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Amtliches Organ für SisSt- unS LauSKreis Hanau

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Nr. 277

Montag den 28. November

1898

Amtliches.

^andit-reis ^anau.

dekaMtmachllllgeu des Königlichen Landrrthsamtcs.

Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher deS Kreises mache ich hiermit auf meine Verfügung vom 23. Juni 1884, V. 5651 abgedruckt im Kreisblatt für 1884 Nr. 146 aufmerksam, wonach alljährlich am 1. Dezember über Ausräumung der Fluth-, Entwässerungs- und Abzugsgräben rc. zu berichten ist.

Hanau am 25. November 1898.

Der Königliche Landrath.

V. 12809 v. Schenck.

Mit Einsendung der Gemeinde Rechnungen für 1897/98 ist noch die Mehrzahl der Herren Bürgermeister im Rückstand; ich erinnere deshalb hiermit an alsbaldige Einsendung.

Hanau am 25. November 1898.

Der Königliche Landrath.

A. 4348 v. Schenck.

Im Interesse einer wirksamen Bekämpfung der z. Z. in größerer Verbreitung wieder ausgetretenen Maul- und Klauen­seuche hat der Herr Regierungs-Präsident in Cassel auf Grund des § 17 des Reichsviehseuchengesetzes vom^ bis auf Weiteres Folgendes ungeordnet:

Die Stallungen der Viehhändler sind durch die be­amteten Thier ärzte alle 14 Tage einer Kontrole zu unter­werfen.

Bei diesen Revisionen sind die etwa vorgefundenen Thiere rücksichtlich ihres Gesundheitszustandes gmaucstens zu unter­suchen, jedesmal der Bestand der Thiere aufzunehmen nach Stückzahl, Farbe, Geschlecht, Abzeichen (bei Schafen und Schweinen summarisch) und bei den nachsolgenden Revisionen an der Hand der Listenbücher, die, wo es angängig ist, stets einzusehen sind, der An- und Weiterverkauf sowie Ver­änderungen im Bestände zu prüfen.

Finden sich bei den 14täßigtn Untersuchurgen Erscheinungen der Maul- und Klauenseuche vor oder liegt der begründete Verdacht eines Seuchenousbruchs vor, so ist ein genauer Be­fund über die gemachten Wahrnehmungen aufzunehmen und der Ortspolizeibehörde hiervon umgehend Mittheilung zu machen.

Der Kreisthierarzt ist nach §§ 14 und 17 Abs. 2 des Reichsviehseuchengesetzes befugt, die sofortige vorläufige Ein- sperrung und Absonderung ler erkrankten und verdächtigen Thiere, selbst, wo es erforderlich erscheint, die Bewachung der­selben anzuordnen.

Fe«iUstsn.

Preußens Kämpfe gegen die frniuöltsdjt Revolution und die Schlacht bei Kaiserslautern,

den 28.30. November 1793.

Die furchtbare Revolution, die 1789 in Frankreich aus- gebrochen war, die gegen Thron und Altar ^wütheie, die Königstrcue, Ordnung, Recht und Gesetz mit Füßen nat und unter den schönklingenoen Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit mehr und mehr zu blutiger und zügelloser Pöbelherrschaft führte, veranlaßte die Nachbarstaaten, zunächst Preußen und Oesterreich, solchem gemeingefährlichen Treiben entgegenzutreten. König Friedrich Wilhelm II. unb Kaiser Franz II. von Oesterreich schloffen ein Bündniß zu Schutz und Trutz, und der unglückliche König Ludwig XVJ. von Frankreich, ein Spielball der revolutionären Machthaber, wurde genöthigt, im April 1792 an Oesterreich den Krieg zu erklären. Das war auch für Preußen das Signal zum Los- schlaaen. 45,000 Preußen vereinigten sich unter dem Ober­befehl des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand von Braun­schweig mit 52,000 Oesterreicher« am Rhein. Der Herzog erließ von Koblenz aus einen Aufruf an die Franzosen, wo­nach die Nationalgarden wie Rebellen behandelt werden sollten und die Statt Paris mit Zerstörung bedroht wurde, wenn man dem König und seiner Familie Gewalt anthun wurde. Dieser Aufruf, statt die Franzosen zu schrecken, erbitterte sie auf das Höchste. Scharenweise eilten sie zu den Waffen; aber ihre ungeübten Waffen hätten gegen entschlossenes Vor­gehen keinen Widerstand leisten können.

Die getroffenen vorläufigen Anordnungen sind dem Be­sitzer bezw. den Angehörigen schriftlich zu ertheilen.

Zuwiderhandlungen gegen diese von dem Kreisthicrarzte getroffenen Anordnungen weroen nach § 66 desselben Gesetzes Ziffer 3 mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft bestraft, sofern nicht nach den bestehenden gesetzlichen Be­stimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist.

