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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Nr. 210. Freitag den 9. September 1898

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Dicnstnachrichtcn ans dem Kreise.

Gesunden: Ein Revolver; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Niederdorfelden. Ein blauer Arbeitskittel.

Zugeslogen: Ein junger schwarzer Hahn.

Hanau am 9. September 1898.

Wichtige gerichtliche Entscheidung.

Die neuerdings mehrfach erörterte Frage, ob Krieger- vereine berechtigt sind, solche Mitglieder, die sich durch Förderung sozialdemokratischer Bestrebungen mit den Zwecken des Vereins in Widerspruch setzen, auszuschließen, ist vor einiger Zeit vom Oberlandesgericht zu Hamm bejaht worden. Aus dem unterm 3. November 1897 ergangenen Erkenntniß ist Folgendes hervorzuheben:

Die Ausschließung der Kläger ist gerechtfertigt, wenn sie sozialdemokratischen Bestrebungen in irgend einer Weise vorsätzlich oder beharrlich Vorschub geleistet haben. Denn die Bestrebungen der Sozialdemokratie, wie sie sich in Deutsch­land ausgebildet, sind subversiver Natur, auf Zerstörung des Staats und der Gesellschaftsordnung gerichtet und werden mit vaterlandsloser Gesinnung durch Aufwiegelung und Ver­hetzung, durch Erdichtung und Entstellung von Thatsachen gegen die Gesetze, Einrichtungen und Anordnungen der Be­hörden und die Autorität privater Vorgesetzter durchzuführen gesucht. Die Beförderung solcher Bestrebungen steht im di- relten Gegensatz zn dem obersten Zweck des verklagten Vereins, in Liebe und Treue zum obersten Kriegsherrn und zum Vater­lande den kameradschaftlichen Geist auch im bürgerlichen Leben zu pflegen. Wer den sozialtemokratischen Tendenzen vorsätz­lich Vorschub leistet, ist daher gänzlich untauglich und unwürdig, diesem Vereine anzugehören, und darf aus demselben ausge­schlossen werden.

DerVerband Rheinisch-Westfälischer Berg- und Hütten­arbeiter" steht auf dem Standpunkt der Sozialdemokratie und befördert und begünstigt deren Tendenz, wenn er auch zu gleicher Zeit gleichgültig ob absichtlich oder nur zum Schein berechtigte wirthschaftliche Interessen verfolgen sollte. Dies ist nicht nur allgemein bekannt, sondern er­gibt sich auch aus der amtlichen Auskunft der Polizeibehörde und aus dem Inhalt der überreichten Exemplare der Ver- bandszeitung.

Nach der Auskunft der Polizei ist es unzweifelhaft, daß derVerband Rheinisch-Westfälischer Berg- und Hüttenarbeiter" sozialdemokratische Tendenzen verfolgt. Jede Nummer des Verbandsorgans bringt Inserate und Anpreisungen von so- zialdemolratischen Schriften, die in der Buchhandlung des Organs käuflich zu haben sind, und Ankündigungen von so­zialdemokratischen Versammlungen, sowie Leitartikel, welche ISW» lll^M^MM^M^^^B^^I

Feuillets«

Die Kaiserfahrt nach dem heiligen Lande.

5. Bon Konstantinopel nach dem heiligen Lande.

(Fortsetzung.)

Anfänglich vermochten sie ihre wenigen Schiffe nur dem Dienste zum Schutze der christlichen Kirche zu weihen, doch bald gingen sie zur Bekämpfung der muhammedanischen Korsa- ren und der Flotte des egyptischen Sultans über. Statt zu Pferde kämpften die Ritter fortan zu Schiff, und in Ltmisio wurde die Eroberung von Rhodos vorbereitet.

