Erstes Blatt.
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Im Reklamentheil
^^ Amtliches Organ für Stsöt- unö Lsnökreis Hanau. ^.”3^'
10 ^ Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage
Nr. 276 Samstag den 26. November 1898
Hierzu
Amtliche Beilage" Nr. 78
Amtliches.
^an^Ureiö ^anau.
Grtslmtmachungeu des Königlichen Landrathsamtcs.
In 2 Gehöften in Niederrodenbach ist die Maul und Klauenseuche amtlich fe|tgefiellt und infolgedessen die Gehöfts- und die Orts- und Gemarkungssperre für bett Gemeindebezirk Niederrodenbach angeordnet worden. Das Durchtreiben von Wiederkäuern und Schweinen ist verboten und die Ausführung von Thieren dieser Arten aus dem Seuchenort und dessen Gemarkung nur auf Grund eines Zeugnisses eines approbirten Thierarztes und nur zum Zwecke sofortiger Abschlachtung nach zuvor eingeholter polizeilicher Erlaubniß gestattet.
Die Bestimmungen der Bundesrathsinstruktion zur Ausführung des ReichsviehseuchengesetzeS (R.-Ges.-Bl. 1895, Seite 358 ff. — W 58, 59 ff. —) sind genau zu beachten.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 26. November 1898.
Der Königliche Landrath.
v. Schenck.
zu bilden, so liegt die Entscheidung wieder beim Centrum. Das Centrum hat, »achtem eS fiüher dazu beigetragen hatte, die Entwicklung unserer Flotte zu verzögern, durch seine Zustimmung zur Marinevorlage im vorigen Sommer seine Geneigtheit bethätigt, liniere Wer kraft zur See zu stärken. Jetzt w rd das Centrum zu zeigen haben, ob die damals bewiesene nationale Gestnnuug stark genug ist, auch den Forderungen für die Wehrkraft zu Lande gerecht zu werden.
Tagesschau.
Vsn der Marine. Berlin, 25. Novbr.
Laut
Dimflaachnchtes aus dem Kreise.
Gefunden: Ein schwarzer Schulterkragm. Ein Gebund Schlüssel. Ein ev. Gesangbuch.
Verloren: Eine goldene Vorstecknadel, gegen Belohnung abzugeben.
Hanau am 26. November 1898.
Aufgaben des Reichstages.
In den ersten Tagen des Dezember wird der neue Reichstag zusammentreten. Nach dem, was — vom Etat abgesehen — über die Vorlagen verlautet, die den Reichstag beschäftigen werden, wird er gleich in seiner ersten Tagung eine bedeutsame Probe seiner Leistungsfähigkeit abzulegen haben. Zunächst unterliegt es keinem Zweifel, daß sich an den bevorstehenden Ablauf des Quinquennats eine Reihe neuer militärischer Forderungen knüpfen wird. Eine Verstärkung unserer Landesvertheitigung hat sich in der That als nothwendig erwiesen. In zweiter Reihe steht die Vorlage zum bessern Schutze Arbeitswilliger gegen den Tenor.s- mus Streikender. Es handelt sich hier um eine gegen die Sozialdemokratie gerichtete Aktion; denn in den weitaus meisten Fällen geht die Terrorisirung arbeitswilliger Arbeiter erfahrungsmäßig von Sozialdemokraten au-, wie ja auch ein beträchtlicher Theil der Ausstände nicht aus wirtschaftlichen Gründen entsteht, sondern künstlich erregt wird, um die Arbeiter in den Dienst der Sozialdemokratie zu stellen.
Aus dem Reicksamt des Innern wird außer diesem Entwurf noch die Novelle zum Alters- und Jnoaliditäls-G setz kommen, wonach unter avderm besondere liniere VerwaltungsOrgane zur Festsetzung der Rentenlast gebildet werden sollen und die Rentenlast, mehr der ausgleichenden Gerechtigkeit
telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Ma ine haben folgende Bewegungen S. M. Schiffe im Auslande stattgefunden: S. M. Schiffe „Kaiser" mit dem Gsschwader- Chef, Vize-Admiral von D-eder-chs an Bord, Kommandant; Kapitän zur See von Stubenrauch, „Gefion", Kommandant: Korvettenkapitän mit Oberstlieutenants-Rang Follenius, und „Corworan", Kommandant: Korv ttenkapitäu B-ussalis, find am 22. November von der Samiabucht nach Hongkong in See gegangen und am 24. d. M. dort ang-kommen. S. M. S. „Kaiserin Augusta", Kommandant: Kapitän zur See Gülich, ist am 24. November von Shanghai nach Hongkong in See gegangen. S. M. S. „Deutschland" mit Sem Ch-f der II. Division des Kreuzer Geschwaders, Prinzen Heinrich von Preußen, Königliche Hoheit, an Bord, Kommandant: Korvettenkapitän mit Oberstlieutenantsrang Müller, beabsich- t gt, am 27. November von Sbaugdai nach Amoy zu gehen. S. M. S. „Ai cona", Kommandant: Korvettenkapitän mit Oberstlieutenantsrang Reincke, ist am 23. Novbr. in Shanghai, und S. M. S. „Hela", Kommandant; Korvettenkapitän Sommerwerck, au demselben Tage in Pola ein getroffen. S. M. e. „Schwalbe", Kommandant: Korvettenkapitän Hoep- ner, ist am 23. November in East London angekommen und will am 26. November nach Natal gehen. S. M. S. „Geier", Kommandant: Korvettenkapitän Jocobsen, kam am 22. November in Barbados an und ist am 24. November nach Savta Lima in See gegangen. S. M. S. „Nixe", Kommandant: Korvettenkapitän mit Oberstlieutenants-Rang von Basse, traf am 23. November in San Francisco (Brasilien) ein und beabsichtigt, am 30. Novbr. nach Montevideo zu gehen.
