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Amtliches Grgsn für HisSt- unö Lsnökrels Hansu.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 218 Montag Den 19. September 1898

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4anMwi# ^anau.

VekauötAachuageu des Königlicheu Landrathsamtes.

Bei der evangelischen Volksschule in Marköbel ist eine Lehrerstelle zu besetzen.

Das Grundgehalt der Stelle beträgt 1150 Mark, der Einheitssatz der Alterszulagen 130 Mark, die Miethsent- schädigung 150 Mark.

Bewerber wollen ihre Gesuche nebst Zeugnissen binnen 14 Tagen dem Herrn Lokalschulinspektor Pfarrer Reich in Marköbel einreichen.

Hanau am 17. September 1898.

Namens des Schulvorstandes Der Königliche Landrath

V. 10083 v. Schenck.

Dicastnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Korb mit zwei jungen Tauben, am Wochenmarkt stehen geblieben.

Verloren: Ein Monogramm A. C. aus einem Man- schettenknops, gegen Belohnung abzugeben. Ein halb Kilo- gewichtstein. Ein Heller Damensonnenschirm.

Entlaufen: Ein schottischer Schäferhund m. Geschl.

Vom Wasenmeister eingesangen: Ein gelber Pinscher w. Geschl. Ein schwarzer Spitz m. Geschl. Ein schwarzer Pinscher m. Geschl.

Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher mit langer Ruthe, weißen Abzeichen, m. Geschl.

Hanau am 19. September 1898.

Polizeiverordnung.

Auf Grund der §§ 5 und 6 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polizeiverwaltung in den neu­erworbenen Landestheilen sowie des § 143 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 wird nach Anhörung des Gemtindevorstandes nachfolgende Polizei­verordnung erlassen.

§ 1.

Die Wilhelmstraße in Langendiebach darf an Sonn- und Feiertagen von vormittags 10 bis 11/a Uhr und von nachmittags 11/« bis 3 Uhr von der Herrn- und Brunnen­straße ab bis zur Mittelstraße mit Fuhrwerken jeder Art (auch Fahrrädern) nicht befahren werden.

§ 3.

Uebertretungen werden bis zu 9 Mark Geld bezw. bis zu 3 Tagen Haft geahndet.

8 3.

Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Ver- öfsentlichung in Kraft.

Langendiebach den 16. September 1898.

Die Ortspolizeibehörde.

Knüppel. 13697

Die Beisetzung der Kaiserin Elisabeth.

Wien, 17. Septbr.

Seit den frühen Morgenstunden herrschte auf sämmtlichen Straßen und Plätzen ein unbeschreibliches Leben. Gewaltige Menschenmengen strebten in ununterbrochenem Strome dem Zentrum der Stadt zu und suchten in jenen Straßen, welche die geliebte Kaiserin auf ihrem letzten Wege passiren sollte, Aufstellung zu nehmen. Die sämmtliaen in Wien einlausen­den Eisenbahnzüge waren schon tagsvorher überfüllt gewesen und die Morgen- und Vormittagstunden brachten immer neue Massen nach der Metropole. Noch düsterer wie die Tage vorher erschien der Traverschmuck Wiens. Von fast allen Gebäuden wehten lauge Trauerfahnen. Fenster und Balkons waren mit schwarzem Tuch verhüllt; auch die Bevölkerung hatte in der Mehrzahl Trauer angelegt. In den ersten Nach- wittagstundkn wurden die Straßenlaternen an gezündet und breite mächtige Flambeaux schlugen zum Himmel empor. Hinter den spalierbildcnden Truppen harrte lautlos die dicht ge­drängte Menge.

Glockengeläute verkündete den Harrenden mit dem Schlage der vierten Stunde, daß die Spitze des Trauerzuges sich in der Hofburg in Bewegung setzte. Hier war der Sarg durch Kammerdiener und Leiblakaien vom Schanbette gehoben und nochmaliger Einsegnung nach dem im Schweizerhofe darrenden Leichenwagen getragen worden. Dem Sarge schritten aran: zwei Hoskommissäre, ein Hofkapellendiener mit dem K"uze, zwei assistirende Hofkapläne und der Hof- und Burg- psarrer mit brennenden Kerzen und ein Hosoberkommissär.

Unmittelbar hinter dem Sarge, der rechts und links von Edelknaben mit brennenden Wachsfockeln, Leibgarden und Leibzar dereitern unter Vortritt ihrer Chargen geleitet wurde, folgte der Hofstaat der verblichenen Kaiserin. In der Kapuzinerkirche, welche schwarz ausgeschlagen und deren Knie­bänke und Fußboden schwarz belegt waren, halten sich der allerhöchste Hofstaat und die sonst berufenen Personen, schon ehe der Trauerzug sich vom Schweizer Hofe in Bewegung schte, versammelt. Aas die Meldung von dem Herannahen des Leichenzuges begaben sich die bereits vorher eingetroffenen allerhöchsten nnd höchsten Herrschaften in die Kirche.

