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Amtliches Grgau für Stsöt- unö LanöKreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage

Nr. 219 Dienstag den 20. September

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1898

braune wasserdichte Pferdedecke, eine goldene Broche in Stern­form, rings herum mit Perlen, in der Mitte ein Opal, ein gelbes Schild mit der Nr. 27.

Zugelaufen: Ein junger gelbgefleckter Jagdhund in. Geschl.

Hanau am 20. September 1898.

UmtLichss.

^faöt^ret0 ^anau.

^t^MArchMg^ >^eS OserbürgermeisteraAtes

Oeffentliche Sitzung der Stadt- verordneten-Bersammlung am Donnerstag den 22. September 1898, nachmittags 5 Uhr.

Gegenstand:

1. Zustimmung zur Anstellung eines weiteren technischen Assistenten mit 2400/3600 M. Gehalt; als solcher ist M. Weiske, Gera, in AuSstcht genommen.

2. Auf- und Umbau des Verwaltungsgebäudes des Gaswerks.

3. Bewilligung von 90 000 M. zum Bau einer Kühlanlage, System Linde, aus E.-O. Tit. III 6 pro 1898/99.

4. Nachbewilligung von 28 000 M. zur Herstellung neuer Chaufseedecken aus E.-O. Tit. IV 1 pro 1898/99.^

5. Feststellung der Rechnung pro 1897 der städtischen Spar­kasse und Entlastung des Rechnungsführers.

6. Vertrag mit der Königl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a/M. über den Anschluß der Bahnhofsanlagen an das Elektrizitätswerk.

7. Aufstellung eines Ventilbrunnens in der Rappengasse.

8. Klärbeckenanlage.

9. Verkauf einer Grundstücks-Parzelle am Mühlthorweg an Ph. Schütz.

10. Lombard-Verkehr der Sparkasse mit der Reichsbank.

11. Ermäßigung der Kaution des Kontroleurs Eilber.

12. Nachbewilligung von 2123 Mk. auf Tit. XII, 3. Haupt-Etat pro 1897/98 für unvorhergesehene Aus­gaben.

13. Nachbewilligung von 7496,85 Mk. auf Tit. XI, 1 b pro 1897/98, Rückvergütung von Verbrauchsabgaben für Branntwein.

14. Nachbewilligung von 185,20 Mk. auf Tit. V, 6e, ä, 6. pro 1897/98 für die Feuerwehr.

15. Zustimmung zur Niederschlagung von 8,06 Mk. Kosten von rc. Bracker.

16. Nachbewilligung von 84 994,33 M. auf Tit. VIII 3 (V pro 1897/98 für Einquartierung.

17. Nachbewilligung von 7605,44 M. auf Tit. V 15 pro, 1897/98 für Latrinengruben-Entleerung.

18. Nachbewilligung von 121,50 M. auf Tit. III 1 Spez.- i Etat: Schloß für laufende Unterhaltung pro 1897/98.

19. Nachbewilligung von 339,61 M. für die Schlachthof­kasse pro 1897/98.

20. Nachbewilligung von 871,59 M. für die Begräbnißkasse pro 1897/98.

21. Erlast von Umsatzsteuer des Justus Schneider. ,

22. Ermäßigung der Steuer für den Wirthschastsbetrieb auf; dem Viehmarkt.

23. Verpachtung eines Geländestreifens an Chr. Neuling.

24. Genehmigung zur Uebertragung des Pachtverhältnisses bezw. des Grundstückes V. V. Nr. 83 auf ic. Halm.

25. Zustimmung zum Verkaufe der Grundstücksparzelle aus EE. 355/20 zu EE. 369/1 = 16 qm an I. Welsch.

26. Nachbewilligung von 107,15 M. auf Tit. V Spez.-Et. I, Kleinkinderschule, pro 1897/98.

27. Nachbewilligung von 131,63 M. auf L.lt. VII 2 Spez.- , Et. D, Mädchenmittelschule, pro 1897/98.

28. Genehmigung zum Verkauf der Grundstucksparzelle 88 390/39 58 qm an rc. Heß.

29. Nachbewilligung von 1100 Mk. auf Tit. V, 1 spez.- Etat; Wasserwerk und von 810 Mk. auf Tit. V, 3 Spez.-Et.: Gaswerk pro 1898/99.

