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Amtliches Organ für Htaöt- unS LanSKreis Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 273
Mittwoch den 23. November
1898
^MGsS.
Stadt- und Landkreis Hanau.
Nach Verfügung des Herrn Regierungs-Präsidenten zu Cafsel ist die Beschäftigungs- bezw. Verkaufszeit in allen Zweigen des HandelsgewerbeS für die letzten 4 Sonntage vor Weihnachten wie folgt ausgedehnt worden: für den 27. November und 4. Dezember bis 7 Uhr abends, für den 11. und 18. Dezember bis 8 Uhr abends.
Selbstverständlich ist auch an diesen 4 Sonntagen eine Beschäftigung während der Stunden der Hauptgottesdienste nicht zugelasten.
Weiter ist an dem ersten Weihnachtsfeiertag gestattet:
a. der Handel mit Back- und Konditorwaaren, mit Fleisch und Wurst, Vorkostar titeln und mit Milch von 5 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags — jedoch ausschließlich der für den Hauptgottesdienst festgesetzten Unterbrechung —,
b. der Handel mit Kolon!alwaaren, mit Blumen, Tabak und Cigarren, sowie mit Bier und Wein während zweier Stunden vor Beginn der Pause für den Hauptgottesdienst und nicht über 12 Uhr mittags hinaus, die Zeitungsspedition aber wie an den sonstigen Sonn- und Fasttagen.
Hanau am 19. November 1898.
Der Königliche Landrath.
P. 11466 I. A.: vr. Becker, Reg.-Astestor.
<^an<Mrei0 ^anau.
Bekanntmachungen des Königlichen Landrathsamtcs.
Die Herren Standesbeamten ersuche ich, die Standesregister für das Jahr 1899 durch zuverlässige Boten baldigst hier abholen zu lassen.
Hanau am 18. November 1898.
Der Königliche Landrath.
A. 4319 v. Schenck.
^taOtor^i^ ^anau. M«Mmachmrgrk des OLerbärgermeisteramtes- Bekanntmachung.
Das Einquartierungsstatut für die Stadt Hanau liegt vom 24. November d. Js. an zwei Wochen lang im Rathhaus, Zimmer Nr. 21, offen. Es steht jedem Bürger frei, innerhalb dieser Frist bei dem Magistrat Einwendungen gegen dasselbe zu erheben.
Hanau den 18. November 1898.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 17334
Ferrilletsir
Chrysanthemum.
Ein Blumen- und Lebensbild aus Japan. Von Rudolf Langenbach.
(Nachdruck verboten.)
Ueber das glückliche Japan ist der Herbst gekommen und mit verschwenderischer Hand hat er eine märchenhafte, glühende Schönheit über das Land ausgeschüttet. Da ist keinerlei Zeichen von Tod und Vergänglichkeit, da flammen und leuchten von Blummen, Sträuchern und Bäumen, tausend Farben, seine Düfte durchfließen die milde Luft, die königliche Rose wetteifert mit der geheimnißvollen Orchidee, und tiefblau lacht der Himmel auf all' diese gesegnete jubelnde Schönheit hinab. Aber nicht die Rose, nicht die Orchidee sind die Herrscherin in diesem Traumreiche, sie müssen jetzt der „Königin des Herbstes" weichen, dem heiligen, unerschöpflich mannigfaltigen stolzen, flammenden Chrysanthemum, dem Kiku.
Ktku! Kiku l Das ist das Losungswort dieser Jahreszeit. Kiku herrscht im Palaste des Kaisers und ziert das Gemach selbst des Dürftigsten; Kiku gibt das Grundmotiv ungezählter Dekorationen, Stoffe und Toiletten: Kiku fetzt Tausende in Bewegung, veranlaßt sie zu ausgelassen-harmloser Freude und verwandelt die ganze lärmende, geschäftige Hauptstadt Tokio tagelang in eine einzige große Fest- und Blumenstadt. So geht eS dies Jahr, so geht es seit Hunderten von Jahren. Denn uralt ist die Kultur des Chrysanthemums im Lande bet ausgehenden Sonne. Japanische Autoren melden, im Jahre 386 sei der Samen der Blume zuerst, und zwar» aus Koi ea, in Japan eingeführt worden. Vom Klima begünstigt und von den Menschen eifrigst gepflegt, entwickelte sie sich hier bald zur größten Schönheit und Mannigfaltigkeit in Formen
Dictlftvatznchttll aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Atlas. Eine grüne gestreifte Strumpfmütze. Eine braune wasserdichte Pferdedecke; Empfangnahme bei dem Heizer Böhm, Pumpstation Dörnigheim.
Verloren: Ein dreitheiliges braunledernes Portemonnaie mit ca. 2,60 M. Inhalt.
Hanau am 23. November 1898.
Vom Geldmärkte.
