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Amtliches Organ für Staöl- unö Lanökrels Hauan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 271

Hierzu Amtliche Beilage" Nr. 76.

Amtlich-K. ^a*t&&ret0 ^anau. Setsautmachungea des Königlichen Landrrthsamtcs.

Bekanntmachung.

Unter Bezugnahme auf die generelle Anordnung Groß­herzoglichen Minisfiriums des Innern vom 3. Juli 1897 wird auf Grund des § 56b der Reichsgewerbeordnung der Handel mit Klauenvieh im Umherziehen im Kreise Offenbach bis zum 1. Januar 1899 hierdurch verboten.

Offenbach den 16. November 1898.

Haas.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes auf orts­übliche Weise sofort bekannt machen.

Hanau am 19. November 1898.

Der Königliche Landrath.

V. 12593 v. Schenck.

Limstnachrichlen aus dem Kreise.

Gefunden: Eine große gebet mappe und ein defektes Portemonnaie. Eine Rohrpeitsche. Zwölf Cigarren. Ein brauner Glacehandschuh, rechts.

Verloren: Eine Sturmlaterne.

Hanau am 21. November 1898.

^taöt^rei^ ^anau.

HMMMachWM oe« Oberbürgermeister««^,

Bekanntmachung.

Der von den städtischen Körperschaften unterm -'-'-- bezw. beschlossene Baufluchtlinienplan für das Ge

lande zwischen Philippsruher Allee und Kinzig der Karten A. und B., wovon die Parzellen:

A. Nr. 61/36, 54/36, 33, 34, 29, 60/36, 57/37, 37a, 38, 38a. 40, 44, 39, 45, 42, 43, 43a, 27, 28, 52/26, 51/25, 25a, 24, 50/24, 48/10a, 6, 4, 47/2aa 5, 46/1, 35, B. Nr. 114/103, 99a, 99, 89, 85, 86, 84, 138/90, 154/92 2C., 139/91, 155/97, 81, 136/80a,1

Feuilleton

Stadttheater in Hanau.

Hanau, 21. Novbr.

Oskar Blumenthal dürste sich gegenwärtig in der beneidenswerthen Lage befinden, der meist aufgcführte Autor deutscher Bühnen zu sein. Noch beherrscht der im Verein mit Kadelburg geschaffene Schwank ,Jm weißen Rößl" überall den Spielplan und schon hat die jüngste Arbeit des genannten Autoreupaares, .Auf der Sonnenseite' seinen Weg über die Bühnen angetreten und dürfte auch kommenden Sonn­tag bei uns Einkehr halten. Aber auch die älteren Stücke Blum-n- thals finden noch Gnade vor den Augen des Publikums, insbesondere das vieraktige Schauspiel®n Tropfen Gift', das Gegenstand der Freitagsvoistellung war, begegnet bei stirer interesstrenden Handlung dankbarer, beifallsfreudiger Aufnahme. Und nicht mit Unrecht, es gibt sich als das Werk eines klug abwägenden witzigen Kopfes, der für die bühmngerechte Gestaltung des gegebenen dankbaren Stoffes ebenso großes Verständniß zeigt, als auch für die Schaffung in­teressanter Charaktere, die den Darsteller veranlassen, mit besonderer Liebe und Sorgfalt bei ihrer Ausführung zu Werke zu gehen. -rer geistvoll-witzige, sein pointirte Dialog ist echt Blumenthal und macht das Ganze zu dem Werk des Satirikers der mit atzender Scharfe sich über gesellschaftliche Zustande 'S» macht und seinen beiß^ Spott an solchen Typen aus dem großstädtischen Gesellschaftsleben aus. läßt. Die Handlung des Stückes darf als wohl bekannt vorausge­setzt werden, sie baut sich auf aus den Umwälzungen, bte die sechziger Jahre gezeitigt haben, und in deren Mittelpunkt der gewesene Mi­nister eines der verschwundenen kleinen Furstenthumer gestellt ist. Effektvoll in feinerem Sinne erhält sie das Interesse bis zum Schlüsse. Die Darstellung war eine abgerundete, die Jnscemrung lobenswerth. Herr Direktor Oppmar hatte die dankbare Aufgabe den Salon- menschen Baron Brendel darzustellen übernommen und mit dem «anzen behaglichen Humor, der die launischen Gestaltungen des bc- Ucbten Künstlers auszeichnet, durckgefuhrt. Die «Hertha wurde h«r zum erstenmal durch Fiäulein B r an d o w dargestellt. Soweit er an den Mitteln der liebenswürdigen Künstlerin lag, bot sie eine überaus fesselnde Leistung, die geistvoll nuancirte Feinheit ihres Spieles brächte ihr den reichen Beifall des Publikums. Der Graf