Die Kosten der durch die Kreisthierärzte vorzunehmenden Untersuchungen der Händlerställe fallen nach einer Entscheidung des Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten vom 21. Juli 1895 und 26. Juli 1898 den Händ­lern zur Saft/

Die Herren Ortsvorstände veranlasse ich, die in ihren Gemeinden wohnhaft!« Viehhändler auf vorstehende Bekannt­machung noch besonders aufmerksam zu machen.

Hanau am 26. November 1898.

Der Königliche Landrath.

V. 12753 v. Scheu ck.

DienAnschttÄte» aus dem Kreise.

Gefunden; Ein Paar neue Zugstiefel. Ein vierreihiges Korallen armband mit goldenem Schloß. Ein graues Knaben- räpchen.

Zugelaufen: Ein schwarzer langhaariger Pinscher w. Geschl.

Hanau am 28. November 1898.

Nach der Heimkehr.

Am Samstag, dem 26. November, ist unser Kaiserpaar über München, Stuttgart, Baden-Baden wieder wohlbehalten von der Pilgerfahrt nach Palästina in Potsdam eingetroffen. Es wäre an und für sich schon bedeutungsvoll genug, daß unser Kaiser beim Betreten des vaterländischen Bodens nach einer für das Ansehen des deutschen Namens im Aur lande so werthvollen Reise zuerst seine Schritte nach den Residenzen der drei süddeutschen Höfe lenkte. Aber die Unterredungen mit den süddeutschen Bundee fürsten haben nun noch zu be­stimmten praktischen Ergebnissen für die innere Lage des deutschen Reiches geführt, die jeder Vaterlandsfreund mit auf­richtigster Freude begrüßt.

Die Einsührurg der nach vielen Mühen beschlossenen neuen Militär-Strafprozeß-Ordnung war dadurch in Frage gestellt, daß gegen die Errichtung eines obersten Militär- Gerichtshofis für ganz Deutschland ein bayerisches Reservat- recht geltend gemacht wurde. Bayern wünschte für seine Armee einen besonderen Militär-Gerichtshos in München. Die Streitfrage, auf deren Einzelheiten wir nicht weiter ein- mgehen brauchen, wurde vieltach von der Presse benutzt, um

Sorgsam und zögernd setzten sich die verbünoeten Heere in Bewegung. Endlich wurden die Festungen Lsngwy und Ver- dun erobert, die Pässe des Ardonner Waldgebirges genommen, der Weg in die Champagne lag offen. Am 20. September standen die Verbündeten bei Dalmy, sie Franzosen erwiesen sich fast kampfunfähig, vor 500 preußischen Husaren ergriffen große feindliche Jnfaureriemassen tie Flucht. König Friedrich Wilhelm II. drang auf entscheidendes Vorgehen; aber es kam zu einer langen, erfolglosen Kar onade. Unterdessen litt das Heer der Verbündeten durch Mm gel und Krankheit; unbesiegt, aber rühmlos ging das verbündete Heer über Luxemburg an den Rhein zurück. Die Franzosen brängttn nach fielen in die Niederlande ein vnd bekomm Mainz und Frankfurt in ihre Gewalt. Frankfurt wurde vom tapferen preußischen General Rüchrl wiedererobert. Während die Verbündeten unthätig am Rhe'N standen, setzte die Rivolution in Frankreich ihrem höllischen Werke die Krone auf; der schuldlose König Lud­wig XVI. fiel am 21. Januar 1793 auf dem Blutgerüst, die Machthaber der französi'chen Republik räumten mit der ge­fräßigen Guillotine, die vom Morgen bis zum Abend täglich ihre grausige Arbeit verrichtete, furchtbar auf unter allen An­hängern des Königs und der Ordnung. Ja, den lieben Gott, den Herrn des Himmels und der Erde, erklärten die wahn- erhitzten Franzosen für abgesetzt und erhoben die Vernunft zur Gottheit ihrer blutigen Republik, sie, denen gerade diese herrliche Gottesgabe völlig abhartten gekommen schien. Nun vereinigten sich Preußen, Oesterreich, baä deutsche Reich, Eng­land und fast alle Nachbarstaaten gegen die französische Schreckensherrschaft.

Es schien, als müßten die Franzosen solcher Uebermacht erliegen. Die Oesterreicher drangen siegreich in den Nieder­landen vor, die Preußen belagerten Mainz; der Herzog von Braunschweig rückte in die Pfalz vor. Aber obgleich er bei Pirmasens am 14. September den Sieg errang, entschloß

inReichsverdrossenheit" zu machen. Dies Schlazwort war neuerdings von einem ultramontanen Politiker aufgebracht worden, der offenbar wegen der Bethätigung nationaler Ge­sinnung, die sich die katholische fresse bei der Palä^ina-Fahrt und besonders nach der hochherzigen Schenkung einer der ge­weihten Stätten in Jerusalem an die deutsche« Katholiken angelegen sein ließ, Beklemmungen empfand und eine Rück­wirkung dieser Ereignisse auf die Haltung der Centrumspartei in inneren Reichsfragen verhindert zu sehen wünschte.

