Einzelbild herunterladen
 

ÄsBeweatJ« Preis:

MÄich 9 *

MeMjHrM S M 25 ^

Wc auSsärtige Äsenden mit da» öÄMffendm W-Kauftchlsg.

Die einzetne R^mer kostet 10 ^

-inrückong».

gebier

'ür Sradt- «ab Lastd- krriS -genau 1V ^ die ^gespaltene Garmond- zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^

Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für

Auswärts 30 ^.

AmiKches Argnu für Hkaök- unS LsnöKrers Hanau.

MscheiKt täglich mit AssKahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 256, Mittwoch W 2. November

Kflswe«MlW8KBfl@BS3®^ttl^^'»;5®SiS9$SB^ä^^^

1898

AMMchM. ^tadt^rei^ ^anau.

G.-kMAMKchMMV M VbeMrgekMeisteraMtes-

Bekanntmachung.

Durch Beschluß vom 20. September d. Js. sind nach­benannte Straßen wie folgt bezeichnet worden:

1) Straße durch den Körncr'jchtn Bleichgarten im An­schluß an den SandeldammSandeldamm",

2) die sogenannte Maulbeerallee vom Sandeldamm bis zum EisenbahndammMaulbeerallee",

3) die Straße Nr. 17Müdithorweg",

4) die Straße Nr. 12Rhönstraße".

Hanau den 29. Oktober 1898.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 16398

Dieuftachrichta Ms dem Kreise.

Verloren: Ein graues Kinderrädchen, mit brauner Kordel besetzt.

Zugelaufen: Ein weißer Foxterrier mit gelbem Kopf und Halsband, m. Geschl.

Zugeslogen: Ein Kanarienvogel.

Hanau am 2. November 1898.

Das Fest in Jerusalem.

Der erhebende Akt der Einweihungsfeierlichkeit in Jeru­salem nahm nach den vorliegenden näheren Nachrichten einen überaus wirkungsvollen Vwauf. Insbesondere machte die Ansprache, welche der Kaiser dem offiziellen Festprogramm folgen ließ, auf alle Theilnehmer der denkwürdigen Feier einen nachhaltigen Eindruck. Die bedeutsamen Vorgänge dieses Tages schildert folgender Bericht:

Jerusalem, 31. Qktbr. Die Kolonisten von Jaffa prophezeiten gestern Witterungswechsel, bei unserer Abfahrt von dort lag denn auch dichter Nebel über der Landschaft. Doch durchbrach die Sonne bald wieder leuchtend den grauen Schleier. Beim schönsten Wetter erreichten wir Jerusalem. Um das reichgeschmückte Einzugsthor wogten große Menschen- maffen und wälzten sich dem Kaiserlichen Zeltlager zu. Dieses liegt in der Nähe des deutschen Konsulats. Es be­deckt einen mächtigen, von Oliven bestandenen Platz, der von Militärposten bewacht wird. Das prächtig geschmückte Kaiser- zelt ragt weithin sichtbar hervor. Der Kaiserliche Zug war ebenso zusammengesetzt wie gestern beim Abritt aus Jaffa, nur daß diesmal eine Eskadron des RegimentS Erthrogul die Spitze bildete. Ein prachtvoller, durchaus wolkenloser Himmel prangt über Jerusalem zum heutigen großen Feste, gleichzeitig brennt allerdings auch schon in den frühesten Morgenstunden die Tropensonne auf die in den Straßen zu­sammenströmenden Massen hernieder, die in der Richtung zur Erlöserkirche sich bewegten. Dorthin begab sich auch bald nach acht Uhr der imposante Zug der Johanniter und Geist­lichen mit ihren Damen; außer der Johanniter- waren alle möglichen andern Militär- und Stände-Uniformen in dem Zuge vertreten. Vielfach hatten ältere Herren mit reichen Ordensdekorationen zum Schutz gegen den entsetzlichen Staub leichte, weiße Staubmäntel umgehängt. Langsam bewegte sich der Zug durch die Unterdessen durch Militärspalicr theilweise abgesperrten Straßen. Lange dauerte es, bis die Johanniter und Geistlichen, sowie die übrigen Gäste, die besondere Karten zur Feier erhalten hatten, ihre Plätze in der Kirche eingenommen hatten. Vor dem Hauptportal sammelten sich inzwischen die zum Empfang des Kaisers bestimmten Herren der Geistlichkeit von Jerusalem, Bethlehem und Jaffa, an der Spitze der hiesige Pastor Hoppe. Jeder von ihnen trug ein silbernes Abendmahlgeräth in der Hand. Ihnen schloffen sich an Oberbaurath Adler, der auf rothsammetnem Kiffen den bronzenen Kirchenschlüssel in Bereitschaft hielt und Bau­meister Orth. Neben diesem stand der ehrwürdige General- superintendent Dryander, der fein weißes Haupt unbedeckt ließ. Hierzu kamen Excellenz Barkhausen, Superintendent Faber, Minister Dr. Bosse und zwei englische Bischöfe, deren einer einen silbernen Bischosstab trug, während der andere einen wurderbar bunten, gelbseideren Mantel mit grün ge- randeter Spitze angelegt hatte. Mehr und mehr fußt sich der Platz vor dem Haupteingang. Die geladenen Geistlichen aller protesantischen Länder treten hinzu, sowie unter Führung ihres Ordenskanzlers Geheimraih v. Levetzow sechs Johonniter- ritter. Mit klingendem Spiel naht sich nun das Matrosen- kommando der deutschen Kriegsschiffe. Neben dem Musikkorps derHohenzollern" schwenkt zunächst der Kirchenthür die

