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Amtliches Argan für ötaöt- unö Landkreis Nauau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 4.

Freitag den 5. Januar

1900

Amtliches, ^taötrtrci^ ^anau.

Bekanntmachungeri des Oberbürgermeisteramtes.

Jeder Militärpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. bei dem hiesigen städtischen Meldeamte (Langstr. 41 pari. rechts) zur Rekrutirungs- stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Militärpflichtige, welche ohne an einem anderen Orte im deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod-, oder Fabritherrn die Anmeldung zu besorgen, eben­falls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Diejenigen Militärpflichtigen des Jahrgangs 1880, welche außerhalb Hanau's geboren, haben bei Anmeldung zur Stammrolle ihren Geburtsschein, welcher von dem Standes­amt des Geburtsortes für diesen Ziveck gebührenfrei aus­gestellt wird, vorzulegen.

Hanau, am 2. Januar 1900.

Der Magistrat.

Bode. 203

Gesundem und verlorene Gegenstände etc.

Gefunden: 1 silberne Damenuhr, 1 Regenschirm, 1 dunkelbraunes, gesprenkeltes Frauenrad.

Zugelaufen: 1 grauer, mittelgroßer, kurzhaariger Hund, über den Rücken schwarz, mit Maulkorb, m. Geschl.

Hanau den 5. Januar 1900.

Bekanntmachung.

Ein brauner Jagdhund, männlich, mit langem Be­hang, ist hier als zugelaufen angemeldet.

Langendiebach, 4. Januar 1900.

Die Ortspolizeibehörde.

Knüppel. 355a

Mehr Natronal-Grfühl.

Der Deutsche hat einen eigenthümlichen Hang zur Be­wunderung des fremden und zur Geringschätzung des eignen Werthes. Während sich der Engländer mit Stolz auf dem ganzen Erdenrund einen Sohn Englands nennt, und der Franzose nur Franzose, der Spanier nur Spanier ist, kann mancher Deutsche nicht genug thun in der Nacheiferung fremder Sitten und fremden Wesens. Es ist dies ohne

Feuilleton.

Londoner Modcbricf.

Von Mary Wood.

(Nachdruck verboten.)

,,A happy new Century 1

Ein glückliches neues Jahrhundert!

rufe auch ich meinen deutschen Leserinnen auf die allcrherz- lichstè Weise zu. Für uns in England ist cs kein glücklicher Anfang des gewaltigen neuen Zeitabschnittes gewesen. Der Krieg in Südafrika hat manche Familie in Kummer und Trauer versetzt und Weihnachten und Neujahr wurden nicht so fröhlich und glücklich gefeiert, wie man gehofft hatte. Die zahllosen Glückwunschkarten waren schon zu einer Zeit vor­bereitet, wo noch Niemand dachte, daß der schreckliche Krieg das neue Jahrhundert mit Blut und Thränen einweihen würde. Ihre Devisen sind alle für glückliche, schöne Zeiten gedachtA golden 1900,ein goldenes, neues Jahr­hundert" so war die Losung. Einer Ironie gleichen auch die vielen Bildchen, die für den Seemann in der weiten Ferne bestimmt waren, wo Schiffe mit roscnrothcn Segeln in den blauen Ozean stechen entering tlie new Century und auf den flatternden Wimpeln im new style die Inschrift: Piece and Wellfare d. h.Frieden und Wohlfahrt" zu lesen ist. Dieser Wunsch ist leider nicht in Erfüllung ge­gangen, aber in einer Millionenstadt versinkt selbst das größte ?cid, da cs nicht Alle betreffen kann, und die Glücklichen, die davon verschont geblieben, haben ihre Festtage reichlich ge­nossen. Unter dem traditionellen Mistelzweig wurden wie immer durch Küsse Verlobungen gestempelt ein Kuß unter dem Mistelzweig bedeutet bekanntlich ein Ehcvcrsprechen bei uns und wochenlang schon ist die englischeHall ober

Zweifel das unglückliche Erbtheil aus der Zeit der deutschen Ohnmacht und Erniedrigung.

Unsern Voreltern mag man die Sucht, sich mit fremden Federn zu schmücken, um in ihrer Umgebung mehr zu erscheinen, immerhin vergeben. Unter den Wirkungen des dreißigjährigen Krieges ausgewachsen, befanden sie sich vor den Trümmern der einstigen vaterländischen Größe und waren so zermalmt durch den Gang eines fürchterlichen Schicksals, daß sie auf mehrere Geschlechter hinaus das Zutrauen zu ,sich verloren hatten und unwillkürlich durch den gleißenden Glanz des französischen Hof- und Gesellschaftslebens geblendet wurden. Dieses war damals leider tonangebend für die ganze Welt geworden, weil König Ludwig XIV. sein Zeitalter zu be­herrschen verstand.