Auf dem Geldmärkte ist ein Ereign ß ersten Ranges ein- gekreten: Die Ruchsbank hat den Wechsel-Diskont auf 6 Prozent und den Lombard-Zinsfuß auf 7 Prozent erhöht. Die Erhöhung des Diskonts ist ein Mittel, um die zu hohen Anforderungen an die Reichskank abzuwehren, das richtige Verhältniß zwischen Noten-Umlauf und Baar-Bestand herzustellen und vor zu hohen Spekulationen zu warnen. Je mehr Geld von der Bank verlangt wnd, desto höher wird der Diskont, desto theurer wird das Geld. Wenn man bedenkt, daß der Satz von 6 Prozent seit dem Bestehen der ReichS- bank erst zwei Mal dagewesen ist, so wird auch der Laie begreifen, daß ungewöhnliche Verhältnisse auf dem Geldmärkte herrschen.
Den unmittelbaren Anlaß zum Anziehen der Diskonto- Schraube bot der Reichsbank deren letzter Wochen-Ausweis. Die Reichsbank ist berechtigt, einen steuerfreien S oten-Umlauf von 293,4 Millionen Mark zu halten. Gibt sie über diesen Betrag Noten aus, so muß sie den Ueberschuß versteuern. Am 30. September betrug dieser Ueberschuß 276 Millionen Mark; er hatte damit eine nie erreichte Höhe er langt. Seitdem ist die Ueberschreitung der steuerfreien Summe stehend geworden. Ende Oktober betrug der steuei Pflichtige Ueberschuß 155 Millionen, am 7. November 130 Millionen, und nach btm Ausweis vom 15. November ergibt sich zwar eine Verringerung der steuerpflichtigen Noten-Ausgabe um etwa 56 Millionen, gleichwohl ist die Bank noch immer mit 74*/s Millionen in der SteuerPflicht, während sie in derselben Zeit des vorigen Jchres über eine steuerfreie Noten-Reserve von über 59 Millionen verfügte. Mit den übrigen Konten liegt das Verhältniß ähnlich.
Der Grund für diese auffallende Erscheinung sind die groß-n Ansprüche aus Handel, Industrie und Emissions- Wesen. Sckon vor Monaten hatte die Reichsbank zu erkennen gegeben, daß die an sie gestellten Anforderungen zu einer weiteren Steigerung d-s Distonts führen müßten. Diese Mahnung hat keinen Erfolg gehabt. Fast alle Groß' bauten haben ihre Aktien-Kapitalien erhöht, und die Emissionen von neuen Papieren wollen kein Ende nehmen. Eine bis zum Jahre 1891 zurückgreifende Statistik sagt, daß seitdem
und Farben. Die Gärtner erfanden zwei verschiedene Verfahren bei der Zucht. Das eine heißt Okiku und hat den Zweck, wenige große Blumen an einer Pflanze zu erzielen; da steht man denn niedrige Pflanzen, deren Blumen 15 cm im Durchmesser haben und so schwer sind, daß sie durch Stäbe gestützt werden müssen. Die Chukiku genannte Methode aber beabsichtigt, recht viele Blumen zu erreichen, die aber zugleich so kräftig als möglich entwickelt sein müssen. So hat man im kaiserlichen Pal aste Exemplare mit 300 gut aus- gebildeten Blumen gesehen. Unendlich ist die Verschiedenheit der Formen, die erzielt worden sind; hier gleicht eine Blume einer bunten Seidenquaste, dort dem schillernden Gefieder eines tropischen Vogels, da wieder scheint sie aus glänzend gefärbten und gedrehten Papierstreifen zusammengesetzt zu sein. Und dazu diese berauschende Farbenphantasie! Noch hat Niemand von einer tiefblauen Rose gehört; aber in Japan soll neben der gelben, rothrn, weißen und violetten Variationen auch eine blaue Art existiren. Auch erscheint diese Art oft auf den Werken der Kunst. Denn längst hat sich die japanische Kunst des Kiku bemächtigt; auf Porzellan- und Metallarbeiten finden wir es, es ist in Bronze gegossen, auf Stoffen in kostbarer Stickerei wiedergegeben, in Lack eingelegt, auf die verschiedensten Materialien gemalt worden. Im Palaste deS Mikado zu Kiolo existirt ein Zimmer, das ausschließlich mit Malereien, Schnitzwerken und Stickereien, die das Chrysanthemum darstellen oder behandeln, geschmückt ist.
Kaum ist es möglich, eine Vorstellung davon zu geben, wie tief die Liebe zu dieser Blume im Japaner lebt und welche Rolle sie in dem Leben deS ganzen Volkes spielt. ES ist ein förmlicher Kultus, der mit ihr getrieben wird. Wenn der Fremde in Japan dieser heiligen Blume nicht die gebührende Liebe und Pflege widmet, ist zu erwarten, daß ihm seine Diener deshalb kündigen. Ueberall findet sich das Kiku als natürlicher Schmuck, wie als künstlerisches Motiv. Kaum ein
etwa 7 Milliarden Mark an Emissionen an den deutschen Geldmarkt gekommen sind. Da darf es einem nicht wundern, daß auf dem Kapitalmärkte die flüssigen Mittel allmählich festgelegt sind und der Kredit der Reichsbank in so ungewöhnlicher Weise in Anspruch genommen wird.
