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«r. 220
Mittwoch sen 21. September
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1898
Hierzu
„AwMche Beilage" Nr. 59.
UmtLiches.
^faöt^ret0 ^anau.
KMäAMnchMgM des LherbürgermListeraAtes.
Bekanntmachung.
Ich bringe hierdurch in Erinnerung, daß nach der Ordnung für die Erhebung einer Gemeindesteuer bei dem Erwerbe von Grundstücken im Bezirke der Stadt Hanau jeder Eigenthttmserwerb eines im Stadtbezirke belesenen Grundstücks innerhalb 4 Wochen nach dem Erwerbe dem Magistrat anzuzeigen ist. Die Unterlassung der Anzeige zieht eine Strafe von 3—30 Mk. nach sich.
Hanau den 19. September 1898.
Der Oberbürgermeister
vr. Gebeschus. 13843
Die litterarische Thätigkeit des Herrn Moritz Busch
beschäftigt neuerdings die öffentliche Aufmerksamkeit in hohem G ade und es erscheint daher zeitgemäß, die Bedeutuung, die sein geschäftiges Treiben beanspruchen darf, etwas schärfer ins Auge zu fassen, damit nicht bei ihm selbst und bei anderen der Irrthum aufkomme, der materielle Gewinn seiner ^Leichenfledderei sei die Gewähr für moralische Anerkennung.
Herr Moritz Busch hat sich, wie die „M. R. N/ bemerken, schon früher als einer jener Leute erwiesen, denen es an der Gabe richtiger Auffassung und Würdigung des Zusammenhanges der Ereignisse und der Worte fehlt. Er macht auch i in seiner früheren, ungleich harmloseren Publikation den Ein- j druck eines Lakaien, der, bei einem Diner aufwartend, Bruch- stücke des Gesprochenen aufschnappt und nach Art solcher Leute, das heißt auf das Niveau ihres eigenen Begriffsvermögens gebracht, weiter verbreitet. Daß es dabei an Irrthümern und Mißverständnissen, an bedeutsamen Auslassungen einerseits und an Zusätzen, die der eigenen, die Lücken ergänzenden Gehirntyätigkeit entsprungen sind, sowie an Ver- gröberungen nicht fehlt, nicht fehlen kann, liegt auf der Hand. Das sind die Fehler, die sich aus den subjektiven Mängeln des Erzählenden ergeben, subjektive Mängel, die bei Herrn Busch notorisch außerordentlich ent- ■ wickelt sind. Zu diesen Mogeln gehört - auch 1 eine so vollständige Abwesenheit jeglichen Gefühls für Takt und Sachlichkeit, daß, wo sie sich auf internationalem Gebiet breit machen dürfen wie eben jetzt, sein ganzes Gebühren geradezu ein Hohn auf jedes patriotische Gefühl, eine Verleugnung vaterländischer Gesinnung und ein Wuchern mit dem, was zu seiner Kenntniß gekommen ist, genannt werden muß. Der Sekretär eines Privatmannes, der Angestellte : einer Firma, der nachmals über die Dinge, die ihm in seiner ■ Thätigkeit und unter der Voraussetzung, daß Hausgenossen nicht ausschwatzen, was sie hören, bekannt geworden sind, so f indiskret plaudern wollte wie Busch, würde mit Recht als ' ein unanständiger Patron gelten. Dies unmilde Urtheil würde sich aber ganz beträchtlich verschärfen, wenn der Schwätzer seine Indiskretionen gerade bei den schlimmsten Feinden seiner früheren Prinzipale zu Markte trüge. Und das ist es, was Herr Busch gethan hat. Bei Engländein und Franzosen, die beide auf Bi^marck nicht gut zu sprechen sind, hat er seine Indiskretionen verkauft, und bei dem guten Geldgeschäft, das er damit machte, jedes Anstandsgefühl bei Seite gesetzt. — So viel, was seine subjektiven Mängel angeht. Die objektiven fallen ihm nicht so sehr zur Last oder höchstens nur in so weit, als es ihm an der Fähigkeit mangelte, sich ihrer bewußt zu werden. Sie liegen zunächst in dem Fehlen des Zusammenhangs, der begleitenden Umstände der Kontinuität und anderer Dinge, die bei jedem Ereigniß für den ernsten Historiker in l Betracht kommen. Für den Lakaien, der lediglich Klatsch verbreiten und der Skandalsucht dienen will, allerdings nicht. Die Objektivität leidet ferner in erheblichem Maße, wenn die Angabe fehlt, in welcher Stimmung die einzelnen Aeußerungen gemacht worden sind. Es ist ein Anderes, ob etwas gesagt wird, wenn der Redende sich in gedrückter oder in übermüthig froher Laune, wenn er sich in zorniger Aufwallung oder in gleichmüthiger Stimmung befindet, es ist sogar ein Anderes, wenn etwas früh am Morgen oder spät ant Abend vor oder nach Tische gesagt wird. Es gibt nicht viele Leute, die Alles, was sie je in ihrem Leben gesagt haben, gedruckt vor sich sehen könnten, ohne darüber etwas Anderes als ungemischte Freude zu empfinden. Bismarck wird aus den trüben Fluthen des Busch'schen Geschwätzes nngeschädigt auf- tauchen; aber was Busch angeht, so wird ihn zum Troste für das, was die Welt über ihn denkt, nur das Wort VespasianS bleiben: non ölet.
Dicnstmchrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine kleine braune Weste. Ein Hundehalsband von Metall.
Verloren: Ein Portemonnaie mit Inhalt und zwei goldnen Ohrringen.
Hanau am 21. September 1898.
Zur Nichtbestättgung von Angehörigen der fozialdemotratischen Partei als Mitglieder von Schuldeputationen oder Schulbor- standen.
Der in der Presse in letzter Zeit mehrfach erwähnte Erlaß des Ministers der geistlichen rc. Angelegenheiten, betr. die Nichtbestatigung von Angehörigen der sozialdemokratischen Partei als Mitglieder von Schuldeputationen oder Schulvor- ständen, hat folgenden Wortlaut:
„Neuere Vorkommnisse veranlassen mich, die Königliche Regierung darauf aufmerksam zu machen, daß Personen, welche der sozialdemokratischen Partei angehören oder sich als Anhänger und Förderer derselben bethätigen, weder in städtische Schuldeputationen noch auch in Schulvorstande als Mitglieder eintreten dürfen. Die Thätigkeit der Schuloor- flände sowohl wie der Schuldeputationen beruht auf einer Uebertragung obrigkeitlicher Befugnisse und erstreckt sich nicht nur auf äußere, sondern auch auf innere Angelegenheiten des Schulwesens. Insbesondere sind den städtischen Schuldeputationen neben der Verwaltung des städtischen Schulwesens wesentliche staatliche Aufsichtsrechte über die Schulen und die Lehrpersonen ihres Bereiches übertragen. Dies hat zur Voraussetzung, daß die einzelnen Mitglieder der Schuldeputation im Stande und bereit sind, zur Ersüllung der Aufgaben her; preußischen Volksschule mitzuwirken. Gemäß ihren Amts- ’ Pflichten haben sie daher gewissenhaft dahin zu streben unb1 f>ajür zu sorgen, daß / die Heranwachsende Jugend nicht nur in den für das bürgerliche Leben nöthigen allgemeinen Kenntnissen und Fertigkeiten unterwiesen, sondern auch zu gottes- fürchtigen, sittlichen und vaterlandsliebenden Menschen er* i°gen werde.
Die sozialdemokratische Partei erstrebt ausgesprochener- maßen die Beseitigung der bestehenden staatlichen und gesell- ichastlichen Ordnung. Schon daraus ergibt sich folgerichtig, daß ihren Mitgliedern die Wahrnehmung obrigkeitlicher Befugnisse von Staats wegen nicht anvertraut werden kann. Hie steht nach ihren programmatischen Kundgebungen in einem grundsätzlichen Gegensatz zu den Ausgaben der preußischen Volksschule. Daraus folgt, daß ihren Anhängern die zur Mitwirkung bei der Erfüllung dieser Aufgaben erforderlichen Eigenschaften abgehen und daß sie als Mitglieder einer städtischen Schuldeputation oder eines Schulvorstandes nicht ^gelassen werden können.
Der Königlichen Regierung mache ich daher zur Pflicht, vorkommendenfalls der Wahl derartiger Personen zu Mitgliedern von städtischen Schuldeputationen oder Schuloor- fläuden von Schulaufsichts wegen die Bestätigung zu Verben und die nachverordneten, zur Mitwirkung bei der Be- statigung oder zur selbständigen Ausübung des BestätigungS- ?chtes berufenen Behörden und Beamten alsbald mit entsprechender Weisung zu versehen."
Aus Stadt und Landkreis Hanau. Nachdruck unserer Lokalartikel nur mit Quellenangabe „Han. Anz".
gestattet.
, * Zahlung der Reisenden. Für die vorzunehmende Zählung der Reisenden in den Eisenbahnzügen während des Winterhalbjahres sind die folgenden Tage festgesetzt worden: 12., 13., 14. Oktober, 14., 15., 16. Dezember, 15., 16. und 17. Februar.
* KarnmergerichtSerrtscheidnrrg. Ein Händler, der in der Absicht, einen Betrag von 2 Mk. einzuziehen, an einem Sonntag Vormittag zu einem Schuldner gegangen war, und da er diesen nicht antraf, die Eyefräu gemahnt hatte, war auf Grund der Polizeiverordnung vom 31. Dezember 1896 zu einer Geldstrafe verurthellt worden, da angenommen wurde, daß sowohl der Gang zum Zwecke der Mahnung, als auch
diese selbst als Arbeit aufzufassen sei. Diese Entscheidung war in der Berufung von der Strafkammer Hanau bestätigt worden, wer den Angeklagten und seine Gewohnheiten kenne, am Sonntag Schulden einzukassiren, auch über den Zweck jenes Ganges um so weniger im Zweifel sein könnte, als die Annahme eines etwa freundschaftlichen Besuchs durchaus ausgeschlossen fei. Der Angeklagte ergriff gegen das Urtheil noch das Rechtsmittel der Revision beim Kammergericht, das nunmehr die Vorentscheidung aufhob und auf Freisprechung er- ! kannte, da das Hingehen zu einem Schuldner keine öffentlich bemerkbare Arbeit sei und ein solches Gehen sich auch nicht von anderem Gehen unterscheide. Auch das Eintreiben einer Schuld könne als eine öffentlich bemerkbare Arbeit nicht angesehen werden.