30. Ueberlassung der Wohnung des Markimeisters Sturm an den Wegebau Aufseher Barth.

31. Nachbewilligung von 219,62 Mk. auf Dt. II, ü Spez.-Etat: H. Gewerbliche Fortbildungsschule pro 1897/98

32. Nachbewilligung von 3316,63 Mk. für verschiedene Etat-

Überschiebungen pro 1897/98.

33. Wahl zum Kuratorium der Gewerblichen Fortbildungs­schule.

34. Wahl zum Kuratorium der Handelsschule. J3804

35. Wahl eines Schiedsmannes für Herrn W. Schröter.

36. Wahl von 2 Mitgliedern auS dem Handels- und Ge- werbestand in das Kuratorium der Oberrealschule.

Dicnstnachrichtcil aus dem Kreise.

Verloren: Ein unechtes gelbes mit Blumen verziertes Medaillon von Mosaik, gegen Belohnung abzugeben, eine

Drahtnachrichten desHan. Anz."

Berlin, 20. Septbr. DieVojsische Zeitung" berichtet aus Candia: Da heute die viertägige Frist zur Auslieferung der Waffen der Baschibozaks abgelaufen ist, so ist Sir Chermside entschlossen, falls die Ablieferung heute nicht statt- findet, nicht länger zu zögern und gewaltsam die Auslieferung zu erzwingen. Der englische Contre-Admiral erklärt, daß Alles zum Vorgehen bereit sei und daß die an Bord der Revenge" befindlichen 69 Rädelsführer alsdann gar nicht nach Candia gebracht zu werden brauchten, sondern eben­sogut an Ort und Stelle hängen könnten. Gestern Nach­mittag sind wieder sieben Baschibozuks an Bord derRe- venge" gebracht worden.

Berlin, 20. Septbr. Aus Montreal wird derVoff. Zeitung" gemeldet: Durch einen heftigen Orkan wurden viele Gebäude der Stadt zerstört oder beschädigt. Auf dem Lorenzsee sind durch Untergang von Booten viele Personen umgekommen.

Danzig, 20. Septbr. Ein hiesiges Blatt will wissen, der Zar werde zur Einweihung des russischen Krieger- Denkmals am 27. d. Mts. hierher kommen und auch Kaiser Wilhelm werde von Rominten aus zu der Feierlichkeit ein­treffen.

WL-n, 20. Septbr. Der gestrige Ministerrath be­schloß die Savctionirung der Gesetze über die Erhöhung der Beamtengehälter und berieth über die Maßnahmen in Sachen der bevorstehenden Tagung des Reichsrathes. Die Erhöhung der Beamtengehälter erfordert jährlich 13 Millionen Gulden.

Wien, 20. Septbr. Die Führer der Rechten hatten gestern eine lange Berathung mit dem Grafen Thun. Auf polnischer Seite herrscht Geneigtheit, die Vermittlerrolle zwischen den bestehenden Gegensätzen zu übernehmen. Da aber die Jungtschechen die Aufhebung der Sprachen-Ver- ordnungen ablehnen, so ist au eine Verständigung nicht zu denken.

Wien, 20. Septbr. Der Kaiser begibt sich demnächst zum Besuch seiner Tochter, der Erzherzogin Valerie, nach Wallsee und sodann nach Gödöllö.

Wien, 20. Septbr. DerReichswehr" zufolge traten bei der Berathung des Exekutiv-Komitees der Rechten die polnischen Delegirten sowie die deutsche Volkspartei energisch für eine Verständigung mit der Linken ein. Die Letztere er­klärte sich bereit, die Aktion zu übernehmen.

Wien, 20. Septbr. Wie aus Gens gemeldet wird, ist seit gestern LuccheniS Identität festgestellt. Sein früherer Meister, der Unternehmer PapiS in Versoix im Kanton Genf, fand Bücher, in welchen notirt steht, daß Lucchem in den Jahren 1891/92 dort arbeitete. Der Meister erkannte den Mörder sofort. Lucchem verlangte gestern wieder Antwort vom Präsidenten auf seinen Brief, in welchem er verlangt, in Luzern gerichtet zu werden, weil dort die Todesstrafe existirt.