Heute sind es abermals die Johanniterritter, welche den Deutschen Kaiser aus seiner Fahrt nach dem heiligen Lande begleiten, nicht zur kriegerischen, sondern zur geistigen Er­oberung deS Landes, um dort das evangelische Banner vor aller Welt hochzuheben, an der Stätte, die das Blut ihrer Vorfahren getränkt und die den Krankendienst so vieler frommer Ritter gesehen. Auf dem Muristan, wo das Johanniterhospiz in Jerusalem gestanden, erhebt sich heute die Erlöserkirche zu einem Wahrzeichen für daS Deutschtum im Orient und für die Glieder der evangelischen Kirche in allen Ländern.

Der Dampfer wandte sich nach Osten, bald sahen wir Land. DaS Schiff lag vor dem Hafen. Es lag vor Anker m dem großen Becken, daS der weit ins Meer umspringende Verg Karmel gegen den Anprall der Wogen schützt. Nur paar Lichter funkelten auS der Finsterniß heraus, die der oeidcn Leuchtthürme auf der Landungsstelle und auf der Karmelspitze, doch bald entschleierten sich unserm Blick die ^rge vnd Thäler, auf denen das Auge Christi während der

die heutige Gesellschaftsordnung als morsch und faul bezeichnen, 'und eine Besierung nur durch eine vollständige Umwälzung derselben erwarten. Außerdem gehören sämmtliche Führer des mehrgedachteu Verbandes der sozialdemokratischen Partei an ... .

Daß die Zugehörigkeit zu diesem Verbände jedes Mitglied des verklagten Vereins unwürdig und untauglich macht, diesem Vereine anzugehören, bedarf nach den obigen Ausführungen einer weiteren Erörterung nicht. Eine Beförderung und Be­günstigung jener Bestrebungen ist aber vie Zahlung von Bei­trägen an den Verband, die Zuführung von Mitgliedern zu demselben und das Halten der Zeitung desselben, weil hier­durch die Mitgliederzahl des Verbandes und seine Mittel ver­größert werden. Insbesondere werden durch das Halten des Verbandsorgans dem Verbände neue Mittel zugeführt und seine Bestrebungen vorbereitet."

Die Krönungsfeierlichkeiten in Amsterdam.

Amsterdam, 7. Septbr. Die via triumphalis, auf welcher gestern der königliche Zug in langsamem Schritttempo sich einherbewegte, ist bereits beschrieben worden; es möge hier nur noch nach derVoss. Ztg." nachgetragen werden, daß die Ausschmückung der Häuser und der vor den Thüren errichteten Pribünen in der sogenannten Bucht der Heere n- gracht, dem vornehmsten Theile dieser Gracht, wo die Häuser der alten Patriziergeschlechter stehen, jede Erwartung übertraf, und selbst bei Tage, ohne jedwede Beleuchtung, einen geradezu feenhaften Eindruck machte. Namentlich war der aus dem die Hausstoffeln umgebenden Gitter hervorquellende Blumen­schmuck, bei dem Orchideen eine Hauptrolle spielten, von zau­berhafter Wirkung. Von Weitem schon konnte man an dem Hurrahrufen der Menge bemerken, daß der königliche Wagen, der mit Elfenbein belegt war und in dem die beiden Kö­niginnen auf außergewöhnlich hohem Sitze saßen, so daß sie von Weitem schon sichtbar waren, in der Nähe war. Die Königin war in ein weiße» Mantelkostüm, ein Kunstwerk eleganter Mache, gekleidet; das Kostüm bestand aus einem Paletptrock und Tailleurleib von drap peau de gants; Mantel, Rock und Leib waren mit seidenen Soutaches und Schnüren sehr kunstreich garnirt; der Hut war weiß und hatte eine weiße Feder. Die Königin-Mutter erschien in Lilasatin mit einer grauseidenen Mantille. Nach dem heutigen Aufzug fand von 4^2 bis 6 Uhr großer Empfang im Audienz- saal des königlichen Palastes statt. Aus dem ganzen Lande, die Provinz Südholland ausgenommen, zogen Privatleute und Vereine am Throne vorbei. Bei dieser Gelegenheit über­reichten die hiesigen deutschen Vereine der Königin folgende Huldigungsadresse:

