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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 278
Dienstag den 29. November
1898
Hierzu
Amtliche Beilage" Nr. 79
Amtliches e$«w$Urei0 ^banau.
JckaAlltmachllllgeu des Königlichen Landrsthsamtes.
Den Herren Bürgermeistern zur Kenntniß, daß die durch Verfügung vom 23./11. er. — A. 4334 — angekündigte Stempel Revision in diesem Jahre nicht mehr stattfindet. Die Einsendung der Protokolle und Verträge kann daher bis auf Weiteres unterbleiben.
Hanau am 29. November 1898.
Der Königliche Landrath.
A. 4368 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.
11. Bewilligung von M. 150 auf Tit. III 4 für 1898/99 — Durchforstung des Stadiwaldes.
12. Voranschlag
der Ober-Realschule für 1899.
13.
v
höheren Mädchenschule für 1899.
14.
w
ii
Knabenmittelschule für 1899.
15.
M
H
Mädcheumittelschule für 1899.
16.
II
M
Knabenvolksschule für 1899.
17.
«
V
Mädchenvolksschule für 1899.
18.
II
V
Handelsschule für 1899.
19.
W
W
Kleinkinderschule für 1899.
20.
X
des
städtischen Gaswerks für 1899.
21.
der
Begräbnißanstalt für 1899.
Zugelaufen: Ein junger weißer Foxterrier w. Geschl.
Entlaufen: Ein braungelber Zwergspitz w. Geschl., auf den Namen Alle hörend.
Hanau am 29. November 1898.
Die chinesische Nordarmee und die Dynastie.
Trotz der raschen und glücklichen Durchführung des Staatsstreichs, der vor einigen Monaten den Reformideen in China ein vorläufiges Ende bereitete, scheint die Ka-serin-
Bekanntmachung.
17619•
--- Mutter sich und ihre Dynastie noch nicht vor allen Gefahre« gesichert zu glauben. So hat sie j-tzt dir Absetzung des
^tadtUrei^ ^anaru
MiWsHMM Les MrMrgerNeiftersmtes.
Sitzung der Stadtverordneten
Versammlung
1.
2.
3.
am Donnerstag den 1. Dezember 1898, 5 Uhr abends,
im oberen Saale des Rathhauses.
Tagesordnung:
Ergänzung des § 1 der Umsatzsteuerordnung.
Baulinie zwischen Kinzig, Sande.damm und Friedberg- Hanauer Eisenbahn.
Nachdem lligung von M. 25 auf Tit. II C 5 für 1898/99 — höhere Vergütung für Reinigung gleicher Erde und des ersten Obergeichosses im Rathhause.
Nachbewilligung von M. 458,33 auf Tit. I A 23
Ein Unbekannter, c-i. 26 Jahre alt, unter mittelgroß, mit dunklem Haar und buntem Schnurrbart, beeidet mit verschlissenem, graugetup'tem Rock, grau karrirter Hole und grünem Hut hat am v-.rgangenen Sonntag um 83/* ! Uhr abends, dem in Ecken he im wohnend-« Ziegelmeister !De mitte, hier Ecke Holzhausen- und Eckerh^mer Landstraße mit einem scharfen, vermuthlich dolchartig geschliffenen i , Mlssw eine tiefe, lebensgefährliche Wunde in den Unterleib beig- bracht.
Nach den bisherigen Feststellungen muß angenommen | werden, daß der Unbttmte, welcher sich dem angetrunkenen
reformfreundlichen Tsatai Tsai von Schanghai verfügt, offenbar, weil sie fürchtet, daß von Süden her eine Gegenaktion in Angriff genommen werten könnte. Daß neben dieser inneren Gefahr noch eine andere große Gefahr die chinesische Dynastie bedroht, geht daraus hervor, daß Rußland seine Truppen in Nordost-Asien um 12 000 Mann verstärkt.
