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Nr. 280

Donnerstag den 1. Dezember

1898

Amtliches.

SlcrötKveis ^artau..

Der frühere Dienstmann Georg W e i n b e r g e r dahier hat um Rückgabe der von ihm hinterlegten Kaution gebeten.

Interessenten werden oufgefordert, etwaige Ansprüche binnen 14 Tagen im PolizeiseKetariate Zimmer Nr. 12 des Kgl. Landrathsamtes anzumelden, widrigenfalls die Kaution zur Auszahlung gelangt.

Hanau am 28. November 1898.

Königliche Polizeidirektion.

P. 11936 I. A.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.

^andBrew ^anau.

MaMmachungen des Königlichen Landrsthsamtcs.

In Seckbach, Kreis Frankfurt a/M., ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöfts- und Ortssperre an­geordnet worden.

Hanau am 30, November 1898.

Der Königliche Landrath.

V. 12913 v. Schenck.

Nachdem in Eckartshausen, Kreis Büdingen, die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen ist und eine größere Verbreitung erfahren hat, ist über Eckartshausen die Orts- und Gemar­kungssperre verhängt und das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen durch den Seuchenort und dessen Gemarkung verboten worden.

Hanau am 1. Dezember 1898.

Der Königliche Landrath.

v. Schenck.

Dicichliachrichtell aus dem Kreise.

Gefunden: Ein braunledernes Portemonnaie mit 3,18 M. Inhalt und einer Rechnung von H. Hamburger, Langen- felbold; Empfangnahme bei tem Herrn Bürgermeister zu Hüttengesäß. Ein neuer Wasserkrahn von Messing. Ein Kinderschuh. Ein Cigarrenetuis mit einliegender Visitenkarte, auf den Namen Peter Hufnagel lautend.

Z n g e l a uf e n: Ein junger weißer Foxterrier mit schwarzem Kopf, m. Geschl.

Hanau am 1. Dezember 1898.

Wettpolitik und Welthandels

Es ist jetzt gerade ein Jahr her, daß der Premier- Minister Englands, Lord Salisbury, und kurz darauf ein anderer leitender europäischer Staatsmann, der Minister des

Aeußern Oesterreis-Ungarns, Graf Goluchowski, öffentlich dem Gedanken Ausdruck gaben, das kommende Jahrhundert werde eine Aera der handelspolitischen Bestrebungen und Auseinandersetzungen bringen. Der Verlauf dieses Jahres hat die chinesischen Zwischenfälle, den spanisch-amerikanischen Krieg und zuletzt den Faicho-a-Handel gebracht. Allen diesen politischen Vorgängen ist derselbe Grundzug gemeinsam: sie entspringen ausschließlich handelspolitischen Gründen. Auch der große weltpolitische Konflikt der Zukunft, der russftch- englische Gegensatz, ist feinem innersten Wesen nach ein han­delspolitischer. Die Zeit der politischcn, der nationalen Kämpfe ist in der That im Wesentlichen vorüber; die Aera der handelspolitischen Auseinandersetzungen ist angebrochen.

Es ist kein Zufall, daß sich England keiner der euro­päischen Mächte-Gruppirungen angeschlossen hat; weder zu dem Dreibund, noch zu dem Zweibund hat England feste Stellung genommen. Das hängt wesentlich damit zusammen, daß Englands Interessen auf dem haudelspo irischen Boden liegen. Politische und nationale Fragen werden in England nur soweit beachtet, als dadurch die eigenen handelspolitiichen Ziele berührt werden. Anderseits erklärt sich aus denselben Gründen leicht, warum England zu der bedeutsamsten Er­scheinung in der Gegenwart, dem Hervortreten Amerikas in die Arena der Welipolitik, so rasch und so entschieden Stillung genommen hat.

Die Interessen der Amerikaner liegen ebenfalls fast aus­schließlich auf handelspolitischem Gebiete. Nationale Zwecke haben die Vereinigten Staaten außerhalb ihrer eigenen Grenzen gar nicht zu vertreten, sie wollen nur eine handelspolitische Rolle im großen Stile spielen. Dabei müssen sie nur mit England entweder Hans in Hand gehen oder sich in Gegen­satz zu dem ehemaligen Mutterlar.de setzen. Die Entscheidung hierüber hat England herbeigeführt, indem es den Amerikanern seine Hilie anbot in einer Zeit, wo dies der jüngsten Kolonialmacht angenehm sein mußte. So hofft Eng­land in dem aufstrebenden Amerika sich einen Freund gesichert zu haben, der sonst wohl sein Gegner geworden wäre.