türkische Kompagnie ein, gleichfalls mit einem Musikkorps. Um 9V* Uhr beginnt das Geläut der Kirchenglocken. Die Türken schlagen den Präsentirmarsch, die deutsche Kapelle fällt ebenfalls ein. Das Kaiserpaar naht sich. Zuvor wird noch schnell von Türken die zur Kirche führende Straße mit Palmen bestreut. Fünf Minuten vorher hatte das Kaiserpaar wegen der stufenweis abfallenden Straße Pferd und Wagen Verlusten. Nun schritt es zu Fuß heran. Kaiser Wilhelm in der Gardes-du-Korps-Uniform, einen weißen, orange- gestreisten, seidenen Staubmantel über die Schultern gehängt. Der Küraß, über welchen das Band des Schwarzen Adler­ordens läuft, blitzt ebenso wie der silberne Adlerhelm prächtig im Sonnenscheim Stolzen Schrittes schreitet Wilhelm II., der mächtigste Schirmherr des protestsntischen Glaubens, ein- Herr, neben seiner hohen Gemahlin, welche eine weiße Seiden- robe mit schwarzer, goldgestickter Taillen-Verzierung und das Orangeband des Schwarzen Adlerordens über die Taille, so­wie reichen Juwelenschmuck angelegt hatte, sich gegen die brennenden Sonnenstrahlen durch einen an dem Hellen Hat befestigten Tropenschleier und einen gelblichen Sonnenschirm schützend. Auch vom Helm des Kaisers wallt ein Tropen­schleier nieder. Die Uebergabe des Schlüssels und das Auf­schließen der Kirchenthür währt längere Zeit. An diesem Akte sind betheiligt Geheimrath Adler, Excellenz Barkhausen, General-Superintendent Dryander und Pastor Hoppe. Nach einigen begrüßenden Worten an das Kaiserpaar öffnet Pasior Hoppe die Thür des Gotteshauses, und um g-nau 9Vs Uhr betritt nun das Kaiser paar unter Orgelklang die dicht gefüllte Kirche, in welcher leider von Anfang an eine kolossale Hitze herrscht. Der Kaiser und die Kaiserin last n sich gegenüber dem Altar und der Kanzel nieder. Der feierliche Weihcakt nimmt nun seinen Anfang und verläuft genau nach dem Programm. Dann aber ergreift der Kaiser das Wort. Mit weittönender, klarer Stimme weist er darauf hin, daß diese im Beisein zahlreicher evangelischer Christen aus allen Ländern vollzogene Weihe im vollsten Sinne ein Friedensfest sei. Er bitte Gott, auch ferner unserer Kirche gnädig zu sein und sie zu beschützen. Möge die Kirche, die den Namen unseres Erlösers trage, von zahlreichen Glaubensgenossen fortan be­sucht und diesen eine Zufluchtsstatt ihres Glaubens werden und so zur Festigung desselben beitragen.

