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Amtliches Grasn für StsSt- und Landkreis Tausu

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 269

Freitag » 18. November

1898

ZzEch-S.

^taöt&rei# ^anau.

Von Montag den 21. d. Mts ab wird durch Büreaubeamle der Jnvaliditäts und Altersversicherungsanstalt Hessen-Nassau zu Cassel im Stadtkreise Hanau eine außer­ordentliche QuittungskartenRevision vorgenommen, durch die festgestellt werden toll, ob die Arbeitgeber für die von ihnen beschäftigten versicherungspflichtigen Personen die erforder­lichen Beitragsmarken in zutreffender Höhe und in genügender Anzahl in den betreffenden Quitlungskarten verwendet haben.

Da für alle diesbezüglichen Unterlassungen, welche er­mittelt werden, die gesetzlich vorgesehene Bestrafung unnach- sichtlich eintreten wird, so fordere ich hierdurch auf, etwaige Versäumnisse in der Verwendung fälliger Beitragsmarken noch schleunigst nachmho'en.

Hanau am 17. November 1898.

Königliche Polizeidirektion.

P. 11612 I. V.: Dr. Becker.

^and^ret0 ^anau.

Oeianlltmachullgen des Königlichen Landrnthsamtcs.

Betrifft CinkommevstcuerveranlaMg.

Im Anschlusfe an die in Nr. 65 und 66 der amtlichen Beilage desHanauer Anzeiger" ergangene Bekanntmachung über die rechtzeitige Aufnahme des Personenstandes veranlasse ich die Herren Gemeindevorstände und Guts Vorsteher, das für die Voreinschätzung zur Einkommensteuer erforderliche Material auf Grund der ihnen im Jahre 1894 zugegangenen An leitung zur Ausfüllung her Staalssteuerliste und -Rolle und des Personenverzeichmsses mit Gemeindesteuerliste unge­säumt fertig zu stellen.

Das neue Formular zur Staatssteuerliste hat auf Anord­nung des Herrn Vorsitzenden der Bei usungskommisfron gegen das Vorjahr eine Vereinfachung erfahren. Die Unterspalten a, b u. c der Spalten 11, 14 u. 16 und die Reben palte lla der vorjährigen Liste sind sortgelaffen worden (das Formular ist ähnlich dem von 1897/98). Durch diese Ver­einfachung erläßt auch meine Verfügung vom 8. November 1897, St. 2597 (Nr. 79 der Amtl. Beilage zum Anzeiger Nr. 266 pro 1897), eine Aenderung: Es sind die unbe­stimmten und schwankenden Einnahmen, sei es aus Grund­vermögen, sei es aus Handel und Gewerbe (aus Tantiemen 2(\ ic.), lediglich einheitlich im 3jährigen Durchschnitt festzu stellen oder zu schätzen und mit diesem Betrag in die Staats­steuerliste einzutragen. Einer Angabe des für das einzelne Wirthschaftsjahr der Durchschnittsperiode sestgestellten oder geschätzten Betrages bedarf es dagegen nicht mehr.

Die sorgfältigste Ausfüllung der Spalten 8, 8a, 8b u. 8p, 9 u. 9a, 12 mache ich den Herren OrtSvorstänsen und Gutsvorstehern noch besonders zur Pflicht (vergl. auch meine Verfügung vom 12. d. MtS J. St. 2414).

In die schraffirten Spalten 6b, 10. 13, 17, 192, 22, 33b, 34a u. b, 35, 36 u. 37 sind durch den Gemeinde- (Guts-)Vorstand und durch die Voreinschätzungskommission keine Eintragungen in bewirken.

Die Herren Gutsvorsteher und diejenigen Herren Bürger­meister, welche nicht den Vorsitz in der Voreinschätzungs­kommission führen, haben die Fertigstellung soweit zu beeilen, daß die Einziehung und die gesetzlich vorgeschriebene Prüfung des Materials durch die Vor sitzen d n der Voreinschätzungs- kommissionen vom 28. d. Mts. ab erfolgen kann. Einer Verlängerung dieses Termins kann nicht stattgegeben werden, da Anfangs Dezember die Voreinschätzungskommissionen m Thätigkeit treten müssen.

