W»«,s»e«t».
Preis:
Mriich » * |8^tL*^5<*
Nn^j^rÄch
3 ^ 25 ^.
Mr auswärtige Msv-vmten mit dem deteeffenden
P-ßaufschlag.
Die einzelne
N«mmer kostet
10 ^.
Zugleich
Amtliches Argan für Stsöt- unS LanöKrers Hanau
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Sinrückung». gebühr
für Stadt- und 8a* kreis Hanau 10 ^ Mi ^gespaltene Garmondzelle oder deren Raum, für Auswärts 15 ^.
Im Reklamentheil die Zeile 29 ^, für Auswärts 30 ^.
Rr. 251. Donnerstag den 27. Oktober 1898
*iasag#Sä88»3BBfflS888K!i®8®S£$83B®®QiiälQM0M^^8ää£ig®^^^^
AmMchss.
^and&reie ^anau. Bekauntmachungeu des Königlichen Landrathsamtcs.
Bei einem dem Maurer Wilhelm Weider in Windecken gefallenen Schweine ist die Rothlaufseuche festgestellr und infolgedessen die Oitssperre für Schweine für die Stadt Windecken ungeordnet worden. Das Turchtreiben von Schweinen ist verboten.
Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.
Hanau am 27. Oktober 1898.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.
DieMaSriAtc« aus dem Kreise. !
Gefunden: Pin Portemonnaie mit 2 Pfg. Inhalt.
Zuge laufen: Ein schwarzer kurzhaariger Pinscher mit gestutz en Ohren und Ruthe, m. Geschl.
punau am 27. Oktober 1898.
Weibliches Heldenthum.
Man hat in Wien vorgestern, wie gemeldet, einen Märtyrer der Wissenschaft, Dr. Fr. H. Müller, begraben. Die letzten Nachrichten über das Befinden der pestkranken Wärterin; Pecha lauten hoffnungslos; aber diese plötzlichen Schreckens werden jetzt schon gedeckt und abgemildert durch die immer zuverlässiger werdende Gewähr, daß eine Weiterverbreitung! der Infektion nicht mehr zu befürchten sei. Nicht bloß die umfassenden Vorsichtsmaßregeln, welche in Wien getroffen wurden, geben diese Zuversicht, sondern kräftiger noch wirkt der Trost angesichts der hingebenden Pflege, welche die Opfer: des tückischen Bacillus durch Frauenhände gefunden haben, der Pflege, welche diesen Opfern treu und wachsam blieb bis ^ zum letzten Athemzuge.
W-r freilich vermag eine sich re G.währ zu geben, daß nicht auch die barmherzigen Pflegerinnen ihr Samariterwerkj mit dem Leben bezahlen? Diese Heldenfrauen sehen in i jeder Sekunde den Tod vor sich. Wie sagte Virchow?. „Die Bacillen haben eben immer noch einen Weg offen gefunden, um weiter zu wirken." In dieser s Thatsache liert dao Entsetzen. Der F^ind ist unsichtbar, unfaßbar, unabwendbar; Glück und Zufall, eine völlig ge-; fünde Körperveriassung können ihn viell-icht hindern, zui treffen; aber wenn er trifft, so tödut er. Und diesem Feinde j trotzen zwei schlichte Frauen in Erfüllung der heiligen, an-, gelobten Samariterpflictt 1
Was wir mit Schrecken, mit Bewunderung weiblicheni Helventhums jetzt in Wien wahrnehmen müssen, ist ein hoffentlich nur auf wenige Menschen beschränktes Nachspiels deS gigantischen Kampfes gegen das Ungethüm der Pest, der^ sich während des letzten Jahres in Indien alüpielte und dort Bombay und weite Landstriche umher entvölkerte. Hunderttausend« sind der Epidem e zum Opfer gefallen und neben ! dem Arzte stand die größte Heldin des Jahrhunderts, die Frau. Ohne Hilfe der Frauen wäre es niemals möglich gewesen, dem Fortschreiten des gespenstischen Mordes nur irgendwie Einhalt zu thun. Alle religiösen Ueberlieferungen des Hindu und Moslim wehrten dem helfenden Arzte den Eintritt in die Frauengemächcr und zum Schrecken der Krank-: heit kam die blutige Gewaltthat, mit