Das Entstehen desangelsächsischen BundeS" um diefts Wort für die englisch-amerikanische Annäherung zu ge­brauchen ist von England mit dem Hinweis darauf te« gleitet worden, daß daS Hervortreien Amerikas vielleicht nicht zur Erhaltung des Findens bcitrageu werde. Auf die Mächte des Dreibundes dürfte daS nicht zutreffen. Der Zweck des Dreibundes ist die Erhaltung des Friedens. Wenn auch Deutschland große handelspolitische Interessen zu wahren hat; und diese zu entwicklen strebt, so liegt doch dem deutschen - Reiche eine Angriffs-Politik fern. Oesterreich Ungarn und Italien sind von demselben friedlichen Streben beseelt. Auch! dem russisch-französischenZweibunde" gegenüber dürfte der

angelsächsische Bund" vorläufig wenigstens keine allzugroße Verschiebung der politischen Verhältnisse bedeuten. Eher wäre es möglich, daß sich im Laufe der Zeit einmal herausstellte, daß die anscheinend übereinstimmenden Handels-Jnteressen Englands und der Vereinigten Staaten in Wahrheit entgegen­gesetzt wären und daß sich dann die in England ange'ündigte kriegerische Stimmung der Vereinigten Staaten gegen Eng­land selbst richten könnte.

Dieser Fall ist durchaus nicht unwahrscheinlich. In der That sprechm gewichtige Gründe gegen den Abschluß eines Bündnisses zwischen England und den Bereinigten Staaten: Den Engländern, deren Handel ohnehin schon zurückgeht, kann nichts daran liegen, einen Konkurrenten aus b/m Welt- markie, wie die Amerikaner, zu sehr erstarken lassen, und anderseits sind die Amerikaner viel zu praktisch, um sich für Spezialintereffen Englands eiuzulegen. Wie dem auch sei, jedenfalls ist der neueZweibund", mag er nun abgeschlossen werden oder nur zu einer Verständigung zwischen England und Amerika für gewisse Einzelfälle führen, ein weiteres Zeichen dafür, daß die Welipolitik gegenwärtig hauptsächlich von wirthschaftlichen, von handelspolitischen Gesichtspunkten beherrscht wird, ohne darum eine Gewähr dafür zu bieten, daß diese in friedlicher Weise ausgeglichen werden.

Der heutige Einzug des Kaiserpaares in seine Haupt- vnd Residenzstadt Berlin wird mittags 1 Uhr von Schloß Bellevue aus in feierlicher Weise er­folgen. Der Kaiser wird zu Pferde, die Kaiserin im Wagen erscheinen.

Von Bellevue bis zum Brandenburger Thor und die Linden" entlang bis zum Königsschlesse wird die gesummte Berliner, Charlottenburger, Lichterfeloer und Spandauer Garnijon Spalier bilden. Außerhalb des Brandenburger Thores wird die Generalität und Admiralität den Kaiser br- grüßen. Die Truppen rücken demnächst nach Hause; nur die Fahnen-Kompagnie und die Standarten-Eskadron destliren im Lustgarten vor dem Monarchen. Das Kaiserpaar begibt sich hierauf in das Königliche Schloß zur Frühstückstafel und später zu dem Orgel-Konzert nach der Kaiser-Wily lm-Ge­dächtnißkirche. Nachdem die Nachricht, daß ein offizieller Empfang geplant sei, in das Berliner Rathhaus gelangt war, beries Bürgermeister Kirschner sofort das Magisirats- Kollegium zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen, in ! welcher beschlossen wurde, dem Kaiser voraussichtlich am | Brandenburger Thor durch eine Abordnung der städtischen ; Behörden den Willkommens gruß der Stadt Berlin darbringen j zu lösten. Die Deputation, an deren Spitze sich der Bürger­meister Kirschner und der Stadtoerordneten-Vorsteher Dr.

FerrLttetsn.

Cayenne.

Bilder aus der französischen Strafkolonie.

Von Otto Leonhardt.

<««ch»ruck »ertöten.)

Wie man wohl eine allgemein bekannte, aber übel be­rufene Persönlichkeit mit einer Mischung von N-ugier und Abneigung betrachtet, so ist die allgemeine Aufmerksamkeit mit einer Art scheuen Interesses auf Cayenne, Frankreichs Straft kolonie au der Nordostküfle von Südamerika, gerichtet. Heut doch dort der unselige Mann, dessen Geschick das Leben eines ganzen Volkes in die heftigste Bewegung hineingezogen hat und der dort in der grauenvollen Einsamkeit der Teuselslnset das traurige Leben eines Deportirten führt. Wunderlich und grausam hat fürwahr die Natur mit diesem Lande gespielt. Denn eben dies Territorium, auf dem heut ein Fluch hastet, in das kein Einwanderer freiwillig seinen Fuß sitzt, kaS kein Beamter, kein Kaufmann betritt, ohne seine baldige Ent­fernung alS sein Ziel sich vorzunehmen, eben dies Terri­torium übte dereinst eine megische Anziehung aus, als ein Zauberland galt es, das unerschöpfliche Reichthümer berge, und es war das Strebensziel unternehmungslustiger Aben­teurer und Condottieri. In den Bergen, die, von dichten Wäldern bedeckt, im Süden, am Horizonte Ober-Guayanas erscheinen, da wären, so hieß eS, unermeßliche Goldlag-r, da läge an einem See eine Stadt von feenhaftem Reich hume, da Herrsche der Dorado-König, der von Kopf zu Fuß ein Ge­wand von lauteren Goldplatten trage. Diesem Gerüchte zu­liebe machten sich, nachdem Sennor Vincente Yannez Prnzon 1500 zuerst diese Küste entdeckt hatte, Männer, wie Nikolaus Jedermann, Ulrich von Hütten, und zu wiederholten Malen

