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Nr. 248.
Amtliches Organ für Staöt- unö LsnSKreis Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Montag den 24. Oktober
Amtlichts.
^taöf&rcio ^anaru
Unter den Pferden von 4 Eskadronen des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6 hier ist die Rothlausseuche ausge- brochen.
Hanau am 22. Oktober 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 10726 J. A.: Schneider, Kreissekretär.
TicnMllchnchten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Hcrrnregcnschirm, in einem Laden stehen geblieben.
Verloren: Ein Matrosenkragen aus blauem Tuch. Ein schwarzer halbseidener Tamenregenschirm mit weiß- und schwarz- punkrirtem Griff; gegen Belohnung abzucebcr.
Entlaufen: Ein brauner Jagdhund mit Halsband, m. Geschl.
Zugelaufen: Ein Hühnerhund, weiß, mit schwarzem Kop' und schwarzgefleckter Ruthe.
Vom Wasenmeifter ein gefangen: Ein hellgelber Pinscher und ein Bastard, grau, beide m. Geschl.
Hanau am 24. Oktober 1898.
Auf dem Wege nach Palästina
durcheilt jetzt die Kaise-,yacht ^Hohmzollern" das Meer die kleinasiatische und und kniffe Küste entlang, um das deutsche Herrscherpaar am Dienstag in Haifa zu lauden. Vorgestem feierte die Kaiserin noch rhren Geburtstag am Goldmm Horn im Park des SommeranfmlhaüeS der Kaiserlichen Botschaft
Wilhelm bekundet; jetzt aber, wo er Gast ihres Souverains war, ist seine Person für sie geheiligt. Die allgemeine Freude, die der kaiserliche Besuch hervorgerufen hat, entspringt nicht der Berechnung, baß die Reise des Kaisers glückliche Folge« auf politischem Gebiet haben könnte." — Don den Kaiserfesten am Bosporus bringen wir nachstehend die eingehenden Berichte, welche deren glänrenden Abschluß schilderr.
Vom Paradetage.
Konstantinopel, 22. Okbr. Glänzender urb prächtiger als gewöhnlich ist diesmal der Selamlik verlaufen. Nicht nur die hervorragendstes Mitglieder der deutschen Kolonie, sowie zahlreiche Fremde von Rang und Ansehen wohnten der Feierlichkeit bei, sondern auch viele Mitglieder des diplo- matischen Korps und fast alle Militär-Attaches der hieng-n Misstonev. Der ganze Weg nach Dildiz war von Menschen so dicht besetzt, daß weder das Milnär noch die Polizei den Weg frei halten konnte und es unmöglich war, mit dem Wagen bis in die Nähe der Terraffe zu gelangen, die für die geladeucn Gaste reservirt war. Besonders auffällig war die sehr große Zahl türkischer Frauen, die auf dem Terrain zu beiden Seiten des Weges lagerten in der Hcffnung, den Sultan oder den deutschen Kaiser zu sehen. Das Kwserpaar war allerdings nur für diejenigen sichtbar, die sich auf der Terraffe befanden, denn sie verließen dm Bereich von Dildiz nicht, um in dm Kiosk zu gelangen, von dem aus sie das glünzmde Schauspiel betrauteteu. Es ist derselbe Kiosk, der 1889 eigens für das Kaiserpaar zu dem Zweck, dem er auch diesmal diente, erbaut wurde und der bisher stets nur für die Diplomatie reservnt wurde. Im Gefolge des Kaisers be- fandm sich Freiherr vcn Marschall, der zum ersten Male die Brillanten zum Großkreuz des Rothen Adler-Ordens trug,
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für Sram- unb Sack» frei Hans» 10 ^ Me 4gefpaltene Garmond» ytle ober deren Raum, für AuswättS 15 ^
Im Reklamentheil die Zeile 20 ^, für
LuSwäns 30 ^.