der die unwissenden i Fanatiker das Heiligthum des Frauengemaches vor dem Ein-: dringen fremder Männer schützen zu müssen glaubten. Da geschah das erste große Wunder wirklichen HelrenihumS. > Was an Frauen in England den ärmlichen Doktorgrad er^ langt hatte, und mit ihnen Hunderte von Samariter-Schwestern, sie alle drängten sich in die nach Indien abgehenden Schiffe und stellten sich, angelangt in Bombay und an den anderen ; Herden der Pesttrankh eit, in den Dienst des Rettungswerkes,i der Nächstenliebe. Heute verkünden an den Begräbnißstätten Indiens Dutzende Grabsteine den Märtyrertod edler Frauen, von denen der Wanderer künden kann, wie von Leonidas und den Helven der Termopylen, er habe „sie hier liegend geieh'n, wie es die Pflicht befahl". — Die Pflicht! — Den griechischen Kämpfern oblag wirklich die Pflicht, das Vater-; and zu vertheidigen. Diese Heldenfrauen aber, welche gegen, den Dämon Pest auszogen, haben sich ohne jede auch nur: moralische Nöthigung freiwillig die Pflicht deS Kampfes mit dem Tode auferlegt, eines Kampfes, der um so bewunderungswürdiger ist, weil der Kämpfende ihn wehrlos, schutzlos auf- nehmen muß.
Unsere Blicke in die Zeiten deS großen Krieges zuruck- wendend, finden wir wieder taufende und taufende deutscher
Frauen in den Lazarethen als Pflegerinnen von Verwundeten und Kranken, unbekümmert um die Epidemien, die unter den Leidenden wütheten und auch hier unter den Pflegerinnen ihre Opfer forderten. Mag über die Frau und die Frauen- frage Einer denken wie er will, dem Heldenmutbe, der Ausdauer, der Dulderkraft des Weibes als Krankenpflegerin wird kein Weiberfeind d.e ehrerbietige Huldigung versagen können. Noch steht uns Deutschen die Heldenthat der Schwester Margarethe Leue in lebendiger Erinnerung, welche am 15. und 16. Dezember 1893 in Kamerun beim Ueberfall auf das Gouvernementsgebäude mitten im Kugelregen die Verwundeten mit Verbandzeug, das sie sich während des Kampfes aus Leintüchern zurecht machte, kaltblütig und ruhig verband. Nicht minder denkwürdig ist der heldenmüthige Kampf der Gräfin Adeline Schimmelmann, der ehemaligen Hofdame der Kaiserin Augusta, welche das Seemannsheim in Göhren auf Rügen gründete und zwei Mal in Irrenhäusern eingesperrt wurde, weil ihr Beginnen dem Unverstände Mancher unverständig erschien. Das Heer der Krankenpflegerinnen der Schwestern vom Rochen Kreuz steht allezeit für gleiches Heldenthum in Bereitschaft.
In erster Reihe unter diesen Heldinnen, hoch über den Geschlechtsgenossinnen aller Stämme und Raffen erscheint eben das germanische Weib. Worin wurzelt nun dieses größte, edelste, reinste Heldenthum der germanischen Frau? Sollen wir die Thaten der Pflegerinnen in Indien, der todesmuthigen Schwestern im Wiener Franz-Josefs- Spitale etwa aus dem „Dränge nach Sensationen" erklären? — Nein! Es gibt ein stolzes, unanfechtbares Zeugniß für das germanische Weib, das Zeugniß des Römers Tacitus, der als Erster das Urtheil über Sitten und Wesen der Germanen zusammenfaßte. Tacitus schrieb über das deutsche Weib: „Das Weib soll nicht glauben, es stehe außerhalb der Gedankenwelt des Mannes, außer dem Bereich der Kriegsereignisse. Darum wird sie schon auf der Schwelle des Ehestandes belehrt, sie trete ein als Genossin der Arbeiten und Gefahren, um mit dem Manne Gleiches im Frieden, Gleiches im Kriege zu trage» und zu wagen." Das ist es!