Montag « 21. November

137/81a 153/79,152/79 72,108/82,109/82, 110/83, 111/83, 140/90pp, 115/103, 101, 100, 113/94, 98, 95 und 112/94

betroffen werden, liegt auf Grund des Gesetzes vom 2 Juli 1875 vom 22. d. Mts. ab 4 Wochen zu Jedermanns Einsicht im Stadtbauamt II während ler Diensistunden von 1012V2 Uhr vormittags offen. Einwendungen gegen den Plan können innerhalb genannter Frist dase.bst zu Protokoll gegeben, oder an uns schriltlich gerichtet werden.

Hanau den 18. November 1898.

Der Magistrat.

Dr. Geb eschus. 17254

Bekanntmachung.

Für die Stadtverwaltung sollen

200 Wiener Stühle beschafft und in öffentlicher Ausschreibung vergeben werden.

Die Bedingungen liegen von heute an werktäglich von 1012^2 Uhr vormittags bei der unterzeichneten Amtsstelle (Zimmer Nr. 24 des Raihhauses) für Bewerber zur Einsicht aus und werden dafilbst verschlossene, mit entsprechender Aus­schrift versehene Angebote bis längstens zum Eröffnungstermin Samstag den 26. d. M., vormittags 11 Uhr, ent­gegen genommen.

Die Eröffnung der Angebote findet um obengenannte Zeit im Beisein etwa erschienener Bieter statt.

Hanau den 17. November 1898.

Stadtbauamt I.

Thyriot. 17229

Der neue Reichstag.

In etwa zwei Wochen wird der neugewählte Reichstag zu seiner ersten Session zusammentreten. An Arbeitsstoff urd Verhandlungs-Themat'N kann es demselben nicht fehlen. Soweit sich bis jetzt übersetzen läßt, wird dem Reichstage eine Reihe wichtiger gesetzgeberischer Vorlagen zur Erledigung überwiesen werden. Außerdem wird, wie üblich, der Rftchs- hausbalt bei seiner ersten Lesung vor d.n Reichsboten drzu benutzt werden, alle diejenigen Beschwerden und Wünsche vor- zubrtngen. deren parlamentarische Diskussion aus irgend einem Grunde ihnen angebracht erscheint, ohne daß besondere An­träge den Inhalt jenes Wollens in sich aufuehmev. Für ein lebhaftes Tempo in den Debatten unsers Reichsparlaments dürften schon die vielen neuen Männer sorgen, die nach den Neuwahlen in den Palast am Königsplatz eintüden und nach i einer regen Bethätigung in ihrem neuem Pflichtenkreise streben, i Es läßt sich hiernach vorausseben, daß die Eröffnung des