Unter diesen Umständen ist es von Interesse, einen Blick auf die Truppenmacht zu werfen, über welche die Kaiserin- Mutter in den Nordprovinzen und in der Nähe der Hauptstadt verfügt: einmal, weil diese Truppen am ersten einen
russischen Ucberfall auszuhalten hatten, zweitens, weil sie vsr-
Dewitte schon in der Stadt angeschlossen und mit dem- liegend ous Mandichusbestehen und deshalb von der Mand- selben mehrere Wirrhschaften besucht hat, einen Raub beab- scha-Dynastie als sicherster Schutz gegen eine auf den Sturz sichtigte, umsome^r als der Unbekannte im Besitze des De- ^ Dynastie gerichtete Bewegung angesehen werden. Die in Witte, der in einer der letztbesuchten Wirthschaften auf einen den südlichen Provinzen befindlichen Truppen können in der zum Verkauf stehenden Hund 100 Mark geboten, eine größere £a b ehrgeiziger Mandarinen eher eine Gefahr, als ein Summe Geldes vermuth-n sonnte. Nur das Herannahen Schutz für die Dynastie werden.
Nur das Herannahen
von Passanten scheint den Unbekannten von der Vollendung ! seines Verbrechens abg' halten zu haben.
Schutz für die Dynastie werden.
5.
6.
7.
Spez.Et. F. 1898/99 — Versetzung der Stelle einer Handarbeitslehrerin in der Mä dchen Volksschule.
Anstellung eines Selters an der Knabenmittelschule (in neu zu schaffender Stelle von Ottern 1899 ab).
Errichtung einer neuen Lehrklasse an der Mädchenvolksschule und Anstellung einer wissenschaftlichen Lehrerin vom 1. April 1899 an.
Errichtung einer neuen Lehrklasse an der KnabenvolkS- schule und Anstellung eines weiteren Lehrers vom 1.
Die Ergreifung des Unbekannten hat bisher nicht aus- geführt werden können; es werden deshalb olle Diejenigen, welche über die Person des Thäters Anhalispunkie geben können, ersucht, der Criminal Polizei, Neue Zeit No. 60, Zimmer 57, schleunigst MitU eilung zu machen.
Frankfurt a. M., den 24. November 1898.
Der Königliche Pol'zei-Piäsident.
Freiherr von M ü f f l i n g.
8.
9.
Gefunden: Ein schwarzer Sammtbeutel mit einliegen- ! dem Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein gelber Hen-
April 1899 an.
Verpachtung der Plakatsäulen und -Tafeln.
Gehaltsordnung für die wissenschaftlichen Lehrerinnen an kelkorb, in einem Laden^steben geblieben.
In der Provinz Tschi-li kommandirt der General Tung- fuh-Siang, ein in mehreren Kriegen erprobter Soldat, 20 „Lager" — ein Lager zählt etwa 500 Mann, ist also unseren Bataillone« auf dem Friedensfuße zu vergleichen —, von denen vier Lager aus Kavallerie, eins aus Artillerie und fünfzehn aus Infanterie bestehen. Diese 7500 Mann Infanterie haben aber rur 1000 Gewehre moderner Konstruktion (Manier). Des Weiteren kommandirt der General Düan-Shi-kai 36 Lager, von denen ein Theil durch deutsche Instruktoren ausgebildet worden ist. Zu bemerken ist, daß es mit diesem chinesischen Generale nicht weit her sein kann, weil er bisher fast stets im Civilbienste thätig gewesen ist. Der General Nieh-Shi-cheng verfügt über 30 Lager und 5 Kompagnien Altauszebildeter und 20 Lager neuer Truppen.
Duan und Nüh haben in ihren Lagern zusammen 150
10.
ben Volksschulen. Verloren: Am Samstag Abend eine Kiste von einem Schnellladegeschütze zur Verfügung.