ersten 30 Jahre seines LebenS so oft geruht hatte. Palästina sandte seinen freundlichen Gruß zu unS herüber. Drüben am Strande zog sich der lange Häuserstreifen einer weißen, orientalischen Stadt malerisch hin. Die ganze Mitte der halb­kreisförmigen Bucht aber nahmen wundervolle grüne Gärten ein, von prächtigen Palmen überdacht, über die hinweg die sonnenverbrannte Ebene znm Vorschein kam. Zur Linken schloffen die Landschaft die kahlen Kuppeln niederer Berge ein, die mehr und mehr zum Meere hinabsteigen bis dorthin, wo ein Heller Trupp Häuser, von blauen Wogen umgürtet, matt Hencherschimmert; es ist Akka, das frühere Ptolemais, heute St. Jean b^cte genannt, die so oft kampfuwtobte Kreuzfahrerstadt.

6. Haifa.

Zum Empfange des Deutschen Kaisers auf seiner Pa- lästiuafahrt hat der Sultan in Haifa eine besondere LandnugS- brücke bauen lasien, welche von dem Mufti von Haifa durch eine religiöse Handlung eingeweiht, und für welche ein Opfer schaf, am Rande deS Grundsteins geschlachtet, den göttlichen Segen verbürgen soll. Die Laudungsbrücke ist aus Stein gebayt, in einer Gesammtlänge von 75 Metern, bei einer Breite von 6 Metern. An der 10 Meter breiten LandungS- treppe beträgt die MeereStiefe 2,5 Meter, also ein stattliches Bauwerk, welches der Sultan hat aufführen lassen, um feine Freundschaft für den Deutschen Kaiser zu zeigen.

Von Bord derHohenzolleru" wird der Blick des Kaiser» zur Linken auf Akka (Ptolemais) fallen, das heutige St. Jean d'Acre, wo das Königreich Jerusalem sein Ende er­reichte. Diese alte Phönizierstadt, die unter der Herrschaft deS Königreiches Jerusalem eine fränkische Festung geworden war, hat drei weltberühmte Belagerungen ausgehalten, am Ende deS 12., des 13. und 18. Jahrhunderts. Als Zeugen der ersten Belagerung sind nur noch bie umliegenden Hügel vorhanden, auf welchen einst KönigSzelte gestanden und Ban­

Mit erhebender Begeisterung und in beispielloser Ein- müthigkeit huldigt am heutigen Tage der niederländische Stamm seiner Königin, die ein Sproß von Hollands Heldengeschlecht ihres Volkes große Vergangenheit ins i Gedächtniß rufend, seine Gegenwart durch den Zauber der -Jugend und Anmuth verklärt und verherrlicht. Darum be­grüßen denn auch die Bewohner der Niederlande deutscher Zunge, wie sie im Nachbarboden festgewurzelt und von dem i Gefühl der Loyalität für seine Einrichtungen tief durch­drungen sind, den Freudentag ihrer Mitbürger mit wärmster und aufrichtigster Theilnahme. Und es erfüllt sie mit hohem i Stolz, daß Eure Majestät, das Erbe der glorreichen Fürsten von deutschem Blut antretend, zu der erhabenen Aufgabe wohl ausgerüstet ist durch die weise und mütterliche Fürsorge einer Frau, die auch dem angestammten deutschen Volke zur schönsten Zierde gereicht. Herzliche Dankbarkeit schulden sie der Förderung, welche Holland den Interessen seiner deutschen ! Bewohner auf den verschiedensten Gebieten des Vereinslebens ' zu allen Zeiten hat angedeihen lassen, und erbitten ver- I trauensvoll von Eurer Majestät Regierung Schutz und Stütze für die Zukunft. So vereinigen sich im Namen und im Geiste ihrer Landsleute Vertreter deutscher Vereine der Haupt­stadt Amsterdams zu dem ehrfurchtsvollen und innigen Wunsche: Heil und Segen Ihrer Majestät Königin Wil- helmina!"

