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Erstes Blatt.

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Amtliches Organ für Staöl- unö LanöKrers Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

M. 217.

Samstag den 17. September

1898

Amtliches.

SlaötNvois ^artau.

Ansschreiben.

Am 11. d. Mts. wurde dahier im Rhein eine männliche Leiche geländet, die 810 Tage im Wasser gelegen haben mag. Der Verlebte ist 2025 Jahre alt, 1,75 Mir. groß, von kräftiger Statur, hat dunkelblonde Haare, rundeS Gesicht, niedere Stirne, blonde Augenbraunen, dicke und stumpfe Nase, großen Murr», anscheinend dicke Lippen, rundes Kinn und ist bartlos.

Bekleidet war die Leiche mit schwarzem gestreiftem Sackrock und ebensolcher Weste, braunen Cheviothosen, blau und weiß gestreiftem Arbeitskittel, grauwollenem Normalhemd, grau­wollenen Socken, grauen Gummihosenträgern und Haken­schnürstiefeln.

Um Auskunft über die Person des Verstorbenen wird gebeten.

Mainz den 12. August 1898.

Das Poltzeiamt.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 14. September 1898.

Königliche Polizeidirektion.

P. 9392

v. Schenck.

Infolge Vornahme von Wasserrohrverlegungsarbeiten wird die Römerstraße zwischen Steinheimerstraße und Kanalthor von heute bis einschließlich 28. d. Mts. für den Fahrwerks- verkehr gesperrt.

Hanau am 16. September 1898.

Königliche Polizeidirektion.

P. 9520

v. Schenck.

^anö&ret0 ^anau. Vekanutmachullge« des Königlichen Landrathsamtes. Laildwirthschaftlicher Kreisverein Hanau.

Nächste Versammlung Samstag den 24. September, nachmittags 2 Uhr, im Gasthaus zumgoldenen Löwen" in Hanau.

Tagesordnung:

1. Vertheilung der Schweizerziegenböcke an die Gemeinden und Zuchtvereine rc.

2. Geschäftliche Mittheilungen.

3. Mittheilung der Herren Delegirien über die s diesjährige landwirtschaftliche Ausstellung in Eschwege.

Kleines Feuilleton

Aus Äunft und Leben.

Herr Drumont über die Zunahme der Geistes- krantheiten. Mit der völhigen Vollendung vorgetragen wird auch der Blödsinn ivter-ffant. Von diesem Standpunkte aus. wäre es Unrecht, eine Kraftleistung des Pariser Jour­nalisten Drumont in derLibre Parole" zu unterschlagen. »Nach meiner Ansicht", so belehrt rms dieser Herr,ist der Engländer Jenner, der die Pockenimpfung erfunden hat, einer der größten Uebelthäter der Menschheit gewesen. Die kleinen , Pocken sind niemals eine Krankheit gewesen. ES ist vnl- wehr eine wunderbare Arbeit des Organismus, eine frei­willige Operation der Natur, die gewaltsam von sich stößt, austreibt, niederschlägt die schlechten Säfte, die in dem Körper find. Es ist eine Blüthezeit, ein Sichentsaltcn, eine erhabene Krisis. Man studire aufmerksam die Anzeichen, die der Krupp, das typhöse Fieber, die Lungenschwindsucht dar- bieten, und man wird erkennen, daß sie nur Rückstöße d°r zurückgedrängten Blattern sind. Alles was die Ge­ehrten der Akademie darüber erzählen, ist reiner Blöd­sinn. ES hat auch früher Bazillen gegeben, wie es fauch früher diebische Geldleute gegeben hat, nur daß man die Blattern die Bazillen hat austreiken lassen und daß mau Ue Geldleute an den Galgen gehangen Hot. Der menschliche nb der soziale Körper befanden sich besser dabei. Die »tzeuden Säfte, die sich nun ihren Ausgang suchen müssen, Zeugen bald Krebs, bald Gehirnentzündung, sie werfen sich bald auf diesen, bald auf jenen Körpertheil, sie ergreifen bet

Einen die Lungen, b.i dem Anderen das Gehirn. Daraus erklärt sich die unglaubliche Zunahme der GeisteS- rankheiten, die sich seit einem Jahrhundert verzehnfacht haben, die unaufhörlich wachsende Zahl der Selbstmorde, die

4. Vortrag über landwirthschaftliche Haftpflichtversicherung der Landwirthschastskammer des Regierungsbezirks Caffel.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister des Kreises werden ersucht, obige Bekanntmachung des landwitthschaftlichen Kreisvereins

in

ihren Gemeinden in ortsüblicher Weise bekannt zu machen. Hauau, 17. September 1898.

