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Amtliches begatt für Sfaöf- und LanSKreis Hunau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 292

Donnerstag den 15. Dezember

Einrückungs- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die 4gefpaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.

Im Rcklammtheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

1898

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 83.

Amtliches.

KlcrSIR^srs ^anatu

' MitmachyllzL i keS OLerbürgermeisteramLes

Weihnachtsbescheerung.

Die Weihnachtsbescheerung der städtischen Klein, kinderschule findet Freitag den 23. d Mts., nach­mittags 5 Uhr, im Saale des Altstädter Schlosses statt.

Der Zutritt ist dem Publikum nux gegen Karten gestattet, welche in der Kleinkinderschule in Empfang genommen werden können.

Etwaige Gaben zur Vescheerung bitten wir im Lokale der Kleinkinderschule abgeben zu wollen.

Hanau den 12. Dezember 1898.

Der Magistrat.

Bode. 18485

Ditllstgatzrilht« aus dem Kreise.

Gefunden: Zwei Altersversicherung?marken a 28 Ps. Ein graues Rad von einem Herrenüberzieher. Ein Porte­monnaie mit Inhalt.

Hanau am 15. Dezember 1898.

Unhaltbare Zustände."

Der freisinnige Abgeordnete Richter hat bet der Etats- Berathung im Reichstage vonunhaltbaren Zuständen" ge­sprochen, die seiner Meinung nach in Deutschland herrschen. Er hat sich zum Sprachrohr deS politischen Pessimismus g - wacht, der seit einiger Zeit einen Theil der Presie durchweht. Wenn man seine Rede liest, so glaubt man in die Taae des deutschen Bunres zurückversetzt zu sein, wo der deutsche Michel auch nur nörgelte und kritistete. Und doch liegt zu politischer Schwarzseherei nicht der geringste Grund vor.

Der Traum unserer Vorfahren ist erfüllt, Nord und Süd find zu einem Reiche zusammengeschmiedet, wie es selbst in den Tagen deutscher Kaiserherrlichkeit deS Mittelalters nicht so herrlich, so machtvoll, so einheitlich b-standen hat. Eine Einheit der Gesetzgebung ist in den letzten Jahrzehnten her- beigeführt worden, wie sie noch der Deutsche der fünfziger Jahre kaum zu träumen wagte. Wir sahen die deutsche

FsMLetStt.

Hanauer Silhouetten.

Einen eigenartigen künstlerischen Schmuck enthält das soeben zur Ausgabe gelangte sechste Heft von Zimmer­mannsHanauer Chronik". Es sind sechs Blätter mit den Silhouetten vieler der bekanntesten Hanauer Persön­lichkeiten aus dem ersten Viertel unseres Jahrhunderts, ge­schnitten von dem Hanauer Maler Wagenknecht. Wie mitgetheilt wird, befanden sich die Silhouetten, welche in ber Zeit von 1818 bis 1830 geschnitten worden sind, im Besitz des Herrn Finanzraths Ostus u*b jetzt im Geschichtsvereintz- Archiv. Was diese originellen Kunstblätter besonders werth­voll macht, ist die sonst bei Silhouetten seltene Darstellung der ganzen Figur, wodurch die persönlichen charakteristischen Eigenthümlichkeiten, für welche der Künstler ein scharfes Auge gehabt haben muß, besonders zur Geltung gelangten. Aber auch in kulturgeschichtlicher Hinsicht, durch die verschiedenen Trachten, bieten die Blätter vielfaches Interesse, den viele der Dargestellten hörten gewissermaßen zwei Zeitaltern an; wäh­rend wir die einen noch im Zopf und Perrücke sehen, mit dem Dreimaster oder Napoleonshut, finden wir bei anderen die sogenannte Weithertracht oder die Tracht derBieder- maier". AuS allen Kreisen der Hanauer Bevölkerung hat der Künstler seine Typen geholt und diese mitunter zu Genre- szenen gMpirt. Zuerst ist es die kurfürstliche Fa­milie mit der Gräfin Reichenbach, welche unser Interesse in Anspruch nimmt, dann der Landgraf Friedrich von Hessen, der Gründer der Rumpenheimer Linie, und einige von dessen Familienmitgliedern. Auf dem zweiten Blatt find verschiedene Beamte der kurfürstlichen Regierung, wie Kammer­präsident von Carlshausen, Staatsrath Borries, Re-

Flotte wieder erstehen, die unserm Vaterlands seit den Zeiten der Hansa für immer geraubt schien; mit gepanzerten Schiffs Kolossen kehrte Deutschland auf den Ozean zurück, um seinen von Jahr zu Jahr mehr aufblühenden Handel in fernen Landen zu schützen und sein gutes Recht auf einen Platz an der Sonne zu erkämpfen. Ein deutsches Heer dessen Einheitlichkeit die Reservat-Rechte einzelner deutsch-n Fürsten nicht beeinträchtigen können umschlingt, wie mit einem ehernen Bande, li? streitbare Jugend Allveutschlands. Ueber den deutschen Stämmen aber waltet in fester Entschlossen­heit, mit weitem politischen Blick das deutsche Kaiserthum, das der Welt nun seit langen Jahren den Frieden erhalten hat und das in Europa der unerschütterliche Hort des Rechts geworden ist.

