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Amtliches Organ für $fa5i~ nuö LanSKreis Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

St. 209.

Donnerstag den 8. September

1898

Dienstnachrichten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein schwarzer Regenschirm. Ein braunes Damenrad und ein brauner Gla^öhandschuh, rechter, bei einem Fuhrwerksbesitzer liegen geblieben. Ein Cigarrenabschneider. Ein Dienstbuch, auf den Namen Karoline Zeller lautend.

Verloren: Ein Portemonnaie mit Inhalt. Ein Rasir- messer.

Hanau am 8. September 1898.

Bedeutungsvolle kaiserliche Worte.

Bevor der Kaiser aus der Provinz Westfalen in das eigentliche Manövergelände abreiste, nahm er noch Gelegen­heit, in einem Trinkspruch aus die sozialpolitischen Maßregeln zurückzukommen, die er in seiner vorjährigen Bieleselder Rede zum Schutze der Arbeitswilligen in Aussicht gestellt hatte. Wie aus Otynhausen telegraphirt wird, brächte der Kaiser bei der im dortigen Kurhause stattgehabten Galatafel für die Provinz Westfalen folgenden Trinkspruch aus:

Umgeben von den Erinnerungen meiner Jugend, noch unter dem Eindruck des schönen Festes an der Porta freue ich mich, meine treuen Westfalen am heutigen Tage an meiner Tafel zu begrüßen. Bei den nahen Beziehungen der Provinz zu meinem Hause ist es stets für mich eine Freude, wenn ich mit den Westfalen zusammenkommen kann und doppelt freudig begrüße ich Sie am heutigen Tage, der in das 250. Jahr fällt, daß dieses schöne Land an das Haus Brandenburg und Hohenzollern fiel. Die Geschichte hat gezeigt, daß eine hervorragende Tugend der Westfalen die eiserne, unentwegt festhaltende Treue ist, die sie bewiesen haben mit ihren Regimentern auf den Schlacht­feldern, die sie bewiesen haben in guten und bösen Tagen zu meinem Hause. Ich begrüße Sie daher von ganzem Herzen. Von den Arbeiten, denen ich als König und Landesherr in meinem schweren Berufe obliegen muß, ist derjenige Theil, der die Provinz Westfalen betrifft, immer für mich eine Freude. In ihren Grenzen sind in gleicher Weise gleich mächtig, gleichwerthig und gleich arbeitsam vertreten eine blühende Landwirthschaft und eine aufwärts­strebende Industrie. Und wie ich schon dankerfüllt die Vertreter Ihrer Bauern habe empfangen können und von Neuem Grüße und Versprechungen und Treue um Treue habe austauschen können, so begrüße ich auch die Gelegen­heit von Neuem, der westfälischen Industrie meine vollste Theilnahme und Anerkennung aussprechen zu können. Wie Alle, die industriellen Betrieben obliegen, so haben auch Sie ein wachsames Auge auf die Entwicklung unserer sozialen Verhältnisse, und ich habe Schritte gethan, soweit eS in meiner Macht steht, Ihnen zu helfen, um Sie vor

LenMetsn.

Der Zucker im Manöver.

Von Dr. med. H. E. Brendel.

(Nachdruck verboten.)

In den letzten Wochen ging eine Mittheilung, die dem Laien zunächst befremdlich klingen mußte, durch die Presse, daß man nämlich bei den diesjährigen Manövern in größerem Stile Versuche darüber anstellen will, wie weit der Zuck er, in reiner Form genossen, geeignet ist, die Soldaten k r ä f» ttger, marschbereiter und widerstandsfähiger gegen Strapazen aller Art zu machen.

In kleinerem Maßstabe wurden diese Versuche bereits seit einigen Monaten gemacht. Natürlich handelte es sich nicht etwa darum, daß der Zucker die übrige Nahrung ersetzen soll; vielmehr sollen gewisse Quantitäten Zucker neben der übrigen Nahrung von den Soldaten zur Zeit größerer körperlicher Anstrengung genossen werden. Bisher wurden die Versuche so angestellt und in derselben Richtung werden sie auch fortgesetzt werden daß man auf Felddienstübungen einem Theil der Soldaten aus den Marsch ein paar Stück Zucker, meistens 12 Stück, zu gelegentlichem Verbrauch bei eintreten­der stärkerer Müdigkeit mitgab, und dann das Verhalten und die Widerstandsfähigkeit dieser Soldaten mit der von den übrigen Soldaten, die keinen Zucker aus den Marsch mitbe- kommen hatten, verglich.

