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Amtliches Begatt für Stadt- unö LsnöKrels Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

St. 230.

Montag den 3. Oktober

1898

Hierzu

Amtliche Beilage" Nr. 62.

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Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gesunden: Eine silberne Damenuhr nebst Kette. Ein weißes Kinderjäckche«. Ein Havelock. Ein schwarzer Regen­schirmüberzieher.

Hanau am 3. Oktober 1898.

Wahlaufruf der konservativen Partei.

Der von denVorständen der konservativen Fraktionen des preußischen Landtags", d. h. des Abgeordnetenhauses und des Herrenhauses, unterzeichnete Wahlaufruf zu den Ende Oktober stattfindenden Landtagswahlen ist erschienen. Die Kundgebung wirst einen kurzen Rückblick auf die Vergangen­heit, indem sie feststellt, daß, wenn auch vieles nicht erreicht ist, was erstrebt wurde, zum Wohle des Vaterlandes dennoch Erhebliches geleistet worden ist. Auch für die Zukunft will die Partei für volle Wahrung der Machtbefugnisse der Krone, wie für die in der Verfassung verbrieften Rechte der Staats­bürger eintreten. Sie hält es für ihre Ausgabe, im Landtage darauf hinzuwirken, daß der preußische Einfluß auf Reichs­angelegenheiten im Sinne der von ihr vertretenen Interessen gehandhabt werde. Die Bestimmungen über die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen seien dringend einer organischen Reform bedürftig, wobei neben der Wahrung der natürlichen Rechte der Eltern und der Gemeinden unbedingt der kon­fessionelle Charakter der Volksschule aufrecht zu erhalten sein werde.

Auf wirthschaftlichem Gebiete bleibe die Erhaltung unserer in ihren Existenzbedingungen schwer gefährdeten Erwerbsstände in Landwirthschaft, Gewerbe und Handwerk gegenwärtig die wesentlichste Aufgabe der Partei. Dazu bedürfe es in erster Linie eines kräftigern handelspolitischen Schutzes der nationalen Arbeit. Auch unlauterer Konkurrenz sei entgegenzutreten, insbesondere sei eine Beschränkung der Großbazare in Aussicht zu nehmen. Durch Förderung genossenschastlicher Unternehmungen, von Fachschulen, ganz besonders auch durch sachgemäße Weiterentwicklung, unseres Eisenbahnnetzes und unserer Eisenbahntarise würde die natio­nale Arbeit zu unterstützen sein.

Dabei dürfte jedoch die Erhaltung gesunder Staats­finanzen nicht außer Betracht gelassen werden. Die Ein­nahmen aus der Eisenbahnverwaltung dürften nicht unter eine angemessene Verzinsung herabgehen. Die Normirung von Personen- und Gütertarifen dürfte deshalb nicht ohne haus­hälterische Berücksichtigung der Staatseinnahmen erfolgen. Die Partei sehe in der Entwicklung des Verkehrsnetzes eine der wichtigsten Aufgaben des Staates. Sie stehe daher der Ausdehnung des Verkehrs auch auf den Wasserstraßen nicht feindlich gegenüber; sie mache aber ihre Zustimmung zu neuen Kanalbauten von dem Nachweise des wirthschastlichen Nutzens und der Verzinsung des Anlagekapitals und ferner davon abhängig, daß durch die Anlagen die Produktionsbedingungen der Landwirthschaft nicht nachteilig beeinflußt würden. Weiter wird die Nothwendigkeit der Beseitigung von Unbilligfeiten betont, welche bei den bereits früher aufgebesserten Gehäl­tern der Unterbeamten in der Zwischenzeit tervorge- treten sind. In der Polen-Politik wird eine zielbewußte einheitliche und energische Haltung der Staatsregierung ge­fordert und ihre Unterstützung von der konservativen Partei in Aussicht gestellt.

