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M. 228
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Freitag den 30. September
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1898
AmMchss.
^a^^ew ^<ma/u<. OLisMtNachuuge« des Kömglicheu Laudrathsamtes.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher der an das Großherzogthum Hessen grenzenden diesseitigen Gemeinden und Gutsbezirke werden darauf aufmerksam gemacht, daß nach Vereinbarung mit den Großherzogl. Hessischen Kreisbehörden die gemeinschaftliche Begehung der Landeshoheitsgrenze alljährlich am 1. Oktober statifindet.
Ich ersuche Sie, sich mit den betreffenden Großherzozlichen Bürgermeistereien über Stunde des Beginns des Grenzbe- gangs und den Ort der Zusammenkunft rc. rechtzeitig ins Benehmen zu setzen und entweder selbst, oder durch den Beigeordneten bezw. ersten Schöffen den Termin wahrzunehmen.
Das gemeinschaftlich auszunehmende Protokoll über die bei dem Grenzbegang bemerkten Mängel ist nebst der Gebühren- Liquidation bis zum 6. Oktober er. Hierher einzureichen.
Hanau am 28. September 1898.
Der Königliche Landrath.
V. 10462 I. V.: Schneid er, Kreissekretär.
Lavdwirthschastliihlr Kreisvcrcm Hanau.
Nächste Versammlung Sontrabend den 1. Oktober, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" zu Hanau.
Tagesordnung:
1. Vertheilurg der Schweizerziegenböcke an die Gemeinden und Zuchrvereine.
2. Geschäftliche Mittheilungen.
3. Dortrag des Herrn A. Wagner, Direktor der Landwirthschaftsschule in Gelnhausen, über das Thima: „Wie kann der Landwirth den Stickstoffvorrath seiner Wirthschaft erhalten und vrrm-hren."
4. Bericht der Herren Telegirten über die diesjährige landwirthschaftliche Ausstellung in Eschwege.
Der Vor st and.
Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwirthschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hanau am 27. September 1898.
Der Königliche Landrath
v. Schenck.________________________
Dieilstulichrichtcu aus dem Kreise.
Gesunden: Drei Portemonnaies mit je etwas Geld. Eine Peitsche.
Feuilletsir.
Die Kaiserreise nach Paläjima.
8. Cäsarea.
Mittags gelangten wir nach Cäsarea, der Stadt, welche HerodeS der Große an die Stelle von StratonS Thurm gezaubert hat. Vor ihm pflegte man neu begründeten Städten den Namen des Beherrschers deS Landes, von Fürsten oder einer Ortsgoltheit zu geben. Dem Jdumäer war eS vorbehalten, die Herrscher des römischen ReicheS durch Stodie- schöpsuugen zu feiern; Cäsarea und Sebasie lautete seine Huldigungs-Adnsse an den Kaiser August, der ihm zu RhoduS nach der Schlacht bei Actium den Königstitel be-
prachtliebende, baulustige Fürst liebte neue Schöpfungen. Die Anlage einer neuen Hafenstadt auf der nunmehr ihm ganz zugefolleuen Küste empfahl sich von selbst. Ihm, dem hellenisch Gesinnten, waren die Wogen deS Meeres eine Lust, eine Erlösung auS der kleinen Gebirgslandschaft und den ernsten Mauern Jerusalems, wo der starre jüdische Geist seine Bauten bekrittelte und in allem Verletzungen des Gesetzes witterte. BeiStratonSThurm fand Herodes mehrere Meter über dem Meere eine bebaute Ebene, die sich für sein Vorhaben gut eignete. Oestlich gelegene Höhenzüge iiefmen ihm Trinkwasser, Riffe im Meer verbürgten ihm einen sichern Hafen, und so ließ der thaikrästige, gewaltige Mann ferner Herrscherlaune die Zügel schießen. Mauern, Thürme, Burgen und Tempel wuchsen empor, die Riffe deS HafenS wurden Erhöht und mit Säulenreihen geschmückt. Für Wafferläuse und Cloaken traf er solche Fürsorge, daß der GeschichtSschreiber Josephus zu der Bemerkung veranlaßt wurde, „es seien
Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 10 Mk.
Zugelaufen: Ein brauner Jagdhund mit weißer Brust, m. Geschl.; Empfangnahme bei dem Maurer Philipp Künstler zu Niederdorfelden. Ein junger schwarzer Pürscher mit brauner Brust und braunen Beinen, m. Geschl.
Hanau am 30. September 1898.
Das Ende der spanischen Kolonialmacht. Zum Zusammentritt der Pariser Friedenskonferenz (1. Oktober.)
(Nachdruck verboten.)
In dem vielen häuslichen Leide, das die Franzosen gegenwärtig zu erdulden haben, muß ihnen der Zusommentrüt der spanisch-amerikanischen Friedenskonferenz in Paris wie ein Sonnerblick erscheinen. Richten sich doch die Augen der Welt endlich wieder einmal auf die ville lumiere, um einen historisch wichtigen Vorgang anzuschauen. Wer die Eitelkeit der Franzosen kennt, weiß, wie glücklich sie darüber sein werden.
