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Wir au-wärtige M>A»mttn mit das betreffettben
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Die «nzelne
Kammer kostet
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Amtliches Argau für Ktaöt- unö LsuöKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
FisrückungS» gebühr
für Stadt- und Baek» kreis Hans« 10 ^ H» ^gespaltene Garmond» zeile oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für Auswärts 30 ^.
Mr. 252. Freitag Lc» 28. Oktober
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1898
AmMchs».
^anö^rei# ^banau. Oeiarmtmachungen des Königlichen Landrathsamtcs. Landwirthstzastlicher Kreisverein Hanau.
Nächste Versammlung Samstag den 29. Oktober, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1. Geschäftliche Mittheilungen.
2. Vortrag des Herrn Professor Dietrich aus Marburg über „Die Anwendung künstlicher Düngemittel".
3. Mittheilung der Herren Lelegirten über das landvirth- schaftliche Fest in Eichwege.
4. Referat über die Erträae der neuen Kartoffelsorten, welche vom 23trein b schafft wurden.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hanau am 25. Oktober 1898.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
DicnstllüÄrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine schwarze Knabenpelzmütze. Ein kleiner Kinderschuh (schwarzer). Eine Rohrpensche.
Verloren: Ein schwarzes Jäckchen.
Zugelaufen: Ein wen er langhaariger großer Hund mit schwarzem Kopf, m. Geschl,
Hanau am 28. Okiober 1898
Wo ist der Mann?
Die Entwickelung der Dinge in Paris wird genau die, welche wir schon vor 1 andrer Zeit als die voraussichtliche hingestellt haben: Die Bevölkerung will von den regierenden Republikanern im Frack, die sich mit der Armee nicht benehmen können, nichts wissen. Der Frack ist der grande nation langweilig geworden, die Uniform bringt Leben in die französischen Verhältnisse, sie schmeicheln dem unersättlichen Eitelkeitshunger der „großen Nation", die in Wahrheit noch nie kleiner war, als zur gegenwärtigen Stunde. Der Eitelkeitsliebe zu Gefallen wird mit Allem kurzer Prozeß gemacht, die ehrlichen Leute in Frankreich befürworten mehr denn je die Reoision deS Dreyfusprozessts, d. h. die Aufdeckung der damit verbundenen schmutzigen Geschichten, aber die Leute der Ehrlichkeit und der vernünftigen Besonnenheit können in Frankreich allein dann siegen, wenn sie einen Führer haben, der es mit der tobenden Masse auf- zunehmen vermag. Die heutige Regierung besitzt einen solchen Mann nicht, und unter aH<n republikanischen Staatsmännern seit 1871 wäre vielleicht nur einer befähigt gewesen, mit seiner Energie seirun Willen durchzusetzen, der längst verstorbene Gamdetta. Freilich ist gerade während der Glanzzeit des einstigen Dctawrs als Kammer- und Ministerpräsident die Korruption auf das Allerüppigste ins Kraut geschaffen.
Wo ist der Mann? Die ehrliche Republik hat Niemanden, der eS mit feinen excentrischen Landsleuten aufzunehmen vermöchte, die, um das berühmte Wort Voltaires zu gebrauchen, heute mehr als je „halb Tiger, halb Affe" sind. Die ehrliche Republik kann sich nur beglückwünschen, daß dem großen Haufen ein rücksichtsloser und gewissenloser Führer fehlt, sonst wäre sie im Nu gestürzt. Die Pariser hätten, wenn es neulich zu einer Art Staatsstreich gekommen wäre, ganz gewiß nicht zu Gunsten des nunmehr verflossenen Ministerpräsidenten Brisson die Hände gerührt, sie würden ihm noch ein paar Steine nachgeworfen haben. Und Präsident Felix Faure würde von seinem Elysee-Palaste auS mit gefülltem Glase dem siegreichen Staatsstreich-Führer ein kräftiges //Prosit" aus Freude darüber zugerufen haben, daS ihm so bitter verhaßte Kabinet Brisson endlich los zu sein.