Selbst mancher Fremde, der in unsern Tagen Deutsch­land besucht, gesteht, wenn auch oft widerwillig, ein, sich in­mitten eines mächtig emporstrebenden, von frischer, schöpferischer Kraft erfüllten Staatskörpers zu befinden, wie das Deutsche Reich in Wahrheit ist. Man sollte nun annehmen, daß sich ein Hauch dieses Geistes auch in der ganzen deutschen Presse und Volksvertretung bemerkbar machen, laß er sie dazu be­wegen müßte, dem deutschen Volke auch einmal das Große und Bleibende, losgelöst von dem Vergänglichen und Nich­tigen, zu zeigen, um eS mit echter Vaterlandsliebe, mit der Freude an dem bisher Geschaffenen zu erfüllen. Statt dessen hören wir in einem Tone von dem Deutschen Reiche und seinen Leitern reden, als ob der Zerfall des Ganzen vor der Thür stehe. Kleinliche Dinge werden in ungeheuer­licher Weise aufgebauscht, einzelne Fälle verallgemeinert, die Monarchie wird des Despotismus, die Justiz wenn auch verblümt der Willkür, die besitzenden Klassen engherziger Anschauungen beschuldigt. Und das geschieht in einem Reiche, wo die Monarchie von altere her ihren Stolz darein setzt, un­beeinflußt ihres hohen Amtes über den Parteien zu walten, wo auch der Kleinste und Bescheidenste man denke im Gegensatz an das Bild, das die französische Republik heute bietet sein gutes Recht jederzeit findet, und wo soziale Einrichtungen zu Gunsten der untern Klasse geschaffen worden find, die heute von den andern Staaten Europas nachgeahwt werden.

Darum weg mit dem Pessimismus! Gerade j-tzt scheint, wenn nicht alle Zeichen trügen, eine Zeit gekommen zu sein, in der es eine nationale Pflicht ist, dem Auslande mehr als bisher das Bild einer einheitlichen, nicht durch unfruchtbaren und gehässigen PartUhader zerrissenen Nation zu bieten. Noch immer ist der Ausländer an die Wiederherstellung der dem- schen Mächte an die Zusammrufaffeng der deutschen Stämme, nach langer, dem Auslande so bequemer Kleinstaaterei nicht gewöhnt. Den laraus entspringenden Vorurtheilen

gierungsroth Ledverhose, ferner der letzte Schule heiß der Altstadt Rath Johann Martin Jber, die Senatoren Co- trell, Hauchar, und der letzte bezopfte Rahsdiener der Altstadt Stautz dargestellt. Die ferneren Blätter bringen Typen auS allen Kreisen der Bevölkerung: die Superinten­denten Merz und Vulpius, Konsistorialrath Hufnagel, Abb^ von Tschudi, den letzten Stadtschulrheiß der Neu statt Rath Kühl, den Kammerherrn Baron oonStockum- Sternsels, die Medizinalräthe von Möller, Osius und Kopp, Landgrrichtsrath Dehn-Rotfelser, die Apo theker Gärtner und Heräus, den Botanikus Gärtner, Mitbegründer der Wetterauischen Gesellschaft, den Zeichförster Schimmelpfennig Marktschiffer Bein, Landbereiter Hassenpflug, Konsul Wunderly, Kaufmann Heinr. Heilmann, Jean Daniel Leisler, Begründerver Teppich- fabrik, Glaser Jolasse, Wirth Karl Fischbach aus der Stadt Caffel" (heute Langstraße 60, Almeroth), Gerber Gustine und manche andere. Im Ganzen sind etwa 50 Personen dargestellt. Für viele Familien wird es eine Freude sein, hier das Portrait ihres Großvaters zu finden und wir müssen dem Herrn Verfasser, dessen Werk mit jedem neuen Hefte für die weitesten Kreise an Interesse gewinnt und das bedeutendste Hanauer Geschicktswerk zu werden verspricht, für seine Darbietungen unseren Dank auszusprechen, eingehende,e Besprechungen uns vorbehaltend. Die typographische Wieder­gabe der Blätter ist hervorragend gut gelungen. Außer den Silhouetten enthält das Heft noch eine Darstellung des Altstädter Rathhauses in seiner ursprünglichen Gestalt, wie es heute wieder hergestellt werden soll. Die Wiedergabe ist nach dem Plan in Handwerks Chronik im Staatsarchiv zu Marburg, der auch der Renovation zu Grunde liegt, erfolgt. A.

kann nur bann wirksam entgegengetreten werten, wenn sich das deutsche Volk ganz von dem Entschluß durchdringen läß', nicht, wie gewisse Politiker wollen, als seine oberste Kultur- Aufgabe anzuschen, mit der Reichsregierung kleinliche Händel auszufechten, sondern Hand in Hand mit ihr dem Auslande gegenüber die Jnter<ssen des Reiches zu schützen. Wie in der Familie innere Streitigkeiten zurücktreten gegenüber den Eingriff n der großen Welt, so muß es auch im nationalen Leben sein. Daß dies erreicht werde, sollte das Streben jedes Vaterlandsfreuudes fein.

