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Amtliches «Argan für Htsöt- nnö Lanölirsis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 297
Mittwoch den 21. Dezember
1898
Gefunden: Ein kleiner Haarbesen. Eine Lezitima- tionskarte der Hanauer OrtSkrankenkasse für das Mitglied Helene Walk zu Pulverfabrik.
Entlaufen: Ein Bernhardinerhund, gelb mit weißen Pfoten, auf den Namen Rex hörend.
Hanau am 21. Dezember 1898.
f die gute Entwickelung der deutschen Industrie im letzten Jahre
' auf allen Gebieten — mit Ausnahme der T«xtil-Jndustrie,:
über die aaä einzelnen Gegeuken ein ungünstiges Urtheils gefällt wird — ungehalten, und daß es infolge dessen nicht!
Die Berichte der Gewerbe-Inspektoren.
Die kürzlich vom Reichsamt des Innern herausgegebenen amtlichen Mittheilungen aus den Jahresberichten der Gewerbe- Aufsichtsbeamten über das Jahr 1897 enthalten ein werth- volles Material, das sowohl in sozialpolitischer, als auch in volkswirthschaftlicher Beziehung interessant ist. Zunächst zeigt sich, daß sich die anfangs vielfach kühl aufgenommenen Auf- sichtsbeamten bei den Belheiligten eines immer größeren Ver-
an Arbeits-Gel egenh-.it gefehlt habe. Die Nachfrage nach' Arbeitskräften war infolge des guten Geschäftsganges unr der lebhaften Thä igkeit auf allen Gebieten der Industrie! so groß, daß die Zahl der jugendlichen Arbeiter zugenommen! hat. Aus einer Reihe von Bezirken wird auch von Lohn- Erhöhungen berichtet. Im großen und ganzen hielte» sich die Löhne auf der im Vo jähre erreichten Höhe.
Die über die Ernäyrungs Verhülln sie der Ar eiter vorliegenden Aeußerungen lauten nur verhältnißmäßig selten
Schlesien und Brandenburg heimgesucht haben, im Gebiete der schlesischen Gebirgsflüsse und der Sp ee zu treffen sipi. Die technischen Vorarbeiten sind abgeschlosien, eS gilt nunmehr, wenn mit einer Vorlage an den Landtag berangetreten wird, über die Ergebnisse der Vorarbeiten eine Verständigung mir den Vertretungen der belheiligten Provinzen herbeizuführen. Mit Rücksicht hierauf ist der schlesische Provinzial-Landtag bereits auf den 8. Januar einberufen. Eine Beschlußfassung des Staatsministeriums war umso dringlicher, als die technischen Baupläne wegen ihrer zu btm zu erhoffenden Nutzen kaum im richtigen Verhältniß stehenden hohen Kosten die Ausführung widerrathen.
_ - . Der Bnndesrath hat in seiner gestrigen Plenai-
günstig; dcch ist die Fürsorge d r Arbeitgeber für die Ber- sitzung einem Amrage, belr. die geschäftliche Bedandiuug eirer besserung der Ernährungs-Verhältnisse in zahlreichen Fällen Denkschrift über die Schutzgebiete, die Zustimmurü ertheilt; zum Ausdruck gekommen. Vil ist für die V.rbesierung der ebenso dem Ausschußprotokoll, letr. den zollfreien Einlaß der Wohnungs-Verhättnisse gtschehtN, namentlich durch V reine. mi Freigebiete von Bremerhaven bei der Reparaiur von Auch die Jnvalidiläts- und Alters-Versicherungs-Anstolten Dampfschlffeu mit inländischen Materialien entstehe, ^en Ab-
tranens erfreuen, das ihnen in steigendem Maße eine er- 7»^ ™ «l™-"?ll^‘^ tnlanbt|®en Materialien entstehe. .en Ät,-
sprießliche Thätigkeit sichert. Die Ortspolizeibeamren haben ^n sich '»^ dem Ausschuß°utr-ge, betr. d.e Ämderung "es a. t-
