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Zweites Blatt.

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Amtliches Organ für HtaSi- unö Lanökreis Hanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Är. 223 Samstag toi 24. September 1898

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Die Vertheidigung der Prügelstrafe in einem sozialdemokratischen Blatte

bringt denVorwärts" in nicht geringe Verlegenheit. Nach der Ermordung der Kaiserin von Oesterreich brächte die sozial­demokratischeRhein. Wests. Arbeiter-Zeitung" eine Notiz, in der die Prügelstrafe für Anarchisten empfohlen wurde. Der Vorwärts" gab darauf dempeinlichen Aufsehm", daS diese Taktlosigkeit" in Parteikreisen erregt habe, beredten Ausdruck. DieRhein. Wests. Arbeiter-Zeitung" li-ß sich aber dadurch nicht hindern, auf dieses Thema in einem längeren Artikel zurückzukommen, in welchem sie schreibt:

Wenn Prügel wirklich zur Verhinderung von Morden dienen, so sind sie berechtigt. Der Gewinn, den die Prügel bringen, übersteigt dann den Schaden, den sie anrichten, bei weitem. Die entgegengesetzte Ansicht halten wir für verbohrte Prinzipien-Reiterei. Es kommt also darauf an, ob Prügel wirklich einen Mord zu verhindem geeignet sind. Diese Frage bejahen wir, soweit es sich um anarchistische Morde handelt. So ziemlich alle anarchistischen Attentäter sind von einer un­sinnigen Ruhmsucht erfüllt gewesen. Diese war ein wesent­licher Beweggrund der That. Solche Herostrate züchten helfen jene Ordnungsblätter, die sich mit den Bildern der Mörderschmücken". Prügel aber entehren. Sie befriedigen nicht die Ruhmsucht, sondern bewirken das gerade Gegentheil; sie machen einen Menschen zum Gegenstand deS Spottes und der Verachtung, wenigstens wenn sie auf Befehl einer mit Ansehen umkleideten Stelle, der Justiz, ertheilt werden. Wenn auch einige Anarchisten so verdreht sein könnten, ihre Hiebe als einen Grund des Stolzes hinzustellen, so wird das Ur­theil der übrigen Mmschen diese Anschauung sicher ersticken. In solchen Dingen regiert das gemeinschaftliche Urtheil der Einzelnen."

DerVorwärts" ist über diese erneuteTaktlosigkeit" und, wie er beweglich klagt, über dieAufbauschung" der Sache auf das Höchste erschrocken; errustauS:Wir trauten unsern Augen nicht, als wir das lasen. Ist das ein sozia­listisches Blatt?" Das offizielle Organ der Sozialdemokratie scheint e- eben nicht fassen zu können, daß aus ihren Reihen auch einmal ein verständiger Vorschlag kommt. klebrigen« wird dieRein. Wests. Arbeiter Zeitung" auch von demo­kratischen Zeitungen unterstützt, die ebenfalls betonen, daß bei gewisten Bestialitäten, bei RohheitS-Verbrechen schlimmster Art, die Prügelstrafe wenigstens diskutabel fei.

Politischer Wochenbericht.

In der inneren Politik Deutschlands nehmen die Vorbe­reitungen zu den preußischen Landtagswahlen wehr und mehr das öffentliche Interesse in Anspruch. Die liberalen Parteien und das Centrum sind bereits mit ihren Wahlaufrufen auf dem Kampfplatz erschienen. Besonders bc- werkenswerth für die Stellung der Parteien zu einander er­scheint im gegenwärtigen Augenblicke die kühle Reserve, mit welcher der nationalliberale Wahlaufruf dem Liebeswerben des Freisinns begegnet.