1898
von Chesket Pascha, dem Kommandeur von Dildiz, in Parade. In der Mitte des Feldes hatte ein mindest 100 Mann starkes Musikkorps Aufstellung genommen, das während der ganzen Parade unaufhörlich dieselbe Melodie bis zum Ueberdruß hören ließ. Mit einer Fanfare wurde die Parade eröffnet, die Truppen präsentirten, riefen dreimal ihr »Tfchok Jescha" und führten die Rechte grüßend an Mund und Kopf. Dann ertönte das „Heil Dir im Siegerkranz" ; nun begann der Vorbeimarsch in Kompagciefront. Besonders die Znaven und Albanesen erregten Interesse. Man konnte im Einzelnen kleine Ausstellungen machen, Heer und da wurde ohne Tritt marschnt oder waren die Reiter nicht so schnurgerade ausge- richtet, wie wir es bei uns gewöhnt sind, aber über diese kleinen Mängel darf man hinwegsehen, well der Gesammteiu- druck der Truppen ein gar; vortrefflicher war. Cfnnere wie Mannschaften ertwickelten beim Vorbeimarsch ein hohes Maß von Schneidigkeit. Man hatte den Eindruck, einem echt mili- tärischen Volke gegenüber zustehen. Als der Vorbeimarsch der Kavallerie erfolgte, rückten die drei älterm Söhne des Sultans ein und 'ührten ihre Schwadronen an im hohen Gästen selbst vorbei, kehrten aber dann sofort wieder in dm Kiosk zurück. Der älteste Prinz macht dm Eindruck eines sehr selbstbewußt-«, auf seinen Rang und seine Stellung stolze« jungen Mannes. Der zweite Sohn, ein Jüngling mit vollem, runden Gesicht, erregte mehr Sympathie. Das Schauspiel war nicht sehr begünstigt vom Wetter, die Sonne hatte sich hinter Gewölk versteckt, und eine schwere, unerträglich drückende Atmosphäre lagerte über dem weiten Felde.
Das Gcüaviner.
Dm Schluß des Paradetages bilbete das Galadiner, das der Sultcn im Dildiz-Kiosk zu Ehren des diplowattschm
die ihm der Kaiser persönlich überreicht hatte, Frau v. MarschM zu Therapio. Der Padischah beachte der bohm Frau seine sowie die übrigen Herren und Damen der Botschaft. Don ehrfurchtsvolle Huldigung dar. Erve niedliche Scme spielte Zeit zu Zeit erschien Hauptmaun Sorgen auf der Terrasse, sich dabei ab. Es erschien nämlich die jüngste Tochter des um Gnad-nbeweise des KanerS zu vertheilm. Der Selamlik verhiudert war, Theil. Kaiser Wilhelm uud die Kaiserin
Sultans bei der Kaiserin uud überreichte ihr mit einer Hübschen spielte sich wie gewöhnlich ab, nur fiel es auf, daß der Sultan August- Viktoria wurden vom Sultan empfangen, der ihnen Ansprache, in der sie ihre Glückwünsche aus drückte, einen diesmal in einem ganz offenen Wagen fuhr. _______1 ..... '
prächtigen Blumenstrauß. Die anmuchige Heine Prinzessin Kiosk vor überkam, in dem das Kaiserpaar sich befand, erhob setzte sich dann an das Clavier und spielte der Kaiserin ^Heil er sich zum Gruß, ein Vorgang, der, weil noch nie doge- Dir im Siegerkranz" vor. Das Blatt Sabah veröffentlichte wesev, allgemein bemerkt wurde und der sich bei der Rück anläßlich des Geburtstages der Kaiserin ein denssches Gedicht und einen Leitartikel, i« welchem die Kaiserin gefeiert wird
Korps veranstattete. An Dem Diner nahmen jäwmttiche Botschafter und Gefaudtm, mit Ausnahme des öfte.reichijch-uu- garischen Botschafters Freiherr« 0. Calice, der durch Hoftrauer
Als er an dem
weil noch nie doge-
fahrt wiederholte. Tabei lenkte der Sultan sein Wägelchen,
und die Wünsche aller Okmanlis zum Ausdruck gelangen