Budapest, 20. Septbr. Blättermeldungen zufolge soll Kaiser Franz Josef beim Empfang der ungarischen Deputa­tion zu Maurus Jokai gesagt haben; Ihr Ungarn könnt um die Königin wirklich trauern, denn Ihr habt in ihr den besten Freund verloren.

Budapest, 20. Septbr. Die hiesige Polizei hat gestern vier hier nicht zuständige Personen ausgewiesen, die mit aus­ländischen Anarchisten in Verbindung standen. Unter den Ausgewiesenen befindet sich kein Deutscher.

Prag, 20. Septbr.Rarodny Listi" berichtet, sieben Pariser Wucherer würden den Exkönig Milan wegen Schulden im Betrage von mehreren Millicnen gerichtlich verfolgen.

Rom, 20. Septbr. Die portugiesische Regierung läßt hier nochmals kategorisch erklären, daß alle Meldungen von der Abtretung der Delagoabay an England unrichtig seien. Ebenso unzutreffend sei die Meldung, daß Canevaro den Mächten die Einberufung einer Konferenz behufs Schaffung eines internationalen Anarchistengesetzes vorgeschlagen habe.

Rom, 20. Septbr. Auf eine vertrauliche Reklamation Deutschlands erklärte Rampolla, daß es dem Papst fern liege, irgendwelcher Macht das Schutzrecht über ihre Unterthanen zu bestreiten. Der Papst habe das französische Schutzrecht tm

Orient selbstverstärft lich nur da anerkannt, wo es thatsächlich bestehe und insoweit es durch völkerrechtliche Verträge keine Einschränkung erfahren habe.

Rom, 20. Septbr. In der Kirche Maria in Transpontina fand gestern eine feierliche Messe für die Kaiserin Elisabeth in Gegenwart des Kardinals-Kolleqiums, der beim Vatikan beglaubigten Botschafter und der römischen Aristokratie statt.

Belgrad, 20. Septbr. In Viasiotinze vergiftete eine Frau innerhalb eines halben Jahres ihren Mann, drei Söhne und drei andere männliche V.rwandte, um ihrem Liebhaber ihr Erbe zu sichern. _

II. Verbandstag deutscher Bau genoffenschaften.

X Cafsel. 19. Septbr.