Das französische Beispiel konnte am wenigsten seine Wirkung auf die von führender Stellung auf einen be­scheidenen Lebensftand gedrängte deutsche Nation verfehlen; auch sie strebte unwillkürlich nach einer Verfeinerung ihrer Lebensart, ihr Fehler war nur, daß sie das französische Vor­bild für echt ansah und gleich ganz in sich aufnahm. Doch das lag im Geiste der Zeit, und später entbehrte das deutsche Volk zu lange eines gemeinsamen Vaterlandes, um seine nationale Eigenart stolz zur Schau zu tragen.

So ist es gekommen, daß sich bei uns frembe Sitte von einem Geschlecht zum anderen übertragen hat, und daß sich auch die Zeitgenossen noch immer mit einem Ballast un­deutschen Wesens in der Sprache, in den Geschmacks-Aeuße- rungcn uud Lebens-Gewohnheiten schleppen, der in einem schroffen Gegensatz zu der gegenwärtigen Weltstellung! und dem Wohlstände Deutschlands steht. Es ist selbst den geistig Freiesten im Volke schwer, sich von den angeerbten Untugenden zu befreien, denn die Freindsucht hat aus unsere Sprache so verwüstend gewirkt, daß wir für viele Begriffe keinen deutschen Ausdruck mehr haben. Anderseits dünkt Vielen ein mit fremden Worten wiedcrgegebcncr Gedanke, ein Titel u. s. m. erhabener, als wenn sie ihn gut deutsch nennen. Ist das nicht thöricht?

Dasselbe gilt von unsern Sieben, in denen sich viele zu blinden Nachtretern des Auslandes machen und Millionen als Zoll ihrer Schwäche in die Fremde wandern lassen, obwohl wir bei der Vervollkommnung unserer Güter-Er- zeugung eher den auswärtigen Völkern ein Beispiel des guten Geschmacks in der Bekleidung und sonstigen Lebens­führung bieten könnten. Namentlick ist die sogenannte Engländers" bei uns in neuester Zeit so üppig ins Kraut geschossen, daß sich das deutsche Äuge davon unwillig ab­wendet. Wer sich aus der Höhe des Lebens dünkt und rechtfein" gelten will, kleidet sich englisch, speist englisch, spielt englisch.

in bürgerlichen Familien das .,Parier" mit den schönen grünen Zweigen, die rothe Beeren tragen, ausgeschmückt. Der ganze Monat Dezember war den Einkäufen geweiht, und SchmucksMen, Spielsachen, Bonbons, aber auch Modewaaren aller Art fanden großen Absatz.

Die Mode begünstigt vornehmlich Pelzwaaren und Haar­schmuck. Vor Alleni sind es die feinsten Seitenkämme aus blonbem Schildpatt, denen die Aufgabe zufällt, das Haar der Engländerinnen, welches bekanntermaßen sehr reich und schön ist, pompadourartig zu puffen. Die Ränder dieser Kämme sind meistens in griechischem, altkeltischcm oder orientalischem Stvl geschnitten. Hochelegant sind auch die Pompadour- Seitenkämme mit languettirtem ober spitz ausgezacktem Rücken. Diese Kämme sind künstlerisch hergcstellt, sie sehen aus, als ob die kunstgeübte Hand einer Stickerin an diesem harren Material ihr Heil versucht hätte. Sehr modern ist die Kugelverzierung für dieses Genre. Die begehrtesten Schmuck- kämmc sind jedoch kronenartig ausgeführt und mit kostbaren Steinen besetzt. In erster Linie kommt der Brillant, dann der Rubin und der Smaragd in Betracht. Weniger kost­spielig ist der mit Korallen besetzte Schmuckkamm, aber first rate was Eleganz betrifft, ist der Schmuckkamm, dessen : griechische Borte mit Brillanten besetzt ist, während die Kugel- ' reihe aus Korallen gebildet ist. i

Von Pelzsachen wäre als vornehmste Neuheit die breite bis zur Erde reichende Boa aus Blaufuchs zu erwähnen, ; ein Toilettenstück, wie geschaffen, unsere amerikanischen < Milliardärinnen zu schmücken. Der riesengroße dazu gehörige < Muff ist mit schwerer, geblümter Brokatseide gefüttert, und ' mit echten, alten Spitzen garnirt. Zu dieser Garnitur gehört t die winzige Toque aus Chinchilla mit Hortcnsientuffs und einer enorm großen, weißen Reiherfeder geschmückt. Zweierlei s Pelzwerk ist überhaupt sehr modern. Zu dem langen Sack- i palctot aus Breitschwanz trägt die vornehme Engländerin i

Fordern wir nicht durch solche Thorheiten den Spott des Auslandes heraus? Was bei unsern Vätern ent­schuldbar erscheint, ist bei dem heutigen Geschlecht durchaus zu verwerfen. Wir erfreuen uns wieder eines machtvollen deutschen Vaterlandes, und wer es geringschätzt und dafür sich durch Nachäffung des Fremden, besonders des englischen Wesens ein höheres Ansehen zu geben sucht, verfällt mit Recht dem Fluch der Lächerlichkeit. Das deutsche Volk wird seine Weltstellung nur behaupten können, wenn cs sich die Eigenart seiner natürlichen Anlagen wählt, und wenn Jeder das Wort des Großen Kurfürsten beherzigt:Gedenke, daß du ein Deutscher bist!"