Albrecht von Vahlberg, die stille Excellenz, war eine prächtige Leistung des Herrn Linzeu, die sich durch eine überaus sorgfältige Charakteristik, ausdrucksvolles Spiel und natürlich warmes Gefühl auszeichnete. Eine Figur voll diplomatischer Feinheit und charakte­ristischer Ausgestaltung stellte Herr Hille in dem Gcheimrarh Fab- ricius auf die Bretter Das neben der eigentlichen Handlung stehende Liebespaar wurde durch Herrn Sternberg und Fräulein Krause dargestellt, besonders letztere wurde durch den kindlich naiven Ton, dem Humor ihrer Rolle gerecht. Eine recht sorgfältig ausgeführte Leistung bot auch Herr Stein götter, dem die Aufgabe ward, den eleganten Lebemann und Schürzenjäger Freiherrn Lothar von Meitenborn darzustellen. In der Rolle des Prinzen Karl Emil ver­suchte sich Herr Klopsch mit gutem Erfolg. Die übrigen Rollen befriedigten

In Ermangelung neuer Possen müssen die alten bewährten her­halten. Der .Registrator auf Reisen", den die übermüthige Laune der Herren L'Arronge und Moser geschaffen, verfehlt bei einigermaßen guter Darstellung nie seine Bestimmung, durch seine kecke Situations­komik das Publikum in heitere Stimmung zu versetzen Und damit ist der Zweck solcher Sachen erreicht. Die Posse besitzt noch den Vorzug, eine nicht gerade unsinnige Handlung zu haben, wenn auch die Verfasser auf ganz gewöhnliche Schlager nicht Verzicht geleistet haben, um die Wirkung zu erhöhen. Gespielt wurde mit all den komischen Finessen, die solche Sachen erfordern. Den von seiner Bc­horde auf Reisen geschickten Registrator Wichtig spielte Herr Gehr- mann mit prächtigem Humor, ganz köstlich wirkte er im fünften Bilde in der Wirthshausscene, aber auch im Vortrag der Couplets erregte er stürmische Heiterkeit. Als Zeitungs-Reporter Zander hatte Herr Taube redlichen Antheil an der komischen Wirkung und als dritte im Bunde gesellte sich unsere Soubrette Fräulein Jüng­ling als Marie Linke in der humoristischen Ausführung ihrer Parthie, sowohl gesanglich, als darstellerisch hinzu. Prächtige humoristische Charaktere stellten auch Herr Hille ,1» pensionirter sächsischer Gericht? rath, Herr Heinis ch als Wirth zum rothen Ochsen und Herr Schön als Dorfschulze auf die Bretter. Als zungenfertige Frau Wichtig gesellte sich auch noch Frau Miller zu den Genannten, überhaupt trugen alle Mitwirkenden in der komischen Ge­staltung ihrer Parthieen ihr BesieS zum Gelingen des Ganzen bet.

Aus saunst und Erven.

Familienleben und Lebensdauer. Es wird viel­fach behauptet, die von Niemand angezweifelte Thatsache der längeren Lebensdauer der verheiratheten Männer sei nicht auf den Einfluß des Familienlebens zurückzuiühren, sondern be­ruhe auf einer Auslese der kräftigen und widerstandsfähigen Individuen bei der Eheschließung. Dieser Ansicht tritt ein angesehener, volkswirthschaulicher Forscher F. Prinzing im von Mayer'schen Statistischen Archiv entgegen, indem er eine R.ide statistischer Thatsachen anführt, auS denen Heroor- geht, daß dem Familienleben der ausschlaggebende Einfluß zu- kommt. Ein wesentlicher Beweis für dielebensverlängernde Kraft der Ehe" liegt nach Prinzing darin, daß die Verwilt- weten eine viel höhere St.rblichkeit zeigen als die Verhei- ratheten, ohne daß dieselbe irgendwie mit einer schwächlicheren Konstitution der Ersteren begründet werden kann. Die Frage, welche Krankheiten besonders die Ledigen bedrohen, ist dahin zu beantworten, daß besonders das unregelmäßige Leben der Junggesellen daS Zustandekommen von Magen- und Darm­leiden und von Zirkulationsstörunoen aller Alt befördert. Ferner bietet die Statistik bei drei Todesarten Anhaltepunkte zum Verständniß der größeren Lebcnsgefährdung der Ledigen: Bei den Todesfällen an Paralyse sind nach den Ausweisen der preußischen Irrenanstalten die Ledigen beiderlei Geschlechts erheblich mehr vertreten, die Selbstmordneigung ist auf allen Altersstufen bei den Ledigen beider Geschlechter fast um das Zweifache höher als bei den Verheiratheten, und endlich sind Sterbefälle durch Verunglückung bei Ledigen weit häufiger als bei Verheiratheten. Der Werth des Lebens ist eben, darauf lasten sich diese Erscheinungen zurückführen, für den Ernährer einer Familie ein höherer; er wird daher alle unnöthige Ge­fahren vermeiden und Erkrankungen mehr Beachtung schenken.

