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für Stadt- und Ba* keis Hanau 10 ^ H» ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, fü»
Auswärts 30 ^.
^. Amtliches Krgsn für HtsSi- unö Lanökreis Hanau.
10 ^ Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Nr. 261
Dienstag den 8. November
1898
Kmtiich««.
^anöftreie ^anau. AekaalltmachLUgen des Königlichen Landrathsamtcs.
Der Kreistag wählte in seiner heutigen Sitzung:
a. zu Mitgliedern der Landwirthschaftskammer:
1. Gutsbesitzer Wilhelm Koch- Bruderdiebacherhof,
2. Landwirth Peter Stein-Hochstadt,
3. Gutspächter Rudolf W i t t m e r - Dottenfelderhof,
b. zn Schiedsmännern bezw Schiedsmanns- Stellvertretern:
1. Bürgermeister Geibel - Kesselstadt,
2. „ Haupt- Niederrodenbach,
3. Gemeinderechner Göbel- „
4. Bürgermeister Schneider-Roßdorf,
5. „ Köppel-Mittelbuchen,
6. „ Hofmann- Niederdorfelden,
7. Landwirth Ludwig Grüner III.- Oberdorfelden,
8. Bürgermeister Hofmann-Hüttengessß,
9. „ H aldp- Neuwiedermuß,
c» zn Mitgliedern des Vorstandes der Kreis- sparkafse:
1. Hauptmann a. D. von Buttlar-Hanau als stellvertretenden Direktor,
2. Kreis aus schuß- S ekretär Roese- Hanau und
3. Bürgermeister Grün- Großauheim als Beisitzer, zu Stellvertretern: Fabrikdirektor Dr. Hoffmann - Mainkur und Bürgermeister Reul-WindecktN,
d. die seitherigen Mitglieder des Kreisansfchnfses Bürgermeister Reul Windecken und
„ Eb er t- Bischofs heim wurden auf weitere 6 Jahre wieder gewählt.
Sodann wurde beschlossen, die Zustimmung zur Heranziehung verschiedener Sachverständiger zur Flurabschätzung während des Kaisermonövers 1897 nachträglich zu ertheilen und den Zinsfuß für Spareinlagen (Kreissparkasse) vom 1. Januar 1899 ab bis auf Weiteres auf S^lo festzusetzen. Der Wegebauetat für 1899/1900 wurde begutachtet und zum Betrage von 67 000 Mark festgesetzt.
Hanau am 7. November 1898.
Der Königliche Landrath.
A. 4209 v Schenck.
DievstmchrWen aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Fünfpfennigstück, in der Post liegen geblieben. Ein Messer.
Verloren: Ein Allgemeines Ehrenzeichen.
FerrUtetsir
Schmuck und Mode.
Der kunstsinnigen Damenwelt gewidmet von
Wilhelm Siebrecht, Juwelier in Konstanz.
Der Aufschwung, den im letzten Jahrzehnt besonders in künstlerischer Hinsicht fast alle Erwerbs- unv Industriezweige genommen, das Bestreben, sich vom Ausland unabhängig zu machen, ist wohl am spätesten in der Goldwaaren- und Schmuckbranche in Erscheinung getreten. Es war auch nicht gut anders möglich: denn diejenigen, welche pekuniär in der Lage waren, höhere Summen für den eigenen Schmuck ausgeben zu können, huldigten zumeist dem Grundsatz, kostbare Steine zu tragen, „die immer ihren Werth behalten", die man in möglichen Zeiten des Mangels immer wieder mit Leichtigkeit zu Geld machen könne, während ein durch die Art seiner Ausführung kostbares Stück im Allgemeinen nur für den Liebhaber, den Kenner einen Geldwerth repräsentirt. Einer unserer ersten Juweliere sprach eS aus, daß er leichter einen Edelstein, eine Perle für 1200 Mark verkaufe, als etwa ein Kollier im gleichen Preise, dessen Werth nicht lediglich im Material, sondern hauptsächlich in der kunstvollen Ausführung liegt. Und so hat man Damen aus den wohlhabendsten Kreisen unechten Schmuck tragen sehen, oder an Stelle von Goldschmuck Schleifen und Spitzen.
In neuerer Zeit aber ist höchst erfreulicher Weise eine Wendung im Geschmack eingetreten, die die tonangebenden Kreise der Juweliere auf den Plan ruft und den Künstlern unter ihnen erlaubt, ihrer Phantasie Raum zu geben, ihr künstlerisches Können voll zu entfalten. Es wird bald genug in dem kauffähigen Publikum die Anschauung durchgedrungen
«Vom Wasenmeister eingefangen: Ein gelber M»pS in der Hand deutscher Seekönige wurde einst der Handel der m. Geschl. Ein Foxterrier, weiß mit gelben Flecken, m.; Welt zusammengefaßt, und hoffentlich wird die Zeit wieder- ■ kommen, wo wenigstens ein Theil der Macht, der unS durch
Geschl.
Entlaufen: Ein gelber Affenpinscher mit Halsband, m. Geschl.