ersolgreich mit den Aufsichtsbeamten zusammen gearbeitet,! ^'gt. Fortschrrtte sind ferner,in der Furage für V-kletztL Eichen Waarenoerzeichnisi-s zum Zolllarise; enolrch oem Aus- Meinunasversckiedenbeiten sind aar nickt voraekommen Die ^ Kranke zu verzerchnen. Auf dem Gebt te der Arbester- jchußbericht über die Aeutzerung des itatrstriwen Waarenver- Berufsamossensckasten haben ihre frühere Hbnetaung unb Hu- i Versicherung sind die bestehenden KassewE nrichtungen vielfach zeichnisieS und des Verzeichnisses der Masiengüter. Den zu- rückbaltuna arönleulbeils fallen lassen • ihre Beauftragen 00n ^ " GewerbetterbendiN mit Zuwendungen besachl worden. Häutigen Ausschüssen wurden über wiesen der Eesttzeinwurf Laben flck in z^ ^üb-r, daß die Arbeitgeber den ihnen dnrch die über Senkungen unb Ergänzung n des Strafgesetz cf.ee ,
haben sich m »abi™<ben gaten mtt b n ^ »«Men.rji0eHta.to8 anfhlegto Pflichim ni» in <u* w V°-l°g- Sur abtobrrnag unb «ejtouj ber L ■*
- 9 9 16 . H: reichender Weise naäkowmen, sind ganz vereinzelt. D«r führung des Jmpfgesetzes erlasiemn Voischriften und der Ä(-
Beseitigung von ■
^!k»° LLl^L°A7m.^ tetod*. Wirken lätw». durch j.tz«m«.I M E>,.i-'s°ch>i-«.», fc». W«»H M
Das gute Berhaltmß der Beamten zu den Arbeitgebern 6«t' * . . r npr(Ai,^fördert. Die so iale
Bürgerlichen Gesetzbuches. Von Mittheilungen, bett. Verhandlungen der Kommstsisn für Arbeiterstatistik und bei. die
atMer ^enommat. ®.eä «t M taitefortae baran, atll^annL ^ bfa «ulWta»J Sr M.I.
r terinnen im Haushaliungswesen und in Handarbeit«n wird fortdauernd gesorgt. Eine wesentliche Bedeutung haben auf
, , , diesem Gebiete die Mädchenheime erlangt. i schluß gefaßt.'
MD ErMaE?r Gewerbe Aufsicht wird man nm so me^ um Z« zeigm, daß zur- $dWüm für Lungenkranke. Das Deutsche
mit (SipnnntbMnim verzeichnen als sich die sozialdemokratische 'D^warzscherer in Bezug auf die zage d-r Arbeiter, wie fie Ceniralkomitee zur Errichtona von Heilstätten für Lungen- A ita?^ r°°? der Sozialdemokratie genährt wird, kein ^ welches unter b?m Protektorar Ihrer Majestät der
nebmern und Arbeitern zu ve. tiefen und Lohnstreitigkeiten auf ®tunb °°'^"^- _________ I Kaiserin und dem Ehrmvorsitz des Reichskanzlers Fürsten zu
«»sitis^- m/nAtfrnnpn dinausruivielen durch die aeräuschlose! i Hohenlshe-Schillingsfurst vor drei Jahren ins Leben trat,
und entsagungsvolle Arbeit dieser Beamten außerordentlich be- Tagesschau. - blickt aas eine erfolgreiche Thätigkeit zurück. As erste Maß-
bindert fühlt und sich darum fortgesitzt bemüht, von der V-N der Marine. Berlin, 20. Dezbr. Laut tele- regel wird bei der planmäßigen Bekämpfung der Sangen» R-ickstaastribün- aus und durch ihre Preßorgane die Ge- graphischer Meldung an daS Oberkommando der Marine ist schwindsucht die Unterbringung der zahlreichen Erkrankten in we beAufsichl in ein schlechtes Licht zu setzen. -der Reichs-Postdampfer »Preußen" mit der Ablösung für S. besonderen Anstalten angesehen. Das Centralkomttee^bettach-
Wie in den Berichten des Vorjahres, so wird auch jetzt M. S. „Möwe" - Trausportführer: Unterlieutenant zur tete es deshalb als seine erste Aufgabe, dafür «orge zu
■ c -. bestätiat daß zwischen der allgemeinen See Kuthe — am 18. Dezember in Suez angenommen uud tragen, daß das Reichsgebiet mit einer hinreichenden Anzahl
La e der -^nA e «nd der^ de^Arbester am 19. Dezember nach Adm in See gegangen. solcher Anstalten besetzt werde Dies ist bau der Mit-
W^chselbe^ebunaen bestehen Und da muß eS mit Besriedi- ! Das preußische Staatsminifterium hat sich dem Wirkung weitester Kreise und msbesondere dank der Fürsorge, Wechselbeziehungen vesteyen. Anfstchtsbeamten über die Vernehmen nach in letzter Zeit mit den Maßreaeln b-schä'- welche die deutsche Albesterverucherung für ihre Kranken und gung erfüllen, daß>sch wirthschaftlichen Verhältnisie tigt, welche zur Vorbeugung gegen Hochwasier-Katastrophen, Erwerbsbedrohten ermöglicht, in erfreulichster Weise gelungen.