Die Einweihung der Erlöserkirche.

Jerusalem, 1. Novbr. Die Ein weihung der Erlöserkirche verlief gestern bei herrliwem Wetter in glänzendster Weise. Der Kaiser und die Kaiserin wur­den an dem Schnittpunkte der David- und Kronprinz Friedrich-Wilhelmstrsße von einer aus sechs Herren bestehen­den Deputation des Johanniterordens unter Führung des Ordenskanzlers Wirkl. Geh. Rath Dr. v. Levetzow em­pfangen und von Letzterem mit einer Ansprache begrüßt, welche etwa folgendermaßen lautete:

Der Kaiser und die Kaiserin werden an diesem, der gesammten Christenheit geheiligten Orte, durchdrungen von der Bedeutung dieses Tages und von dem evangelischen Glauben und im Aufblick zu dem himmlischen Jerusalem deS Psalmisten Worte gedenken:Unsere Füße stehen in deinen Thoren, Jerusalem," und sich dessen gnädigst er­innern, daß hier die Geburtsstätte des Ordens sei, der zur Vertheidigung des Christenthums und zur Pflege der Kranken hier errichtet wurde, und dem der Kaiser beige­treten sei, und ihn in seinen Schutz genommen habe und der die Wege wandelt, auf denen die Kaiserin vorangehe. Er begrüße das Kaiserpaar namenS des Ordens und spreche den Dank desselben dafür aus, daß er Zeuge sein dürste von der Weihe eines evangelischen Gotteshauses auf dem Grund und Boden und den Trümmern seiner ersten Kirche.

Hierauf schritt das Kaiserpaar unter dem Geläute der Glocken in feierlichem Zuze mit dem Gefolge bis zu dem Westportale der Erlöserkirche. Hier hatten sich außer dem Kuratorium der evangelischen Jerusalemstiftung und den den Bau leitenden und ausführenden Architekten die Vertreter der deutschen evangelischen Kirchenregierungen und der äußer- deutschen Kirchengemeinschaften, sowie die Geistlichen aus Jerusalem, Bethlehem, Jaffa und Haifa versammelt. Der Präsident des evangelischen Oberkirchen- rathe» richtete eine Ansprache an daS Kaiserpaar:

Ausgehend von den Worten deS Psalmisten, daß in Jerusalem die Stämme deS Herrn zusammen kommen sollen zu danken im Namen des Herrn, führte der Redner auS, daß auf den Ruf des Kaisers Vertreter der evangelischen Kirche Deutschlands, evangelische Brüder aus Nord und Süd, aus Ost und West gekommen seien, um gemeinsam

Gott zu danken, daß es durch seine Gnade ihnen verliehen sei, an dem Orte der heiligsten Erinnerung einen Tempel zu erbauen, der dastehen soll als ein Denkmal des Glaubens an den Mensch geworbenen Gottessohn, den gekreuzigten und auferstandenen Heiland, als ein Bekennt­niß ses Evangeliums von der Gnade Gottes, wie es durch die Reformatoren wieder erschlossen sei und als ein sicht­bares Zeugniß der Glaubens- und Lübesgemeinichaft der evangelischen Christen in der ganzen Welt. Redner sprach sodann dem Kaiser den Dank Aller für die Gnade aus, mit der er die Erbauung der Erlöserkirche anbesohlen habe und dafür, daß der Kaiser' der Einweihungsfeier dieser Kirche mit der Kaiserin beizuwohnen und so derselben den schönsten Glanz zu verleihen die Gnade haben wolle und bat, daß der Kaiser geruhen wolle, die Oeffaung der Er­löserkirche huldreichst zu befehlen.

