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Donnerstag den 15. September
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1898
Hierzu
„Amtliche Beilage" Nr. 57.
AmMchr-.
^an^Uret0 ^anau.
OekaMtMschuugeu des Königlichen Landrathsamtes.
Da in verschiedenm Theilen des Regierungsbezirks theils abweichende, theils gar keine Vorschriften darüber bestehen, in welcher Entfernung von Gebäuden sog. Feimen von Heu, Stroh oder unausgedroschenem Getreide, welche der Entzündung leicht ausgesetzt sind, errichtet werden dürfen, so erlassen wir, unter Aufhebung aller entgegenstehenden Bestimmungen, auf Grund der §§ 9 und 11 der Verordnung vom 20. Septbr. 1867, die Polizeiverwaltung betreffend, nachfolgende polizeiliche Anordnung:
Die Errichtung sog. Feimen (auch Schober, Diemen genannt) von Heu, Stroh oder unausgedroschenem Getreide ist nur in einem Abstande von wenigstens 30 Metern von den nächstliegenden Waldungen, sowie von den nächsten Gebäuden gestattet, sofern diese letzteren sämmtlich mit Ziegeln oder Schiefern gedeckt sind, bei anderer Bedachung ist eine Entfernung von wenigstens 100 Metern einzuhalten. Zuwiderhandlungen unterliegen einer Geldstrafe von 1 bis 10 Thalern, subsidiär entsprechender Haftstrafe, sofern nicht eine strengere Bestrafung nach § 367 pos. 6 des Reichs-Strafgesetz- buches eintritt.
Cassel am 10. März 1873.
Königliche Regierung, Abth. des Innern.
Vorstehende Polizeiverordnung bringe ich den Ortspolizei- behördm und der Königl. Gendarmerie des Kreises in Erinnerung mit dem Auftrage, auf die genaue Befolgung derselben zu sehen. Zuwiderhandlungen sind zur Bestrafung zu bringen.
Hanau am 15. September 1898.
Der Königliche Landrath
V. 9985 v. Schenck.
In Spielberg, Kreis Gelnhausen, ist unter dem Rindvieh und den Schafen die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Orts- und Gemarkungssperre angeordnet worden.
Hanau am 15. September 1898.
Der Königliche Landrath
V. 9980 v. Schenck.
Dicustnachrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Ein Portemonnaie mit Inhalt nebst einer Arbeiterwochenkarte von Langenselbold—Hanau.
Verloren: Ein Damenportemonnaie mit ca. 2,70 Mk. Inhalt und einem kleinen Schlüssel.
Zugelaufen: Ein junger weißer Foxterrier.
Beileidskmtdgebungen.
Wien, 14. Septbr. Kaiser Franz Josef erhielt Beileidstelegramme seitens der Souveräne, des Papstes, der Staatsoberhäupter nahezu der ganzen Welt, darunter auch Telegramme aus Japan, Sansibar, Peru, Chile und Uruguay.
Kaiser Wilhelm telegraphirte:
Vom Manöver eben zurückkehrend erfahre Ich die entsetz- liche Nachricht von der ruchlosesten aller Thaten. Tief erschüttert und noch fassungslos kann ich kaum Worte finden, um Dir zu sagen, wie ich für Dich fühle und trauernd den schweren Verlust mitempfinde. Es ist eine Prüfung des Herrn, die wir Menschen nicht begreifen können und die nur durch ihre fürchterliche Schwere auf uns lastet. Aber das ist ber einzige Trost für uns arme Menschen, daß eS von Oben also bestimmt ist.
Marmorpalais den 10. September 1898.
Wilhelm.
Der Prinzregent von Bayern sandte folgendes Telegramm:
. Tief erschüttert durch die furchtbare Nachricht aus Genf drangt es mich, Dir meine innigste, schmerzliche Theilnahme auszusprechen an dem schweren, unersetzlichen Verlust, den Du Putten hast. Gott gebe Dir Trost und Stärke in Deinem Rechten Schmerze. Aus treu ergebenen Herzen.
Dberstdorf den 11. September.
Luitpold.
Das Telegramm des Königs von Italien lautet:
Das so unerwartete und so grausame Unglück, das Dich getroffen, erfüllt uns mit Schauder und Entrüstung. Ich wünsche um Dich zu sein, um Dir durch meine Liebe den Antheil zu erwecken, den ich an Deinem Schmerz nehme. Aber obwohl fern, schließen wir, Margarethe und ich, uns von ganzem Herzen Deinen Thränen und Deinen Gebeten an, indem wir Gott um Tröstung für Dich anflehen, die er allein Dir verleihen kann. Ich umarme Dich.
Torrino Reggia, 11. September.
Humbert.