%^LX^ jJC ALL L Hr im ^o^ bS» °°N„; A>d..s r°.,,° °°N Ei^e R.id- -°N H,il-°»°«.°, d,- -i. ,u«m Ers°>g° Bergig
daß sich die Besuche der Arbeiter in den Sprechstunden der
Aufsichtsbeamten mehren und daß deren auSgleicher.de Thätigkeit vor allem bei Lohnkämpfen und anderen Streitigkeiten in
Rechnungsergebniffe der Berulsgenofseuschaften für 1897, wurde Kenntniß genommen mit über einige Refolmionen des RetchLiagS sowie über eine Reihe von Eingaben Bc-
Tag-A^chitzU. ! blickt auf eine erfolgreiche Thätigkeit zurück. Ais erste Maß-
Von der Marine. Berlin, 20. Dezbr. Laut tele- regel wird bei der planmäßigen Bekämpfung der LungtN-
FsttEstsn
Eine Studie zu seinem 150. Geburtstage, 21, Dezember. Von Otto von Maaß. , ,
Es war an einem schönen Herbstabende des Jah«s 1772, als zu Geismar unter einer mächtige», uralten Eiche eine Schaar begeisterter Jünglinge feierlich einen Bund schloffen. Sie hoben die Hände zum leuchtenden Abendyrmmel empor und schwuren, die heiligen Güter der Tugend und der Freund- schaft, der deutschen Sitte uno der Freiheit zu hegen und zu pflegen und als fromme deutsche Jünglinge und länger en- ander treu zu leben und zu sterben. Gar verschiedene P^' sönlichkerten waren es, die da den „Hainbund begrün . Neben dem leidenschastsdurchwühlten, haß ichen und doch faszinirenden Gesichte Bürgers sah man Voß knochige, dertze Gestalt und den behenden Boie. Still aber, »enn auch nicht theilnahmslos, stand zwischen den Freunden embrn-schi^ gebückter Jüngling von todtenbleichem Antlitze un» undhil licher, ja fchlotternder Haltung. Kränkttchketl stand aufstinem Gesichte geschrieben, feine Freude und Begeisterung war durch eine sanfte Melancholie g^äwpft. ^r Hülle wog! wenig .anziehendes gehabt, hätte nicht der Blick semeS Aug J seelenvolles Lächeln beredt von der natürlichen U^ keit seines Wesens erzählt. DaS war Ludwig ..einiich
Jn^dem^'dramatifch bewegten und farbensatten Gemälde der Sturm- und Drangepoche, die die Reisezeit linscrcr nationalen Dichtung vorbereitete, steht Hülty als ein z /st / feine Gestalt, wie mit lockeren Wasserfarben hinemgemalt. Obwohl von den ihm zunächst Stehenden Bürger ihn an
dichterischem Genie, Voß an Kraft und Gesundheit übertrifft, so vermag sich der bescheidene Poet dennoch neben ihren mit allen Ehren zu behaupten. Denn er ist Bürger an fleckeu- loier Reinheit des Charakters, Voß an herzlicher Liebevs- würdigkeit üverlegen, und die süße Schwärmerei, mit der er die Saiten zu schlagen verstand, gibt ihm eine ausgeprä. le, charakteristische Eigenart. Gewannen ihm schon diese Eigenschaften zeitig allgemeine Sympathie, so wurde diese Sympathie noch vermehrt durch den Antheil an sein-m unglücklichen Schicksale »nd durch die Dankbarkeit des Volkes für einige populäre Weisen, die ihm der Poet hinterlassen hat; eS sei nur an „Ueb' immtr Treu und Redlichkeit," „Wer wollte sich mit Grillen plagen" und »Ein Leben wie im Paradies" erinnert. So ist es gekommen, daß dieser Dichter, dem es nicht einmal vergönnt war, den Zenith seines Lebens zu erklimmen, bekannter und beliebter ist, als Andere, deren Anspruch auf dauernden Nachruhm begründeter schien, und daß das schmale Bündchen Lieder, das fin ganz-s Werk bar stellt, noch heul Leser und Freunde surret.