Hierauf ergriff Graf Zie then-Schw erin das Wort und sagte:

Der Herzenswunsch des Kaisers und der Kaiserin so­wie der einer großen Anzahl von Christen aus dem Abend- lande sei heute erfüllt. Sie stehen vor den Sporen Jeru­salems, der Starte, an welcher Christus sein Erlösungs­werk vollendet. Hierher seien unsere Vorfahren gepilgert, auch Kaiser Friedrich, dem es nicht vergönnt gewesen, an Stelle der Trümmer der alten Johairniterkirche ein neues evangelisches Gotteshaus erstehen zu sehen. Diese Gnaden- erweisung Gottes sei dem Kaiser vorbehalten. Die Er- löfirkirche stehe jetzt fertig da und harre der Weihe. Er bitte im Aaftrage des Kuratoriums der evangelischen Jerusalemsstiftung um die Erlaubniß, daß der Baumeister die Schlüssel der schönen Pforte übergebe, damit sich die­selbe öffne.

Nach Uebergabe des Schlüffels zum We^tbor trat unter Vorantritt des Kuratoriums der evangelischen Jerusalemsstif­tung, sowie der Vertreter der evangelischen Landeskirchen das Kaiserpaar mit dem Gefolge in die Kirche ein. Die Ver­treter der evangelischen Kirchen-Regierungen geistlichen Stan­des, sowie die übrigen Geistlichen, welche der Schlüsselüber­gabe als Zeugen beigewohnt hatten, stellten sich auf beiden Seiten des Altars aus. Die übrigen Eingeladenen hatten bereits früher durch das Nordportal die Kirche betreten und ihre Plätze eingenommen. Nach dem Eintritt der Gemeinde in die Kirche intonirte der Bläserchor, gebildet aus Matrosen von derHohenzollern", die HymneTochter Zion's freue Dich". Nachdem das Kaiserpaar seine Plätze eingenommen hatte, setzte der Sängerchor unter leiser Begleitung des Bläserchores mit dem Gesänge des ersten unb zweiten Verses obiger Hymne ein. Den dritten Vers sangen Chor und Ge­meinde zusammen. Hierauf wurde die Weihehandlung von dcm^ Oberhofpr ediger D r y a n d e r unter Assistenz des Vize­präsidenten des evangelischen Oberkirchenraths Probst Frei­herr« v. d. Goltz und dem Generalsuxerintendenten Dr. Erdmann unter Glockengeläute vollzogen. An den Weihe- akt schloß sich ein Festgottesdienst. Die Liturgie wurde von dem Generalsuperintendenten Faber abgehalten, während Pastor Hoppe die Festrede hielt und Eeneralsuperintendcnt Dr. Nebe Schlußgebet, Vaterunser und Segen sprach.

Im Anschluß an die Feier verlas der Kaiser in der Kirche folgende Ansprache:

Gort hat in Gnaden uns verliehen, daß wir in dieser allen Christen heiligen Stadt an einer durch ritterliche Lubesarbeit geweihten Stätte, das dem Erlöser der Welt zur Ehre errichtete Gotresbaus haben weihen können. WaS meine in Gott ruhenden Vorfahren seit mehr als einem halben Jahrhundert ersehnt und als Förderer und Beschützer der hier im evangelischen Sinne gegründeten Liebeswerke erstrebt haben, das hat durch die Erbauung und Einweihung der Erlöserkirche Erfüllung gefunden. Mit der erwerbenden Kraft dienender Liebe sollen hier die Herzen zu dem geführt werden, in dem allein das be­ängstigte Menschenherz Heil, Ruhe und Frieden findet, für Zeit und Ewigkeit. Mit fürbittender Theilnahme be­gleitet die evangelische Christenheit weit über Deutschlands Grenzen hinaus unsere Feier. Abgesandte der evangelischen Kirchengemeinschaften und zahlreiche evangelische Glaubens- genosten aus aller Wrlt sind mit uns hierher gekommen, um persönlich Zeuge zu sein der Vollendung deS Glanbens- und Liebeswerkes, durch welches der Name des höchsten Herrn und ErlöserS verherrlicht und der Bau des Reiches GotteS auf Erden gefeiert werden soll.Jerusalem, du hochgebaute Stadt, in der unsere Füße stehen", ruft die Erinnerung wach an die gewaltige ErlösungSthat unseres Herrn und Heilands. Sie bezeugt uns die gemeinsame Arbeit, welche alle., Konfessionen und Nationen im apo-