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Donnerstag den 29. September

1898

A

^an^reie ^anau.

VssAmLumchrmgev des Königlicher; LandrathsaMtes.

Auf Grund des § 26 der Verordnung vom 30. Mai 1849, die Ausführung der Wahl der Abgeordneten zur zweiten Kammer betreffend, sowie des § 23 des Wahlregle­ments vom 18. September 1893 ist der Unterzeichnete von dem Königlichen Regierungs-Präsidenten in Cassel für die bevorstehenden Wahlen zum Wahlkommissar für den 14. Wahlbezirk (Stadt- und Landkreis Hanau) ernannt worden.

Es wird dies hierdurch veröffentlicht.

Hanau am 27^September 1898,

V. 10367

Der Königliche Landrath v. Schenck.

Dicnstuiuhrlchtcu aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Päckchen mit verschiedenem Briefpapier nebst einer Altersverficherungskarte, lautend auf den Namen des Dienstmädchens Maria Wolpcrt zu Kl.-Steinheim, geb. den 13./11. 1881 zu Schimborn, Bez.-A. Alzenau. Ein großes dreieckiges eisernes Gestell mit mehreren Haken.

Verloren: Ein Spazierstock, der mit blauen Steinen besetzten Griff besitzt.

Hanau am 29. September 1898.

Das Einkommen der Arbeiter.

Zu den gebräuchlichsten Mitteln btr Sozialdemokratie zur Verhetzung der Arbeiter gehört die Behauptung, daß die Ju- dustriellen ausProfitwuth" die Arbeiter an den jetzigen günstigen Erträgen ihrer Unternehmungen nicht theilnehmen lassen. Die unlängst imReichsanzeiger^ mitgettzeilten Daten über die Löhne der preußischen Bergarbeiter im Jahre 1897 gewähren die Möglichkeit, diese Behauptung an der Hand der Thatsachen auf ihre Begründung zu prüfen.

Setzen wir uns zu diesem Zwecke die Zahlen für den Oberbergamtsbezirk Dortmnnd an, in welchem nahezu die Hälfte der Gefammtzahl der preußischen Bergarbeiter beschäf- tigt ist, so finden wir, daß die im Ganzen rund 171,000 Mann starke Belegschaft der dortigen Kohlenzechen in dem Berichtsjahre im Durchschnitt 160 M. auf den Kops mehr verdient hat, als -1895. Das macht im Ganzen einen Mehr- verdienst der Kohlenbergleute von rund 27 ^s Millionen in zwei Jahren aus. Darauf beschränken sich die Vortheile aber nicht, welche jenen Arbeitern aus der günstigen Lage deS Bergbaues erwachsen sind.

Zunächst hat sich in dieser Zeit auch die Zahl der Ar­beiter sehr stark vermehrt. Ut ter Zugrundelegung der für )BiijtegaMmHaMMMWM»l«wM*MW<»*>*^^

FenMetsn.

Stadttheater in Aanau.

Hanau, 29. Septbr.