Während in dem größten Staate Deutschlands die Vor­bereitungen für eine neue Periode staatlicher Gesetzgebung voll voraussichtlich wichtiger und einschneidender Maßnahmen in ruhiger, leidenschaftsloser Weise sich vollziehen, herrscht in unserm Nachbarstaate Frankreich ein Wirrwarr sonder­gleichen. Die leidige Dreyfussrage hat den klaren Blick völlig getrübt, hat die Leidenschaft in einer Weise erregt, die Creig- Nisse möglich macht, welche vielleicht «och gestern undenkbar waren. Ein Schritt vorwärts ist geschehen, die Revision des Drepfus-ProzesseS ist beschlossen, und schon hat dieser Beschluß neue Erschütterungen im Gefolge. Neben dem Arbeitsminister bat der Kriegsminister General Zurlinden seinen Posten, den « nur kurze Zeit inne hatte, wieder verlaffen. An seiner Stelle hat General Chanoine das wenig beneidenswerthe Amt übernommen, empfangen von den ärgsten Schmähungen der tevisionsfeindlichen Presse. ,

Auch einer der Kronprätendenten hat, wie dies bei jedem lrgendwie hervorragenden Ereignisse in Frankreich zu geschehen pflegt, die Stunde sür gekommen erachtet, sich seinen Freunden und Gönnern in Erinnerung zu bringen. Der Herzog u°n OrleanS ist mit einem Manifest vor die Oeffent- "hkeit getreten. In diesem Schriftstücke heißt es zum Schluffe; «Unter dem Vorwande, die Unschuld eines Mannes, der als -verräther verurtheilt ist, festzustellen, will man die Armee vernichten und Frankreich verderben. Franzosen, dies werden

nicht zulassen I" Angesichts der ganz Frankreich zerklüften- EN Streitfrage dürfte es kaum angängig sein, von einem

im Sinne aller Franzosen zu reden; der Wirrwarr steht eben darin, daß jede Partei das echte, edle und un- timschte Frankreich zu sein behauptet.

Es ist kein Wunder, daß unter solchen Umständen Vor­gänge, die sonst das größte Interesse in Frankreich erregt haben würden, jetzt kaum oberflächlich beachtet werden. Nur vereinzelt sind die Betrachtungen über den englischen Vor­marsch auf F a s ch 0 d a. Wird die französische Besatzung Faschoda freiwillig räumen oder nicht? Es rollt sich .hier eine prinzipielle Streitfrage allerersten Ranges auf. England und Frankreich haben in ihrer Afrika-Politik ein sich gegen­seitig durchkreuzendes Ziel. Während England feine südlichen Besitzungen durch das obere Nilgebiet mit Egypten verbinden will, ist Frankreich bestrebt, von Westen her über den Kongo­staat nach Osten hin eine breite Zone französischen Kolonial- Besitzes zu schaffen, die den Kolonial-Besitz Englands in Afrika trennt und Egypten isolirt. Zur Zeit ist eine Vertagung der schwebenden Streitfrage mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten, wodurch aber der thatsächlich bestehende Gegensatz natürlich nicht aus der Welt geschafft wird.

Doch der ungelösten Fragen erfreuen sich nicht die außer­europäischen Welttheile allein. Europa wird durch die Kreta- Frage gegenwärtig in starkem Maße beschäftigt. Jüngsthtn wird wieder eine erneute thätige Antheilnahme Deutschlands und Oesterreich-Ungarns an dem europäischen Konzert, be- treffmd Lösung der Kreta-Frage, erhofft beziehungsweise er­strebt. Da aber dir Gründe, die zu dem Verzicht der deutschen und bet' österreichischen Orient-Politik auf die Betheiligung an der kretischen Frage geführt haben, noch heute zu Recht bestehm, so wird eine nochmalige Einmischung der Leiden Kaiserftaatm in Dinge, die sich mehr und mehr auf die Sondrr-Jvtrresfm der vier Mittelmeer-Mächte zuspitzen, schwer­lich erwartet werden können.

DoUswirthschastlicher Theil.