in welchem neben ihm sein Lieblingssohn Buraheddin saß, selbst. Dem Selamlik folgte zu Ehren deS Kaisers eine
iroße Parade auf dem rothen Felde hinter Dildiz. Ein solches Schauspiel hatte Konstantinopel schon seit Dielen Jahren nicht mehr gesehen; daher war es begreiflich, daß die halbe Stadt nach dem Paradefelre drängte. Wider Erwarten hatte man dem Publikum nicht den Zuttitt verwehrt, und so rückte es
sodann die Mitglieder des diplomatischen ÄorpS und deren
Damen vor stellte. An alle Dorgestellten richtete das Kaiserpaar
huldvolle Worte. In zwei Sälm war die Tafel mit 120 Gedecken aufgestellt. An der Schmalseite faß der Sultan,
ihm zur Rechten die Kaiserin, ihm zur Linken der Kaiser. Rechts von der Kaiserin hatte der französische Botschafter Cambon und neben diesem hatten die übrigen Botschafter Platz genommen. Der Sultan trug Marschallsuuiform, zu der er seine deutsche« Orden angelegt hatte; der Kaiser trug die Galauniform des Leib-Gardehusarm-Rezimeuts; die Kaiserin erschien in einer dunkelrosafarbenen Toilette, an der Brust ein
Um 3 Uhr Nachmittags fand das Diner beim Sultan im Palast Dolma Bogdsche statt. Um 5 Uhr erfolgte die Abreise des Kaiserpaares nach überaus herzlicher Verabschiedung vom türkischen Großberin. Den Eird^uck, den der Besuch des deutsclen Herrscherpaares in Koustautinepel hinterlassen hat, spiegelt das Blatt Servet, wie folgt, wider: „Die Otto- , __________ _____________________________
manev haben schon immer große Bewunderung für Kaiser 20,000 Mann aller Waffen standen unter dem Oberbefehl geleitete das Kaiserpaar in den Salon, wo die Herrschaften ^««■■■■«■■■^■■■■■■■■^■■■■■■»■■■^‘■‘■"'■"'""‘"■■■■■^■■■■^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■^■■■■MM^MMMI^^MMM;,;
bis nahe an den Kiosk heran, wo das Kaiserpaar saß. An
ihr vom Sultan zum Geschenk gemachtes Brillanteubouquet. Nach dem Diner bot der Sultan der Kaiserin den Arm und
Feuilleton
Worte der Erinnerung
an
den ersten Dirigenten deS Oratorienvereins.
(Mit Benutzung eines ihm seiner Zeit gewidmeten Nachrufs.)
Friedrich Wilhelm Rühl war geboren am 7. Februar 1817 zu Hanau, wo sein Vater Lehrer und Kantor war. Ausgestattet mit herrlichen Geistesgaben regte sich in ihm schon als Knabe der Keim zu seiner künftigen hohen Berufsbildung. Sein Vater verfehlte nicht, dem begabten Knaben vor allem eine tüchtige Schulbildung z» theil werden zu lassen. Nächstdem fand sein für die Musik empfängliches Gemüth die «sie Pflege theils im elterlichen Hause, theils durch den besonderen Unterricht deS Organisten Konrektor Willich -u Hanau. Durch diesen, der noch ein Schüler von ^Manuel Bach war, erhielt er schon frühzeitig die ersten ^gehenden Eindrücke von den wunderbaren Tonschöpfungen M großen Joh. Sebastian Bach, die für seine ganze 'olgende Kunstrichtung von entschiedenem Einfluffe geworden Rab. —
Das Talent, das in dieser anregenden Umgebung die beste Keimkraft erhalten hatte, wurde dann in derselben Kunsi- nchwug durch den Frankfurter Mufiklehrrr und Komponisten 30^. Repomuk Schelble*), mit dem Rühl im Jahres in neuere Beziehung kam, weiter entwickelt. Rühl federe sich am Ideale Schelble's zum echt« Künstler, die Kunst Selbstzweck ist, im schroffen Gegensatze zum
- *) .Ewige Ruhe' von Schetble kam hier in einem der Rühl'schen *««3ertt u. K zur Aufführung.
