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AMtliches Argau für StaSi- unS Landkreis Hanau
Erscheint täglich mit Ansnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Jm Rcklamenthcil die Zeile 20 4 für Auswärts 30 ^.
Samstag Leu 29. Oktober
1898
Hierzu
Amtliche Beilage" Nr. 70
AmMchss.
AMMMchMM des OberbürsSMeißeraMtes-
Bekanntmachung.
21m 31. gyntoßer ö. K. wird wie in den Vorjahren zwecks Veranlagung der Einkommen- und
Gefunden: Ein neues rothes Gießkännchen. Ein Packet mit der Aufschrift August Schleuder, Frankfurt a/M., Holzgraben 39 III.
Zugelaufen: Ein kleiner schwarzer Hund. Ein Mops m. Geschl.
Hanau am 29. Oktober 1898.
Zum Reformationsfest.
Die deutsche, evangelische Christenheit feiert am Reforma-
_ . „ tionrfest das große geschichtliche Ereigniß, dem sie selber ihr
Erganzungsstcuer für das ^rteuerjahr 1899 eine allgemeine Dasein verdankt, die wunderbare That der Befreiung, durch Ausnahme des Prrsonenstandes in hiesiger Stodt vorgenommen ^ie Gottes Geist in den Herzen des deutschen Volkes ein werden. Zu diesem Behufe werden jedem Hauseigenthümer neues Leben des Glaubens und ein neues Etteben nach Gnade oder dessen Stellvertreter schon mehrere Tage vorher die er- und Wahrheit erweckt. Niemals darf der Dank gegen den forderlichen Hauslffttn emg^ der uns das kostbare Guides seligmacherden Evan-
und gewiffenhaste Ausfüllung hmfichtlich sämmtlicher tu geimmg geschenkt hat, in dem deutschen Volke verstummen, dem betreffenden Hause nebst Zubehör wohnenden Personen Wissen wir doch, daß aus der Saat der Reformation die nach dem Stande vom 81. ,J. ersucht wird, g^ße Ernte der Wiedergeburt Deutschlands aufgegengen ist,
Insbesondere bitte rch besondere Sorgfalt auf die Angabe von und daß nir die Stellung, die das deutsche Reich unter bm und Gewerbe zu verwenden und überall die Art der Mächten der Erde rinnimmt, in erster Linie der glichen dkschaftigttng namenluch auch, * ob selbst ständig, Ge- Kraft und geistigen Regsamkeit verdanken, die durch die Re-
hülfe, Lehrling rc. — ersichtlich zu machen.
formation in unserm Volke ist entbunden treiben
Niemals
Indem ich schlnßttch auf dre auf den Hauslisten abge- aber darf auch das N:fmmationsftst aufhören, uns eine braten Scsktzlrchm Bestimmungen verwerfe, spreche rch die Mahnung zu fein, daß wir auf dem Boden des lauteren Bitte aus, das betagte Publikum möge sowohl im eigenen Evangeliums fest stehen bleiben und unsern theuern Glauben, Interesse, als auch zur Forderung der V-ranlaguncsardeiten; jür den unsre Väter Gut und Blut gelessen haben, in TreuL dahin wirken, daß der am .1. November erfolgenden Ab-^nd freudigem Bekenntniß uns erhalten und unsern Kindern
holung der Hauslisten kein Hinderniß entgegensteht.
Hanau den 18. Oktober 1898.
Der Oberbürgermeister Dr. Gebeschus.
Bekanntmachung
Die Lieferung von 100,00 ebm Pflastersteinen soll ver-
überliefern. Denn die Segnungen der Reformation können
nur bei uns bleiben, so lange wir innerlich in uns den Geist tragen, aus dem sie entsprungen ist und die persönliche, freie und innige Frömmigkeit in Herz und Haus pflegen, die allein den triebkräftigen Keim allcs reformatorischen Wirkens gebildet hat.
geben werden. Lieferungsbedingungen liegen in den Vormittagsstunden von 10—12^8 Uhr werktäglich auf dem Stadtbauamt II zur Einsicht auf.
Angebote sind bis zum 4. k. M., morgens 11 Uhr,! bei unterzeichneter Amtsstelle einzureichen, zu welcher Zeit im Beisein etwa erschienener Bieter die Eröffnung der Angebote
Zu solcher Treue gegen die Heiligsten Ueberlieferungen unsres Volkes mahnen uns in diesem Jahre die Zeichen der Zeit mit besonderem Nachdruck, wenn wir unsere Blicke zu den Nachbarreichen wenden. Und zugleich begleiten wir mit
erfolgt.
Hanau den 28. Oktober 1898. Stadtbauamt II.
Leers.
freudigem Hochgefühl unsern geliebten Kaiser auf seiner Reise nach Jerusalem, wo er an den heiligen Stätten der Geschichte unsrer Erlösung ein Zeugniß für das Evangelium urd für die. Macht des deutschen proiestantiichen Kaiserthums ablegen , wird. Wahrlich, wir haben Grund genug unsern Gott zu j preisen für die großen Dinge, die er an uns gethan hat. ! Er wolle ferner sein Volk segnen und uns mit seinem Geiste 16194; stärken, daß wir treu bleiben seinem Wort und feftstehcn im i rechten evangelischen Glauben allezeit!