Bewilligung von M. 280,31 auf Tit. IX A 12 pro Rollsuhraerk, gez. E. 8. 185084, gegen Belohnung abzu-; Diese etwa 50 000 Mann Truppen sind leidlich ausge- 1898/99 — Beleuchtung des Kinderhorts. geben. bildet. Zu ihnen kommen noch die in Peking neuorgam-
bildet. Zu ihnen kommen noch die in Peking neuorgani-
FeuMetsn
Stadtthrater in D-nau.
Hanau, 29. Novbr.
Die Novität des letzten Sonntags'halte den Weg zu unserer Bühne diesmal verhältnistmäßig schnell gefunden, .ttuf der Sonnenseite" betitelt sich das neueste dreiaklige Lustwiel, das die übermüthige Laune der Herren Blumenthal und Rabelburg für diese Saison den deutschen Bühnen bescheert. Obwohl nicht von derselben durchschlagenden Wirkung wie die letzten lustigen Schöpfungen des erfolgreichen Autorenpaares vermag eS durch gefalll-e Situationen und gute humorvolle Charakterzeichnung, allerdings durchweg gute alte Bekannte, das Publikum in freundliche und lachlustige Stimmung zu versetzen. Ein reizender Dialog, durchflochten von geistreichen Pointen und treffenden Witz- und Schlagworten, kennzeichnen es als echten Blumenthaler und die Mitwirkung deS Herrn Kadelbu g ver räth sich mit am besten in der wirkungsvollen Bonvlvantrolle des Stückes. Was aber die beiden Autoren auch diesmal vergessen haben, das ist Handlung, eine interessirende ausreichende Handlung über bieten Mangel täuschen sie uns diesmal mit ih^n geistreichen Dialogscherzen nicht hinweg. Wenn die guten lieben Gekannt , ^ sich hier aus früheren Slücken zusan,menge unden, wi der fn und dauerndes Interesse finden sollen, so hatten ihnen„dieV-rfa ser neue Formen, ein inleressirendes Problem mit auf den Weg geben müssen. Die eigentlichen Helden des Stuckes sind zwe iunge UdlM denen die Sonnenseite des Lebens^hr Vermögen ge astet hat und die nun vor der Wahl stehen, entweder durch irgend einen Erwerb sich den Lebensunterhalt zu verschaffen oder mit einem Knalleffekt ihr genußreiches Dasein zu beenden. Der eine entschließt sich »rArbe und mit dem ersten Hundertmarkschein erringt er sich mie relche Braut. Der andere, ein leichtsinniger Genußmensch, ver ucht es auf eine andere Weise; er ist ein liebenswürdiger Gesellschafter, der vorzüglichste .Tischnachbar', wie es ihm im Stücke oft genug bestätigt wird und macht sich einem reichgewordenen Protzen, der nun auch m die feinere Gesellschaft eingeführt werden mochte, unentbehrlich^ Er wird der Mentor der Familie Wulkow, er richtet rhre Wohnung em, und arrangirt ihre Feste, als er aber auch die Hand der Tochter begehrt, blitzt er ab. Aber zu seiner Bekehrung haben die .lutoren
auch eine liebenswürdige Dame bereit, die ihm die Augen öffnet über das Unwürdige seiner Handlungsweise und ihn sich selbst zurückfinden läßt, um den Reuigen dann zum Gatten zu nehmen. In die Mitte der Handlung haben die Autoren den mit köstlicher Satyre gezeichneten Parvenü Heinrich Wulkow und seine thörichte alberne Frau Caroline gestellt, deren vernünftige Tochter Gegenstand der Liebeswerbung der beiben Helden des Stückes ist Die Darstellung unter der glücklichen Regie des Herrn Direktor Ja ritz war in bent flotten Zusammenspiel, als auch in dekorativer Hinsicht tadellos, in her Ausführung der Einzelleistungen ebenfalls recht lobenswerth. Als Darsteller der dankbaren Parthie des Richard von Brick verdient Herr Direktor Jaritz aber ganz besondere Anerkennung. Den liebenswürdig gutmüthigen, wenn