Nr. Hanatt, 23. Septbr. (Börsen-Wochenbe- r i ch t.) Die Reihe ungelöster politischer Rätose! und Schwie­rigkeiten, welche wir vor acht Tage» aufzuzählen hatten, ist nicht kürzer geworben und die einzelnen Fälle haben sich theil- weise noch bedrohlicher gestaltet. Die argentinisch-chilenische Streitigkeit sieht heute gefährlicher aus als vor acht Tagen. Die innere Lage Frankreichs ist durch den neuen Prozeß gegen Picqnart sicher nicht gebessert worden. Die Unruhen auf Krem fordern immer noch sehr die Aufmerksamkeit und die Fülle von Schwierigkeiten, mit denen die österreichische Regie­rung zu kämpfen hat, wird sich durch den demnächst zusammen tretenden Reichstag kaum vermindern.

Es ist ein großer Segen der modernen Diplomatie, daß gewaltsame Lösungen immer seltener werden und daß man die Unbequemlichkeit unklarer Lagen lieber längere Zeit ge­duldig erträgt und die Nebelstände lokal zu beschränken sucht, als daß MAN mit den letzten Mitteln der Politik sofort droht oder gar Ernst macht.

Das gestattet wenigstens dem Handel und der Industrie der Nationen ruhig weiterzuarbeiten und das Bewußtsein, daß diese ungestörte Entwickelung der wirthschaftlichen Kräfte ihren Gang weitergeht, gibt dem Kapital die Ruhe, trotz aller politischen Einzelbedenken, auf seinen Positionen auSzuhalren.

Das scheint uns die Ursache, daß die Börsen keinen stärke­ren Erschütterungen ausgesetzt sind. Dagegen reicht bi s: Be­ruhigung nicht auS, um eine lebhafte Unternehmungslust auf-

kommen zu lasten. Die Folge ist, wie auch diese Woche wir der, ein recht stilles und unbedeutendes Geschäft.

Frankfurter Ktlrse am

15. Septbr.

am 22. Septbr.

SVa^o Preuß. Konfols

101.90

101.65

8%

94.20

94.30

Oesterr. Goldrente

102.50

102.40

Kreditaktien

302»/.

3005/8

Staatsbahnaktien

299'/.

296.

4% Ungar. Goldrente

101.80

101.80

5°/o Italiener Rente

92.20

91.80

8% Portugieser

23.80

23.10

Diskonto-Comm.-Anth.

201.90

202.10

Berliner Handelsgesellschaft 167.20

166.50

Laurahütte

210.15

210.70

Harpener Bergbau

177.40

176.65

4°/e Spanier

41.70

43.70

* Berliner Getreidemarkt, Bericht. Das überaus günstige, nach nassen Sommertagen allseitig ersehnte Herbst­wetter hat in den SchifffahrtSverhältniffen eine fühlbare Stö­rung geschaffen. Die lange Dauer trockener Witterung ge­stattet den Kähnen zur Zeit nur, daß sie mit geriager Ladung die Stromläufe paffsten können. Dadurch ist eine Garantie für die Lieferungsfristen fast unmöglich geworden, ganz abge- sehm davon, daß die Frachten eine seit langer Zeit nicht ge­kannte Höhe erreicht haben. Diese Umstände wirken natur­gemäß auf den Getreidehandel nicht sehr ermuthigend. Eine

Lchiffrv-kkcht.

Hsmbttrg, 22 Septbr. Der DampferAlesia^ von der Hamburg-Amerika-Linie ist vorgestern in Yokohama ein- getroffen.

Bremen, 22. Septbr. Der Dampfer des Norddeutsche« LloydBremen" ist gestern in New York ei-getroffn-.

Das Geheimniß vieler Hausfrauen einen feinen und aromatischen Kaffee zu kochen besteht darin, daß sie ben seit über 100 Jahren rühmlichst bekannten und preisgekröatm KaffeezusatzA e ch t T r a m p l e r" verwende«. Zu haben in allen befferen Spezereihandluagev.