Ebenso wie die Differenzen wegen des Militär-Gerichts­hofes war auch der sog. Lippische Streit maßlos übe'trieben und ausgebeutet worden. Ww glauben, daß die Frage, um die es sich dabei vornehmlich handelt, das wirkliche Volk wenig intrrefsirt, die staatsrechtliche Frage nämlich, ob der Bundesrath für einen Antrag von Schaumburg-Lippe, der sich auf die Thronfolge in Lippe-Detmold bezicht, zuständig ist oder nicht. Dazu kam noch eine durch Indiskretion ver­öffentlichte Beschwerdeschrift des Graf Regenten oou Lippe- Detmold gegen Seine Majestät den Katter, der gewisse An­sprüche des Graf-Regenten unfreundlich obgewiesen hatte, weil sie einen Eingriff in die allein dem König von Preußen zustehende militärische Kommando-Gewalt enthielten. Daß dieser Anspruch unberechtigt war, mußte selbst von den heftigsten Verfechtern der Sache der Lippe-Biesterseldschen Saite an­erkannt werden. Trotzdem wurde auch diese Angelegenheit, in dir ts sich wirklich nur um Lappalien handelte, in recht kleinlicher Weise als eine Quelle derReichsoerdiosseuheii" gegen Seine Majestät zu fruktisiziren versucht.

Unser Kaiser hat die Nörgler sogleich bei seinem Betreten des heimischen Bodens gründlich beschämt. In München wurde die Frage des obersten Militär-Gerichtshofes endgiltig geschlichtet. Der Prinzregent hat zugestimmt, daß der oberste Militär-Gerichtshof in Berlin für das ganze Reich R cht sprechen wird, und der Kaiser hat dagegen eingewilligt, daß für die bayerischen Angelegenheiten ein besonderer Senat am Gericht in Berlin thätig sei, drssen Vorsitzender und Mit­glieder vom Prinzregenten ernannt werden. Ebenso wird aus Stuttgart gemeldet, daß nach den Besprechungen mit den süddeutschen Bundesfürsten ein Einvernehmen auch in der Lippischen Frage erzielt sei.

So hat unser Kaiser soso t die Nebel der Reichs verdroffen- heit zerstreut, die uns den Blick ins Weite, auf die großen Angelegenheiten des Reiches nach außen, zu trüben drobten. Die querelles allemandes, das Streiten um Kaisers Bart, liegen uns ja leider, infolge der a ten langen Zerrissenheit des deutschen Vaterlandes noch immer in Fleisch und Blut. Wir müssen aber darum unserm Kaiser nur umsomehr dank­bar sein, daß er mit seinem glänzenden thatkräftigen Zuge ins Große und Weite über kleinlichen Parteihader. Hinweg seinem Volke immer wieder zum Vorbilde dient.

er sich nicht zu rasiern Vorgehen. Auch als von den ver­einigten Oesterreichern und Preußen im Oktober die Weißen- bürger Linien erstürmt waren, stockte die Vorwärtsbe­wegung abermals. Vergeblich drangen Wurmser und B lücher auf ertschlossene Befolgung:Es ist Euer Durchlaucht bekannt, wie sehr der Feind läuft, wenn man ihn attackirt, und wie keck er wird, wenn man sich alle Tage von ihm angreifen läßt." Rastlos und mit stets glücklichem Erfolge ging Blücher mit feinen Husaren und leich'en Truppen dem Feinde zu Leibe; aber die Hauptarmee blieb unthätig.

Die Witterung wurde immer ungünstiger; die verbündeten Truppen litten in nassen Biwaks Noth und Mangel. Da stieß am 28. Noveu!ber der französische General Hoche mit 40 000 Mann gegen die Preu ßen vor, die, nur 20 000 Mann stark, bei Kaiserslautern standen. Aber hier bewiesen die Krieger Friedrichs des Großen ihre altbewährte Tüchtigkeit denn Blücher kommandirte, er schon damals ein Hort und Vorbild altpreußischer Tapferkeit, die verkörperte Kühn­heit und Entschlossenheit. Ein entschlossener Vorstoß der ver­bündeten Armee, und die Franzosen wären zerschmettert worden. Aber dieser Vorstoß erfolgte nicht, die Franzosen gewannen Zeit, sich zu erholen und zu sammeln, sie schöpften neuen Muth zu entschiedenem Vorgehen, die Verbündeten bezogen Winter­quartiere zwischen Rhein und Nahe und bald darauf legte der Herzog von Braunschweig den Oberbefehl nieder. General von Möllendorf trat an seine Stelle.

Für den Feldzug des Jahres 1794 machte Frankreich die größten Anstrengungen, alle waffenfähige Mannschaft vom 18. bis zum 25. Lebensjahre wurde aufgeboten, 300 000 Mann wurden ins Feld gestellt.

Die Oesterreicher wurden bei Fleurus geschlagen; doch die Preußen unter Möllendorf errangen neue Lorbeeren. In die Pfalz eingerückt, erfochten sie am 23. Mai wiederum einen glänzenden Sieg bei Kaiserslautern. Fest geschloffen rück-