ES rächt sich heute, daß der Posten deS Präirdenten der Republik in PariS so ohne jede kräftige Autorität, ohne allen wirklichen Einfluß ausgestattet ist. Man wollte den Vertretern des Volkes die eigentliche Regierungsg^walt in die Hände geben, aber bis heute haben weder daS Volk, «och seine Vertreter in Frankreich, einen wirklichen Be- sihigüngSnachweis für die Kenntnis? der schweren Kunst des RegierenS gebracht. So verlottert unter Napelon III. du ganze Staatswirthschaft in Frankreich war, heute ist eS nicht besser, sondern schlimmer wie vor 1870/71 geworden. Da
rin ist doch kein Zeichen für ein zielbewußtes Selbstreziment zu sehen.
Und der Präsident der Ripublik steht dabei, mit keiner anderen Freiheit oder Machtbesuguiß, als derjenigen, zurück - zutreten oder sich an den Intriguen, welche von den repu- blitanischen Staatsmännern in ganz wenig staatsmänniseyer Weise gesponnen werden, zu betheiligen. Gambetta hatte die Rolle, welche btr Präsident der französischen Republik spielt, einmal außerordentlich drastisch charakterisirt, als man ihm nahe legte, die Präsidentenwürde zu übernehmen. Er äußerte damals: „Glauben Sie denn im Ernst, daß ich Neigung hätte, die Rolle eines Mastschweins zu übernehmen?" Der Tribun der Republik bezeichnet den ersten Beamten der Republik als ein Mastschwein I Es ist unnöthig, noch etwas hinzuzufügen.
Sie mästen sich aber alle, die in Paris das große Wort führen. Viele mit Geld, wie der Panamaskandal bewiesen, noch mehr mit Rang, Ehren und Machtstellungen, auf welche sie unter keinen Umständen wieder Verzicht leisten wollen, wie die Dreyfusaffaire zeigt. Lieber frag- und nicht?würdige Handlungen, als ein solcher Verzicht. Und dazwischen lärmt und schreit das gedungene Korps der Pariser Zeitungsleute, welche die Menge nicht einen Augenblick zur Ruhe kommen
Paris, 27. Oktbr. Bis heute Millag zeigten sich keine Msnifestauten in der Umgebung des JustizpalasteS. Der Paffantenverkehr ist wie gewöhnlich. Die Palastgitter sind geschlossen, die Absperrung sehr streng, gegen Mittag stellten sich kleine Gruppen von Neugierigen ein, sie wurden aber von den Polizeiagenten zum Weitergehen veranlaßt. Die Verhandlung wird mittags eröffnet. Der Saal ist überfüllt. Unter den Anweseul>en befinden sich Frau Dreyfus und die Advokaten Demange und Labori. Der Berichterstatter Bard ergreift sofort das Wort, erinnert an die durch die Revi- sionSfrage verursachte Erregung und zäblt die verschiedenen Versuche zur Herbeiführung der Revision auf : die Anzeige gegen Esterhazy, die Affaire Henry, der Revistousantrag der Frau Dreyfus, der auch darauf begründet sei, daß das Bor- derau von der Hand Esterhazys herrühre. Bard fügt hinzu, hinter diesen Thatsachen stecke ein Verdacht, der den Revisionsantrag rechtfertige. Bard setzt auseinander, Frau Dreyfus behaupte, daß das Bordereau nicht von ihrem Manne stamme. Redner unterzieht dann die Berichte der Sachverständigen, welche die Handschrift Dreyfus zu erkennen er- Uff«, ihr- Aukg-^h-it M ,»r Si-d-hih- d-r T-llh-il ,u ;«”*'”- '“" Mm» ®“ M«HmW muffe all-nach (tagen missen. Seoer neue Sag in PmiS tann Vi-l<S d-r. En.Mt- prus,», °b d,-Tha»°ch-N g-miß dm g-,chl<chm bringen. Die Eieigniffe beweisen, daß die Zustände in Frankreich von heute unhaltbar geworden sind. Die Affaire Dreyfus, bie Schuld o^er die Nichtschuld deS ExkapitänS, ist heute bereits eine Nebensache, eS handelt sich um etwas ganz anderes, darum: wer soll im Lande der Erste fein! Und die Bevölkerungsmasse ist augenscheinlich nicht für Diejenigen,
kann sie als verdächtig gelten. Hier liegt eine neue That- welche bisher die Ersten waren. Die Zahl derjenigen, welche ^ vor, die die Vermuthung der Unschuld begründet und Ruhe und Frieden und Ordnung wollen, ist wahrscheinlich ü-nugt, das Remsionsgesuch zu motwrren. Es, ist ferner zu beträchtlicher als der tolle Haufen, aber im Frankreich des ^»fen, ob das Borderea^ herrührt.