Der zweite Verbandstag der auf der Grundlage des gemein­schaftlichen Eigentbums stehenden deutschen Baugenossenschaften wurde gestern und heute hier abgehalten. Es waren zahlreiche Delegirten von den verschiedensten Gegenden des Reiches erschienen, sowie Ver­treter königlicher und kommunaler Behörden. Die Delegirtenver- sammlung, welche von Prof. Dr. Albrecht-Berlin eröffnet worden, zählt für die Dauer des Verbandstages als Vorsitzenden Herrn Tapezirer Koch und als Schriftführer die Herren Dunker-Berlin und TapezirermeisterHaust-Cassel. Prof. Dr. Albrecht als Verbandsdirektor erstattete den Jahresbericht Sonach gehörten dem Verband 26 Ge­nossenschaften an. Zum Zweck der Gründung neuer Genossenschaften hat Referent in verschiedenen Städten Vorträge gehalten, was in Mühlhausen i. Th. und Erfurt auch zum erwünschten Ziele geführt hat. Als Verbandsdirektor für das nächste Geschäftsjahr wurde Prof. Dr. Albrecht-Berlin wiedergewählt und als dessen Stellvertreter Ober­drucker Schmidt-Berlin. Die Kassenverbältnisse des Verbandes sind im Allgemeinen als günstige zu bezeichnen. Als Ort des nächsten Verbands­tages wurde D ortmund bestimmt. Die angelegte Verschmelzung mit dem Verband der Baugenossenschaften Deutschlands (Direktor: Laudrath Berthold-Blumenthal) wurde abgelehnt und vielmehr be­schlossen, die seitherige Stellungnahme zu demselben zu bewahren, d. h. getrennt zu marsckircn, um in wesentlichen Dingen in demselben Ziel zusammenzukommen. An die Delegirtcnversammluug schloß sich die Hauptversammlung an Dieselbe wurde von Regierungsrath v. Kehler im Auftrag des Oberpräsidenten Namens kgl. Staats-- regierung begrüßt, wohlwollende Förderung dieser genossenschaftlichen Bestrebungen kundgebend. Namens der städtischen Behörden hieß Bürgermeister Jochmus die Theilnehmer des Verbandstages deutscher Baugenossenschaften hier willkommen. Landesrath Glaß banste Namens des Vorstandes der Alters- und Jnvaliditäts-Versicherungs- anstalt für Hessen-Nassau für die derselben gewordene Einladung, versichernd, der Vorstand genannter Anstalt erblicke eine seiner Haupt­aufgaben mit darin, den Bau von Arbeiterwohnungen durch Hergabe von Darlehen zu unterstützen. Auch ein Vertreter des kgl. Eisenbahn- Präsidenten versicherte die Baugenossenschaften für denselben der wärmsten Sympathieen. Landrath Berthold-Blumenthal, Direktor des Verbandes der Baugenossenschaften Deutschlands, bedauerte zwar das Nichtgelingen einer Verschmelzung beider Verbände, versicherte aber, daß sein Verband mit dem anderen gute Kameradschaft halten werde. Sodann kam die Frage der Erleichterung der Beschaffung von Darlehen und Baugeldern für Baugenossenschaften zur Be­sprechung. Referent Dr. Albrecht-Berlin hob u. A. hervor, daß Cafsel für die Baugenossenschaflsbestrebungen gewissermaßen ein klassischer Ort sei, beständen doch hier allein 4 solcher Genossenschaften. Redner betonte die Schwierigkeit der Heranziehung von Privatkapital für fragl. Zwecke. Man habe da mit kleinen Sparbeiträgen gleich üble Erfahrungen wie mit der Ausgabe von Gcschäftsantheilen gemacht. Worauf weiterhin im Wesentlichen zurückzugreifen wäre, sei der Hypothekenkredit, aber auch auf diesem Gebiete ergäben sich die gleichen Schwierigkeiten. Von Sparkassen und Versicherungsanstalten könne man eventl. Hypothekengelder erhalten, aber dieselben würden nur bis zur pupillarischen Sicherheitshöhe ausgeliehen. Gelder auf zweite Hypothek hinter der ersten erhalte man entweder gar nicht oder zu unerfüllbaren Bedingungen. In einzelnen Fällen sei es wohl gelungen, von sozialem Empfinden durchdrungene Privatleute zur Hergabe größerer Kapitalien zu veranlassen. Außergewöhnliche Geldquellen seien die her dic Eisenbahn-Arbciter-PensionSkasse mit ihrer vom Landtage genehmigten 10 Millionenanleihe und die Mittel der Alters- und Jnvaliditätsanstalten gewesen. Erstere Geldquelle Jet indeß nicht ausreichend gewesen, weil nur für Preußen und zwar ftir Eisenbahnarbeiter benutzbar und mit deren Mittel erschöpft. Die Alters- und Jnvalftitätsversicherunqen verhielten sich Melrad) ent­gegenkommend, viele allerdings auch wieder ablehnend. Hier konnte auf dem Wege der Gesetzgebung Besserung geffoffen werden, Unter den zahlreichen Vorschlägen zur Abhilfe der Geldnoth der Baugenosten- schaften sei der bekannteste der Brandt-Liebrecht Idje, der darauf Huiaus- laufe, unter Mithilfe des Staates in den Provinzen Band anten zu er­richten, ähnlich der Zentral-Genoffenschaftskaye Indeß fei unter den obwaltenden politischen Verhältnissen an eine Ver wirklichung z. Zt. nicht zu denken. Es werde nun beabsichtigt, an den Reichskanzler eine Ptitivuzu richten, dahin zu wirken, daß § 129 der Novelle atm Alters- und Juvaliditätsgesetz einer Aenderung unterzogen wird, daß auf die Anstalten ein militanterer Druck zu Gunsten der Bau- genossenschaften als bisher ausgeübt wird Nachdem des ganz außerordentlichen Entgegenkommens der Hessen-Nassauychen Alters- Versicherungsanstalt gedacht worden und weitere Aussprache stattge- funden, wurde die Abseudung einer Petition an den Reichskanzler beschlossen im Sinne der Darlegungen des Referenten. Der Ber­liner Spar- und Bauverein und der Bauverein zu Stralsund hatte beantragt, den Verband zu einem RevisionSverband zu er­weitern. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. Hiermit war das BerathungSmaterial erschöpft.