Zum Schluß macht der konservative Ausruf in energischer Weise Front gegen die freisinnige Pürier,die in ihrer ver­

hetzenden Agitation der Sozialdemokratie die Wege ebnet und^ sich ihr in den Wallkämpfen offen an die Seile stellt." Jede Begünstigung der Sozialdemokratie sei unter den heutigen Verhältnissen ein Verrath am Vaterlande.

Wer nicht alle Dinge durch eine Parteibrille zu betrachten Lkwöhnt ist, wird anerkennen müssen, daß der Wahlausruf die Stellungnahme der konservativen Partei zu den Haupt­fragen der innern Politik klar zum Ausdruck bringt. Und das ist ja auch der Zweck dieser Kundgebung, nickt aber Auseinandersetzungen mit andern Parteien über die Richtigkeit des konservativen Standpunktes.

Ueber das dentschenglische Afrika-

Abkommen

^nd in der letzten Zeit in der deutschen und in der auS- iändischm Presse eine Reihe von Angaben verbreitet worden, die nur mehr oder weniger haltbare Vermuthungen sein

sonnten, da von den beiden betheiligten Regierungen der In­halt des Abkommens geheim gehalten wird. Die deutsche Re­gierung hat sich bisher darauf beschränkt, nur denjenigen Nachrichten bestimmt" zu widersprechen, die das Abkommen als einen Bündißvertrag bezeichneten. Es steht fest, daß sich das Abkommen nicht auf Gebiete bezieht, in denen auch dritte Großmächte interessirt sind, wie in Egypten, Kleinasien und Ostasien, sondern nur afrikanische Kolonialfragen regelt, ins­besondere sür den sicheren Fall, daß Portugal genöthigt ist, mit seinen überseeischen Besitzungen Bürgschaft für neue An­leihen zu leisten.

Das Schweigen der Regierung muß der nationalen Preffe Zurückhaltung gegenüber allen Ausstreuungen über den In­halt und die Bedeutung des Abkommens auferlegen. Diese Zurückhaltung wird auch in der That von der Mehrzahl der Blätter geübt. Eine Minderzahl hat sich jedoch schon in eine gewisse Opposition Hiveirgeschrieben, die nothwendig inS Blaue gehen muß, da es eben an der nöthigen Untertage für ein Urtheil für oder wider fehlt. Man liest in den Auseinander­setzungen über die Nothwendigkeit, die Transvaal-Republik zu schützen, als ob die deutsche Regierung unter allen Umständen Buren-Jntereffen und nicht vor allem deutsche Interessen wahrzunehmen hätte. Der etwaige Uebergang der Delagoabai unter englischem Einfluß wird als Preisgabe wohlerworbener deutscher Rechte hingestellt, obgleich eS zweifellos England ist, ^das bereits dort ein wohlerworbenes Vorkaufsrecht besitzt, und obgleich große Vortheile für uns denkbar sind, welche die deutsche Anerkennung jenes Vorkaufsrechts mehr als aufwiegen würden. Es wird sogar vereinzelt die Befürchtung laut, daß ' englische Sympathien beim Abschluß des Vertrages auf deut­scher Seite mitgespielt hatten, als ob nicht unser Kaiser der eifrigste und beste Hüter deutsch-nationaler Interessen und gegen eine Gefühls-Politik, die uns mit Rußland entfremden könnte, vollständig gesichert wäre.

Wenn die deutschen leitenden Kreise gleichwohl in ihrem Schweigen über den Inhalt des Abkommens verharren, so geschieht es zweifellos aus zwingenden sachlichen Gründen und in dem sicheren Bewußtsein, daß die voreilige Opposition ihr Pulver ins Leere verschießt. Eine Regierung, die dem na­tionalen Empfinden einen so starken und glücklichen Anstoß !zu geben verstand, wie es mit der von unserm Kaiser be­fohlenen Aktion von Kiautschou geschah, hat vollen Anspruch auf das Vertrauen, daß sie aus gesunden realpolitischen Er- I wägungen das Abkommen getroffen hat und selbst den Zeit­punkt abfeben und bestimmen kann, wann der Inhalt zu ver­öffentlichen ist. Erst dann kann ein verständiges kritisches Urtheil gefällt werden; bis dahin heißt es: Abwarten.