Politische und unpolitische Nachrichten.

Depeschen-Bureau Herold.

Berlin, 4. Januar. Der Kaiser empfing heute Mittag 1 Uhr die Bischöfe von Osnabrück und Kulm.

Berlin, 4. Januar. Nach einer Meldung aus Rom ist daselbst der spanische Botschafter beim Quirinal, Graf von Benomar, welcher früher Gesandter am Berliner Hofe war, gestorben.

Berlin, 4. Januar. Wie demBerliner Tageblatt" aus Potsdam gemeldet wird, hat dort heute Morgen zwischen einem Offizier der Prenzlauer Garnison und einem pommer- schen Gutsbesitzer ein Pistolen-Duell stattgeftlnden, in wel­chem der Offizier eine Verwundung am Arme erlitten haben soll. Ueber die Veranlassung zu dem Zweikampf verlautet nichts Näheres.

Wien, 4. Januar. Der bekannte Professor Schenk wurde vom Unterrichisministcr aufgefordert, um seine Pen- sionirung einzukommen.

Antwerpen, 4. Januar. Die gejammten Diamant­schleifer der Stadt sind ohne Arbeit. Es hat sich ein Hilfskomitee gebildet, an dessen Spitze der Bürgermeister van Rvswik steht, um die Feiernden zu unterstützen.

Paris, 4. Januar. Der Staatsgerichtshof vcriiriheiltc den Sekretär des Herzogs von Orleans, Buffet, mit 115 gegen 58 Stimmen zu 10 Jahren Verbannung, Dsroulèdc mit 115 gegen 21 Stimmen ebenfalls zu 10 Jahren Ver­bannung, @uérin zu 10 Jahren Festungshaft und den Baron de Lur-Saluces in contumaciam ebenfalls zu 10 Jahren Verbannung.

Paris, 4. Januar. Der Kriegsminister Gallifct har au die kommandireuden Generäle eine Zirkularnote gerichtet, in welcher er die Einführung von Zeimngen und Zeitschriften, in denen die republikanischen Institutionen ober die Regie­rung und der Präsident angegriffen werden, in die Offiziers- kasiuos untersagt.

den großen breiten Rubenshut aus Sealskin, der innen mit Heller Seide eingefüttert ist. Lichtgraue ober weiße Strauß­federn legen sich um die Kappe, während links seitlich ein schmales Bandarrangement in der Farbe der Federn in die Höhe ragt. Hochmodern ist der Bolero oder Sackpaleco: aus echtem Zobel, das einzige Pelzwerk, welches nicht in Ver­bindung mit einem anderen getragen wird. Es verlang: ein zartes weibliches Gesicht, da es zu sehr an ein Tbicrsell er­innert und weit weniger schmeichelt, als Seal oder Breit- schwanz. Die erhöhte Kostbarkeii soll eben die mangelnde Kleidsamkeit ersetzen, und das Bewußtsein, etwas zu tragen, was sich die Mitschwesternicht leisten kann", ist für manche Modedame die einzige Veranlassung, einen Zobelpelz anzu­legen. Auch die Straßentoiletten werden für die weiblichen Snobs" ganz aus Pelzwerk gemacht; brauner Caracul oder schwarzer Breirschwanz sind das beliebteste Material. Der Rock aus Pelzwerk wird nach oben sehr eng, nach unten zu weiter geschnitten und mit hellem Taffet gefüttert. Das Leib­chen wird meistens ganz glatt, mit Frackschößchen und zwei­reihig gemacht, und mit vier großen, kostbaren Knöpfen ge­schlossen. Diese Letzteren zeigen eine Malerei auf Email und sind mit Brillanten umrande:. Den herzförmigen Aus­schnitt füllt ein Chemisett aus feiner weißer Seidenmousscline, und eine große Kravattc aus demselben Material.

Tie neueste Modedame hat die Muffkcttc creirt, die auS Jettpcrlcn abwechselnd mit Stahl- und Kroitallperlen, vielfach getragen wird. Aber auch die goldene Kenc, von Email­gliedern unterbrochen, an die sich schwarze ober weiße, ech:e Perlen fügen, wird zu dem Zweck verwende:. Aber man trägt hier nicht nur eine Kette, sondern mehrere zu gleicher Zeit. Vor Allem ist es die Perlenkette, welche man !o oft sie reicht je öfter desto lieber um den Hals schlingt, und an deren Ende man ein goldenes Plakrtt hängt. auf welches in feinster, künstlerischer Ciselirung eine Allegorie ge-