Auf dem Platze vor der Kirche hatten die dienstfreien Generale, Stabsoffiziere und Oberoffiziere Ausstellung ge­nommen. Als die Spitze des Leichenzuges auf dem Michaeler- platz erschien, entblößten die Harrenden die Häupter und eine liefe Bewegung ging durch die Menge. DerLeichenzug wurde von einer Abtheilung Kavallerie eröffnet. Den Reitern schloß sich eine Anzahl sechsspänniger Hofwagen an mit btr Oberst­hofmeisterin, den beiden Palastdamen und dem Obersthof­meister der Kaiserin. Hinter diesen Wagen schritten paar­weise die Leiblakaien, dann folgten Abtheilungen der Leib­garde-Infanterie und ter Leibgarvereiter. Nun kam der von acht Rappen gezogene, schwarz drapirte Leichenwagen heran. Der Sarg verschwand fast unter der Fülle der prachtvollen Blumensp^nden. Zu beiden Seiten des Wagens schritten Leiblakaien und Edelknaben mit brennenden Wachssackeln. Arcieren-und Trabanten-Leibgarden leisteten rechts, ungarische Leibgarden und Leibgarsereiter links die Nebenbegleitung. Dem Sarge folgten Abtheilungen der Arcieren- und der ungarischen Leibgarden zu Pferde. Den Schluß bildeten eine Kompagnie Infanterie und eine Eskadron Kavallerie. Der Zug nahm seinen Weg über den inneren Burgplatz, den Michaeler- und den Jostssplatz, durch die Augustinerstraße und bog sodann in die Tegethoffstraße gegen den neuen Markt ein, wo in der Gruft unter dem unscheinbaren Kirchlein der Kapuziner die Mitglieder des Kaiserhauses zur letzten Ruhe gebettet werden. Von der Augustinerkirche an traten dem Trauerzuge die Geistlichkeit, der Magistrat, der Landesaus­schuß, die Räthe der Ministerien nnd die Hosbeamtea voran.

Als der Leichenzug vor dem Hauptportale der Kapuziner­kirche angekommen war, wurde der Sarg vom Wagen ge­hoben und unter Vorantritt der Geistlichkeit in die Kirche ge­tragen. Hier wmde er auf die in der Mitte des Raumes ausgestellte, rings mit brennenden Kerzen umgebene Bahre uiedergestcllt. Es wurde sodann der feierliche Akt der Ein­segnung vollzogen. Tann sangen die Sänger der Hofmusik­kapelle das Libera, worauf der Sarg von Kammerdienern und Leiblakaien gehoben und unter Trauergebeten der Kapu­ziner, die ihn mit Fackeln begleiteten, in die Gruft hinabge­tragen wurde. Hinter dem Sarge schritt Kaiser Franz Josef die düstere Grufttreppe hinab. In der Gruft wurde die letzte Einsegnung vorgenommen. Nach Beendigung der Gebete übergab der erste Oberhofmeister dem Guardian der Kapu­ziner den Schlüssel zum Sarge und empfahl diesen seiner Obhut. Kaiser Franz Josef verließ hierauf die Kirche, die sich nun allmälig leerte.

Wien, 17. Septbr. Kaiser Franz Josef in der Uniform des preußischen Kaiser Franz Josef-Garde Grenadier-Regi­ments traf 20 Minuten vor der Ankunft des Deutschen Kaisers in offener Hofequipage vor dem Nordbahnhofe ein und begab sich in den Ichwarz drapirten Hofwartesaal, wo die Mitglieder der deutschen Botschaft, der Reichskanzler Fürst , Hohenlohe, der heute früh hier eintraf, und Staalsmiuister i v. Bülow die Ankunft Kaiser Wilhelms erwarteten. Punkt; 1 Uhr fuhr der Zug in die Halle ein. Kaiser Wilhelm, der die Uniform eines österreichischen Generals der Kavallerie mit bem JBanbe des Stephanordens trug, war bereits am Fenster sichtbar und entstieg eiligst dem Zuge. Kaiser Franz Josef schritt auf den Kaiser zu. Die Monarchen schüttelten sich zweimal die Hände, nahmen die Helme ab und küßten sich dreimal auf das Herzlichste. Beide Kaiser waren tief bewegt. Die Umgebung bemerkte, wie Kaiser Wilhelm dem Kaiser Franz Josef, der sich wiederholt dankend verneigte, die herzlichste Theilnahme ausdrückte. Die Monarchen fuhren nach erfolgtet Vorstellung der Suiten zur Hofburg. Mit dem gleichen Zuge wie Kaiser Wilhelm trafen auch zwei prächtige Kränze ein, von Kaiser Wilhelm und von der Deut- schkn Kaiserin. Beide Kränze legte Kaiser Wilhelm sofort nach Ankunft in der Hofburg am Sarge nieder. Um 6 Uhr findet in der deutschen Botschaft ein Diner statt, an welchem der Deutsche Kaiser mit Gefolge theilnimmt. Kaiser Wilhelm verweilt dortselbst bis 8 Uhr, worauf die Abreise erfolgt.