Hanau am 8. November 1898.
Woher der Neid?
Der bisherige glänzende Verlauf der Palästin«fährt des deutschen KaiserpaareS muß jeden Deutschen mit lebhafter ; Befriedigung erfüllen. Die rednerischen Kundgebungen Kaiser ■ Wilhelms in Jerusalem athmeten den Geist des Friedens und der Versöhnlichkeit, so daß jetzt auch im Auslande das Ge- rtbe, der Monarch habe die Reise nicht ohne Eroberungs-> Gelüste und politische Hintergedanken angetreten, allmählich verstummt ist. Wenn ausländische Blätter trotzdem fort-! fahren, die Reise Kaiser Wilhelms Bit mißgünstigen Bemerkungen zu begleiten, so geschieht es, weil sie fürchten, Deutschlands Handel und Industrie könnten dadurch im Orient einen neuen Aufschwung nehmen und noch mehr als bisher die wirthschaftlichen Mitbewerber inS Hintertreffen bringen.
Gerade Deutschland wird ein wirthschaftlicher Vortheil am wenigsten gegönnt. Noch immer wird der Devtsche in weiten Kreisen des AuslandeS als der Emporkömmling betrachtet, der in seine heutige Weltstellung gar nicht hinein- gehöre. Man scheint sich in der Fremde nicht an die große Wendung von 1866 und 1870 gewöhnen zu wollen. Noch immer träumt man von der seligen BundeStagszeit, wo man die Deutschen mit dem alten Schlagwort der „Nation der Dichter und Denker" glücklich eingelullt glaubte. Wir sollten auf geistigen Gebieten forschen «nd arbeiten, aber den Welt
markt dem Ausländer überlassen. Selbst im Jnlande sollten
wir die Abnehmer ausländischer Waare bleiben. Das Aus-: Die französischen Blätter erörtern die "Sprache SalisburyS land hat freilich in dieser Hinsicht mit uns bittere Erfahr- im Mansion-House und der englischen Presse weiter und er- ungen machen müssen. Die deutsche Industrie und das hären, die Räumung Fa chodas erweise nichts Anderes, als deutsche Gewerbe haben zunächst den innern Markt zurück- daß Frankreich sich einer Macht gegenüber befinde, deren erobert und haben dann den wirthschaftlichen Wettkampf auf Feindseligkeit deutlich zeige, daß Frankreich entweder auf seine feindliches Gebiet verlegt. In dem Deutschen ist dem Aus- Kolonien verzichten oder deren Vertheidigungsmittel durch lande ein thatkräftiger Konkurrent erwachsen. ein großes Kolonialherr und eine gut befehligte Marine
Das Ausland ahnte eben nicht, welch ein Kaufmann in dem einst so verackteten deutschen Michel steckte. Freilich, hätte man sich die Mühe gezeben, in unserer Geschichte nach- zuschlagen, dann würde man gesehen haben, was das deutsche!
gramm meldet:
_ . ...... , London, 7. Novör. Die Rüstungen werden jetzt mit
Bürgerthum zur Zeit der Hansa bedeutete, würde herausge- doppelter Energie betrieben. Wie die Korreipondent-n aus fühlt haben, daß starke Fähigkeiten eines Volkes, wie des den Flottenarsenalen melden, scheint es zweifellos, daß die unsrigen, wohl eine Zeit lang in Schlummer gewiegt, aber gesammte britische Flottenmacht in Kriegszustand versetzt nicht unterdrückt werden können. Vor der Flotte der Hansa werden soll. Der Hötzstkommand rende der Landtruppen der zitterten einst die Könige des Nordens auf ihren Thronen; westlichen Distrikte, Generallieutnant Sir Forestier Walker,
sein, daß es unfein ist, lediglich auf das kostbare Material an sich Werth zu legen: ein wirklicher Schmuck muß auch ein wirkliches Kunstwerk sein!
Der Umstand, daß in neuerer Zeit es wieder mehr und mehr zum guten Ton gehört, Schmuck zu tragen, ist eigentlich ein Beweis für die Gesundheit und Lebensfreudigkeit der Nation, für unsere guten Verhältnisse im Allgemeinen. Ein trauriger, ssrgenbelasteter Mensch trägt kein Begehr, sich zu schmücken: wer aber froh ins Leben schaut, wer in treuer Pflichterfüllung arbeitet, hat auch ein Recht darauf, in den frohen Stunden sich zu schmücken, sich selbst und Anderen zur Freude und zum Wohlgefallen. Und wie reizvoll ist es nicht, wenn schöne Augen mit den glitzernden Steinen um die Wette strahlen!
Aohenastheim.
Eine Aepfelwein-Studie.