^Kuvsthandwerke". — Diesen Zug des Idealen, der über alles Materielle, ja selbst über daS Persönliche hinaussieht, und von dessen Beschränkung frei macht, der aber dm ganzen selbstlosen Menschm fordert, finden wir bei Meister Rühl durch seine ganze Künstlerlausbahn hindurch scharf ausgeprägt. —
Allein nicht nur in Hinsicht der Kunstauffassung von der idealen Leite war Schelble für den strebsamen Jüngling ein nachahmungswürdiges Muster, sondern auch in Bezug auf dessen Ausbildung zum Meister und künftigm Dirigenten. — Unter dem ernsten Walten Schelble's im ^Frank- furterCäcilienverein" lernte er die herrlichenTonschöpfungm der großen Meister in höchst vollendeter Darstellung kmnen. Hier öffnete stch ihm eine neue weite Taumelt; hier wurde sein Interesse und seine Begeisterung für Händel, Bach, Haydu, Mozart und Ehernbini angeregt; hier lauschte er nicht allein auf die so mächtig unb wundersam wirkenden Tondichtungen, sondem auch auf die trefflichen Erläuterungen des wohtbe- raihmm Leiters. Kurz Rühl hörte, sah, dachte ' l e i ß i g nach — und ward ein vorzüglicher Kevuer der klassischen Tonkunst nvd ein ausgezeichneter Dirigent.
werthen Mannes. Im mündlichen Unterricht war Andrä sehr belehrend, jedoch fiel es ihn schwer, bei einer Sache lange zu verweilen. Der Stoff strömte ihm in Fülle zu, und bei der eifrigen Bemühung, jeden Gedanken, der ihm durch den Kopf kreuzte, belehrend mitzutheileu, gerieth er gar bald von der Hauptsache auf Nebenfaches; es war daher nicht selten, daß wir von dem doppelten Contrapunkte ausgingen und an der Eroberung von Mexiko oder sonst wo anlaugten. A n d r 6 kam mir wähfend des Unterrichts oft vor, wie ein großer Komet, der, regellose Bahnen verfolgend das Weltall durch mißt, überall als hellleuchtendes Gestirn Bewunderung weckend."
A n d r v' s Streben hat in seinem dankbaren Schüler Friedrich Rühl segensreiche Früchte getragen; davon zeugt dessen ganze Thätigkeit als darstellender Künstler, als Komponist, Lehrer unb Dirigent.
Daß Rühl ein guter Pianist war, hat er in den ersten Konzerten des OratorievoereinS, in welchen er, wie schon kürzlich erwähnt, meisterhaft zugleich begleitete und dirigirte, genugsam bewiesen, daß er namentlich Bach so vortrefflich und gern spielte, ist eine Folge der oben genannten günstigen
Umstände, die ihn ^fast durch unmittelbare Tradition^ mit
Da Rühl ein entschiedener Ferud aller Halbhett unb .
Unklarheit war, so war -3 ih« bald ein Bedürfniß, einer, der Spielart des ^T-ngewaltkgeu" vertraut machten. — sicheren Blick in die Werkstätte der Tonkunst, die Theorie der Richt weniger vorrhesthaft wirksam zeigt sich frn theoretisches Musik, rotrfen zu sönnen. Um sich diesen anzuerziehen, wandle Siffassen der Kunst in seinen eigenen Kompositionen, er sich an einen Mano, der wegen seiuer vorttrfflichen Kenvr- von denen uamenrl.ch seine Quartette für gemischte» Chor nisse in der gesammren Touwlssenschaft Sei den Künsileru in hervmzvheben sind.")
hohem Ansehen stand. ES war die« der Mastter Anton HSH« noch been als schaffender Künstler steht Ruhl da Snbrö in Offenbar Dieser ante,richtete den strebsamen als Lehrer der Musik, zu welchem Berufe er von der jungen Mann in der ^rmonielehre, im Contrapunkte und Natur mit seltenen Anlagen ausgestattet war. Rühl gab in der Fnge. Ueber diesen Unterricht spricht sich Rühl in einen vortrefflichen Unterricht; er verstand eS, der jedesmaligen sehr anerkennender Weise aus; „Um anderen nützlich, werden zu können, arbeitete Andre so stetig; und dieses Ziel zu
Höher noch denn als schaffender Künstler steht Rühl da
erreichen, war die ganze Lebensaufgabe dieses verehrungS-
*) Eine von Rühl komvomrte Ode. „Ton Unendlichen', wurde tu btm am 24. September 1851 R-tt-efnadeuea Konzert deS Cra« torienvertiur zur Aufführung gebracht.