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer Meldungen an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Hoheu- zollern", Kommandant: Kontre-Admiral Freiherr von Boden­hausen, am 30. September in Venedig angekommen; S. M. S.Moltke", Kommandant: Korvetten-Kapitän mit Oberst- Lietenants-Rang Schröder (Ludwig), ist am 30. September in Las Palmas angenommen und beabsichtigt, am 10. Oktober nach BarbadoeS in See zu gehen.

Ueber die Beziehungen des Fürsten Bismarck zur Landwirthschaft. Der neue Gutsherr von Varzin, Oberpräsident Graf Wilhelm v. Bismarck, hat an den Vor­sitzenden des landwirtschaftlichen Vereins von Stolp einen Brief gerichtet, der sich über He Beziehungen des Fürsten Bismarck zur Landwirthschaft ausspricht. Der Brief hat fol­genden Wortlaut:Hochgeehrter Herr v. Mitzlaff! Ihre freundliche Mittheilung vom 17. d. M. habe ich mit ver­bindlichem Dank erhalten und aus deren Anlage entnommen, daß der landwirthschostliche Verein das Andenken meines ver- ewigtep Vaters, des stets bereiten Beschützers der Landwirth- schast, ehren will. Er hat sehr an der diesigen Gegend ge­hangen und sein Varzin besonders lieb gehabt, und in allem meinem Schmerze ist es mir eine Genugthuung, sein Nach­folger gerade hier zu sein, wo jedes Stückchen Erde Zeugniß ablegt von seiner fruchtbaren 30jährigen Wirksamkeit. In der Liebe für die Scholle hoffe ich es ihm gleich zu thun."

Ueber die physische Degeneration und Wehr­fähigkeit europäischer Völker hat Dr. Krause aus Bonn in der Versammlung deutscher Aerzte und Natur­forscher in Düsseldorf gesprochen. Er bemerkte einleitend, es sei eine weit verbreitete Meinung, daß der heutige Kultur­mensch Europas in physischer Beziehung zurückgegangen sei, indessen ergab die genauere Untersuchuna das Irrtümliche dieser Ansicht. Die alten Mumien und Skelette, ferner die Rüstungen vergangener Jahrhunderte lehren, daß die damaligen Menschen weder stärker noch größer waren als die heutigen

Europäer. Römische Militär-Schriftsteller gaben als Mindest­maß für die Elite der römischen Truppen 1,72 Meter an, was fast genau den Anforderungen für unsere Garde-Regi­menter entspricht. Die, vielfach aufgestellte Behauptung, daß in den Jndustriebezirken die Bevölkerung enterte, läßt sich ebenfalls nicht aufrecht erhalten. In Berlin liegen zwar die Verhältnisse der letztjährigen Rekruten-AuShebung ziemlich schlecht, dagegen bleiben viele Industriestädte weit über dem Durchschnitt. Die physische Beschaffenheit der Kulturvölker hat also durchaus nicht gelitten; sie ist im Gegentheil eher günstiger geworden, keinesfalls besteht Anlaß zu Schwarz- seherei in dieser Beziehung.

Kriegerische Ansprache eines französischen Admirals. Admiral Humann, der Kommandeur des Mittelmeergeschwaders, hielt nach Beendigung der Manöver eine Ansprache, in welcher er sagte, der Widerstreit der inter­nationalen Interessen trete scharf hervor; dir Möglichkeiten, welche binnen Kurzem eintreten könnten und welche jeder Soldat im Auge haben müsse, ohne sie zu wünschen, machten es für die Truppen zur Pflicht, auf der Hut zu sein.

Früchte der Verhetzung.