Eine wichtige Entdeckung, welche für die Heilung ansteckender Krankheiten von hoher Bedeutung sein soll, wollen

1898

Reichstages einen frischen anregenden Zug in unser inner­politisches Leben hineinbringen mird.

Welchen Gang im Uebrigen die Verhandlungen nehmen werden, läßt sich freilich vorab auch nicht entfernt ermessen. Die Wahlen vom 16. Juni d. I. haben einschneidende Ver­änderungen in dem Stärkeverhältniß der Parteien zu einander nicht herbeigeführt. Unverkennbar hat die Seite derjenigen Parteien einen ansehnlichen Zuwachs empfangen, welche den nationalen Aufgaben der Reichspolitik theils in offmrr Feind­schaft gegenüberstehen, theils nur eine bedingte Förderung zu- zuwenden genügt sind. So stieg die Zahl der sozialvemo- kratischen Abgeordneten von 48 aus 56, die Welsen ge­wannen zwei Mandate, das Centrum hat seinen Besitzstand von 98 auf 104 erhöht, während die liberalen Parteien an Zahl ziemlich unverändert blieben und die Konservativen einige Mandate einbüßten.

Diese Ziffern an sich bieten allerdings keinen Anhalt, wie der Reichstag bei einer solchen Zu'ammensetzung die Ärbeits- fäden aus spinnen wird. Charakter und Form der zu er­wartenden Vorlagen und Anträge müssen einen maßgebenden Einflvß auf die Entwickelung der parlamentarischen Dinge ausüben. Vor allem werden unter den bereits angekündigten Vorlagen zwei als Prüfsteine für die Stellungnahme der Parteien zu den Absichten der Regierung und zu den staat­lichen Erfordernissen Ms Reiches gelten können; die Militär - vorlage und die in d?r Oeynhaufer Kaiserrede erwähnte Streiknooelle Bei diesen beiden Materien werden der Par­teien Meinungs-Veischiedcnheiten am deutlichsten und ener­gischsten sich offenbaren, werden die Gegensätze, welche unser innerpolitisches Wesen durchziehen, am stärksten aufeinander- prallen. Es ist bis nicht zu bedauern, sondern kann der allgemeinen Klärung über Wege und Ziele unsers staatlichen Daseins nur förderlich sein.

Die Wahlen mit ihrer durch den Abstimmungs-Modus gebotenen Kompromiß-Politik haben eine arge Verwirrung in den politischen Anschauungen des deutschen Bürgerthums an« gerichtet. Auf die Frage: wie stellen wir uns zur Sozial- demokratie? dürfen der Reichstag und die in ihm vertretenen Parteien eine bündige Antwort nicht verweigern. Jeder einzelne wird hier Farbe bekennen müssen, damit die Re­gierung und das deutsche Volk unzweideutig feststellen können, was die Reichsboten der fortschreitenden sozialrevolutionären Bewegung gegenüber nach Pflicht und Ueberzeugung zu thun gesonnen sind.

Tagesschau.

Von der Marine. Berlin, 19. Noobr. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist die II. Division des Kreuzer Geschwaders, bestehend aus