Berunglückungen des Eisenbahnpersonals bei Prüfung der Fahrkarten im rollenden Zuge gehörten bekanntlich früher zu den regelmäßig wiederkehrenden Erscheinungen. Nach den Ermittelungen deS R>ichsrisenbahn- amtes wurden aus diesem Anlaß auf den preußischen Staatsbahnen getödtet und verletzt in den Jahren
getödtet
verletzt
1885
6
11
1886
3
14
1887
2
21
1888
3
16
1889
2
31
1890
6
27
1891
5
30
1892
9
19
1893
3
29
Fahrbediensiete. Auf den übrigen deutschen Eisenbahnen lag d^ Sache ähnlich. Diese beklagenswerthen Umstände gaben hauptsächlich den Anlaß, die Fahrkarter,Prüfung von den Zügen an die Bahnsteige zu verlegen und dir Bahnsteigsperre einzu- führen, eine Maßregel, mit der in Preußen am 1. Oktober 1893 begonnen wurde, und die nunmehr fast vollständig zur Durchführung gelangt ist. Die Folgen dieser Maßnahme auf Leben und Gesundheit des Fahrpersonals fiud außerordentlich günstige gewesen. Im Jahre 1894 wurden bei der Fahr- kartenprüfung nur noch 2 Personen gelobtet und 12 verletzt. |3n den Jahren 1895, 1896, 1897 und 1898 (bis 1. Okt.) Jind Tödlungen überhaupt nicht mehr vorgekommen, es wurden 11895 ; 3, 1896 : 2, 1897; 4 Fahrbediensiete auf den preu- ßttchen Slaatsbahni-n verletzt, und in der Zeit vom 1. Januar i Oktober 1898 sind auf diesen auch Verletzurgeu jener ! Betten steten aus solchem Anlaß nicht mrhr vorgekommen. , L>ind schon diese Folgen der Einführung der Bahnsteigsperre gewiß in hohem Grade erfreuliche, so ist vielleicht noch größer der Gewinn zu veranschlagen, den die bessere Erhaltung der ; Gesundheit des hier in Frage kommenden Fahrpersonals dar-
entsprechend, »ertheilt werden soll. Ferner wird das Reichsamt des Innern eine Gewerbe-OrdnungSnovelle und das Fleifchbeschauges-tz vorlegen. Das Reichs-Justizamt wird, wenn auch nicht gleich zu Beginn der Session, doch im Anfang des nächsten Jahres den Hypothekenbank-Gesetzentwurf sowie die Revision des Urheberrechts einbringen. Es ist auch wahrscheinlich, deß es, nachdem der Versuch mit der Entschädigung unschuldig Vcrurtheilter in der vorigen Tagung geglückt ist, diesen oder jenen andern Punkt aus der frühern Justimovclle, die bekanntlich in ihrer Gesammtheit vom Reichstage abmUhnt ist, in einem besondern Entwurf nochmals vorlegen wird. Aus dem Ressort des Auswärtigen
■ Amtes darf eine Wiederholung des Entwurfs wegen der Uebernahme Neu-Guireas aus die Reichs Verwaltung erwartet werden. Verschiedene andere Beschlüsse des Kolonialraths werden im Etat erledigt werden können.
Die beiden wichtigsten Aufgaben des Reichstages durften die Militärvorlage und der Gesetzentwurf zum Schutze der u^-............. ---------
Arbeitswilligen sein. Da der neue Reichstag tm großen und stellt. Die Witterungscwflüsse, denen die auf den Tritt- ganzen ebenso zusammengesetzt ist, wie sein Vorgänger, und brettern sich bewegenden Beamten namentlich in der rauhen beide Vorlagen von den dimokratischen Parteien bekämpft Jahreszeit ausgesetzt waren, erwiesen sich für den GesundheitS- werden, die nationalen Fraktionen (Konservative und National- zustand derselben geradezu verderblich.
liberale) aber zu schwach sind, um eine Regierungsmehrheit. ----------
Die Anklage gegen Picquart.
