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Nr. 275

Amtliches ^arrO^rei^ ^anau. OekMNtNachuugeu des Königlichen Landrathsamtcs.

In Lohrhaupten, Neuenschmidten und Schlierbach, Kreis Gelnhausen, ist die Maul- und Klauenseuche wieder er­loschen und sind die Sperrmaßregeln aufgehoben worden.

Hanau am 25. November 1898.

Der Königliche Landrath.

V. 12771 v. Schenck.

^faöt&rew ^anau.

MWÄMchMM de« ObeÄürgLrMeisteraAtes.

Bekanntmachung.

Der Absatz i des § 11 der Jnstallationsvorschriften hat nach der von der Eleltrizitätswerks-Kommission beschlossenen Abänderung folgende Fassung erhalten:

i) Leitungen für Schalter und Wandan- schlüffe u. s. w. müssen im Handbereich, mindestens bis zur Höhe der Oberkante der Thüren, soweit nicht Ausnahmen durch die Elektrizitätswerks-Kommission gestattet werden, gemäß § 9 e) der Sicherheitsoor- schriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker und § 5 a der Vorsichtsbedingungen des Verbandes Deut­scher Privat-Feuerversicherungs-Gesellschaften mit Schutz­verkleidungen versehen sein."

Hanau den 18. November 1898.

Der Magistrat.

Bode. 17426

Eine Lehre.

Das deutsche Reich ist an keiner der großen Streitfragen, die in der letzten Zeit auf dem Gebiete der auswärtigen Politik das meiste Interesse in Anspruch nehmen, unmittelbar betheiligt; weder durch den spanisch-amerikanischen Krieg und die Arbeiten der Pariser Friedenskommission, die letzthin durch die Forderung der Vereinigten Staaten auf Abtretung der Philippinen ins Stocken gerathen waren, noch auch durch den tieferen Gegensatz zwischen England und Frankreich in afrikanischen Fragen ist Deutschland in direkte Mitleidenschaft gezogen worden. Wir konnten also auch bei beiden Ereig­nissen auf dem Welttheater die ruhigen Zuschauer spielen, und unser Antheil dürfte sich darauf beschränken, gut zu be­obachten und die richtigen Lehren aus den Vorgängen zu ziehen. In einem Punkte war dazu keine besondere Gabe erforderlich, vielmehr drängte sich die Lehre selbst dem blödesten Auge aus: wir meinen die Bedeutung der Flotte in dem einen wie in dem andern Falle.

Freitag den 25. November

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Beim Allsbruch des spanisch-amerikanischm Krieges ging , die allgemeine Meinung dahin: Spanien ist seinem Gegner zur See fast ebenbürtig, es wird ihm im Anfang auf dem Meere mancherlei zu fchoffin machen, aber auf die Dauer gegen ihn nicht aufkommen tönten, weil die Vereinigten Staaten über viel größere materielle Reichthümer verfügen; das Ende also wird sein, daß Spanien nach ehrenvoller Gegenwehr Kvba verlieren wird. Der Fehler in dieser Rech­nung war das übertriebene Zutrauen in d e Leistungsfähig­keit der spanischen Flotte. Gleich zu Beginn deS Krieges und je länger desto mehr zeigte sich, wie schauderhaft ©paniert seine Kriegsflotte in fast allen Stücken, Material, Armierung, Mobilmachung vernachlässigt hatte. Die Folge ist, daß eS nicht nur Kuba, sondern auch Portorikü herausgeben mußte und wahrscheinlich auch die Philippinen verlieren wird. Seine überraschend große Schwäche zur See mußte begreiflicherweise den Gegner anrrizen, seine an und für sich nur geringen Waffenerfolge so viel wie möglich auszubeuren. Die Schuld daran, daß Spanien völlig am Boden liegt und den werth- vollen Rest seines Kolonialbesitzes verliert, ist lediglich dem Verfall seiner Flotte beizumessen.

Umgekehrt zeigt uns das Beispiel der englischen Rüst­ungen, die sofort in einer für England wichtigen Streitfrage das Zurückweichen seines Widerpartes bewirkten, welch un­entbehrliches und nützliches Werkzeug eine imponirende Flotten- macht für jede überseeische Politik ist. Anderseits ist Frank­reich dank seiner zwar schwächern, aber immerhin nicht zu verachtenden Flotte vor einer ähnlich hilflosen Lage, wie der Spaniens gegenüber Nordamerika, bewahrt geblieben. Eng­land hat sich gehütet, über die Erreichung deS unmittelbaren Rüstrmgszweckes seine Uebermacht, etwa durch Erklärung des Protektorats über Egypten auSzunutzeu.