letzten Jahrhunderts entschied nie die bedächtige M-hrh-it, «D«Kaffationshof, der sich regelrecht mtt der Angelegenheit . v . ^ / ’ ....... .. ., . 7 J 7/7 hoTAbf mirh tof+ Hüllzs« hrtho« Ah A&«» a^a «vA^it«^
sondern die rücksichtslose Minderheit.
Das Kaisev^aav in Haifa. Prokurators, worin daS bekannte Briefkonzept Esterhazys auf-
Der Aufenthalt des Katserpaares in Haifa, der ersten - geführt wird und worin Esterhazy schreibt: Wenn Sie der Landungsstelle auf dem Boden von Palästina, gibt bereits Experten nicht sicher sind, so werde ich ebenso wie bei dem ein deutliches Bild von der gehobenen Stimmung, mit der' Bordereau sagen, daß meine Schrift durchgepaust ist. (Sen- dbrt allenthalben dem Eintreffen dieser erlauchten Besucher j sation.) Ferner verliest der Berichterstatter daS Konz-pt zu auS dem Abendlarde entgegenzeiehen wird. Alle Kreise der dem Briese, worin Esterhazy einem General als seinem Bevölkerung wetteifern in den Bemühungen, den Kaiser und ■ Retter dankt. (Sensation.) Esterhazy habe sich geweigert, seine Gemahlin, durch Zeichen von Liebe und Verehrung zu: den Adressaten des Briefes zu nennen. — Wie es heißt, erfreuen, und insbesondere sind eS natürlich die Mitglieder lauten die Anttäge deS Generalprokurators auf absolute Zu-
der deutschen Kolonieen, welche ihr-m angestammten Herrscher» paare die lebhaftesten Huldigungen darbriogen.
Haifa, 26. Oktbr. Um halb drei Uyr kam die „Hohen- zollern" in Sicht, und eine Viertelstunde später warf sie
600 Schritte von der Landungsbrücke entfernt Anker zugleich
mit den begleitenden Kriegsschiffen „Hela" und „Hertha".^lich die Fälschung Henrys von 1896 und das Gutachten Der türkische Kommandeur Abdullah Pascha, Graf Wedel und üb.r das Bordereau von 1897. Die Fälschung Henrys sei
Der türkische Kommandeur Abdullah Pascha, Gras Wedel und
Professor Moritz begaben sich sofort an Bord der Kaiser yacht, während daS Musikkorps des Erto<rul-RegimentS „Heil Dir im Siegerkranz" intonirte. DaS Ufer war von einem nach Tausenden zählenden Publikum dicht besetzt: Christen, Araber, Türken, Juden, kurz die ganze Bevölkerung war auf den Beinen, um Zeuge der Landung des deutschen Kaiserpaares zu sein, die um 5 Uhr Nachmittags erfolgte. Bei Betreten
deS BodenS von Palästina wurde daS Kaiserpaar von den Militär- und Civilbehörden empfangen und ehrfurchtsvoll begrüßt. Hierauf wurden sofort die Wagen zu einem Ausflug nach dem Berg Carmel bestiegen, und unter enthusiastischen Hoch- und Hurrahrufen der einheimischen Bevölkerung der deutschen Kolonisten fuhr das Kaiservaar, eskortirt von türkischer Gardekavallerie, in einem dreispännigen Wagen, den
und
dem
der deutsche Kaiser selbst lenkte, vom Landungsplatz ab. bei einbrechender Dunkelheit erfolgte die Rückkehr von Ausflug nach Haifa. Unterdessen hatten die deutschen Kolonisten ihre Häuser illuminirt; auf dem auf derRhede lieger- den Lloybdampfer „Bohemia" wurde Feuerwerk abzebrannt, daS türkische Schiff „Osmanic" war festlich beleuchtet, am Ufer spielte die Militärmusik. Um 8 Uhr AbendS fand ein Diner auf der „Hohenzollern" statt, zu dem drei Paschas, ferner der deutsche Generalkonsul, der Bizekonsul Keller und Professor Moritz geladen waren. DaS Kaiserpaar war un> gemein gnädig, die Paschas sprachen sich später ganz entzückt darüber auS. Der Kaiser unterhielt sich besonders lange mit Nazim Pascha, dem Vali von Damaskus. Die Kaiserin zog nach der Tafel den Vizekonsul Keller in ein längeres Gespräch.