Der König und die Königin von Sachsen trle- graphirten:
Tief erschüttert von dem schweren Schlag, der Dich getroffen, sprechen wir Dir unsere innigste Herzenstheilnahme aus.
Pillnitz (Schloß), 11. September.
Albert, Karola.
Der König von Württemberg telegraphirte:
Tief erschüttert von dem grausamen Unglück, möchten die Königin und ich unserem wärmsten und innigsten Beileid Ausdruck geben. Gott stehe Dir mit seinem Trost bei.
Ludwigsburg, 11. September.
Wilhelm.
Der Papst telegraphirte:
Wir beeilen uns, Euer Majestät unseren tiefsten Schmerz und unsere größte Entrüstung auszudrücken über das fluchwürdige und barbarische Attentat, das an der Kaiserin begangen wurde. Wir beten für die edle Seele des erhabenen Opfers und flehen mit heißer Inbrunst zu Gott, daß er, in dessen Macht es liegt, Euer Majestät in diesem grausamen Unglück und in dieser bitteren, die heiligsten Gefühle treffenden Prüfungsstärke, und darum ertheilen wir Euer Majestät, der pesammten kaiserlichen und königlichen Familie aus dem Tiefsten unseres schmerzergriffenen väterlichen Herzens unseren ganz besonderen Segen.
Rom den 11. September.
Leo, Pp. XIII.
Der Groß Herzog von Baden telegraphirte:
Tief erschüttert über die entsetzliche Nachricht von dem Hinscheiden der Kaiserin, Deiner Gemahlin, infolge Anar- chisten-Aitentats bringen wir, die Großherzogin und ich, den Ausdruck treuen und innigen Mitgefühls an der unsagbaren schmerzlichen Prüfung Deines so vielgeprüften Herzens dar. Unsere wärmste Theilnahme begleitet alle Deine Empfindungen, und wir bitten um Gottes Hülfe und Kraft für Deine trauernde Seele. Seine Gnade geleite Dich!
Main au den 11. September.
Friedrich.
Tagesschau.
Landtagswahlen. Vor einiger Zeit bereits ist von uns mitgetheilt worden, daß die preußischen Landtagswahlen aller Wahrscheinlichkeit nach Ende Oktober (Urwähler) und Anfang November (Wahlmänner) stattfinden werden. Hiergegen wird jetzt in einigen Blättern behauptet, daß die Wahlen schon früher, etwa in der Mitte des Oktober, vor sich gehen sollen. Man folgert solches aus einem Cirkular des Ministers des Innern an die Regierungspräsiden, enthaltend die Aufforderung an die Kommunal-Behörde, die für die Wahlen erforderlichen Vorarbeiten ohne Verzug vorzu- nehmen.. Daß Vorbereitungen, wie die Abgrenzung der Wahlbezirke für die Urwahlen und die Aufstellung der Wählerlisten geraume Zeit vor den Wahlen fix rmd fertig sein müssen, ist selbstverständlich. Jener ministerielle Erlaß wird daher zu Unrecht als maßgebend für den genauen Wahltermin angesehen.
Im Kreise Pyritz Saatzig hat die Reichstagswahl mit einem Wiege deS konservativen Kandidaten, Freiherrn von Wangenheim, geendet. Der Sieg ist umso erfreulicher, als alle Mittel angewandt wurden, um ihn streitig zu machen. Man scheute selbst vor der niedrigsten persönlichen Verunglimpfung nicht zurück.
„Elfatz lothringische Frage". In der von den französischen und russischen Blättern aufgeworfenen „elsaß- lothringischen Frage" bemerkt die „Natl.-Ztg.", daß Deutschland niemals an einer internationalen Konferenz theilnehmen werde, aus der der durch den Frankfurter Friedens-Vertrag endgültig rechtlich festgesetzte Besitz Elsaß-Lothringens in irgend welcher Form erörtert werden könnte.
Die Umbewaffnung der rassischen Feld 'Artillerie soll in kürzester Hett durchgeführt werden. Die „Nowoje Wremja" weist bei" diesem Anlaß darauf hin, daß ausländische Fabriken, hauptsächlich preußische, mit den Liefe
rungen beauftragt wurden, weil die einheimischen zu wenig leisten, um die Arbeiten rechtzeitig fertig zu stellen. Infolge dessen wandere das russische Geld in ausländische Taschen. Man müsse sich wohl oder übel hiermit abfinden, weil es undenkbar sei, so schnell neue Fabriken zu schaffen. Man sei aber verpflichtet, nachzudenken, wie in Zukunft diese höchst unliebsame Erscheinung vermieden werden könne.