Tagesschau.
Von der Marine. Berlin, 28. Oktbr. Laut telegraphischer Meldungen an das Oberkommando der Marine haben folgende Bewegungen S. M. Schiffe stattgefunden: S. M. Dacht „Hoherzollern", Kommandant: Kontreadmiral Freiherr von Bodenhausen, ist am 25. Oktober in Haifa und am 26. Oktober in Jaffa angekommen und beabsichtigt, am 6. November nach Haifa in See zu gehen. S. M. S. „Hcla", Kommandant: Korvetten-Kapitän Sommerwerck, ist am 25. Oktober in Haifa und am 26. d. Mts. in Jaffa angekommen. S. M. S. „Lorelry", Kommandant: Kor- v.tten-Kopilän von Witzleben, ist ebenfalls am 25. Oktober in Haifa angekommen und am 26. Oktober nach Jaffa gegangen. S. M. S. „Charlotte", Kommandant: Kap tän zur See Böllers, ist am 26. Oktober in Sta. Cruz (Teneriffa) angekommen und beabsichtigte gestern eine Kreuztour zwischen den Canarischen Inseln zu unternehmen. S. M. S. „Falke", Kommandant: Korvetten-Kapitän Wallmann, ist am 15. Oktober in Apia angekommen. S. M. S. „Nixe", Kommandant: Korvetten-Kapitän mit Oberst-Lieutenantsrang von Waffe, ist am 27. Oktober in Rio de Janeiro angc- kommen und beabsichtigt, am 19. November nach Sao Frav- cisko (Brasilien) in See zu gehen. S. M. S. „Cormoran", Kommandant: Korvetten-Kapitän Bruffatis, ist am 27. Oktober in Kobe angekommen und will am 3. November nach Nagasaki in See geben. Der Dampfer „Lulu Bohlen" ist mit der Ablösung für die Schiffe der westafrikanischen Station, Transportsührer: Korvetten Kapitän Graf von Oriola, am 26. Oktober in Kamerun angekommen und beabsichtigt, mit den abgelösten Besatzungen dieser Schiffe, Transportsührer: Korvetten-Kapitän Schwartzkopff, am 1. November von Kamerun die Heimreise anzutreten.
Sozialdemokratisches. Wie nach dem „Hanv. Kur." verlautet, ist dem Redakteur Dr. Franz Lütgenau, früheren Reichstagsabgeordneten für Dortmund Hörde, seitens der Partei die Stellung gekündigt worden. Bekanntlich hatte sich Dr. Lütgenau für Prügelstrafe bei anarchistischen Verbrechen ausgesprochen.
Das Kaiserpaar in Jaffa.
Immer näher rückt der Zug des deutschen Kaisers dem eigentlichen Endziele der Reise, nur noch eine Zwischenstation trennt ihn von der Heiligen Stadt, die heute (Samstag) Mittag 12 Uhr den mächtigen Herrscher aus dem Abendlande in ihren Mauern aufnehmen soll. Der Ausbruch von Jaffa erfolgte gestern früh 8 Uhr. Der Weg geht über Ramleh bis Bav-el-Wad, wo wiederum ein Zeltlager bezogen wi.d. Weitere Einzelheiten über die letzte Etappe der Kaiserreise liegen in folgendem Telegramm vor:
Fsrrilletsn
Das Theater der zama's.
(Nachdruck verboten.)
Unter den zahlreichen Lamaklöstern, die Tibet seit der
Reformation des Buddhismus im 12. Jahrhundert durch Tsong Kaba btsitzt, ist H e m i 3 eines der bedeutendsten. Es liegt in Ladak, einem Tribu-ärstaate von Pendjab, in einer Höhe von 3660 Metern auf kahlem und trockenem Lande, von Salzseen umgeben. Von den anderen buddhistischen Klöstern unterscheidet es sich durch seine pitloreske Bauweise, die an jene kleinen, am User eines Sees liegenden italienischen Städtchen erinnert, deren Häuser stoffelweise die Berge empor- Nettem. Heut existiren von Hemis nur noch Ruinen; den- noch wird" ts von großen Echaaren von Reisenden besucht, die hier den dramatischen Vorstellungen der Lamatänzer und "-Schauspieler beiwohnen wollen. Diese Vorstellungen sind für die Buddhisten etwa das, was für uns die Passionsspiele von Oberammergau sind. Wahrscheinlich geht ihr Ursprung in sehr alte Zeiten zurück und hängt mit dem indischen oder chinesischen Theater zusammen. Ausgeschlossen ist aber zumal in Rücksicht aus den notorischen Einfluß katholischer Riten und Formen auf den resormirten BuddhitmuS keineswegs, daß der Ursprung dieses Theaters der LamaS in einer grossen Beziehung zu unseren alten wohlbekannten „Mysterien" Rt. Jedenfalls haben die Lamas von Hemis in diesen Erstellungen ein gutes Mittel Geld zu machen gefunden; die Neugierigen und Cchanlustigen strömen stets in großer Zahl ™, nicht zuletzt bie Engländer, die dort in den Bergen von Ladak ihr Verlangen nach ganz Originellem und Außer- »ewohnlichem befriedigen können.