auch etwas verbummelten Charakter des jungen Aristokraten startete bei Künstler mit einer Reihe lebenswahrer Züge aus. Wer glaubte ihm nicht die Scham und die ehrlich gemeinte Reue in der reizenden Szene mit .Theffa", wo sie den Bruder Leichtsinn zur Selbsterkenntniß bringt. Diese »Theffa von San- borf* fand in Fräul. Brand ow eine überaus liebenswürdige Vertretung, deren ganze Bedeutung sich nur in dieser einen Szene kon- zentrirt, aber hier von der Künstlerin mit gewohnter feiner Nüanzirnng zur Geltung gebracht wurde. Eine schöne Leistung war auch der .Botho von Sandorf" des Herrn Steingötter, der seine dankbare Parthie elegant und verständnißvoll durchführte. Dem Humor der Rolle des Heinrich Wulkow kam Herr Gehrmann etwas allzu- bereitwillig entgegen, eine solche Possenfigur dürste nicht in der Absicht der Autoren gelegen haben. Auch Herr Taube als Jean' trug etwas allzustark auf. Maßvoll und darum umso wirksamer war Frau Millar in der Darstellung der Frau Karoline Wulkow, und Fräul. Krause gab das verständige Töchterchen d-s unverständigen Ehepaares Wulkow mit gewohnter Routine. Der Kunsthändler Heinitz gab Herrn H ein ich wenig Gelegenheit, sich hervor- zuthun, aber seine Darstellung sei lobend erwähnt. Das Publikum nahm die Novität recht freundlich auf und rief die Darsteller nach den Aktschlüssen wiederholt vor die Rampe.
Auszüge aus den Wemairen des Fürsten
Kismarck.
Wir lassen aus ben Gedanken und Erinnerungen des Fürsten Bismarck noch folgende Auszüge nach der „Straß
bürger Post" in Belrrff ors Kapitels „Versailles" folgen:
. . Die Annahme deS Kaisertitels durch ben König bei Erweiterung des Norddeuischen Bundes war ein polttischeS Bedürfniß, weil er in den Erinurrungen aus Zeiten, da er rechtlich mehr, faktisch weniger als heute zu bedeuten hatte, ein werbendes Element für Einheit uns Zen- tcalisation bildete; und Bismarck war überzeugt, daß der festigende Druck auf unsere Reichs nstitutionen um so nach- haltiger sein müßte, je mehr der preußische Tiäger desselben das gefährliche, aber der deutschen Vorgeschichte innelebende Bestreben vermiede, den anberen Dynastieen die Ueberlegenheit der eigenen unter die Augen zu rücken. König Wilhelm I. war nicht frei von der Neigung dazu, und sein Wiserstreben gegen den Titel war nicht ohne Zusammenhang mit »ein Bedürfnisse, gerade das überlegene Ansehen der angestammten prenßischen Krone mehr als das des Kaisertitels zur Anerkennung zu bringen. Die Kaiserkrone erschien ihm im Lichte eines übertragenen modernen AmteS, dessen Autorität von Friedrich dem Großen bekämpft war, den Großen Kurfürsten b-drückl hatte. Bei den ersten Erörterungen sagte er: „Was soll mir der CharakterMajor?" worauf B. u. a. erwiderte: „Ew. Majestät wollen doch nicht ewig ein Neutrum bleiben, „das Präsidium"? In dem Ausdruck« „Präsidium" liegt eine Abstraktion, in dem Worte „Kaiser" eine große Schwungkraft." Auch bei dem Kronprinzen hat B. für sei« Streben, den Kaisertitel herzustellen, im Anfänge der günstigen Wendung deS Krieges nicht immer Anklaog gefunden. Seme Kbnizliche Hoheit hatte von irgend einem der politischen Phautasten, denen er sein Ohr lieh, den Gedanken ausgenommen, die Erbschaft des von Carl dem Großen wiedererweckten „römischm" Kaiserthums sei das Unglück Deursch- landS gewesen, ein ausländischer für die Nation ungesunder Gedanke. So nachweisbar letzteres auch geschichtlich sein mag,