Dem keck zugreifenden und nur auf Augeublickswirkung bedachten Humor der Herren Blumenthal und Kadelburg, welcher die dies­jährige Theatersuison mit so heiterem Erfolg am Sonntag einlertete, folgte gestern die ernste und gedankenreiche Arbeit eines hochtalen- tirten Schriftstellers und damit zugleich dem Personal Gelegenheit gebend, die künstlerische Kraft in einer höheren ernsten Aufgabe zu erproben.Wehe den Besiegten* lautet der Titel des drnaktigen Dramas von Richard Voß, das gestern zum ersten Male mit starkem Erfolg an unserer Bühne zur Aufführung gelangte. Eine ehrliche kritische Beurtheilung findet auch an diesem neueren Schauspiele Lost in der Führung der Handlung, sowie in der Charakteristik der handelnden Personen manches auszusetzen, aber Niemand wird sich der wunderbaren Gewalt der an dichterischen Schönheiten reichen Sprache entziehen können. Für die groß angelegte spannungsvoll entwickelte Handlung, deren meisterhafte Exposition sofort unser ganzes Interesse gefangen nimmmt, deren Höhepunkt aber die großen Szenen des zweiten Aktes bilden, fehlt ein würdiger Abschluß, man hat den Eindruck, als hätte den Verfasser Kraft verlassen, den flenial angebahnten Konflikt mit derselben glücklichen Gestaltungskraft f° Ende zu führen, statt dessen entlaßt er uns Nick enlem gewohn- Men Theatereffekt, der grausam und suchtet) die Wahrscheinlichkeit des Ganzen in Frage stellt. Auch die Charakterrcichuung des Helden des Stückes, des Napoleon Bonaparte, beeinträchtigt dieser letzte Bkt, während der mittler c die Absicht deS Dichters, diesen gewaltigen Eeist in den engen Rahmen der Bühne zn bannen, als nicht mtfe- ^aen bezeichnet werden kann. Die eigentliche Handlung des Dramas hat eine Vorgeschichte, die zwanzig Jahre zurück regt. Der alternde Graf von Saint-Aubonne hat ein junges Weib in sein Alsenschloß im Golf von Juan hcimgcfuhrt. Die junge ©räfm u drer Schnschr nach Liebe hatte auf kurze Zeit tn dem brüten Jahre dr-r Ehe ein heimliches Verhältniß mit einem, jungen Offizier, das ju.cht ohne Folgen blieb. Der alte Graf, der Nichts von der Untreue Uuier Gemahlin erfahren, betrachtete ihren Sohn a s seinen eigenen.

junge Offizier, der nichts von den Folgen seines kurzen Ver­hältnisses wußte, war der spätere Kaiser der Franzosen, 9iapohou

11896 auf 1897 angegebenen Zahl der ruukiugcflellten Ar­beiter und des DurLschnittsverdiensies für 1895 mit 968 !Maik berechnet sich infolge der Vermehrung der Arbeiter I eine weitere Steigerung der 1897 im Bergbau gezahlten Löhne um rund 25 Millionen Mark gegenüber dem Jahre 1895.

Allein in dem westfälischen Kohlenrevier sind daher im; Jahre 1897 nicht weniger als 52 Millionen Mark mehr an ; die Arbeiter gezahlt worden, als zwei Jahre vorher, und zwar ohne Verlängerung der Arbeitszeit und ohne wirthschast- liche Kämpfe irgend welcher Art.

dadurch abzuschwächen, daß sie ironisch meint, wir kämen Daß diese Vermehrung der Löhne im Ganz<n, wie imnachgehinkt". Wir sind der Meinung, daß man mit Be-

Einzelnen arch noch nicht unerhebliche indirekte Vortheile für

die Arbeiter in folge der dadurch bedingten höheren Beiträge der Arbkitgeber zu der Unfall- und Invalidenversicherung, wie zu den Krankenkassen nach sich zieht, bedarf der näheren Darlegung nicht.

EL ist daher durch jene auf amtlichen Erhebungen 6e=

ruhende Statistik der Arbeitslöhne im Ruhi kohlenrevier der Mach einer derPol. Korr." aus London zugehenden Mek unwiderlegliche Beweis geliefert, daß auch den Arbeitern die ' günstige Lage bt s Kohlenbergbaues reiche Früchte trägt, daß

ihnen die Früchte von selbst und ohne Kampf zufallen und daß sie an dem Forttestande der guten Kcnjunktrr genau so interessirt sind, wie die Arbeitgeber. Nicht ein Jntereffen- gegensatz besteht in dieser Hinsicht zwischen Unternehmern und Arbeitern, vielmehr die vollständigste Harmonie der Inter­essen. Wer die günstige Entwickelung des Kohlenbergbaues zum Stocken oder gar zum Rückgänge brächte, würde daher den Arbeiter genau so schädigen wie den Arbeitgeber, wäre genau so ein Feind der Lebensintel essen der Arbeiter wie der­jenigen der Arbeitgeber. Gibt es aber eine größere Gefahr für die gedeihliche Entwickelung eines Gewerbszweiges, als wirthschaftliche Kämpfe zwischen Arbeitnehmern und Arbeit­gebern? Und gibt es demzufolge gefährlichere Feinde der wahren Interessen der Arbeiter als diejenigen, welche zur Erlangung politischer Macht oder Erhaltung einer einträg­lichen Stellung im Perteidienste die Arbeiter in wirthschaft- liche Kämpfe hineinzuhetzen trachten?

Tagesschau.