Preisbesserung ist zum Theil mit auf diese Verhältnisse zurück- zuführen, da statt der Kahnladung vielfach der theure Bahn- dezug angewenbet werden muß. In der Hauptsache aber hängt dir auf dem Weltmarkt eingetretene Festigkeit damit zusammen, daß sich die Erscheinung knapper Ablieferungen durch die Landwirthe in Europa zunehmend bemerkbar macht und daß bei dem Mangel von Bestäuben in den Händen der Müller, Verkäufer und Händler die Nothwendigkeit na­mentlich für England in die Erscheinung trat, neue Ab- schlüste in ausländischem Weizm zu machen. Im Berliner LieserungSgeschäft haben geringes Waarenangebot vom In­land« und steigende Forderung des AuslandeS Weizm und Rogge« für nahe Lieferung um etwa 6 Mk. für spätere um 4 Mk. bis 4,50 Mk. im Werthe anziehen lassen. Hafer hat sich behaupten können und ebnso Mais. Nach neuesten privaten Ermittelungen kosteten 20 Ztr: Weizen 174,00 Mk., Roggen 143,00 Mk., Gerste. Mk., Hafer 148,00 Mk., MaiS -. Mk.

Vermischte Nachrichten.

* DaS Techn^m zu Lemgo L Lippe ist eine tech­nische Mittelschule zur Luibildung jung« Leute des Bauge­werbe?, deS Maschinenbaues und des Zirglergcw rbes, und gliedert sich in die Abtheilungen: Bauschule zur Ausbildung von BavgewerlSmeistern, Bauführern, Technikern, Zeichnern in 4 Halbjahren; Lau db su-Fachs ch ul e zur Ausbildsug von Maurer bez. Zimmermeiftern für daS platte Land und kleinere Städte, von Maurer- bez. Zimmerpolirer, sowie von Werkmeistern in 2 Halbjahre«; Ma schineubau schule zur Ausbildung von Konstrukteuren, Technikern, Zeichnern für Maschinenfabriken und von Betriebsleitern für die verschie­densten industriellen Betriebe in 4 Halbjahre»; Werk- meisterschule zur Ausbildung von Werkmeistern und Mou- teuren in 3 Holljahreu; Zieglerschule zur Ausbildung von Ziegeleibesitzern, Ziegelmeistero, Geschäftsführern und Brennern in 3 Kursen von je 3 Monaten; Heizerschule zur Ausbildung ron praktischen Keffelheizern und Maschinen­wärtern in 1 Kurs von 46 Wochen. In allen Abthei- lungkn finden Abgangs- bezw. Reifeprüfungen statt, über den Ausfall derselben erhalten die Schüler im Falle deS Bestehens ein Diplom ausgefertigt. Der Unterricht wird im vollsten Maße dem praktischen Bedürfniffe avgepaßt. Der Lebensunterhalt ist in Lemgo nicht theuer. Bei mäßigen An­sprüchen finden Schüler schon zu 35 Mk. im Monat Woh­nung mit voller Beköstigung. Im lebten Schuljahre wurde die Schule von 259 Schülern besucht. Tüchtige Lehrkräfte sind in genügender Anzahl vorhanden. Der Besuch der Schule kann jungen Leuten empfohlen werde«. (Siehe Inse­rat in heutiger Nummer.)

Gebrauchs-Muster.

Nr. 100 866. Süßstoff in runder, gepreßter Form mit beiderseitigen Rillen. Farbwerte, vorm. Meister, Lu­cius u. Brüning in Höchst a. M., vom 10. August 1898 ab. F. 4912. Kl. 12.

Nr. 100 929. Ausschalter bzw. Umschalter mit federn­dem Mittelkontakt und festen Außenkontakten, welche gleich­zeitig dir Anschlußklemmdüchsro für die Zuleitungen sind. Schroeder u. Co. in Offenbach a. M., vom 10. August 1898 ab. Sch. 8153. Kl. 21.

Nr. 100 990. Zum Messen der Dicke von Eisdecken u. dgl. dienende Schieblehre mit drehbarem Kopf. Carl N 0 d r 6 in Offenbach a. M., vom 28. Juli 1898 ob. A. 2902. Kl. 42.

Nr. 100 896. Parallel-Schranbstock mit schmiedeeiserner Backenführung und seitlichem Auzuge der Stahlklemmbacken. Adolf Metzgejr in Frankfurt a. M., Speicherstraße 6, vom 8. Juli 1898 ab. M. 7135. Kl. 49.