Einzelbild herunterladen
 

Die einzelne

Nummer kostet

10 -A

Nr. 266 vSSB®^*!

Abonnements» Preis:

Jährlich 9 <46. tzalbjährl. 4 ^ 50 ^.

Vierteljährlich

2 <44 25 ,

Für auswärtige Abonnenten mit dem betrefsenden Postaufschlag.

Zugleich U

Amtliches Organ für 5faöf~ unö Lanölireis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Montag toi 14. November

Einrückungs- gebühr

für Stadt- und Land­kreis Hanau 10 ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswäris 15 ^.

Im Reklamcnlheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.

B»a^

Diellstuachriihtkn aus dem Kreise.

Gesunden: Ein braunledernes Portemonnaie mit weißem Bügel, mit etwas Geld und einem Manschettenknopf. Ein rothledernes Portemonnaie mit Inhalt und ein kleines schwarz und gelbes Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein grüner Filzhut nebst einer Guitarre. Ein Dolch mit braunem Horngriff.

Zugelaufen: Eine weiß und graue Gans.

Verloren: Ein schwarzer Herrnregenschirm mit Bern­steingriff, einen Hundekopf darstellend.

Hanau am 14. November 1898.

Zur Heimkehr.

Unser Kaisetpaar hat am 12. November das heilige Land verlassen und die Heimfahrt nach den deutschen Gestaden der- Nordsee angetreten. Nur mit der größten Befriedigung- können wir auf die Palästinafahrt zurückblicken, und sie wird noch fortleben bei den nachkommenden Geschlechtern als eine glänzende That zur Ehre des Christenthums und des deutschen Namens I !

Wie jede große Unternehmung hat auch diese viel Neid! und Mißgunst wachgerufen. Was sind der Kaiferreise nicht alles für geheime Absichten untergeschoben worden! Bald sollte sie der Beginn eines neuen großen konfessionellen - KampfeS sein, bald rein politischen Zwecken, wie der Er­werbung eines syrischen Hafens oder der Aufstachelung des Sultans gegen die Kretamächte dienen. Von den bösen Voraussagungen ist keine eingetroffen, und gerade daß unser! Kaiser bet der Reise nach dem heiligen Lande den Charakter einer Kreuzesfahrt im wahren Geiste des Christenthums fest-! hielt, trug wesentlich mit zu dem großen unbestrittenen Er-! folge bei.

So konnte er sich als treuer Bekenner seines protestantischen Glaubens zugleich als mächtiger Schirmherr seiner katholischen Unterthanen erweisen, um die französischen Ansprüche aus ein Protektorat über deutsche Katholiken und katholische Anstalten in Palästina ein für alle Mal zu nichte machen. Nicht eine Störung, sondern eine Stärkung des konfessionellen Friedens im Reiche bringt er mit heim. Die Sympathien schließlich, die unser Kaiser, wie kaum ein abendländischer Herrscher vor ihm, bei den Muhamedanern zu wecken verstand, sind ein politischer Gewinn für das deutsche Reich, dessen Ansehen im Orient damit bedeutend gewachsen ist. Ost sind moralische Eroberungen stärker und nachhaltiger als materielle, und schon die Thatsache, daß der deutsche Kaiser trotz mancher beun­ruhigenden Erscheinung in der europäischen Politik die Wall­fahrt nach dem heiligen Lande unternahm und durchführte, hat als Beweis sicherer Kraft und Gottvertrauens auch im! Auslande hohe Achtung eingeflößt.

feitiUeton.

Dir chinesische Semiramis.