Von der Marine. Laut telegraphischer an das Oberkommando der Marine ist S. M. S.

Meldungen Bussard",

Kommandant: Korvetten-Kapitän Mandt, am 19. September in Apia angelommen.

Die -evtschfoziale Rtformpartei für die Provinz Brandenburg hat am Sonntag einen Parteitag verhalten, in dem mitgetheilt wurde, daß die Partei vorläufig in drei Kreisen von Kurhessln in die Wahlbewegung eintreten werde. Auf dem allgemeinen Parteitag in Casfel soll beantragt wer­

Bonaparte. Die eigentliche Handlung des Damas setzt ein als Na­poleon, von der Insel Elba entflohen, im Begriffe steht, den Boden Frankreichs wieder zu betreten. Die Felseninsel mit dem Schloß der Gräfin, der alte Graf ist längst gestorben, dient zum letzten Ndcht- aufenthalt. Die Gräfin hat diesem Manne ihre Liebe und Ver­ehrung bewahrt, aber ihr Sohn hat von dem alten Grafen den Haß gegen den korsischen Emporkömmling geerbt, und da er dem neuen König den Eid der Treue als Offizier geleistet, so will er seinem Haß genügen und seinem König einen Dienst erweisen und Napoleon meuch­lings ermorden. An dieser That hindert ihn aber seine Mutter und Napoleon, der von dem Lärm erwacht, Kunde von der ihm drohen­den Gefahr erhält, macht au» diesem jungen Todfeind sich einen be­geisterten Freund. Mario begleitet nun Napoleon auf seinem kurzen Siegeszug durch Frankreich, der bei Waterloo ein so schnelles Ende fand und den abermaligen Untergang von Napoleons Macht herbei- führte. Der letzte Akt endet dann das traurige Schicksal des jungen Offiziers, der, da er dem König den Eid brach, sein Vergehen mit dem Tode büßen muß und im letzten Augenblick erst erfährt, daß Napoleon sein Vater ist. Das Schicksal Napoleons aber war St. Helena. Dies in flüchtiger Skizzirung der Inhalt des Dramas, das reich an dramatischer Coleratnr und an packenden Szenen ist. Die Aufführung kann unter der künstlerischen Leitung des Direktors Opp- mar als eine wohlgelungene bezeichnet werden, auch eine stimmungs­volle Juszenirung trug mit zn dem Erfolg des Ganzen bei. Von den Darstellern nennen wir in erster Linie Frl. Brandow, die als Gräfin von Saint-Aubonne eine hochinteressante schauspielerische Leistung bot Glühend in ihrer Begeisterung für Napoleon, wie er­greifend in ihrem herben Schmerz für das furchtbare Schicksal ihres Sohnes, wußte sie ihrer Rolle auch den nöthigen kühnen, heldenhaften Zug zu geben. Auch der großen Aufgabe, die der Dichter dem Dar- heller des Napoleon Bonaparte stellt, ward Herr Hill e in der besten Weise gerecht; in dem zweiten Akte wirkte der Künstler mit grosser tragischer Kraft, so daß die Szenen mit Mario zur vollen Wirkung gelangten, auch die Makke war vorzüglich gewählt. Unserem neuen jugendlichen Liebhaber Herrn Sternberg war mit der Darstellung desMario" ein Aufgabe geworden, die uns mit allen ^orzugen seines Spieles bekannt machte. Mit schlichter Natürlichkeit verbindet er Temperament und Wärme des Spieles; man konnte ihm die leidenschaftliche Auffwallung wohl glauben und wenn Herr Sternberg seinem Geberdenspiel etwas mehr Aufmerksamkeit zuwenvet, so werden wir von ihm in Zukunft schöne Leistungen erwarten können.

den, bei den Landtags wählen mit Ausnahme von Berlin überall da, wo nicht eigene Kandidaten ausgestellt sind oder für die Unterstützung entsprechende Kompensation gewährleistet wird, strenge Wahlenthaltung zu üben. Ferner soll der An­trag aus Streichung des Wortessozial" aus der Partei­firma gestellt werden.