Die Revision des Dreyfus-Prozeffes vor dem Kaffationshof.
Bestimmungen Grund zur Revision geben. Bard verliest hieraus einen Brief von Frau DreyfuS, worin die Revision
beantragt wird. Bard fährt fort, Henry beging eine
' Fälschung. Seine Aussage war die niederschmetterndste gegen iDreysus. Da die Aussage von einem Fälscher herrührt,
befaßt, wird festzustellen haben, ob er ohne eine ergänzende Enquete eine Entscheidung fällen kann. Im Verlaufe der
Berichterstattung verliest Bard die Ausführungen des General-
laffung des Revisionsgesuches, da Dreyfus das Bordereau
nicht geschrieben habe, daffelbe vielmehr von Esterhazy her rühren dürfte.
Paris, 27. Oktbr. (Kaffationshof.) Im Regisitorium führt Manau auS, daß zwei neue Thatsachen vorliegen, näm-
geeignet, die Unschuld DreyfuS feftzustelleu. Manau hebt aus der Fälschung hervor, daß Henry die Beweise für die Schuld des DreyfuS unzureichend erachtete. Heury hat 1894 das Bordereau dem General Gonse üb ergeben unb konnte nicht den Namen des Agenten nennen, von dem er das Bor» dcreau erhalten habe. Henry hat auch Folgendes gesagt: es ist unfaßbar, er werde verrückt werden. Henry ist der Werkmeister des Prozesses DreyfuS; alles was Henry gesagt und gethan hat, um die Verurtheilung DreyfuS' durch- zusetzcn, ist verdächtig geworden. Der Fall Henry allein ist schon geeignet, das Revisionsgesuch zu rechtfertigen. Daffelbe gilt aber auch von dem Gutachten über das Bordereau. Während 1894 drei Sachverständige Dreyfus für den Urheber desselben erklärtey, ließen die Experten von 1897 die Möglichkeit einer Durchpausung zu. Manaus Schlußfolgerung lautete auf Zulaffung des Revision?gesuches.
Paris, 27. Oktbr. (Kaffationshof.) Die Sitzung wird ohne Zwischeufall abgebrochen. Bard wird morgen seinen Bericht fortsetzen. ES erfolgten keine Kundgebungen beim Ausgang.
Paris, 27. Oktbr. Die vom Richter Bertulus beschlagnahmten Brieskonzepte Esterhazys lauten: „Was soll ich thun, da die Experten mich bezüglich der Briefe an Madame Bou- lancy nicht entlasten wollen. Soll ich eine Expertise der Briese Dreyfus verlangen, wie Advokat Tezenas wollte? Der Experte Belhomme ist ein Schwachkopf! Könnte man Major Ravary nicht beweisen, daß ich die Ausdrücke in den Boulancy-Driesen nicht geschrieben haben kann. Verstehen Sie wohl, daß ich, wenn wir nicht Herren der Untersuchung sind, zur Hypothese einer Durchpausung werde greifen müssen,