Wer ist die Frau, welche seit mehr als 37 Jahren China regiert und diese ihre Regentschaft trotz oller Gefahren, aller Wirren im Lande mit drei Staatsstreichen behauptet hat? Kann man sie mit der zauberischen Kleopatra vergleichen oder mit der englischen Elisabeth? Man wird sie die chinesische Semiramis nennen müssen. Die Diplomaten der europäischen Großmächte, welche in Peking beglaubigt sind, kennen sie seit Jahren, die Kaiserin-Wittwe von China und die Geschichte ihres Lebens. Aber die Diplomaten schweigen, denn noch thront die kluge, energische Frau aus ihrem lacknten Arm- stuhl, noch hält sie den Stab aus Elfenbein als Zeichen ihrer Mccht in Bänden. Aber trotzdem sind allmählich Nach­richten über sie und den Zusammenhang ihres Wirkens mit den Ereignissen bekannt geworden, und diese Nachrichten sind inten ffai t genug, um den Dichtern reichen Stoff zu Romanen und Dramen au3 dem entschleierten Reich der Mitte zu geben. Wir wollen die Nachrichten zusamv erstellen, damit das Bild dieser Herrscherin dem Verständnisse der Mitwelt naher gerücki werdet _ ,

Als im Sommer 1861 die Truppen Frankreichs und Englands das chinesische Heer bei Palikoo schlugen und ihr Führer General Cousin-Montaulan Peking besetzte, die Kaiserliche Residenz ausplünderte und so für sich auch den HerzogStitel ersiegte, floh der Kaiser Hien-Fong ins Innere seines Reiches und starb am 22. August. Er hinterließ eine Kaiserliche Wittwe, die aber kinderlos war, und eine Neben- ftou, welche ihm einen Sobn geschenkt hatte. Diesen Sohn bestimmte der sterbende Kaiser alS Thronfolger und setzte eine Regentschaft für daS Kind ein, an der die Kaiserin-Wittwe,

Während der Heimreise duich das Mittelländische Meer um Spanien herum und durch den Aermelkanal nach der Elbemündung werden voraussichtlich noch verschiedene Hafen zur Einnahme von Depeschen, Kohlen rc. angelaufen werden, aber keine offiziellen Veranstaltungen stattfinden, da der offi­zielle Theil der ganzen Reise am 12. November abgeschlossen wurde und vom Mast der Hohenzollern der Inkognito- wimpel weht. Mit innigster Dankbarkeit grüßen wir unsern kaiserlichen Herrn, der auch jetzt wieder Mehr er des Reiches war, semper augustus, und wünschen ihm mit der er­lauchten Gemahlin Glück und Heil zur Heimfahrt!

Zu dem Kaiserbesuch in Syrien, der nun zu Ende gegangen ist, muß noch Folgendes nachge­tragen werden:

Beirut, 11. Novbr. Ueber den Ausflug nach Baalbek hat das Kaiserpaar sich ungemein befriedigt ausgesprochen. Dort wurde heute Morgen die vom Sultan gestiftete Er­innerungstafel feierlich enthüllt. Diese besteht aus einem Marmorstein, der mit dem deutschen und dem türkischen Wappen versehen ist und folgende Inschrift in deutscher und türkischer Sprache enthält:Abdul Hamid II.,' Kaiser der Ottomanen, seinem erlauchten Freunde Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen, und der Kaiserin Augusta Viktoria zur Erinnerung an die gegenseitige unwandelbare Freundschaft und den Besuch der Kaiserlichen Majestäten in Baalbek im November 1898". Das bisherige Palästina- Hauptquartier ist nunmehr aufgelöst worden. Es heißt hier, der Kaiser werde bereits am 26. November in Brunsbüttel eintreffen und am 27. den Reichstag eröffnen. DieHertha" geht direkt nach Genua. Sämmtliche Türken, hoch wie niedrig, können nicht genug die gütige und gnälige Art des Kaiser­paares hervorheben; sie find ganz entzückt von ihnen.

PMWche rmv rmpoMische Rach^chkr^.

(Bepescheu'ÄÄre«» .Herolds)

Berlin, 13. Novbr. Im Staatsministerium fand ge­stern die bereits angekündigte Verhandlung über die kulturelle Hebung des Ostens statt. Finanzminister Miquel leitete die Sitzung. Die Verhandlungen waren von mehrstündiger Dauer und wurden abends zum Abschluß gebracht.

Hambnrg, 13. Novbr. Die nun abgeschlossene Samm­lung für das Bismarck-Denkmal weist an eingegangenen Beiträgen eine Geldsumme von 441,417 M. auf.