Angesichts solcher Ereignisse können wir unserm Kaiser nicht dankbar g»nug sein, daß es seinen unablässigen Be­mühungen gelungen ist, den Ausbau der deutschen Flotte durchzusetzen. Eine kraftvolle auswärtige Politik kann in unserer Zeit des Hochgestergirten Weltverkehrs dieses Hilfs­mittel nicht entbehren. Wir glauben, daß auf dieser Bahn fortgefahren werden muß, und das, waS uns jetzt noch an dem Rüstzeug zum Schutze unserer überseeischen Interessen fehlt, eustweilen zu ersten ist durch die moralische Kraft, die durch Einmüthigkeit des ganzen Volkes in den großen Fragen der auswärtigen Politik Hergcsteklt wird. Die poli­tische Selbsterziehung, an der wir arbeiten müssen, hat auch den Vorzug, daß sie uns nichts weiter kostet ars die Einsicht und den festen Willen, gegenüber den weltbewegenden und ! weltentscheidenden Problemen der auswärtigen Politik klein- iliche Parteistreitigkeiten zu unterdrücken und den Blick von untergeordneten innern Angelegenheiten weg ins Weite zu richten.

1898

Ueber die neuen Heeresforderungen, die mit der Festlegung der Präsenzziffer für weitere fünf Jahre verbunden sein werden, ist noch wenig Zuverlässiger bekannt geworben. Sicher ist nur, daß die Artillerie in neue Formationen gegliedert werden wird. Die Korps- Artillerie soll gänzlich in Fortfall kommen, die Artillerie-Bri­gaden sollen den Divisionen angesügt werden. An Brigade­stäben wären daher ebenso viele erforderlich, als Divisionen vorhanden sind, also 43. Da 20 bereits bestehen, sind 23 Artilleric-Brigadestäbe neu zu errichten, an Regimentsstäben die doppelte Zahl, nämlich 86, von denen 43 zur Zeit vor­handen sind.

Ferner verlautet von meist gutunterrichteter Seite, daß aus dieser erheblichen Vermehrung der * Artillerie die Auf­stellung dreier neuer Telegraphen Bataillone und eine ent­sprechende Ergänzung der Pionier-Bataillone, Luftschiffer-Ab­theilungen u. s. w. geplant sei. Eine neue Kadetten Anstalt soll für Naumburg a. S. in Aussicht genommen sein.

Eine gewisse Verstärkung aller Waffen bringt der jedes­malige Ablauf eines Quirl quennats mit sich, da es stets erforderlich ist, der inzwischen eingetreteren Vermehrung der Bevölkerung die entsprechende verfassungsmäßige Erhöhung der Präsenzziffer folgen zu lassen. Zu diesem Zwecke sollen diesmal zwei ganz neue Armeekorps gebildet werden, ein aus preußischen und hessischen Truppentheilen zusammengesetztes in Frankfurt a. M. und ein zweites sächsisches in Leipzig. Da aber das sächsische Armeekorps bereits aus drei, in nicht we­niger als sieben Brigaden gegliederten Divisionen besteht, so wäre hier bloß eine einzige neue Infanterie-Brigade nebst entsprechendem Zuwachs an Kavallerie und Artillerie zu for- miren. Hierzu kämen neu 1 Korps-, 1 Divisions-, 1 Ju- fanterie-Brigadestab.

Es handelt sich also offenbar nicht um zwei volle neue Korps, sondern um einen Zuwachs von etwa IV* Armee­korps. Was in den Blättern weiter von der Anfüllung der bisherigen Bataillone der fünften Infanterie-Brigaden auf den mittleren Etat und der Errichtung von nicht weniger als 43 dritten Bataillonen für die neuen, 1896 aus den Halb- bataillonen gebildeten unvollständigen Infanterie-Regimenter berichtet worden ist, beruht lediglich auf Kombination, und ebenso wenig lassen sich thatsächliche Beläge dafür anführen, daß die Heeresverwaltung von sämmtlichen Kavallerie-Regi­mentern die fünften Schwadronen abtrennen will, um daraus neue Regimenter zu bilden. Man wird also amtliche Mit­theilungen abwarten müssen, ehe man sich über den Umfang der neuen Heeresforderungen ein Urtheil bildet.

FsMAets«

Aus Ostpreußens Sanddüchse.

Eine trockene Schilderung von Anton Hensel (Königsberg).

(Nachdruck »erd»te».>

Kennst Du das Land, wo sich das Sandkorn hebt,

Vom Wind beflügelt durch die Lüfte schwebt,

Zu hohen Bergen Korn an Korn sich reiht,

Vernichtung bringend allem, was gedeiht,

Wo meergebor'n eS sich bergan bewegt, _

Der Sturm auf's neu' es in die Fluthen tragt?

Kennst Du es wohl?

Wende Deinen Blick, lieber Leseer, zu dem äußersten Nord­osten des deutschen Vaterlandes, dorthin, wo eS auf der einen Seite von dem Meere, aus der at beten von dem russischen Reiche begrenzt, in einem spitzen Winkel sein nördlichstes Ende nimmt. Dort dehnt sich, ein nach Norden sich verengendes Süßwasserb.cken aus, welches durch eine schmale Landzunge von dem Meere geschieden wird. Diese Landzunge, die kurisch e Nehrung ist es, mit der Du nähere Bekannt ^so^ber1 bernsteiweichen samländischen Halbinsel im Süden ihren Aasgang nehmend, zieht sich die kurische Nehrung an­fangs in nordöstlicher, später fast nördlicher Richtung«hm^und bildet zwischen der Ostsee und dem kurrschen Hoff eine wall- artige Wasserscheide von 97 Kilometer Länge und einer Breite, die zwischen und 4 Kilometern.wechselt. Da Material ober, auS welchem dieser langgetehnte Wall besteht, ist der Hauptsache nach trockener Seesand. Em Woll, an dessen Schöpfung die Natur ihre Kräfte fortgesetzt thätig sein laßt, unb der in wechselnder Höhe bis zu 200 Fuß über dem Meere aussteigt. Wellenförmig in den Höhenkonturen, reiht sich Hügel an Hügel, bald eng aneinander gelehnt, bald