Wien, 18. Septbr. DieWiener Zeitung" veröffent­licht folgendes aus Schönbrunn vom 16. September datirte kaiserliche Handschreiben an den Ministerpräsidenten Grafen Thun^mit dem Dank des Kaisers an die Bevölkerung. Das Schreiben lautet:

Die schwerste und grausamste Prüfung hat mich und mein Haus heimgesucht. Meine Frau, die Zierde meines Thrones, die treue Gefährtin, die mir in den schwersten Stunden des Lebens Dost und Stütze war, woran ich mehr verloren habe, als ich auszusprechen vermag, ist nicht mehr. Ein entsetzliches Verhängniß entriß sie mir und meinen Völkern. Eine Mörderhand, ein Werkzeug des wahnsinnigsten Fanatismus, der sich die Vernichtung der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung zum Ziel setzt, die sich gegen die edelste der Frauen erhoben, hat in blindem, ziel­losem Hasse das Herz getroffen, das keinen Haß gekannt und nur für das Gute geschlagen hat. Mitten in dem grenzenlosen Schmerze, der mich und mein Haus erfaßt, angesichts der unerhörten That, welche eine ganze gesittete Welt in Schauder versetzt, dringt zunächst die Stimme meiner geliebten Völker lindernd zu meinem Herzen. In­dem ich mich der göttlichen Fügung, die so Schweres, Un­faßbares über mich verhängt, in Demuth beuge, muß ich der Vorsehung Dank sagen für das hohe @ut, das mir geblieben: für die Liebe und Treue der Millionen, die in der Stunde des Leidens mich und die Meinen umgibt. In tausend Zeichen von Nah und Fern, HoL und Niedrig, hat der Schmerz und die Trauer um die gottselige Kaiserin und Königin sich geäußert. In rührendem Zusammenhang ertönte die Klage Aller über ten unermeßlichen Verlust als getreuer Wiederhall alles deffen, was meine Seele bewegt. Wie ich das Gedächtniß der heißgeliebten Gemahlin hoch halte bis zur letzten Stunde, bleibt ihr in der Dankbarkeit und Ve> ehrung meiner Völker ein unvergängliches Denkmal für alle Zeiten errichtet. Aus den Tiefin meines beküm­merten Herzens danke ich Allen für das neue Pfand der Hingebung voller Theilnahme. Wenn die Festklänge, welche dieses Jahr begleiten sollten, verstummen müssen, bleibt mir die Erinnerung an die zahllosen Beweise von Anhäng­lichkeit und warmem Mitgefühl die werthoollste Gabe, die mir dargebracht werden konnte. Die Gemeinsamkeit unseres Schmerzes schlägt ein neues inniges Band um Thron und Vaterland. Aus der unwandelbaren Liebe meiner Völker schöpfe ich nicht nur das verstärkte Gefühl der Pflicht, aus- zuharren in der mir gewordenen Sendung, sondern auch die Hoffnung des Gelingens. Ich bete zu dem Allmäch­tigen, der mich schwer beimgesucht hat, daß er mir noch die Kraft gebe, zu erfüllen, wozu ich berufen bin. Ich bete, daß er meine Völker segne und erleuchte, den Weg der Liebe und Eintracht zu finden, auf dem sie gedeihen und glücklich werden mögen."

Wien, 18. Sept. DieWiener Zeitung" publizirt die Stiftung eines Frauenordens, welcher den Namen der dahingegangenen Kaiserin führen wird. Die Hof­dame Gräfin Sztaray, welche der Kaiserin in ihrer Todes­stunde die letzten Dienste erwiesen, wird mit dem Großkreuz dieses Ordens ausgezeichnet werden.

Kopenhagen, 18. Sept. Hier wurde gestern eine große Trauerfeier für die Kaiserin Elisabeth in der Herz- Jesukirche abgehalten. An derselben nahmen der König von Dänemark, der König von Griechenland, der Herzog von Cumberland und zahlreiche andere Fürsten und Prinzen theil.

Petersburg. 18. Sept. Dem gestrigen Requiem für die Kaiserin Elisabeth wohnten zahlreiche Mitglieder des Zarenhauses und das gesammte diplomatische Korps bei. Das Publikum strömte in Schaaren in die Kirche vor den Ge­dächtniß-Katafalk.

Politische und unpolitische Nachrichten.

(Depefchen-Surea» .Herold'.)

Berlin, 18. Septbr. Wie demBerliner Tageblatt" auS Brüssel gemeldet wird, wird die belgische Regierung dem Parlament ein scharfes Anarchistengesetz vorlegen, jedoch allen internationalen Vereinbarungen widerstreben.

Budapest, 18. Septbr. In Kurdicz im Komitat Arad brach ein Brand aus, als sich ein großer Theil der Bevölkc- rnng in den Gotteshäusern befand, wo Trauergottes'vienst für die Kaiserin Elisabeth abgehalten wurde. Durch den herrschenden Sturm nahm der Brand eine große Ausbreitung an. 26 Häuser sind in Asche gelegt. Von allen Seiten eilt Hilfe herbei.

Petersburg, 18. Septbr. Es wird bestätigt, daß Rußland überall wichtige Allein-Konzessionen zu Eisenbahn­bauten in Persien erhalten hat.