Freilich sollte gerade diesmal dem Frohgesühle des Empfinden der Wehwuth und des Mitleids beigrmifcht sein. Ist es doch eine Schwesternation, deren Degradirung zu einer Macht dritten oder vierten Ranges durch den Pariser Kongreß sanktionirt wird. Avf diesem Kongreffe wird Spanien, von dem auS vor 400 Jahren die neue Welt entdeckt wurde, seines letzten Besitzes in Amerika endgültig verlustig gehen. Es gebührt sich wohl, daß man in diesem Augenblicke sich daran erinnert, wie ungeheuer noch vor 100 Jahren der spanische Besitz in Amerika war und wie nach einander die Kolonieen dem Mrtterlande verloren gingen. Ein Theil deS Südens d.er Vereinigten Staaten, ein großer Theil der mittel- amerikanischen Inselgruppen, Mexiko, der Norden, der Westen und der Südosten Süd Amerikas gehörten den Spaniern. Im Jahre 1763 büßt Spanien Florida ein, das es allerdings 1783 zurückerhält, um es 1819 endgültig aufzugeben. 1795 verliert es seinen Antheil an San Dominxo; 1801 büßt es Louisiana ein, 1802 Trinidad. 1822 sagt sich Mexiko von Spanien loS, 16 20 bildet sich auS den Staaten an der Südwestküste des Golfs von Mexiko die Republik Columbia; schon vorher, 1816, halten sich Argentinien und Uiuguey von Spanien losgesagt; 1818 wurden Chile un- abhärgig, und 1824 machten sich Peru und Bolivia frei. So war für Spanien nur noch Kuba und Portorico übrig geblieben. Diese betten Besitzungen konnte eS noch trotz wiederholter Losreißungsversuche sieben Jahrzehnte hindurch behaupten. Jetzt ist nun die Stunde gekommen, in der auch dieser letzte Besitz in Amerika den Spaniern verloren geht.
Fast noch schmerzlicher für Spanien ist der Verlust der wertvollen Philippinen. Denn wenn auch auf dem Friedens-
ebenso viel Bauten unter dcr Erde als über derselben ausge- sührt worden." Von oll dieser Herrlichkeit sind nur noch wenige Bruchstücke übrig geblieben. Eine Bosniaken Kolonie hat sich in einem Theile der alten Stadt angesiedelt und aus herumliegenden Steinen Häuschen gebaut.
Cäsarea ist bis zur Zeit der Kreuzzüge eine reiche und bedeutende Stadt geblieben, heute ist es nur noch ein geschichtlicher Name, an ihn knüpfte sich die Herkunft der zwei Granitsäulen auf der Piazetta in Venedig, von denen eine den Löwen von St. Markus trägt. Der jüdische Geschichts- schrciber Josephus hat den Tod deS Königs Agrippa L, deS Enkels des Herodes des Großen und der schönen, Hingerichteten Mariamne, in ergreifender Weise geschildert. Hier in Cäsarea war es, wo HerodeS im Zirkus von plötzlichen Leibschmerzen gepackt, sein Ende fand. Man wähnt den im kostbaren Silber Harnisch strahlenden König zu sehen, wie er am Morgen sich hinaus begibt zum Feste, welches wohl der Hitze wegen in der Frühe stattfand. Ueber den Ort, wo die königlichen Plätze im ZirkuS sich befanden, kann kaum ein Zweifel bestehen. Man sieht im Geist, wie er voll Schrecken die Eule bemerkt, die auf einer Säule des Sonnenzelte- saß und wie er bestürzt sich der Weissagung erinnert, die ihm in Rom im Gefängniß gemacht war. In seinem glänzenden silbernen Rock war der geweltige König von dem Augenblick an ein geschlagener Mann, und am Abend war er eine Leiche im 54. Jahre seines Alters, seines HerrscherthumS aber im siebenten.
Noch lebendiger aber tritt uns das Gedächtniß eines größeren, als HerodeS war, entgegen: des Apostels Paulus. Nach seinem Auftritt mit dem Hohenpriester war er von Jerusalem nach Cäserea gebracht worden, und hatte sich da vor dem Landpfleger Felix, einem Freigelassenen und einem Muster dessen, waS ein Landpfleger nicht sein soll, zu
verantworten. Felix verurtheilte PauluS nicht, gab ihn aber aus Habsucht auch nicht frei, und so blieb PauluS zwei Jahre lang in Cäsarea in Hast. AlS der neue Landpfleger Festus inS Land kam, mußte Paulus neue Verhöre bestehen und wurde dem König Agrippa II. und seiner Schwester Berenize vorgestellt. DeS Apostels Vertheidigung vor Agrippa, Berenike und Festus ist einer seiner eindrucksvollsten Reden, und man wundert sich nicht, daß Agrippa zu Paulus sprach: „Es fehlt nicht viel, du überredest mich, daß ich ein Christ würde."