Hanau am 14. November 1898.

Der Vorsitzende

der Einkommensteuer-Veranlagungskommission für den Landkreis Hanau.

J. St 3330 I. V.: Dr. Becker, Reg.-Assessor.

Dicnstiiachrichtcii aus »ott Kreise.

Gefunden: Ein schwarzer Regenschirm. Ein Zollstock. Ein grauer Herrnrock nebst Schlüssel und einem Halstuch, schwarz mit rothen Punkten. ,

Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 56 Mk. ^n= bölt. Eine goldene Broche.

Entlausen: Ein junger gelber glatth. Pinscher mit rundstehenden Ohren. ,

Zugelaufen: Ein junger weißer Foxterrier mit schwarzem Kopf, m. Geschl.

Hanau am 18. November 1898.

Ein hinkender Vergleich.

Kaum ist bekannt geworden, daß tem Reichstage eine Vorlage über den weitern Ausbau unsers Heeres unterbreitet werden wird, da sind auch schon die Gegner des Heeres auf dem Plane. Ein sozialvemokranschcs Blatt weist auf die Er­folge hin, die die Vereinigten Staaten von Nordamerika in ihrem Kriege gegen Spanien errungen haben, meint, das amerikanische Miliz-Heer habe sich besser bewährt, als das stehende Heer der Spanier und glaubt, daraus folgern zu können, daß pbe Heeresverstälkung vom Uebel sei, und daß auch wir die Miliz einführen müßten.

Es ist das eine naive Beweisführung. Der spanisch-; amerikanische Krieg war, wie auch im sozialdemokratischen Lager nicht unbekannt sein dürfte, vor allem ein Seekrieg. Der Sieg knüpfte sich deshalb an das Sternenbanner, weil die Amerikaner einem viel schwächeren Gegner gegenüberstan-1 den. Bei Cavite, wo der erste schwere Schlag gegen Spanien' fiel, hatten die Amerikaner mehrere gepanzerte Kreuzer, wäh­rend die Spanier ihnen nur Holzschiffe entgegenstellen konnten. Und bei Santiago de Cuba verfügten die Spanier zwar über gepanzerte Kreuzer, die Amerikaner aber über Panzer- Schlacht schiffe, die an Gefechtsweith die Kreuzer weit übertreffen. Zu einem Landkriege, in dem sich die Miliz kalte bewähren können, ist es nicht gekommen, denn die auf Kuba gelieferten Scharmützel waren zu unbedeutend, um als Grundlage für ein Urtheil über die Tüchtigkeit der Miliz zu dienen.

Wie man die Sache auch ansehen mag, der Vergleich mit Amerika hinkt. Die Amerikaner sind in der glücklichen Lage, zwischen sich und dem Feinde den Ozean zu haben und dadurch gegen Angriffe einer feindlichen Landarmee zu­nächst geschützt zu sein Man denke sich den Meereswall hinweg und die nach dem Miliz-System ausgerüstete Republik dem unmittelbaren Angriff einer der großen europäischen Armeen ausgesetzt. Ein Wirrwarr würde über das Staats- - wesen hereinbrechen, fast ohne Kampf würde das ganze Ge-' biet in Feindeshand fallen; würde es doch an der Zeit fehlen, auch nur die nothwendigsten Rüstungen vorzunehmeu. Der Reichthum des Landes wäre in diesem Falle lediglich dazu da, den Gegner zu verstärken.