Schlagintweit hat von seiner Reise durch Tibet eine höchst interessante, jetzt im Berliner ethnographischen Museum befindliche Sammlung von Masken mitgebracht, wie sie die Lamas bei ihren Vorstellungen gebrauchen. Diese Masken stellen theils die Gesichter ihrer Schutzgottheiten, theils die der Dämonen und bösen Geister oder endlich die der von den ersteren beschirmten, von den letzteren verfolgten Menschen dar. Danach zerfallen die Masken in drei Klaffen; die größten von beinahe riesenhaften Dimensionen sollen Schrecken einflößen, wie die das Böse bekämpfenden Gottheiten; die Schauspieler, die sie tragen, sind Lamas. Die mittleren sind die Dä- monen und werden Dämonen anvertraut. Die gewöhnlichen MaLkr'n endlich sind für die Sterblichen bestimmt, und Pro- faren gegeben, die als Schauspieler für die Menschenrcllcn zugelassen werden. „Marnschcftcn und Volk" würde unser Theaterzettel sagen.
Im Juni jedes Jahres zieht das Theater von Hemis die größte Zahl von Schaulustigen an. Hu Hunderten kommen sie dann und englische und deutsche Milsionäre begleiten sie; einer der letzteren, der in Leh ansässige Herr Francke hat jüngst eine werthvolle Studie über Osttibet veröffentlicht, in der er auch das Theater der Lama's bespricht. Es werden hier zwei verschiedene Arten von
Vorstellungen gegeben
das eigentliche Schauspiel und der
aber nicht in das Stück eingeschaltet ist." Das Stück'selbst ist religiösen Charakters, wie unsere alten Mysterien, und heißt Tambin Schi. Die Zuschauer erfahreü den Tag des Tambin Schi vorher; zu Fuß und zu Pferde kommm sie selbst auS den entlegensten Ortschaften, um der geistlichen Wohlthaten theilhaftig zu werden, die der Dalai-Lama den Befuchern verheißt. Die Aermeren, die gleich am folgenden Tage wieder abzureisen beabsichtigen, lagern sich auf der Erde, Gepäck haben sie außer ihren Kleidern nicht, und wo sie sich gelagert haben, dort schlafen sie auch. Die Reichen
Tanz, das Ballet, das
alten Mysterien, und
zu Pferde kommm sie
Die heutige Nummer umfaßt außer dem Unterhaltungsb
und Vornehmen aber genießen die Gastfreundschaft des Klosters.
Um 9 Uhr morgens gellt eine Trompete und gibt der Menge das Zeichen, sich auf den Beginn des Schauspiels vorzubereiten. Das Instrument hat der mit der Rolle des Anköndiger betraute Lama sich selbst aus dem Schienbeine eines frischen Leichnams verfertigt. Der Saal, in dem die Vorstellung stattfindet, ist unter den Schutz der Dragscheds, der Schirm gottheiten, gestellt, deren schreckliche Bilder mau überall dort sehen kann, doch scheint das Vertrauen zu ihnen immerhin beschränkt, da am Eingänge auch zwei kolossale Hunde Wache halten, die die Zuschauer gewiß zerfleischen würden, hielte sie nicht die Kette in gebührender Entfernung. Die Lamas von Hemis gehören zu der ganz besonders, abergläubischen „rothen Sekte", die in stetem Kampfe mit der von Tsong Kaba begründeten „gelben Sekte" steht und allein Verbindung mit den Geistern und Dämonen zu haben bei heuptet. Die „Rochen" halten die „Gelben" für sehr gefährliche Feinde und ihretwegen sind die beiden Hunde zur Stelle.
Die privilegirten Zuschauer nehmen auf einer reservirten Estrade gegenüber den Logen des Adels und des Ex-KönigS von Ladak Platz. Diese letzteren Persönlichkeiten tragen als Unterscheidungszeichen eine Art weißer Kappe. Die Menge, die zu dem Raume unter offenem Himmel keinen Zutritt hat, installirt sich in den ihn umgebenden Baulichkeiten. Die etwa ohne Erlaubniß durch die Pforte einzutreten versuchen, werden durch die indische Polizei, die einen freien Raum für die Tänzer zu reserViren hat, zurückgedrängt. Das Orchester nimmt eine Art isolirten KioSkes ein. 'Groß ist es nicht. Zu ihm gehören außer der bereits erwähnten Trompete (die übrigens dem sie gebrauchenden Lama zuweilen Gelegenheit geben soll, in die alttibetanische Gewohnheit des Kannibalismus zurückzufallen) noch zwei Spieler eines hautboenartigen