Die Rebe, deren Laub im Rheingau alle sonnigen Berghänge schmückt, schwindet schon bald aus dem Vordergründe der Landschaft, wenn der Wanderer vom Rheine aus seine Schritte dem schönen unteren Maingan zulenkt. Hinter Hochheim, wo die Rebe noch ein Mal wie zum Abschiede einer der edelsten Weine spendet, tritt der Weinbau nur noch vereinzelt auf. Sowohl auf der Höhe des Taunus, wie im ranzen Gebiete des untern Mainstromes, auch noch bis weit über die weinfrohen Städte Klingenberg und Miltenberg hinaus, trinkt das Volk hauptsächlich Apfelwein. Auch in ganz Württemberg, bis fast zum Bodensee, ist sein Genuß ebenso beliebt, wie in einzelnen Bezirken des Hunsrücks und des Elsaß. Fast überall sieht der Wanderer in diesen Gegenden zur Frühlingszeit die Felder mit blühenden Apfelbäumen besetzt und namentlich die Umgebung von Hanau und Frankfurt
eine traurige Verkettung von Umständen entriffen wurde,
wieder zu uns zurückkehrt. Wir wollen in der Welt den freien Wettbewerb aller Mächte, wir würben nie die Harro dazu bieten, eine andere Nation wirthschaftlich zu ächten und Hintanzusetzen, aber wir müssen verlangen, daß man unsere berechtigten Interessen überall achte und ihren Lebensnerv nicht durchschneide.
In den Augen vieler Ausländer freilich sollen wir ja, wie wir sahen, überhaupt keine überseeischen wirthschaftlichen Interessen haben, sondern foUtn uns mit einem stillen Binnen- Dasein begnügen! Und darauf laufen auch der Widerstand und der Neid hinaus, dem wir Deutschen überall begegnen. Aber unsere Widersacher werden Enttäuschungen erleben. Eine aufstrebende Macht, wie das Deutsche Reich, läßt sich nicht mehr beiseite schieben! Schon die Rücksicht auf unsere beständig zunehmende Bevölkerung zwingt uns, neue Absatz- Gebiete zu suchen und diese im wirthschaftlichen Wettbewerbe zu behaupten. In dieser Hinsicht hat uns das Wort, das der Kaiser bei der Eröffnung des St ttiner Freihafens sprach: „Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser!" die rechten Wege gewiesen.
So verfolgen wir denn mit freudigem Herzen die Kaiserreise, die uns gegenüber dem Neide d s Auslandes wie ein Spabol der wiedererstandenen Macht Deutschlands zur See erscheint. Alle Anfeindungen werden uns nicht von dem einmal, betretenen Wege abschrecken.
Verschärfung der politischen Situation.
Trotz der Beilegung des Faschodastreites wird die Lage offenbar nicht friedlicher, sondern die Gegensätze spitzen sich zu.
ein großes Kolonialherr und eine gut befehligte Marine
reorganisiren müsse. — Inzwischen werden die englischen Rüstungen eifrig fortgesetzt, wie nachstehendes Londoner Tele-
gewährt dann mit ihren tausend und aber tausend Blüthen" bäumen einen prachtvollen Anblick.
Es ist ganz erstaunlich, welche Mengen von Aepfeln man dort in guten Obstjahren erntet. Noch bei weitem mehr Aeofel bringen die stillen Thäler des Taunus, des Huns- rück, der Wetterau und des Spessart hervor. Es handelt sich dabei meistens nicht um Tafelobst, sondern um saft- reiche Früche, die zur Bereitung von Aepfelweiu benutzt werden. Auch die Früchte von Wildlingen verwendet man dazu.
Die besten „Lagen" dieses allgemein viel zu wenig gewürdigten Getränkes sind in Sachsenhausen, dem links- mainischen Stadttheile von Frankfurt a. M. Hier befindet sich eine ganze Anzahl Apfelwein-Keltereien, deren Erzeugnisse in alle Länder versandt werden. Aber sie sind es nicht, die den einheimischen Aepfelweintrinker anlocken. Der sucht vielmehr den von den Sachsenhäuser Gärtnern gekelterten, nur ein Jahr haltbaren Apfelwein, der, ohne vorher geschönt zu werden, nach der vollendeten Gährung gleich vom Faß weg verzapft wird. Unermüdlich folgt er hier den Spuren des besten „Stoffje", wie er den Apfelwein nennt, und die Frage: „Wo wird frisch ang'stcckt?" ist ihm weit wichtiger, als alle politischen »der sozialen. Die alten Apfelweinstuben des eigentlichen Frankfurt, von denen eine seit mehr denn 110 Jahren besteht, ziehen den Frankfurter Spießbürger weniger an, denn seinen „Aeppelwei" trinkt er nur „tribb der Bach" (über dem Main), in Sachsenhausen. Und an Gelegenheit dazu fehlt es dort nicht, denn an gar vielen Häusern dort hängt der grüne Kranz heraus, namentlich im Sommer, wo man „Alten", und im Winter, wo man „Rauschen" genießt. „Rauschen" nennt man den noch nicht völlig ausgegohrenen^ leicht musstrenden neuen Apfelwein, in dem noch die Kohlen- fäure^bitzelt" (in der Schweiz in demselben Sinne Suser von Sausen). Der Kranz über der Thür deutet an, daß in