Was müßte aus unserm Vaterlande unter den vielge­rühmten militärischen Einrichtungen Nordamerikas werden ! Umklammert von einer Welt von Feinden, von der Landseite; aus einem unmittelbaren. Einbruch in unser Gebiet ausge­setzt, hätten wir Deutschen nicht die Zeit, wie die amerikanische Republik, Wochen, ja Monate mit den nothwendigen Rüst­ungen zu verschwenden. Vielmehr müssen wir, die Waffen in der Hand, jederzeit bereit sein, den Friedensbrech^r mit überlegener Gewalt zurückzuschlagen. Im anderen Falle würden wir binnen wenigen Tagen von feindlichen Schaaren überflathet werden. Und wenn sich der Deutsche dann die Kosten besehen würde, die die ungeheuern Kriegssteue n ihm verursachten, dann würde er wohl erkennen, welch kostbaren Schatz er an seinem Heere bat. Gerade angesichts des lebten Kriegt3, der Spanien dem Uebermuthe des Siegers preisgibt, sollte jedem Deutschen die Bedeutung des Heeres klar werden. Mit seinem Heere steht und fällt Deutschlands Wohlfahrt, Macht und Ansehen. Das Heer ist das Bollwerk unserer Selbständigkeit, Unabbängigkeit und Unantastbarkeit. Es dürfen deshalb die Opfer nicht gescheut werden, es so wider­standsfähig wie möglich zu erhalten. _

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Tagesschau.

Von der Marine. Berlin, 17. Novbr. Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine ist S>. M. S.Kaiserin Augusta", Kommandant: Kapitän zur See Köllner, am 14. November in Kiautschou, S. M. S. Arcsna", Kommaudam: Korvettenkapitän mit Oberstlieute- nantsraug Reincke, gestern in Shanghai, S. M. S.Msltke", Kommandant: Korvettenkapitän mit Oberstlieutenantsrang Schröder (Ludwig), am 14. November in St. Christophers (Kl. Antillen), S. M. S.Loreley", Kommandant: Kor­vettenkapitän von Witzleben, am 15. November in Konstan­tinopel und der Reichs-PostdampferBayern" mit der Ab­lösung für die Schiffe des Kreuzer-Geschwaders, Transport­führer : Kapitän zur See Gülich, am. 15. November in Hong­kong angekommen. S. M. S.Kaiserin Augusta" wollte am 15. November und der Reichs-PostdampferBayern" gestern nach Shanghai pnd S. M. S.Moltke^ am 19. November nach St- Thomas in ^ee gehen. S. M. S. Cormoran", Kommandant: Korvettenkapitän Brussatis, ist heute von Shanghai nach Samsah und S. M. S.Schwalbe", Kommandant: Korvettenkapitän Hoepner, heute von Kapstadt nach der Mosselbay in See gegangen.

Der Abgeordnete Eugen Richter erfährt aus seiner eigenen Partei heraus immer schärfere Angriffe. In einer in Berlin abgehaltenen freisinnigen Versammlung führte der freisinnige Stadtverordnete Dinse unter Anverm aus: Er werde sich auch weiterhin das Recht nicht nehmen, lassen, als Chef der Volkspartei die Bürgerschaft wie. das liebe Stimmvieh zu kommandiren. Eine Besserung sei nur zu hoffen, wenn Richter sich eine Zeit lang zur Ruhe setzte. Die Zerrissenheit in der Partei sei noch verschärft worden durch den ganz unhaltbaren Zustand, daß ihr parlamenta­rischer Führer auch noch als Leiter einer, wenn auch unter Ausschluß der Oeffentlichkeit, erscheinenden Zeitung sichan- maßt, den Wählern in jedem einzelnen Falle seine Ansichten vorzuschreibea. Die mangelnde Einigkeit in der.Partei sei nicht in sachlichen Differenzen begründet, sondern indem allzu starken persönlichen Hervortreten."