Friedrichsruh, 13. Novbr. Es steht nunmehr fest, daß die Beisetzung des Fürsten Bismmck nicht am 27. ds. stattfinden kann. Wahrscheinlich wird sie bis Neujahr ver­schoben.

die Mutter des Sohnes, zwei Prinzen und der Mandarin erster Klaffe Sang-Tchi Theil hatten. Ein geheimes Testa­ment gab aber der Kaiserin-Wittwe alle und ausschließliche Gewalt, sobald ihr das nothwendig erscheinen sollte. Diese Kaiserin-Wittwe war eine sanfte, tugendhafte Frau, die nur wenig nach Macht begehrte und in ihrem Palast ein stilles Leben führte, die Erziehung deS jungen Kaisers und den Vor­sitz in der Regentschaft der Mutter Tschun-tschihS, des jugend­lichen Kaisers, überlassend. Anders diese Frau, die jetzt re­gierende Kaiserin-Wittwe, welche nach stren-em Recht niemals Kaiserin und, wenn auch verwittwet, niemals Wittwe war. Diese Frau war von Anfang an entschlossen, China, selbst und allein zu regieren. Schön, heißblütig, verschlagen und skrupellos in der Wahl ihrer Mittel, fand fie bald einen Bundesgenossen und vertrauten Freund an dem Prinzen Kong, der erst durch sie, dann neben ihr herrschte, bis sie sich auch dieses Rivalen entledigte. Mit der Regentschaft war man bald fertig. Als die Prinzen und ihr Mandarin von der Beisetzung des Kaisers zurückkehrten, wurden sie angeklagt, die wichtigsten Zeremonien für das Seelenheil deS Todten verletzt zu haben, und nach kurzem Prozeß enthauptet. Nun regierten Prinz Kong und die Mutter des Kaisers, und nur die meist sehr begründete Eifersucht Beider störte den Frieden dieser Regentschaft. Einen Ober-Eunuchen der Regentin sandte Prinz Kong in die Provinz, wo er das Unglück hatte, ermordet zu werden. Die Regentin schwieg, bis eines Tages Prinz Kong sich verhaftet sah. Schon am nächsten Tage ober setzte die kluge Dame den klugen Freund nach dieser Warnung in seine Würden wieder ein. Sie brauchte ihn noch als Rathgeber. Einmal aber sollte sie doch eine De­müthigung erfahren, wie sie noch kein Dichter dramatischer und vornehmer in der Aktion ersonnen hat.

Kaiser Tschun-tschih war großjährig geworden. Der ge- sammte Hofstaat, alle Prinzen, die Mutter des Kaisers und'

Wien, 13. Novbr. Der Kaiser verlieh dem königlich sächsischen Hofrath und Kammermusik-Direktor Ernst Schach den Arelsstaud mit dem Prädikat Edler.

Wiener Neustadt, 13. Novbr. Die große Baumwoll­spinnerei Halnisch in Nadelsburg ist total niedergebrannt. Der Scbaden beträgt mehrere Hunderttau!end Gulden.

Turin, 13. Novbr. Ein vom 4. Bersaglieri-Regiment desertirter Soldat theilte brieflich der Militärbehörde mir, daß er Anarchist sei und nunmehr gegen den Prinzen von Neapel ein Attentat verüben werde.

Mailand, 13. Novbr. DerSccolo" meldet, daß die bekannte Tänzerin Otero aus Monaco ausgewiesen worden sei, weil die Fürstin auf sie eifersüchtig sei.

Paris, 13. Novbr. Privatnachrichten aus Coyeune beliebigen entgegen den amtlichen Meldungen über den Zu­stand Dreyfus, daß dieser dem Wahnsinn nahe sei. Cavaignscs langes Verhör brächte nicht die geringsten Be­weise für die Schuld Dreyfus, sondern nur persönliche An­sichten, auf die txr Kassationshos kein Gewicht legen kann. Die Aufhebung des Dreyfus Urtheils ist zweifellos. Von der deutschen Botschaft wird versichert, daß die Entschuldigung Delcasse's wegen der Hineinziehung der Tochter des deut­schen Botschafters in die Dreyfus-Affaire spontan erfo-gte.