durch tiefere Einschnitte geichredcn, so geht eS hin in un­unterbrochener Folge, bis die in weichen Linien verlaufende Kette am Memeler Tief in der Süderspitze ihr Ende findet.

Fahren wir mit dem Dampfer die Küste entlang, so sehen wir sie langsam an unserem Auge vorbeisicheu diese Dünenberge, bald im Lichte der strahlenden Sonne schnee­weiß erglänzend, bald wenn Wolken sie beschatten, blaugraue Farbentöne zeigend; hier erstrecken die Hügel ihre sandigen Abhänge bis an den Rand des Wassers, tort treten sie mehr zurück, und ein grünlicher Schimmer deutet an, daß eine spärliche dürre Grasnarbe einigen Raum hat gewinnen dürfen. Während an der Seeseite die Küstenlinie in weitem Bogen ohne wesentliche Abschweifungen verläuft, zeigt sie aus der Haffseite wechselnde Formen, hier tiefe Buchten einschneidend, dort hakenförmige Ausläufer deS Userrandes begreuzend. Immer aber ist es Sand, lockerer trockener Seesand, den wir, in mannigfachen Formationen sich zusammenfügend, da vor uns sehen. Das Bild einer einförmigen, trostlosen Ein­öde, von der wir glauben möchten, daß keines Menschen Fuß darauf zu wandeln Neigung hätte.

Und doch! Wo gibt es eine Scholle auf unserem Erdball, und wäre sie noch so trift und elend, auf der nicht der Mensch eine Zufluchtsstätte gesucht hätte? Auch auf der kurijchen Nehrung finden wir menschliche Ansiedeluugen zu einer ganzen Anzahl von Ortschaften gruppirt. Wollen wir sie kennen lernen, dann müssen wir unseren Fuß in diese vom Wasser umflosiene oft preußische Sahara setzen, der es, wie ihrer afrikanischen Namensgenossin, an Oasen keineswegs mangelt. Dabei erhalten wir denn auch Gelegenheit, die Natur dieses Landstriches in ihrer originellen Eigenart näher zu betrachten.

Schon eine kurze Wanderung wird uns erkennen lassen, daß eine gewisse Gleichartigkeit in der äußeren Gestaltung der

Nehrung eigen ist, die sich in ihrem Querprofil deutlich kund gibt. Wenige Meter von dem Rande der See entfernt er­hebt sich eine durch künstliche Anlage erzeugte, niedrige Vor- düne, welche die Bestimmung hat, den von der See ausge­schälten, vom Winde fo-tgetriebenen Sand zunächst aufzu- fangen. Dahinter dehnt sich ein flacher Streifen sandigen Geländes hin, der vielfach mit t-ockenem Sandhafer bestanden ist und bald in ein höckeriges Terrain übergrht, einstmaligem Waldboden, der wieder hervortritt, nachdem die wandernde Düne den dort vorhanden gewesenen Wald erstickt hat. Nun thürmt sich in mäkliger Steigung der Dünenberg auf, der nach Osten hin meist steiler abfällt, bald mit seinen Abhängen dicht an das Haff herantretend, bald einen mehr oder weniger breiten Streifen vor sich frei lassend. Das ist die Wander­düne, das gefürchtete Verhänguiß der Nehrung uns ihrer Bewohner, das mit Vernichtung bedroht, was ihm entgegen- steht. Denn in der That, dieser lockere Sandwall, den der Wind zusammengehäuft hat, unter dem Einfluß der nämlichen Naturkraft rückt er, seine Massen fortwälzend, allmählich ost­wärts vor, um sich von neuem in die Fluthen zu stürzen, aus denen er geboten. Diese Thatsache ist durch vielfache Beobachtungen festgestellt, und man ist dadurch sogar dahin gelangt, genau anzugeben, um wieviel die Düne jährlich weiter schreitet. Je nach den entgegenstehenden Hindernissen ist es bald mehr, bald weniger, im Durchschnitt aber beträgt die Verschiebung im Jahre etwa 17 Fuß. Man vermag also mit einiger Genauigkeit zu berechnen, wann die Wander­düne, die heute noch in gewisser Entfernung vom Haff sich erhebt, bis an den Rand des Wassers gelangt sein wird, alles unter sich begrabend, was dazwischen vorhanden ge­wesen ist.

In trauriger Unschuld liegen die mannigfach geformten Sandhügel bei ruhiger Witterung da, und man glaubt, ihnen Böses garnicht Zutrauen zu dürfen. Ohne Schwierigkeit,