Die ausländische Presse über die Rede des Herrn v. Bülow.

Die österreichische Presse bespricht die Aus­führungen des Staatssekretärs von Bülow im deutschen Reichstag über die auswärtige Politik Deutschlands im All­gemeinen recht günstig. DasN. W. T." gibt der Hoffnung Ausdruck, daß die Verhandlungen zwischen den österreichischen und der preußischen Regierung wegen der Ausweisungen von Oesterretchern einen den allgemeinen Beziehungen zwischen beiden Ländern entsprechenden freundschaftlichen Charakter tragen werden.

Der PariserGaulois" schreibt, man müsse an- erkmnen, daß sich die Re^e des Staatssekretärs von Bülow durch bemerkenSwerthe Mäßigung auszeichne.

Die unzweideutige Erklärung bezüglich des Rechtes Deutsch­lands, seine katholischen und protestantischen Staatsan­gehörigen im Orient zu schützen, sei in höfliche, freundliche Worte für Frankreich gekleidrt. Die Ansprüche Deutschlands ständen übrigens keineswegs in direktem Widersprüche mit den Jahrhunderte alten Rechten Frankreichs.

Die LondonerPall Mall Gazette" sagt, nichts könnte mehr als sie zur rechten Zeit kommen. Das Blatt glaubt, Deutschland werde sich nicht batanf einlassen, un­freundlich gegen England zu sein und, je mehr Punkte ge­meinsamen Vorgehens England und Deutschland finden könnten, umso bester könne dirs Deutschland ge­fallen. Die R-de sei die richtige Ergänzung der Rede, die Chamberlain in Wakefield ge­halten hat. Keines der beiden Lärder spähe nach Alliancen aus, es gebe ab.r ein Land (Frankreich), bai dies thue. Zwischen dem Lande mit derPolitik" der Nadelstiche" und dem Lande, dessen Wc.ffe d>e britische Flotte und dessen Grundsatz dieoffene Thür" sei, könne Deutschland in keiner­lei Zweifel bastener. DerG lobe" sagt, die Umstände, unter denen die Rede gehalten wurde. verliehen ihr außer­gewöhnliche Wichtigkeit.DieWestminister Gazette" drückt ihre Befriedigung über die Besserung der tnglisch- beutiefen Beriehnnpen aus, möchte ab r die Natur der

Der HamburgerDom".

(Hamburger Brief.)

Fröhlich-lautes, ungebundenes Leben ist in Hamburg ein- gezogen, die stolz-ernste, würdige Patrizierstadt ist kaum wieder zu erkennen, der Dom so nennt man hier den Weihnachts­markt hat begonnen! Altoerbriefte Rechte sind es, denen zufolge während des Weihnachtsmonats hier der große Frei­markt abgehalten wird; da kommen aus allen Weltgegenden die Händler zusammen uns schlagen nach altväterlicher Sitte ihre Bu^en auf. Nach alter Sitte, die man überhaupt in Hamburg liebt. Nur draußen, im Gebiete des Hafens, an derWaterkant" und in dem an d-n Hafen angrenzenden, westlichen Bezirke St. Pauli rauscht mit leichtem Flügelschlag die Moderne. Hier bringt das lustige, tolle Treiben der Matrosen den leichten, frisch-kecken Ton in die behäbige, gleichmäßige Alltäglichkeit, hur herrscht das Leben der Groß- ftadt mit ihren leichtm Bedürfnissen, ihnn Tollheiten, ihren durchschwärmten Nächten bei Becherklang und Musik.

Auf St. Pauli ist's auch, wo das eigentliche Domleben sich entfaltet. Auf dem Spielbudenplatz beginnt es. Haus an Haus, die ganze Reihe entlang, stehen die Varietes. Dazwischen die großen Bierhäuser, aus denen lärmende Musik tönt, ein endloses G quieke und Gebrumme, Schmettern und Jauchzen. Die wilden Töne feiern fürchterliche Orgien uniformirte Damm-, Zigeuner-Kapellen alles wirr und wild durcheinander, eins das andere übertönend, erbarmungs­los und endlos. Aus den Varietes klingt das Lärmen des übermüthigen Publikums, das von Bude zu Bude eilt, über­all seinen Ulk zu treiben, dazwischen der falsche Gesang der Chansonette, das Quietschen der gemarterten Instrumente. Das ganze Trotloir und der Promenadenweg vor den Varietes ist von Verkaufs- und Schaubuden besetzt. Alle möglichen und unmöglichen Dinge werden gehandelt, Nützliches und