Kanea, 13. Novbr. Die hiesige Stadtverwaltung hat für den festlichen Empfang des Prinzen Georg von Griechen- lcnd 4060 Francs ausseworfen. Von den christlichen Ein­wohnern werden große Festlichkeiten vorbereitet.

Beirut, 13. Novbr. Die in den Ruinen von Baal­beck enthüllte Gedenktafel wurde nur provisorisch aufgestellt. Sie erkält ihren eigentlichen Platz, den Kaiser Wilhelm selbst angegeben hat, im Innern des Jupiter-Tempels in Boalbeck. Dort that der Kaiser den ersten Spatenstich zum Unterbau, der auf Befehl des Sultans sofort ausgeführt werden soll. Auch besuchte der Kaiser unter Führung des Profeffors Moritz den Venustempel in Baalbeck. Der Professor erhielt ein Bild des Kaisers mit deffen eigenhändiger Unterschrift. Die hohen türkischen Würdenträger wurden auf dieHohen­zollern" zur Tafel ein geloben. Hierbei schenkte der Kaiser Cawphöoener Pasch sein Bild im Reisekostüm mit eigenhän­diger Unterschrift. Ein zweites Bild übergab er dem Pascha für den Sultan, nachdem der Kaiser eine Widmung uno die Worte: Jerusalem, Damaskus, Baalbeck darunter ge- schrieben hatte.

Ein Urtheil über die Armenier.

In derHilfe" schreibt der bekannte national-soziale Pfarrer Friedrich Naumann über seine Eindrücke in Konstan­tinopel und namentlich über die dortige Beurtheilung der Armenier u. a. folgendes;

die stille, sanfte Kaiserin-Wittwe nahmen an der Huldigung theil. Als nun Alles versammelt war, zog die stille, sanfte Kaiserin-Wittwe das Geheimtestament ihres Gemahls, das im Nothfalle ihr und nur ihr allein alle Macht gab, hervor, ver­las es und warf eS mit dem Rufe:Das ist nun nicht mehr nöthig," in die Gluth eines Heizbeckens. Lange hat weder die Kaiserin-Wittwe noch der großjährige Kaiser diesen Vorfall überlebt. Sie war schon immerkränklich" und er erlag den Ausschweifungen, denen er sich hingab.

Am 13. Januar 1875 starb Kaiser Tschun-tschih und in der folgenden Nacht vollführle seine Mutter den zweiten Staatsstreich. Sie ließ den vierjährigen Sohn einer ihrer Schwestern, die an einen Prinzen vierten Ranges verhei- ratyet war, aus dem Bett holen, legte ihn in das Bett des eben verstorbenen Kaisers, rief die Garden und die Manda­rinen zusammen und ließ dem kleinen Kinde huldigen. Prinz Kong, deffen ältester Sohn das Thronerbenrecht hatte, erfuhr den Vorfall erst, nachdem der neue Kaiser in Peking proklamirt war. Kaiser Tai-t-sten, der jetzige Kaiser, war nun wieder ein unmündiges Kind, und seine Tante behielt Reichssiegel uns Herrschaft. Wohl aber war sie genöthigt, sich einen anderen männlichen Gehilfen ihrer Herrschaft zu suchen, denn Prinz Kong, der Vater des um den Thron geprellten Sohnes, mochte ihr jetzt gefährlich scheinen. Ihr neuer Berather war Europa kennt ihn Li-hung-Tschang. Unter seinem Schutze konnte man den Prinzen Kong im Scheine seiner Würden lassen, bis man im Jahre 1884 einen Anlaß fand, den Jugendfreund und Mitverschworenen der Regentin zu degradiren und ganz un­schädlich zu machen. Das Jahr 1895 und der Krieg mit Japan gefährdeten und erschütterten die Herrschaft der Regentin. Sie mußte Li-hung-Tschang nach dem Frieden von Siwonoseki auf eine Reise um die Welt schicken, damit der Vertraute vor den Nachstellungen seiner Feinde geschützt