Süd-Afrika. Der Ausfall der jüngst im Kapland vollzogenen Parlamentswahlen hat die erfreuliche Gewißheit gebracht, daß die holländischen Berölkeruvgstheile dort politisch an Bedeutung gegenüber dem britischen Element gewachsen sind. Das wird auch den Buren in Transvaal den Rücken stärken und ihnen zu der tröstlichen Ueberzeugung verhelfen, daß Herr Cecil Rhoves, in dem sie ihren geschworenen Feind sehen, nicht so ohne weiteres kann, wie er gern möchte. Was helfen alle Träume von einem rein englischen Süd-Afrika, wenn in der Kapstadt selbst die Dritten mit der Stimmung der Volksgenossen aus niederdeutschem Stamm ernstlich rechnen müssen. Die Londoner Presse muß diese sehr bemerkens- werthe Thatsache zugeben, und die „Times" deuten schon an, das Beste wäre, wenn die Verfechter der englischen Reichsidee, an ihrer Spitze Herr Rhodes, sich in Güte mit dem klugen Präsidenten Krüger in Pretoria auseinandersetzen wollten. An eine gewaltsame Niederwerfung des holländischen Volksthums kann England jetzt, wo es sich in Oberegypten auf Schwierigkeiten mit Frankreich, vielleicht auch mit Abessynien, gefaßt machen muß, nicht denken. Die Lage ist für die Buren weit günstiger, als zu Zeiten des Jamesonschen Einfalls. Mögen sie es verstehen, durch kluges Entgegenkommen Nutzen daraus zu ziehen und frühere Fehler zu vermeiden.
Politische sind unpolitische Nachrichten.
(Depesche».Sure«« «Herold".)
Berlin, 14. Septbr. Der Kaiser wird sich Freitag Abend nach Wien begeben und sich Samstag Nachmittag an der Leichenfeier für die Kaiserin Elisabeth betheiligen. Der Aufenthalt in Wien dauert nur wenige Stünden und die Rückkehr wird Sonntag früh erwartet. Es lassen sich ver- treten die G.roßherzoge von Oldenburg und Mecklenburg durch die Erbgroßherzoge, ferner der Herzog-Regent von Mecklenburg-Schwerin durch den Freiherrn von Maltzahn.
Berlin, 14. Septbr. Bei der heutigen Oberbürgermeisterwahl in Charlottenburg wurde der Oberbürgermeister Schustehrus in Nordhausen mit 37 von 65 Stimmen gewählt. Der Bürgermeister Matting- Charlottenburg erhielt 23 Stimmen.
Spandau, 14. Septbr. Hier beginnt sich unter der Arbeiterbevölkerung der Stadt gegen die aus mehreren Bauten beschäftigten Italiener, welche an Stelle der gegenwärtig streikenden Maurer getreten sind, eine feindselige Haltung bemerkbar zu machen. Es ist bereits mehrfach zu Blutigen Zusammenstößen gekommen. Heftige Verwünschungen werden gegen die Italiener ausgestoßen. In der vergangenen Nacht wurde ein Holzschuppen, in welchem 30 italienische Arbeiter untergebracht waren, von streikenden Maurern auge- zündet. Dte Italiener konnten sich jedoch retten. Sie schössen mit Revolvern in die Luft, um ihre Gegner iu Schrecken zu versetzen. Die italienischen Arbeiter werden zur Arbeit mit polizeilicher Bedeckung begleitet.
Köln, 14. Septbr. Die „Köln. Volkszeitung" meldet aus Berlin: Es werde ein internationaler Krngreß zur Berathung gemeinsamer Maßregeln gegen die anarchistische Gefahr von deutscher Seite angeregt werden. Das Blatt sagt, die vorbereitenden Schritte sind in diesem Augenblick vielleicht schon gethan. Es ist kein Zweifel, daß die Einladung angenommen wird. Die Konferenz dürfte möglicherweise früher znsammenkrctev, als die AbrüstungsKonferenz. Wie es heißt, wird von deutscher Seite das größte Gewicht darauf gelegt, mit dem bisherigen unzureichenden Ueberwachungssystem zu örechen und ein Jsolirungs- System einzuführen, dergestalt, daß jeder Staat die Verpflichtung übernimmt, die als Anarchisten bekannten Personen in seinem Berich zu interniren und auf diese Weise unschädlich zu machen. Ein solcher Vorschlag wird in erster Linie in Deutschland gemacht werden.
Wien, 14. Septbr. Der Kaiser bewahrt feine Fassung. Er ist tief gerührt über die Theilnahme der Bevölkerung deS ganzm Reiches. Er wird nach Abschluß der Trauerseier dies in einem öffentlichen Manifest bekunden. Die Beisetzung der Kaiserin erfolgt nur einstweilen. Die Stiftung eines Elisabeth-Ordens für verdienstvolle Frauen steht unmittelbar bevor.