Aber nicht nur dichterisch und menschlich, auch kulturhistorisch beansprucht Höliy ein besonderes Interesse. Denn in ihm hat ein wesentlicher und wichtiger Zug des Empfin- dvngslebenS jener bedeutsamen Zeit einen tyoi'chen Ausd-uck aefunden: jene tiefe Hingabe an die Freundschaft, jener Hang zum idyllischen Genvsie . der Natur, jenes Gefühl für die Wonne der Wehmuth — mit einem Worre: jene fuße Sckwärmerei, die zweifellos bis zu einem gewissen Grade einen des denischen Charakters überhaupt und kein es- wetz» eine seiner schlechtesten Seiten biloet. In "-ser Beziehung darf Hölty als ein Vorläufer Jean Paul s bezeichnet werden. Selbst heut, wo wir in einer Periode der Stepfti Utb der Nüchternheit im Denken stehen, berühren die leisen, zärtlichen, gejühlsinnigm Klänge, die er auS seinem Tiaum- lande, wie ferne »erhallende Grüße zu uns hinubersende.,
^ h.«tig, Nummer umfaßt außer demUnterhattungtblatt 14 Seite«.
wie Botschaften aus selttam schönen elystschen Gesiu en: spätere Zeiten, die sich jenes Traumland wieder erobert haben, werden vielleicht dieses bescheidenen Dichters Weisen wieder unmittelbarer verstehen und darum noch höher schätzen, als es heut geschieht.
Kein Zeichen verrieth, daß das Leben des Pfarrerssohnes von Mariensee, einem Dörfchen im Haursverschen tragisch verlaufen sollte. Glückliche Kinderjahre waren Höli, beschienen. Die liebliche Umgebung weckie zeitig seinen Sinn für die Freuden der Natur; ein glückliches Familienleben umgab ihn mit einer Atmosphäre der Liebe, in der die zärtlichen Triebe seines empfindsamen Herzens schnell in Blüthe schössen. Dem bildschönen, «unteren, drolliger Einfälle vollen Knaben schien die glücklichste Ankunft zu lachen, und als der Vater ihm Unterricht zu ertheilen begann, fand er in ihm auch den eifrigsten und empfänglichsten Schüler, der eher seinen Erzieher zu schnelleren Fortschritten drängte, als daß er selbst angespornt zu werden brauchte. Da warfen die Ereignisse in seinem neunten Lebensjahre auf sein ganzes gegenwärtiges und künftiges Leben schwere drohende Schatten, die von nun ab nicht mehr weichen sollte». In diesem Jahre starb seine Mutter und zwar an einer Krankheit, die zugleich ein furchtbares Meue Tekel für den Sohn war: an der Schwindiucht. Und gleich als wollte ihm sein Lebensengel sein künftiges Geschick andeuten, überfielen ihn etwa zur selben Zeit die Blattern. Als die schreckliche Krankheit überwunden war, war der einst so hübsche Koibe nicht nur entstellt, er behielt auch ein Schwächezesühl zurück, da« ihn von da ab zeitlebens nicht mehr verlassen hat. Eine andere Natur wäre unter solchen Schlägen wohl mürrisch, hypochondrisch, verbittert geworden; davor behütete Hölty nun freilich die Liebenswürdigkeit, die den Grundzaz seines ganzen Wesens bildete: aber der Schleier der Wehmuth breitete sich allerdings fortab über seinen Charakter und sein Auftreten, und eine sanfte Melancholie wurde zu