Während die Affaire Dreyfus in Ruhe ihrem Ende ent- gegergeführt wird, erhitzen sich die Gemüther in Frankreich immer mehr über den Fall Picquart. Der „Matin* sieht die Möglichkeit eineS Konfliktes zwischen dem Kassationshof und der Milikäijastiz voraus. Der Kassationshof habe die Aüen betreff nd das „Petit bleu“ verlangt. Die Militär- Behörde hätte erklärt, die Akten erst nach Aburtheilung P cquarts herausgeben zu können Durore, Petit? Republiqae, Siede und andere Blätter grellen Freycinet auf das schärfste an, weil er die Verfolgung Picquarts zugegeben, die verbrecherisch sei. Dieselben Blätter veröffentlichen einen von Senatoren, Gelehrten, Künstlern und Schriftstellern unterzeichneten Protest gegen die Verfolgung Picquarts. Der Vertheidiger des Obersten, Labori, steht seinerseits die Kriegs- xerichtsverhandlung guten MuiheS entgegen, wie aus folgendem Telegramm hervorgeht.
Paris, 25. Novbr. Labori ist sehr zufrieden, weil die Anklage gegen Picquart neben der Fälschung des Rohrpost- briefes auch die Affaire Picquart-Leblois umfaßt, desto energischer k^nn er nunmehr seine juristischcu Einwendungen erheben. Vor allem gedenkt er die Kompetenz des Kriegsgerichts zu bestreiten, weil die Frage, ob ein aus der Armeeliste gestrichener Offizier für dienstliche Vergehen der Militär- justiz untersteht, eine neue Entscheidung des Kaffationshofes erfordert, denn die bisherigen Entscheidungen des K.ssations- Hofes in Fällen, deren Analogie die Vertheidigung bestreitet, seien nicht als maßgebend anzuerkennen. Sollte das Kriegsgericht, dieser Einwendung entgegen/ seine Kompetenz aus- sprechen, so hätte Picquarts Protest tnter allen Umständen aufschiebende Kraft, selbst dann, wenn das Kriegsgwichi einfach konstatiren sollte, der Angeklagte verweigere jede Auskunft und wird daher in allen Punkten zur höchsten Strafe vrrurtheilt. Die Akten würden dann zum Kassationshof geben und dort so lange bleiben, als dieser selbst es für gut findet. Picquart bliebe einstweilen im Gefängniß Cherchemidi. So wird es wahrscheinlich kommen, vorausgesetzt, daß Zur- lindrn am 12. Dezbr. noch Gouverneur von Paris ist.
Politische und unpolitische Nachrichten.
(Depeschen-Bureau .Herold".)
Berlin, 25. Novbr. Der dem Bundesrath vorliegende Gesetzentwurf, betreffend die Ersetzung des Voreides durch den Nacheid, enthält, wie ein parlamentarischer Berichterstatter meldet, im wesentlichen Alles, was der im Reichstage angenommene Antrag Salisch verlangt. In diesem ist namentlich auch eine Einschränkung der Eidesleistung auf die wichtigsten Fälle und die Bestrafung von Aussagen, auch wenn sie nicht unter Eid gestellt worden sind, sobald sie sich als falsch erweisen, enthalten.
Berlin, 25. Novbr. Der Reichshaushaltsetat für 1899 wird eine Forderung von 100000 Mark zur Fortsetzung der deutschen Tiefste-Expedition enthalten. Diese unerwarteten Mehrkosten dürften verzögernd auf die Einleitung der Süd- Polarforschung einwirken. — Von den auf 5 Millionen bemessenen Mitteln für die Behelligung des deutschen Reiches an der Pariser Weltausstellung sind noch 4 534 000 Mark verfügbar. Davon sind 3 534 000 Mark in den Reichshaushaltsetat für 1899 eingestellt worden.
Berlin, 25, Novbr. Die Eröffnung des Reichstages wird nicht, wie bisher gemeldet wurde, am 2. Dezember erfolgen, sondern erst in der übernächsten Woche. Die Bestimmung des Tages unterliegt noch der kaiserlichen Entscheidung.
Berlin, 25. Novbr. Der im Krankenhause zu Zeitz noch immer schwer krank darniederliegende Raubmörder We- ’ gener hat jetzt endlich in seiner Gewissensangst seiner Wärterin, der Schwester Tasnelda, erzählt, daß er einen Mord begangen habe. Besonders wichtig an diesem Geständniß ist nun feine Mittheilung, daß er den Mord nicht allein, sondern mit noch einem Anderen vollführte. Den Mitthäter hat er
bis jetzt nicht genannt. Von dem eingetroffenen Gefangen- wärter des Fuhlsbütteler Zuchthauses ist Wegener durch eine Glasthür genau wieder erkannt worden, sodaß dadurch jeder Zweifel an seiner Identität ausgeschlossen ist.
Köln, 25. Novbr. Zu der zwischen dem Kaiser und dem Prinz-Regenten von Bayern erfolgten Verständigung bezüglich der Militärstrafgerichtsordnung erfährt die „Kölnische Zeitung" aus Berlin, die Verständigung werde formell ihren Ausdruck fitiben in dem Entwurf eines Reichsgesetzes, welcher dem Reichstag in seiner nächsten Tagung zugehen soll, und welcher der Annahme sicher sein dürfte.
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Uuterhaltungsblatt 16 Seiten.