber einig, ich weiß es, daß nichts Neues und nichts Triftiges mehr gesagt werden kann über diese Sache, die von Weisen und Schern, und dürfte ich nur nicht hinzusetzen, von Spöttern und Priestern, nach allen Seiten zur Genüge besprochen ist." So sprach Schleiermacher in Berlin, der Hauptstadt des Protestantismus, wo der ober­flächliche Nicolai seit Jahren seine philisterhafte Aufklärung

Swilkton.

TlMèmptimischc Planeten.

Durch die Entdeckung des Neptun, die auf Grund der Vorausberechnung Lcocrriers auf der Berliner Sternwarte durch Galle im Jghre 1846 erfolgte, war die Grenze unseres Sonnensystems mit hinausgcrückt. Uranus, bis dahin der sonnenfernste Planet, beschrieb seine Bahn um unser Central- Gestirn in einer mittlern Entfernung von noch nicht ganz 3000 Millionen Kilometer. Fast 4500 Millionen Kilometer beträgt die mittlere Entfernung deS Neptun, der 165 Jahre braucht, um seinen gewaltigen Weg um die Sonne zurückzu- legen.

Auf die Existenz des Neptun war aus gewissen Ungleich­mäßigkeiten in der Bewegung des Uranus geschlossen worden. Dieser zeigte Abweichungen von dem Laufe, den er unter Be­rücksichtigung der Einwirkung sämmtlicher bekannter Körper hätte nehmen müssen. Diese Abweichungen verriethen das Vorhandensein eines bis dahin unbekannten Weltkörpers, der ja dann auch im Neptun gefunden wurde. Naturgemäß mußte die Frage auftauchen, ob wir in diesem denn nun das äußerste Glied unseres Planetensystems vor uns haben, oder ob noch über ihn hinaus, in weit größeren Fernen, weitere Planeten ihren Lauf um die Sonne vollführen. Daß die Anziehungskraft unserer Sonne noch über die Entfernung des Neptun hinaukreicht, daS haben eine große Anzahl von Kometen erwiesen, die bei einer Umlaufszeit von mehreren Hunderten von Jahren in ihren Aphclien weit über die Neptunsbahn hinauSgchen.

Zur Lösung der Frage nach dem Vorhandensein ent­fernterer Planeten war zunächst derselbe Weg offen, auf dem Neptun entdeckt worden war. Unregelmäßigkeiten in der Be-

I wegung des intern müssen mit der Zeit einen bisher noch unbekannten Planeten verrathen. Die seit der Entdeckung des Neptun verflossene Zeit ist aber im Verhältniß zu der unge­heuren Dimension seiner Bahn zu furj, um jetzt schon einen Schluß auf die auf den Planeten wirkenden Körper zu ge­statten. Seit 1846 hat ja Neptun noch nicht den dritten Theil eines Umlaufs zurückgelegt! Dagegen hat die genauere Untersuchung der Bewegung des Uranus einen bessern An­haltspunkt. Der Lauf dieses Planeten weist nämlich, auch wenn der Einfluß des Neptun berücksichtigt wird, noch Un-. gleichhcitcn auf. Diese hat Professor Todd durch die An-j nähme eines Planeten erklärt, der etwa 1000 Jahre zu einem i Umlauf um die Sonne braucht, dessen mittlere Entfernung von dem Zentralkörper mithin etwa 15 000 Millionen Kilo­meter betragen würde.

Auf einem abweichenden Wege har Prof. Forbes die Frage nach der Existenz transneptunischer Planeten zu lösen ver­sucht. Die Kometen, die in geschlossenen Bahnen um die Sonne ziehen, die wir also auch als Glieder des Sonnen­systems zu betrachten haben, schließen sich also insofern an die größern Planeten an, als ihre Aphelien in die Nähe der Planetenbahnen fallen. So hat der mächtigste unter den Brüdern der Erde, der gewaltige Jupiter, mehr als ein Dutzend der Weltcnbummler in Abhängigkeit von sich gebracht, Neptun etwa halb mal so viel. Nun gibt es zwei Gruppen von Kometen, deren weiteste Abstände von der Sonne etwa 100 und 300 mal so weit sind, als unsere Entfernung von der Sonne. In jedem dieser ungeheuern Abstände, nimmt Forbes deshalb an, müsse mithin ein bis jetzt noch unbekannter Planet existiren, von denen der eine rund 1000 Jahre, der andere aber fünfmal so lange zu einem Umlauf um die SomE brauchen würde.

Es ist bemerkcnswcrth, daß der nähere der beiden Forbes'schtn Planeten mit dem von Todd angenommenen nahe

übereinstimmt. Die Entscheidung der Frage bleibt aber i der Zukunft offen, die dann auch fcststcllen wird, ob unsere I optischen Hülfsmittel im Stande sind, uns diese Planeten * sichtbar zu machen.

Die Gefahren des Auges in den Wlutcrtngen.

4!on Dr. med. Ernst Zeisig.

(Nachdruck Derbsten.)

Bietet in der That die Winterzeit besondere Gefahren für das menschliche Auge, daß es nöthig erscheint, das Ver­halten der Augen in der Zeit der kurzen, dunklen Tage einer Be­trachtung zu unterziehen? Zweifellos. So wie der Sommer durch sein blendendes, grelles Sonnenlicht, durch die schroffen Wechsel von Licht und Schatten, durch Staubwirbel in der Luft, durch Unvorsichtigkeiten beim kalten Baden und vieles andere den Augen mit ganz bestimmten Gefahren droht, so kann auch der Winter den Augen durch ganz bestimmte, mit der Jahreszeit zusammenhängende Umstände Schädigungen bringen. Der Ausdruck Gefahren ist vielleicht etwas stark: cs wird fick nur um mehr oder weniger schwere, oft aber irreparable Schädigungen handeln.

Der bekannte Breslauer Hygieniker und Professor der Augenheilkunde Hermann Cohn veröffentlichte jüngst in einem Fachblatte eine auf den ersten Blick vielleicht unbedeutend er- scheinende, aber doch bedeutsame Thatsache. Er hat immlicb bei einer eingehenden Augen-Untersuchung aller Schüler der Breslauer Taubstummenanstalt festgestelt, daß unter 234 Kinder nur ein einziges kurzsichtig war. Um diese Zahl ganz würdigen zu können, muß man daran denken, Fast es sich um eine städtische Volksschule handelt, daß Prof. Cohn für städtische Volksschulen — in den höheren Lehranstalten