Der Molo, der den heute verlassenen Hafen gegen die Südwinde schützt und in dessen Fundament HerodeS Steine von 16 Meter Länge, 6 Meter Höhe und 3 Meter Dicke versenkte, ist derselbe, auf dem die Augen des gefangenen Apostels oft geruht, wenn auch der Säulenschmuck des Hafens nicht mehr aufrecht steht, — wie gefällte Baumstämme kreuz und quer liegen die Schäfte auf den Klippen umher. Dre Burg, das Richthaus und der Tempel der Roma und des Augustus sind ganz verschwunden. Manchmal, wenn dre armen Bosniaken draußen vor den Mauern der mittelalterlichen Stadt ack-rn, stoßen sie auf ansehnliche Trümmer. Die Flora deS Ortes besteht nur aus üppig blühendem gelben Mohn. Man sieht noch einige Mauern deS Amphitheaters, in welchem Herodes nach olympischem Muster fünfjährige Wettspiele aufführen ließ, und für deren erstes Kaiser Augustus und die Kaiserin Livia Preise gestiftet hatten.
Unser Kaiser wird mit seinem Gefolge am Abend des 26. Oktober ein Zeltlager in der Nähe der Stadt beziehm, vielleicht auf der grünen Ebene, die zwischm der Stadt und dem Zirkus liegt, in welchem Herodes seinen Tod fand.
(Forsetzung folgt.)
kongreffe Spanien in dem Besitze eines Theiles dieser Inselgruppe bleiben sollte, so bedeutet das doch nur eine Galgenfrist. Denn einerseits wird der werthvollste Theil der Gruppe von den Vereinigten Staaten beansprucht, und zweitens ist die spanische Herrschaft bei den Eingeborenen der Philippinen so verhaßt, daß an neuen Ausständen auf dem Spanien verbleibenden Theile und an der schließlich«! Losreißung auch dieses Theiles wohl nicht gezweifelt werden kaun.
Eins aber ist noch trostloser für Spanien als der faktische Verlust seines Kolonialbesitzes: die Art und Weise, in der sich daS spanische Volk mit dem Verluste feiner Machtstellung abfindet. Gewiß waren das Preußen von 1806 und noch mehr das Frankreich von 1870 von Fäulniß angefreffen. Aber der fürchterliche Schlag, den die beiden Staaten in den für sie unglücklichsten Kriege erlitte, dienten nur dazu, ihre Energie anzuiporven. Der Verschiedenartigkeit deS Volks- charakters entsprechend äußerte sich die Anspannung der letzten Kräfte, und, nachdem anch diese vergeblich gewesen war, die Bemühung, zu neuen Kräften zu gelangen, in verschiedener Weise. Leidenschaftliches Ausbäumen in Frankreich, stiller Zorn in Preußen. Was aber erlebt man in Spanien? Hat sich auch in der Zeit der schwersten Niederlagen das spanische Volk in seiner Begeisterung für Stiergefechte irgendwo störe« lassen? Hat es sich jetzt nach der Beendigung des Krieges zu etwas anderem aufgerafft, als zur Beschimpfung nnglück- licher Generäle, die von der Regierung im Stich gelassen werde« waren? Und die Regierung selbst? Sie findet schon eine Befriedigung darin, daß es ihr für den Augenblick gelungen ist, wieder Mittel flüssig zu machen, mit denen sie über die momentanen Schwierigkeiten hinwegkommen kann. Und das spanische Volk sieht sich diese Dinge ruhig an und — anmüstrt sich weiter bei seinen Stiergefechten.
Diese Indolenz des spanischen Volkes ist viel trostloser noch, als die momentane Niederlage. Denn sie ist der Beweis dafür, daß eS für Spanien eine Wieserauferstehung nicht gibt. Nur abwäris kann der Weg, den dieses Volk zurückzulegen hat, noch führen. Ist doch selbst der Zusammenhalt des europäischen Besitzstandes Spaniens in Frage gestellt. Es ist charakteristisch für die Strömungen, welche in Spanien bestehen, daß soeben ein Organ begründet worden ist, welches die LoSreißung der nördlichen Provinzen von Spanien verlangt. Diese Provinzen sollen volle Selbst- ständigkeit erhalten. Mag die Zerreißung Spaniens auch noch im weiten) Felde liegen, so bereitet sie sich doch vor, wie sich der Verlust der gesammten Kolonialmacht durch Jahrhunderte hindurch vorbereitet hat.
So bedeutet die Pariser Friedenskonferenz für Spanien zugleich die Befiegelung des Verlustes der Kolonialmacht und den Beginn eines neuen ZerstörungsProzesses. Waren die