Die FrankfurterBolksstimme" ist erbost, dkß wir bei Besprechung des gegen dieRhein.-Westf. Arb.-Ztg." geschleuderten Bannfluchs dieFreiheit" im sozialdemokratischen Zukunftsstaate treffend beleuchtet haben und sucht die Sache

sprechungen derartiger Vorkommnisse, die trefflich die Phrase von der Freiheit im Lager der Genossen ins rechte Licht stellen, nie zu spät kommen kann. Der Zornesausbruch des sozialdemokratischen Organs zeigt, daß wir das Richtige ge­troffen haben.

Zur Friedenskundgebung des russischen Kaisers.

düng wird in den dortigen politischen Kreisen vorausgeschen, daß die Antwort des Londoner Kabinets auf die russische Zirkularnote, betreffend die Abrüstungskonferenz, prinzipielle Zustimmung kundgeben, daran jedoch auch gewisse Vorbehalte kr-üpfen werde. Der englische diplomatische Vertreter in Petersburg habe dem russischen Minister des Aeußern bereits vor Wochen die Mittheilung gemacht, daß die edlen Motive, denen der Vorschlag des Zaren entsprungen sei, von der britischen Regierung wie vom britischen Volke voll gewürdigt und sympathisch begrüßt worden, aber zugleich erklärt, daß es erst nach der Rückkehr Lord Salisbury's und anderer Mit­glieder des Kabinets möglich sein werde, einen Beschluß des Ministerrathes herbeizuführen. Da nun Kolonienminister Chamberlain und andere Minister in der nächsten Woche wieder in London eintreffen, so dürfte die formelle Antwort des englischen Kabinets erst gegen Mitte Oktober erfolgen.

Das Ende des Krieges um Kuba. Madrid, 28. Scptbr. Vergangene Nacht war der Ministerrath drei Stunden versammelt und beschäftigte sich mit der Kriegsab- rechnung. Die Minister erklärten, sie seien erschrocken über die Höhe der Zahlen. Man schulde an fälligen Obligations­zinsen allein 75 Millionen Pesetas. Man wird dem Mar­schall Blanco, damit er die mobilisirten Freiwilligen vor Ab­lauf des Oktobers auflösen könne, 35 Millionen senden. Vor der vollständigen Räumung wird man im Ganzen noch 150 Millionen zn zahlen haben.

Politische und unpolitische Nachrichten.

<Depeschen-B«res«Herold*.)

Berlin, 28. Skptbr. DerDeutschen Tageszeitung" zufolge wird der Reichstag voraussichtlich erst in der zweiten

Aus Kunst und Leven.

Auf dem Loreleyfelfen. Von einem Leser unseres Blatte-, der kürzlich Gelegenheit fand, die Rheingestade zu besuchen, werden wir auf eine Inschrift aufmerksam gemacht, welche in den ersten Tagen des August dieses Jahres, un­mittelbar nach dem Bekanntwerden der Trauerbotschaft von dem Tode des Fürsten BiSmarck, in den Loreleyfelsen eingeschrieben wurde. Die sinnige tiefempfundene Inschrift, welche den Marburqer Professor der Physik Dr. Franz Melde zum Verfasser hat und unter dem ersten Eindruck des schmerzlichen, die Herzen aller Deutschen überwältigenden Ereigniffes niedergeschrieben wurde, wird gewiß auch hier allgemein ansprechen. Sie hat folgenden Wortlaut:

Loreley, 1. August 1898.

Jetzt weht die Flagge halbmast, Umflort, am deutschen Rhein, Und in die Fluthen blicket Traurig der Wandrer drein.

Den Herrlichsten der Streiter Verlor das Vaterland!

So klang die Klagekunde

Vom Mee» zum Rheinesstrand.

Germania spricht in Trauer

Lorley summt vor sich hin: Heut weiß ich, was es bedeutet, Daß ich so traurig bin.*

Die deutfche evangelische Gemeinde in Jeru­salem wird dem deutschen Kaiser bei seinem Besuche in der heiligen Stadt eine prachtvolle Bibel widmen. Sie ist jetzt in der Württembergischen Bibelanstalt in Stuttgart fertigge­stellt worden, und ist daS erste Exemplar einer ganz neuen, von der Bibelanstalt veranstalteten Ausgabe. Sie bekommt einen wundervoll geschnitzten Oliven- und Zedernholzdeckel. Das Buch erhält Goldschnitt und feine Kalbleder- und Seidenmoiree-Besätze.