PoMische NAH NupoLitifchL fla<2Wm iD episch tu-BureLU »Herolds
Berlin, 26. Oktbr. Das deutsche Kaiserpaar ist nachmittags l1/« Uhr an Bord der „Hohenzollern" vor Haifa eingetroffen und um 4 Uhr nachmittags geland-t.
Berlin, 26. Oktbr. Wie die Abendblätter berichten, wird in maßgebenden politi chrn Kreisen angenommen, daß der Reichstag am 29. November durch den Kaiser im weißen Saale des königlichen Schloss-s eröffnet werten wird. Die Rückkehr des Kaisers wird zum 20. November entgegengesehen.
Berlin, 26. Oktbr. Der „Reichsanzeiger" schreibt: Anläßlich der Pesterkrankungen in Wien hat sich anscheinend im Publikum die Befürchtung verbreitet, daß durch ähnliche Verhältnisse auch hier eine Ausbreitung der Krankheit Herbri- geführt werden könnte. Zu einer derartigen Beunruhigung liegt kein Anlaß vor. Versuche mit Pestbaztllen an lebenden Thieren sind seit langer Zeit weder im kaiserlichen Gesund- Heilsamt noch im königlichen Institute für Infektionskrankheiten, noch im hygienischen Institute der hiesigen Universität ausgeführt worden. Solche Versuche stehen auch nicht in Aussicht und sind um so weniger nothwendig, als die einschlägigen Fragen durch die in Indien angestellten Untersuchungen hinlänglich geklärt sind und als die im vorigen Jahre von Reichswegen nach Indien zur Erforschung der Pest abgesandte Sachverständigen-Kommission Gelegenheu gehabt hat, verschiedene Studien über die Pest, besonders über die Art der Verbreitung und die zur Bekämpfung der Krankheit geeigneten Maßnahmen zu machen.
Wien, 26. Oktbr. Das Befinden der Wärterin Pecha war heute Mittag etwas bester. Ihre Körper-Temperatur betrug 39,3, Puls 102, klein aber regelmäßig. Die Diagnose lautet: Drüsenschwellung, gelbliche Hautfarbe, theilwesie blutig an Brust und Rücken. Die Wärterin Hochegger klagt über Ohrenschmerzen. Ihre Temperatur beträgt 39,5. Sie erbricht eine grünlich gallige Materie. Die Wärterin Göschl klagt über Kopfschmerzen. Temperatur 37,2. Alle übrigen befinden sich wohl.
Prag, 26. Oktbr. Dem „Präger Tageblatt" zufolge ist Dr. Lola infolge einer Infektion mit Antitoxin, welches er an einer an Wundstarrkrampf erkrankten Patientin in der Klinik anwandte, gestorben.
Paris, 26. Oktbr. In politischen Kreisen spricht man außer von einem neuen Kabinet Briston auch von einem Kabinet mit Ribot oder Dupuy an der Spitze. In beiden
Kombinationen würde jedenfalls Delcastö das Portefeuille des Auswärtigen behalten.
London, 26. Oktbr. Ja dem morgen stattfindenden Ministerrathe werden die von dem Botschafter Baron Courcel üverbrachten Vorschläge Frankreichs in der Faschoda-Frage besprochen werden. Die Vorschläge werden im AuSwärtigen Amt als sehr entgegenkommend bezeichnet.
Aus Stadt- und Landkreis Hanau.
Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe ,Han. Anz*. gestattet.
DeaMtenpersonal-Nachrichte«.