Manche sehen in diesen Erscheinungen auf dem Geldmärkte einen Beweis für den Aufschwung, den unsere Industrie auf fast allen Gebieten genommen hat. Bis zu einem gewissen Grade ist das richtig. Anderseits darf aber nicht vergessen werden, daß der Optimismus auch zu groß sein kann. Es läßt sich in der That nicht bestreiten, daß manche Werthe infolge der Spekulation weit über ihren Ertragswerth hinausgetlieben worden sind. Ja volkswirthschaftlichtn Zeit- fchristen ist schon lange auf bie e Thatsache hingewiesen worden. Bemerkenswerth ist ein Artrkel des „Deutschen Oekono- misten" der darlegt, daß die industrielle Leistungsfähigkeit Deutschlands einen Aufschwung genommen hat, der der dauernden Verbrauchsfähigkeit bedeutend voraus eilt und die Merkmale einer Krisis in sich schließt. Sogar Blätter, die sonst das Interesse der Börse vertreten, halten es allmählich für angezeigt, ihre warnende Stimme zu erheben.
Tagesfchau.
Postalisches. In Hameln ist 19 Post-Unterbeamten, die unter der Deckadresse eines Gastwirthes den vom Staatssekretär v. Podbielski verbotenen „Postboten" bezogen hatten, .gekündigt worden.
Wasserbauwesen. Der ehemalige Minister v. Lucius befürwortet in der „Kreuzztg." die Uebertragung deS gesummten Wasserbauwesens an daS Ministerium für Landwirthschaft.
Besteuerung der Grotzbazare. Wir haben schon früher mitgetheilt, daß die Verhandlungen wegen Besteuerung der Grotzbazare in den preußischen Ressorts stattfinden; es läßt sich aber gegenwärtig noch nicht mittheilen, welches Resultat die Verhandlungen in dieser schwierigen Frage haben werden. Die Nachrichten, die in dieser Beziehung durch die Zeitungen laufen, sind in allen Fällen verfrüht. Vielfach wird bereits angenommen, daß diese anderweite Besteuerung der Großbazare in der Form der Umsatzsteuer stattfinden soll und knüpft sich hieran in der Presse eine sehr hestige Diskussion. Ohne über den augenblicklichen Stand der Besprechungen der Ministerialinstanzen unterrichtet zu sein, halten wir es doch nicht für wahrscheinlich, daß die Form einer Umsatzsteuer zur Annahme gelangen würde und zwar deswegen, weil eine Umsatzsteuer an das System der preußischen Gewerbesteuer, namentlich nachdem dieselbe den Kommunen überwiesen ist, in keiner Weise sich anpassen würde und doch wohl anzunehmen ist, daß eine Novelle zur bestehenden Gewerbesteuer nicht prinzipiell von den Grundlagen derselben
Garten, und sei er noch so klein und ärmlich, in dem nicht ein kunstvoll gezogenes Chrysanthemum seine Schönheit zeigte. Ein LebenSelixir und ein Mittel gegen die Trunksucht wird aus ihr gewonnen. In großen Gärtnereien wird die Blume mit allen Künsten einer alten Ueberlieferung gezüchtet. Dicke Bücher dienen der Beschreibung des Chrysanthemums und aller seiner hundertfachen Varietäten, und der Pinsel der feinsten Künstler hat sie mit poesievollen Schilderungen der Pflanzen versehen. Schon die Namen der Arten, die in diesen Werken verzeichnet sind, geben Kunde von der Liebe und Poesie, mit dem die Japaner die Blume betrachten. Da heißt eine hellrothe Kikublüthe „Morgenroth" und eine dunkelroth und gelbe „Abendsonne", eine schneeweiße Blüthe mit gelblicher Mitte „Nachts leuchtender Edelstein", eine dunkel- und blaßrothe „Sonnenaufgang im Meer", eine Blume in leuchtendem Feuerroth und Gelb wird „herbstliche Ahornblätter in der Abendsonne" genannt, eine gelbe, mit weichen, mähnen- artig verwirrten Strahlen „Löwenmähne". Selbst in der Geschichte Japans spielt das Chrysanthemum seine Rolle. Heut ist eS Japans Wappenblume, und der höchste Orden deS Reiche« heißt Chrysanthemum-Orden. Aber nicht immer war dem so. Einst beherrschte Nipon das dreiblätterige Asarum, das Wappenzeichen des Shogune, und Kiku, das Emblem der Mikados, war von seinen Ehren verdrängt. Seit einem Menschenalter aber hat daS Chrysanthemum auch hier gesiegt, und Japan steht heut mehr denn je unter dem Zeichen Kiku's.
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Aber seinen Höhepunkt erreicht der Kiku-KultuS im November, zur Zeit der Chrysanthemumblüthe und ihres großen Festes. Dies Fest zählt zu den fünf großen japanischen Nattonal- festen, und es büßet einen der Höhepunkte im Leben des JapanerS, das ja, man möchte sagen, ganz von Blumen, von ihrer Pflege und der Liebe zu ihnen durchrankt ist. Blumen-