Der Königliche Landrath.

v. Schenck.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindviehbestande auf der Domäne Dottenfelderhof ist erloschen und die Gehöftsperre wieder ausgehoben worden.

Die Herren Ortsvorstände wollen Vorstehendes sofort ortsüblich bekannt machen.

Hanau am 17. September 1898.

Der Königliche Landrath

V. 10054 v. Schenck.

Dicnstnachrilhten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Paar neue Handschuhe. Ein schwarz- seidener Beutel mit einer Brille und Strickzeug.

Verloren: Zwei Paar braune Filzschuhe.

Zugelaufen: Ein junger weißer Foxterrier m. Geschl. Hanau am 17. September 1898.

^taöfUret# ^anau.

NMMtMLchMgrN des Oberbärgermeisteramtes.

Am Montag den 19. September 1898, nachmittags von 5 Uhr ab, findet im unteren Sitzungssaale des Neustädter Rathhauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des Gewerrbegevichts statt, in welcher Partheien etwaige Strei- tigkeiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können.

Hanau den 16. September 1898.

Der Vorsitzende des Gewerbegerichts Dr. Gebeschus.

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Tagesschau.

Landtagswahlen. DerReichsanzeiger" meldet: Für die Wahlen zur neunzehnten Legislaturperiode des preußischen Abgeordnetenhauses wird für die Wahl der Wahlmänner der 27. Oktober und für die Wahl der Abgeordneten der 3. November festgesetzt.

der Ausdruck der Geistesstörung sind. Diese Betrachtungen sind nur für die schon genügend gebildeten Geister bestimmt, für die durch eigenes Nachdenken gereiften. Die Masse wird in dem Glauben beharren, daß Jenner ein großer Mann ist, und wird ihre Kinder weiter impfen lassen." Hoffentlich !

Uebrigens, wenn Herr Drumont Recht hat, -so hat er selbst die Pocken nie gehabt.

Ueber die Anschauungsarumth der Grotzyadt- kinder machen dieBlätter für Knabenhandarbeit" einige interessante Mittheilungen, aus denen hervorgeht, daß vielen der Kinder, die mit 6 Jahren in die Schule kommen, einfach noch das Anschauungsmaterial fehlt, das eine Grundbedingung für die heute in den Volksschulen gepflegte leider noch viel zu abstrakte Lehrmethode ist. In dem Bericht heißt es: »Wenn man mit den zur Osterzeit in die Schule eintreten­den Kleinen die ersten Unterrichtsversuche macht, treten einem, neben geistig regen, eine große Anzahl solcher Schüler ent­gegen, von denen man annehmen möchte, sie seien bis dahin blind und taub gewesen. Auch später, wo immer wieder an die als vorhanden vorausgesetzten Anschauungen der Kinder angelnüpft wird, macht man dieselbe Wahrnehmung. Beson­ders den Kindern der Großstädte mangelt es an solchen Natur­erscheinungen, die die Grundlage unseres geistigen Lebens bilden: an Wahrnehmungen auS Wald und Feld, von Bergen, Thälern und Gewäffern, von den einfachsten Be­schäftigungen der Menschen u. s. w. So ergab sich z. B. bei einer in mehreren Schulen Berlins verunstalteten Prüfung, daß von sämmtlichen gefragten Schülern von sechs und mehr Jahren gegen 7O°/o keine Vorstellung von Sonnenaufgang und 54% keine von Sonnenuntergang besaßen, daß 76 /o noch keinen Thau, 75% keinen lebendigen Hasen, 64 /o kein Eichhorn, 60°/o keinen Kuckuck, 82% keine Lerche gehört, 49% keinen Frosch, 53°/e keine Schnecke, 87% keine Birke, 59% kein Aehrenfeld, 66% kein Dorf, 67% keinen Berg

$te heutige Nummer umfaßt außer dem UnterhaUungsblatt 12 Seiten.

Anarchistisches. Aus Rom wird unterm 16. d. M. gemeldet: Heute wurden weitere Verhaftungen vorgenommen. Insgesammt sind 350 Personen verhaftet worden. Es ge­winnt immer mehr den Anschein, daß Luccheni das Werkzeug eines Komplottes war, welches sich auch nach Italien aus- breitete und in Mailand, vielleicht auch in Rom zum Aus- bruch kommen sollte. Soldaten erhielten in letzter Zeit viel­fach anarchistische Schriften aus der Schweiz zugesandt und Übergaben dieselben sofort ihren Vorgesetzten, welche der Poli­zei davon Anzeige machten. Drei in Mailand verhaftete Anarchisten sollen mit Luccheni bis zuletzt im regen Briesver­kehr gestanden haben.