Die Adresie wurde von Vertretern des deutschen Turn­vereins, des deutschen Hülssvereins, des deutsch-evangelischen -Vereins, des deutschen Schulvereins und des Gesangvereins Fidelio überreicht.

Amsterdam, 8. Septbr. Die Königin und Königin- Mutter besuchten heute Vormittag mit dem Großherzog von Sachsen-Weimar und dem Fürsten zu Wied die Rembrandt- ; Ausstellung und die Oranieu-Nassauische Ausstellung. Die j Königinnen wurden in den Ausstellungen von den einzelnen - Komitees empfangen. Reden wurden nicht gehalten. Die Rembrandt-Ausstellung umfaßt Gemälde aus dem Besitz des - deutschen Kaisers, der Königin von England, des Königs - von Rumänien, des Großherzogs von Sachsen-Weimar sowie -mehrerer Museen und einer Anzahl von Privatpersonen.

, Unter diesen Gemälden sind besonders die großen Bilder sehr bemerkenswerth, so z. B.Die Nachtwache" undDer Staalmeeuter", beide Eigenthum deS Reichsmuseums. Die Oranien-Nasiauische Ausstellung befindet sich in sieben Sälen und zeigt Porträts, Pastells und Erinneruugsgegenstände des Hauses Oranien. Die in dieser Ausstellung befindlichen Gegenstände sind ebenfalls im Besitze der Königin und der Königin-Regentin, sowie des deutschen Kaisers, des Kaisers von Rußland und der Königin von England. Unter den ! Bildern befinden sich die Porträts der Ahnen der Königin. w^'n»^w.fcmsmBBBionB^^ - x

ner geweht, welche die berühmteste» heraldischen Embleme des Abendlandes zur Schau trugen; fränkische Lilien, englische Leoparden, deutsche Reichsadler und Löwen von Sankt Markus. Bei Akka ging 1291 der Traum eines Erdtheils, das König­reich Jerusalem, zu Grunde; dort hat der Islam endgültig triumphirt.

500 Jahre später wurde wieder ein Zeltlager vor St. Jean d'Acre aufgeschlagen, welches Franken beherbergte. Ihre Gesänge hatten aber nicht den weichen Tonfall der Troubadours, deren Lieder hier einst in den Zelten von Philipp August und Richard Löwenherz zur Laute gesungen wurden. Die Marseillaise und das Qa ira klangen drohend in die Stadt hinein, in welcher der grausame Türke Dschesar (der Schlächter) Pascha den Befehl führte, unterstützt von dem englischen Admirale, Sir Sydney Smith, und dem französischen Emigrirten, Phelippeavx. Der junge General Bonaparte war, um Syrien zu erobern, mit 10 000 Mann von Egypten aus vor die Stadt gerückt, seine Begleiter hießen Kleber, Jurot, Murat, Caffarelli. Vierzehn wüthende, mör- derilche Stürme blieben erfolglos. Die Kräfte der Belagerer, namentlich ihrer Artillerie, waren ungenügend, und die aus Egypten mitgebrachte Pest dezimirte sie. Am Berge Labor pflückte der junge General einige Lorbeeren im Kampw gegen den von Damaskus zum Entsatz- heranrückenden Feind, und dann mußte er die Belagerung im Mai 1799 aufheben und zog über Egypten nach Frankreich zurück. Die Geschichte er­zählt nicht, daß Bonaparte und seine Begleiter auch nur den Versuch gemacht hätten, Jerusalem einzunehmen oder zu be­suchen. Die Stadt Davids berührte weder geistig noch stra­tegisch die damaligen Linien der europäischen Politik. Heute landet dieHohenzolleru" in demselben Meerbusen, das Ziel des Hohenzollernfürsten ist Jerusalem, nicht um staatlicher Politik willen, sondern um der wahrhaft christlichen Ueber­zeugung willen.