* Stadttheater. Der Spielplan der ersten Woche ist derartig festgesetzt, daß dem Publikum Gelegenheit geboten wird, in erster Linie die neuengagirten Mitglieder in größeren Aufgaben kennen zu lernen. Auf das Lustspiel „Im weißen Röß'l" in welchem daS gesammte Personal beschäftigt ist, folgt das hochinteressante Drama „Wehe den Besiegten" von Richard Baß, und als drittes Stück wird der drollige Rosru'sche Schwank „O, diese Männer" gegeben. Die Direktion macht im Inseratenteil der heutigen Nummer darauf aufmerksam, daß noch einige durch Trauerfall frei gewordene Plätze abzugeben sind und die während der letzten Wochen Dorgemersten Neu-AbonnementS nunmehr in Empfang genommen werden können.
* Schiller-Abend. Der dramatisch litterarische Verein „Melpowene" veranstaltete gestern Abend im großen Saale der „Centralhalle" einen Schiller-Abend, dessen Verlauf dem Verein nur zur Ehre gereichen kann. Wir haben in den Vornotizen bereits darauf hingewiesen, daß bei den der Veranstaltung vorhergegangenen Proben mehrfach Gelegenheit gegeben war, die Hingabe und den Pflichteifer wie nicht minder daS große Verständniß der bat stellen bm Vereinsmitglieder für die übernommenen Aufgaben zu beobachten und die gestrige Aufführung der den Schiller-Abend bilrenben Werke hat bewiesen, daß, dank der umsichtigen Leitung bewährter Fachmänner, der HerrenRegisseure Heitel und Linzen, Mühe und Arbeit nicht vergeblich gewesen, durch das Ganze ein Zug frischen Lebens und kräftiger Entfaltung ging. Der Abend wurde eröffnet mit der Aufführung des 2. Aktes aus Heinrich Laube's Schauspiel „Die Karlsschüler", das 1847 unter dem Eindruck der wachsenden Begeisterung für Schiller als Ver- kündiger der nationalen Einheit entstand und als Laube'S gelungenstes Bühnenwerk bezeichnet werben kann. Die „Karls schüler" behandeln bekanntlich Schiller's Jugendgeschichte, speziell die Erhebung deS von Herzog Karl von Württemberg gel emüthigten und verfolgten jungen Regiments - Feldschers auS Verzweiflung zum frohen Glauben an seinen Genius, zur Selbstbefreiung aus dem Joch durch die Flucht nach Mannheim mit Hilfe weiblichen Wohlwollens und weiblicher Liebe. Außer „Schiller", den Herr Bock mit jugendlichem Schwung und rettzorischem Pathos gab, sind von den Parthien dieses 2. AkteS von Interesse die weibliche Rolle der „Laura", die Frl. Fauerbach recht nett durchführte, sowie die ebenfalls zufriedenstellend wiedergegebenen männlichen Rollen deS „Herzogs" (Herr Linzdn), des „SergeantS Bleistift" (Herr Knoblauch) und des treuen, praktisch veranlagten Gefährten Schillers Anton Koch genannt Spiegelberg (Herr Göbel). — Das Hauptinteresse nahm die darauffolgende Aufführung des 1., 3. und 5. AkteS aus Fr. o. Schillers Tragöde „Don Carlos" (Regie: Herr Hertel) in Arspruch. Die Besetzung der Rollen und die Durchführung derselben war eine recht glückliche. Mit Hauptrollen waren betraut die Herren Hertel (Philipp II.), Gerlach (Don Carlos), Winter (von Posa), Linzen (Herzog Alba), Selbig (Beichtvater deS Königs). Den Schluß des Abends bildete die Aufführung der dramatist:t-n Anekdote „Die Gnstel von Blasewitz" von Sigmund Schlefinger (Regie: Herr Linzen.) Dieser einaktige Schwank bildete den wirksamen Abschluß der voraufgegangenen Bruchstücke ernsteren Inhalts und wurde trefflich durchgeführt von den Herren Bock (Schiller), H. Rang (Peter) und Fräul. B. Rang (Gustel). — Der immerhin gute Besuch des AbendS bewies, daß man den idealen Bestrebungen deS VereinS in weiten Kreisen unserer Bürgerschaft Interesse und Sympathie eutgegevbrtugt. ^^
* Aufgegeben. Der dramat. - litter. Verein „Melpo- mene" beabsichtigte anfänglich die Wiederholung deS gestrigen Schiller-AbeudS als DollSvorstellung. DaS finanzielle Ergebniß von gestern Abend gestattet jedoch nicht, wie uns mitge« theilt, der Verwirklichung dieses Vorhabens näher zu treten, da die Unkosten einer derartigen Veranstaltung wie der gestri-