Das Ende des Krieges um Kuba. Madrid, 16. Septbr. Die für die Friedeusunterhandlungen in Paris ernannte spanische Kommission besteht aus Mantuo Rios, Villa Rutia, Cerero, General Arbazuga und Urzarz. Die Ernennung ist noch keine endgültige, es können noch Abände­rungen vorgenommen werden. Im gestrigen Ministerrathe nnter Vorsitz der Königin-Regentin legte Ministerpräsident Sagasta die schwebenden inneren und äußeren Fragen dar. Der Minister des Auswärtigen theilte mit, er habe keine Antwort aus Washington erhalten betr. die Heimbeförderung der Spanier von den Philippinen. Nachrichten aus Ma­nila zufolge wäre ein Drittel der in der Gewalt der Auf­ständischen gefangenen Spanier infolge schlechter Behand­lung gestorben.

Der Grenzstreit zwischen Chile urtd Argentinien ist nach einer über New-Dork kommenden Meldung aus Valparaiso in ein Stadium getreten, das nicht nur den Aus­bruch eines Konflikts zwischen den beiden Staaten befürchten läßt, sondern auch die Gefahr eines gewaltigen Zusammen­stoßes ganz Südamerikas nahe legt, da einerseits Bolivia sich durch einen Geheimvertrag verpflichtet habe, mit Argentinien Hand in Hand zu gehen, während wiederum Peru bereit sei, Chile zu unterstützen. Der reiche Zündstoff, der in den süd- amerikanischen Republiken zu jeder Zeit angehäuft liegt, läßt leider die Möglichkeit einer kriegerischen Verwicklung nicht ausgeschlossen erscheinen, doch dürfte die auS dem Bureau des Newyork Herald" stammende alarmirende Depesche, die wir bereits wieder gegeben haben, leicht eine Färbung tragen, in der die augenblickliche Lage in Südamerika um einige Schattirungen kritischer erscheint, als sie in Wirklich­keit ist. Nach einer Meldung derTimes" aus Valparaiso sind die durch daS am Samstag unterzeichnete Protokoll der Sachverständigen seftgestellten Differenzen zwischen Chile und Argentinien allerdings derartig, daß jede Aussicht einer direkten Beilegung ausgeschlossen erscheine; doch bleibe immer­hin noch ein Ausweg, der einem Kriege vorbeugen könne. Es werde nämlich Chile beantragen, den laut Vertrag von

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und 89% keinen Fluß gescheit hatten. Mehrere Kinder wollten einen See gesehen haben, bei genauerer Nachforschung ergab sich jedoch, daß sie einen Fischbebälter auf dem Markt­platz meinten. Einem Kinde aber, das so wenig Naturer­scheinungen mit zur Schule bringt, fehlt zum Theil die Basis, auf welcher der Unterricht sein Vorstellungsgebäude aufzu- richten hat, es mangeln ihm wichtige, aus Einzelwahrnehmungen erst hervorgehende Begriffe es fehlt ihm, kurz gesagt, der Grund und Boden, aus dem die ganze spätere Bildung ruht."

Komet. Kopenhagen, 16. Septbr. Gestern Nacht wurde auf der hiesigen Sternwarte ein lichtschwacher Komet wahrgenommen. Die Vermuthung, es sei der Tempelsche Komet vom Jahre 1866, hat sich als unrichtig ^erwiesen, es ist vielmehr der Wolfsche vom Jahre 1884.

Mädchen Gymnasium. Wie der VereinFrauen- bildung-Frauenstudium" mittheilt, wurde am 14. ds. die Untertertia des städtischen Mädchengymnasiums in Karlsruhe mit 13. Schülerinnen eröffnet, zu gleicher Zeit mit dem neu- gegründeten Internat der Anstalt, in dem noch einige Plätze frei sind. _

Don den Standbildern der alten deutschen Kaiser im Südvestibul des Reichstagshauses sind die ersten, darunter auch die Figur Karls des. Großen, bereits zur Auf­stellung gelangt, andere gehen der Vollendung entgegen.

Adelina Patti ist Engländerin geworden. Die amt­licheLondon Gazette* führt unter den Fremden, denen die englischen Naturalisationsrechte verliehen sind, in ihrer letzten Nummer auf: Madame Adele Maria Juana Patti- Nicoliui auf Schloß Craig-y-Nos bei Brecknock in Wales.