Sir Walter Raleigh, der Admiral der Königin Elisabeth von England, nach dem heutigen Cay-nne auf; ja im 18. Jahr­hundert rüstete sogar ein französischer Gouveineur eine Ex­pedition auS, die die erträumte Goldstadt suchen sollte. Nicht der phantastische See, nicht die Goldstavt und ihr Goldkönig wurden gesunken; daß aber daS Gerücht nicht so ganz ohne einen echten Kern war, haben die neueren Forschungen Creveaus und Cousreaus, die das über dem Lande liegende völlige Dunkel einigermaßen erhellt haben, erwiesen. Ja, es gibt Gold in Cayenne, die meisten Flüsse des Landes lühren es mit sich und in dem zwischen Frankreich und Brasilien strittigen Gebiete zwischen dem Oyapok und Rio Branco kommt es sogar in der Erde vor; im Anfänge der 90er Jahre betrug die Gesammtproduklion von Cayenne 1597 Kilogramm Gold, daS gestohlene und darum unkontrollir- bare Gold nicht mit eingerechnet. Zwar ist die französische Kompagnie, die den Fluß Apprague auf Gold bearbeitete, in den 80er Jahren aus Mangel an Mitteln eingegangen, doch steht es außer Zweifel, daß bei einem rationell und in großem Maßstabe durchgesübrten Betriebe die Goldproduktion in Französisch-Guayana einer erheblichen Steigerung fähig wäre.

Aber während sonst die auri sacra fames in alle Länder in denen daS vielbegehrte gelbe Metall vorkommt, einen Strom wagemuthiger Desperados führt, vermag nach Cayenne selbst daS Gold keine Einwanderer und Beutejäger zu locken. Denn ein Mene-Tekel hält selbst den Unternehmendsten und Goldgierigsten zurück: der Ruf von CayenneS mörderischem Klima. Erzählt doch die Geschichte, daß von 15 560 Kolo­nisten, die der Minister Choiseuil im Jahre 1763 zur Be- stedelung der damals so genannten France equinoxiale nach Cayenne schaffen ließ, am 1. Januar 1765, nachdem 2000 der Einwanderer inzwischen in die Heimath zmückge- kehrt waren, nur noch 300 am Leben waren! Und die

statistlsckea Berichte, die in dürren Zahlen von der furcht­baren Sterblichkeit in der Kolonie erzählen, reden eine nicht minder erschrrckendr Sprache. Dennoch ist es neuerdings außer Zweifel gestellt, daß Cayennes Klima erheblich besser H# als sein Ruf. Jene unglücklichen Kolonisten vom Jahre 1763 kamen zum großen Theile nicht durch das Klima, sondern durch den Hunger um, da die Regierung ihnen wohl eine Schauspielertruppe mitge­geben, aber für Provisionen in ihrem Bestimmungsorte ab­solut nicht gesorgt hatte. Die Kolonie hat ein tropisches und darum sür den Europäer allerdings diffizileS Klima, aber kein schlechteres, als viele andere Tropengebiete, in denen Weiße bei verständiger Lebensweise wohl existiren können. Die große Zahl der von der Statistik berichteten Sterbefälle aber ist nicht sowohl dem Klima, als einem anderen Feinde auf Rechnung zu setzen: dem Schnapstenfel. In St. Laurent zum Beispiel, so berichtet der bekannte, jüngst verstorbene Ethnologe W. Joest, steht die Wermuth- und Absynthflasche den ganzen Tag auf dem Tisch und wird fleißig benutzt. In Cayenne trinken die Neger und Indianer, die SträfliNge und die Soldaten, die indischen Kulis und die Annamiten. Der Indianer wird von ewig betrunkenen Eltern geboren, von einer betrunkenen Mutter genährt und mit Schnaps aufge­päppelt. WaS hier der Schnaps thut, das vollbringt bei den Chinesen das Opium, und wenn man auf einem Fluß­dampfer Weiße, Schwarze und Gelbe, Kapitän, Beamte und Passagiere im wüsten Opium- und Schnapsrausche steht, dann wundert man sich nicht mehr über die furchtbaren Ziffern der amtlichen Sterbelisten; dann weiß »an, weswegen die Ergebnisse der klimatologischen Forschung mit der Sterblichkeit in Widerspruch stehen und weswegen Cayenne das ist oder wird, waS die Deportirten schaudernd von ihm sagen: la Guillotine s&che, die Guillotine, die ohne Blutvergießen