Ernannt: der außerordentliche Pfarrer Mainz zu Lischeid zum Pfarrer zu Oberhülia,
der außerordentliche Pfarrer Hooß zum selbstständigen Pfarrvikar zu Lischeid,
der außerordentliche Pfarrer Reese zu Exten zum selbstständigen Verweser der dasigen Pfarrei,
der Pfarramtskandidat Brehm zu Exten, zum Gehülfen des Pfarrers Ewald zu Allendorf a/Ldsbg.,
der Referendar Dr. Pape zum Gerichtsaffestor,
der Rechtskandidat G e h r zum Referendar,
der Ober-Bottelier Niedermeyer zum Wehr- und Schleusenmeister an der kanalisirten Fulda zu Wolfsauger,
der Trompeter Vogt zum Schutzmann bei der Königlichen Polizeidirektion zu Csffrl,
der Sergeant Leininger zum Schutzmann bei der Königlichen Polizeidirektion zu Hanau,
der Stellenanwarter Ritter zum Gerichtsdiener bei dem Amtsgericht zu Rosenthal,
Versetzt: der Wasserbau - Inspektor, Baurath Jsp Holding von Marburg nach Köm,
der Landgerichtsrath von Winckler zu Alton« als Amtsgerichtsrath an das Amtsgericht zu Fulda,
der Amtsrichter Roßbach zu Abterooe an das Amtsgericht zu Hersfeld.
Bestätigt: der zum Bürgermeister der Stadt Homberg auf die Dauer von 12 Jahren gewählte Bürgermeister G o h l k e aus Thamsbrück.
* Kirchliches. In dem am nächsten Sonntag, am Reformationsfefte, stattfindenden Vormittagsgottesdienste der Johanniskirche werden der Kirchengesangverein und der Kua- btnchor zur Hebung der Frier Mitwirken. Wie aus dem Inserat ersichtlich, fintet heute Abend, präcis 8 Uhr, eine Probe statt, zu der die Mitglieder des Kirchenchorcs dringend eingekaden werden.
* Personalien. Infolge der Einberufung des Regie- ruugsraths Hochbaum zu Castel in das Kollegium der Generalkommission zu Münster ist der Gerichtsaffestor Dr. Fechner mit der weiteren Verwaltung der Spezialkommis- sion I zu Castel beauftragt worden.
* Ztt Allerheiligen. In welch' ausgedehnter Weise die Gewohnheiten einzelner Landstriche sich mit der Zeit dem ganzen Volke mittheilen und zum Gemeingut einer ganzen Nation werden zeigt recht deutlich die Süte der rheinischen und bayerischen Gegenden, zu Allerheiligen Kränze auf dm Gräbern der Verwandten oder sonstigen lieben Angehörigen niederzulegm, indem diese Geflogenheit sich auch bei uns jährlich immer mehr einbürgert und den Friedhöfen jetzt ein ganz anderes Aussehen gibt als es dieselben vor etwa 10 Jahren hatten. Wenn auch nicht der überaus große LuxuS wie auf den Friedhöfen genannten Gegenden in Blumen und Kränzen getrieben wird, welche an diesen Tagen dort die Friedhöfe in wahre Blumenfelder umwandelt, so berührt es doch angenehm, daß auch bei uns die schöne Sitte stets mehr und mehr um sich greift, die letzte Ruhestätte der Verstorbenen noch einmal vor Eintritt in die rauhe Winterzeit mit den letzten Kindern FloraS zu schmücken.
* Durchschnittspreise. Der Durchschnitt der höchsten Tagespreffe für Fourage beträgt mit einem Aufschlage von 5 Prozent für den Monat Oktober 1898 in dem Stadt- und Landkreise Hanau für Hafer 7 Mk. 35 Pfg., für Heu 2 Mk. 65 Pf-, für Stroh 2 Mk. 21 Pfg. pro Zentner.
* Stadttheater. Arthur Schnitzler's „Liebelei", daS Morgen als 4. Novität in Szene geht, hat den schrift- stellerischkn Ruhm deS jungen AutorS in ganz Deutschland und Oesterreich aufS Glänzendste begründet. DaS Stück gehört gänzlich der neuen realistischen Richtung an und besticht sofort durch die eminente Naturwahrheit seiner Gestalten, sowie durch die bei aller Einfachheit so überaus packende Handlung. Ueberall hat eS den tiefsten Eiudruck gemacht und erscheint fortwährend ununterbrochen auf den Spielplänen sämmtlicher Bühnen. Die Hauptrollen sind hier durch die Damen