Wie unsere Leser sich vielleicht noch erinnern werden, war Liegnitz vom 18. bis 21. Juni dieses Jahres der Schau­platz von Aufruhr-Szenen. Von einer aufgeregten Menge wurden schlimme Ausschreitungen begangen. Zahlreiche Fenster, Straßen-Laternen, elektrische Straßenbahn-Wagen, Grabdenkmäler u. s. w. wurden zertrümmert. Die Polizei­beamten, die die Ruhe wieder herstellen wollten, wurden ver­höhnt und mit Steinen geworfen. Die Menge nahm schließ­lich eine so drohende Haltung an, daß Militär aufgebeten werden und sie mit Waffengewalt auseinandertreiben mußte, wobei viele, zum Theil schwere Verletzungen vorkamen. Einer der Betheiligten wurde sogar durch einen Bajonettstich getödtct. Jetzt sind einige dieser Aufrührer zu theilweisr hohen Freiheitsstrafen verurtheilt worden.

Die Ursache der Revolte war die Mißhandlung eines Dienstmädchens. Aber schwerlich würde diese Ursache solche Wirkungen gehabt haben, wenn nicht in Liegnitz der Boden für den Aufruhr vorbereitet gewesen wäre. Es war die Zeit der Reichstagswahlen. Seit Wochexl schon waren die Ge­müther der großen Masse durch die Agitation der Sozial­demokratie aufgewühlt und mit Haß und Erbitterung gegen Andersdenkende erfüllt. In einem solchen Falle genügt der geringfügigste Anlaß, um die aufs äußerste angespannte Erregung zum Ausbruch zu bringen. Und so handelte es sich auch in Liegnitz nicht etwa um das Gerechtigkeitsgefühl der Menge, die sich des mißhandelten Dienstmädchens an- nehmen wollte; sondern dies war nur der willkommene Vor- wand, um der erregten politischen Leidenschaft in irgend einer Weise Lust zu machen. Jeder andere Vorwand wäre ohne Zweifel ebenso schnell benutzt worden.

Daß die Sozialdemokratie die Verantwortung für die Ausschreitungen ablehnt, ist selbstverständlich. Durch ih^n Einspruch werden sich indessen nur solche Leute täuschen lassen, die sich täuschen lassen wollen. Es ist festgestellt, daß von der aufrührerischen Menge die Arbeiter Marseillaise gesungen und ein Hoch auf den sozialdemokratischen Reichstagskaudidatea Bruhns ausgebracht wurde. Und als ein Mann rief:In zehn Jahren haben wir den Zukunstsüaat", wurde ihm ge­antwortet:Wir müssen sofort den ZukunftSstaat haben!" Diese Aeußerungen lassen keinen Zweifel über die Art des Aufruhrs, und der Staatsanwalt traf daher den Nagel aus den Kopf, als er den Sozialdemokraten zurief:Ihr möget sagen, was Ihr wollt; die krawallirenden jungen Burschen haben Eure revolutionären Ideen in nicht- oder schtechtver- ; ftanbener Weise in ihre Köpfe eingenommen und sind be­müht gewesen, diese unverdauten Ideen in die That umzu- ! setzen!" . .....

i Jedenfalls zeigen die Liegnitzer Vorgänge, wohin bte . planmäßige Verhetzung der Sozialdemokratie die urtheilslose-r Massen führen kann und schließlich auch führen wird, wenn nickt wirksame Schutzmaßregeln ergriffen werden. Was in Liegnitz geschehen ist, kann sich überall wiederholen, wo die Sozialdemokratie Anhang hat. Was die Umstürzler abhält, den Zukunft sstaat sofort einzurichten, ist allein die Erkennt­niß, "daß die Grundlagen unserer Staats- und Gesellschafts­Ordnung noch zu fest sind, um von einem unvermuteten Anprall über den Haufen geworfen zu werden.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Devescherr-Bureau .-Herold".)

Wien, 2. Oktbr. Das Gerücht von dem angeblichen Rücktritt des Grafen Thun wird offiziös dementirt. Trotz-