Einen interessanten Beitrag zu dem von Sozial- demokraten geübten Streik-Terrorismus liefet t ein derPost" aus Barmen zugeschicktes Schreiben, worin es heißt:In Remscheid beabsichtigen einige Fabriken, eigene Betriebs- Krankenkassen einzurichten, wie dies vom Gesetz geradezu an­gerathen wird. Da in diesen Betriebs-Krankenkassen er­fahrungsgemäß das sozialrevolutionäre Element der Sozial- demokratie nicht eine derart einflußreiche Rolle spielen kann, nie in den sozialdemokratisch regierten Orts-Krankenkaffeo, so bat das Lokalkomitee d^r sozialdemokratischen Partei in Rem­scheid alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Gründung der­artiger Betriebs-Krankenkasien zu verhindern. Da alle Mittel nichts ausrichteten, so hat es zu dem lebten gegriffen und es durch eine geschickt in Scene geseßte Verhetzung durchgesktzt, ! daß eine Menge Arbeiter in den betreffenden Fabriken in den i Streit eingetreten sind." - Dieses Vorgehen ist allerdings beispiellos und zeugt devon, daß der Streik für die Sozial- d-mokratie lediglich ein Mittel ist, um ihre Macht auszuar- beiten und wie wenig ihr an dem Wohle der Arbeiter liegt. Daß sich die Fabrikanten durch den Streik in ihrem gesetz­lichen Vorgehen werden hindern lassen, ist durchaus nicht an- zunehmen, und so ist denn als einziger Erfolg des Streiks zu erwarten, daß er auch wieder auf Kosten der in den Streik getriebenen Arbeiter geführt werden wird und daß d-ese den Schaden haben.

Das europäische Gleichgewicht

hat jetzt am Ende des Jahrhunderts die überraschendste Um­wälzung erfahren. Frankreich, welches vor 27 Jahren durch Deutschland in ehrlichem Kampfe zu Lande völlig besiegt wurde, ist jetzt zur See, d. h. mit Hilfe der britischen Flotte mitten im Frieden in einer Weise gevemüthigt worden, daß die französische Republik mehr und vielleicht länger darunter zu leiden haben wird, als nach dem deutsch-französischen Kriege. Frankreich wird als Großmacht in der kommenden Zeit nur eine schwache Rolle spielen können. Die gesammte französi­sche Politik der letzten Jahrzehnte hat vollständiges Fiasko erlitten, man muß in Paris zu einem ganz neuen System übergehen. Mit einer Verrauutheit, die sich bis zur Idiosyn­krasie steigerte, hatten die Franzo-en nur die Feindschaft gegen Deutschland im Auge, sie dachten ausschließlich an eine Verstärkung ihrer Armee über die deutsche hinaus, obwohl das Deutsche Reich etwa 16 Millionen Einwohner nahezu wie die gesammte Bevölkerung Spaniens mehr hat. Dabei vernachlässigten die Pariser Regierung und die Kammer» die Flotte, welche zur Zeit des Kaiserreiches vor ungefähr dreißig Jahren schon so stark war, daß sie von Kennern der englischen nahezu gleichgestellt wurde. Nachdem Frankreich 1871 die Führung in Europa verloren hatte, suchte es in letzter Zeit Entschädigung dafür auf kolonialem Gebiete und erreichte damit auch greifbare Er­folge. In den Jahren 1893 und 1894, wie auch noch später, zeigte es sich in afrikanischen Angelegenheiten stärker als England, z. B. in Bezug auf die Gebiete am Tsadsee, am Schari, am Ubaugi, dem oberen Nil, am Niger u. s. f. Damit hatte man aber das englische Selbstgefühl aus's Aeußerste verletzt, in London brütete man seitdem auf Rache. Eine der angesehnsten englischen Militär-Fachzeitschriften gibt diesem Gefühle in folgendem Satze Ausdruck:Wir unserer­seits wünschen keinen Krieg, aber wir können den Verlust des Prestige voraus sagen, welches für Frankreich durch seine flatterhaften Angriffe auf uns und seine verbitterte Politik in Egypten anwuchs". Trotzdem war die Verblendung in Frankreich so groß, daß Anfang 1896 das Kabinet Bourgeois Anschluß an England suchte, als dies in einem scharfen Gegensatz zu Deutschland gekommen war. Jetzt ist es den französischen Politikern mit einem Male greifbar vor Augen geführt worden, wer ihr größter und rücksichtslosester Gegner in den über-