Soweit die bisherigen spärlichen und unvollständigen Versuche ein Urtheil gestatten, stellte sich in der That heraus, o°ß diejenigen Soldaten, die Zucker genossen, weniger leicht wurden und überhaupt frischer und energischer blieben die andern.

wirthschaftlichen schweren Schäden zu bewahren. Der Schutz der deutschen Arbeit, der Schutz Dessen, der arbeiten will, ist von mir im vorigen Jahre in der Stadt Biele­feld feierlichst versprochen worden. Das Gesetz nähert sich seiner Vollendung und wird den Volksvertretern noch in diesem Jahre zugehen, worin Jeder, er möge sein, wer er will, und heixen, wie er will, der den deutschen Ar­beiter, der willig ist, seine Arbeit zu vollführen, daran zu hindern sucht oder gar zu einem Streik anregt, mit Zuchthaus bestraft werden soll. Die Strafe habe ich damals versprochen und ich hoffe, daß das Volk in seinen Vertretern zu mir stehen wird, um unsere rationale Arbeit in dieser Weise, soweit als möglich zu schützen. Recht und Gesetz müssen vor Allem ge­schützt werden und soweit es möglich ist, werde ich dafür sorgen, daß sie aufrecht er­halte« werden. Sie aber, meine Herren, fordere ich auf, mit mir auf das Wohl dieser blühenden und herr­lichen Provinz zu trinken, die vor uns ausgebreitet liegt, in ihrer landschaftlichen Schönheit mit der treuen Bevöl­kerung unter der segnenden Hand des großen Kaisers. Ich wünsche Ihnen von Herzen, daß Sie sich Ihre hohen Eigenschaften bewahren mögen. Vor allen Dingen wünsche ich dem westfälischen Bauer, daß er sich seine Arbeitsam­keit, seine alte Kraft und seinen alten westfälischen Bauern­stolz bewahren möge. Die Provinz Westfalen Hurrah! Hurrah! Hurrah!

Der Oberpräsident der Provinz Westfalen sagte hierauf im Namen der Westfalen ehrfurchtsvollsten Dank für die gnädigsten Worte des Kaisers.

Unter dem Szepter des Hohenzollernhauies habe sich Westfalen zu einem bedeutungs- und kraftvollen Bestand­theile der Monarchie entwickelt. Von der Weser bis zur Sieg und den grünen Auen des Münsterlandes durchdringe das Gefühl tiefster Dankbarkeit und unbegrenzte« Ver­trauens die Söhne der rothen Erde. Sie blickten zu dem Kaiser empor als zu dem Schirmherr« des Kreises, in dessen starker Hand das kostbare Gut deS Friedens wohl verwahrt sei. In dieser Zuversicht führt der Landmann den Pflug, schreitet die Industrie des Landes zu neuen Unternehmungen, sendet der Handel die muflergültigen Er­zeugnisse des westfälischen Gewerbefleißes unter dem Schutze der deutschen Flagge in die entferntesten Welttheile. Ebenso bringen die Westfalen der Kaiserin begeisterte Verehrung entgegen, deren Vorbild eine unerschöpfliche Quelle des Ansporns zur Förderung des Wohls der Leidenden und Besitzlosen bildet. Die Westfalen bringen das Gelöbniß unverbrüchlicher Treue in dem Rufe dar: Der Kaiser und König, unser König und Herzog lebe hoch!

Politische und unpolitische Nachrichten.

I(D evesckeu-Vurrak .Herold'.)

Berlin, 7. Septbr. Der Kaiser hat demLokal-An­zeiger" zufolge beschlossen, dem verstorbenen Fürsten Bismarck im Neuen Berliner Dom ein Ehrendenkmal zu setzen. Er wiederholte seinen dem Professor unmittelbar nach dem Tode des Fürsten ertheilten Aufttag, einen Sarkophag zu entwerfen, welcher im Dome Aufstellung erhalten soll. Das Monument wird in weißem Marmor ausgeführt.

Köln, 7. Septbr. DieKölnische Zeitung" schreibt zu dem deutsch-englischen Abkommen: Wenn es sich bestätigt, daß England von dem Vorkaufsrecht der Delagoabai infolge des jüngsten Abkommens mit Deutschland Gebrauch machen werde, so liege es auf der Hand, daß England in diesem Falle Deutschland Vortheile gewähre müsse, über deren Be­deutung heute nur Eingeweihte urtheilen können. Jetzt Ver­muthungen auszusprechen, daß wir durch unsere Zugeständnisse nur Minderwertiges eingetauscht hätten, sei zum allermin- desten verfrüht. Die Leiter unserer auswärtigen Politik hätten bisher nicht so ungünstig gearbeitet, daß man ihnen ohne weiteres einen solchen Fehler zutrauen sollte. Auch die That­sache, daß die portugiesischen Beamten in dem Abkommen eine Rolle spielen, deute darauf hin, daß Portugal als Ersatz für seine finanziellen Unternehmungen Zusagen in seinen Kolonien machen mußte.

Wien, 7. Septbr. Die Polizei verhaftete den Kauf­mann Manuel aus Frankfurt a. M., welcher in Offen- bach große Wechselfälschungen begangen hatte und dann flüchtete.

Budapest, 7. Septbr. DerMagyar Orszag" meldet, ?die Regierung beabsichtige die Zivilliste des Kaisers um eine Million Gulden zu erhöhen. Eine gleiche Erhöhung sei auch in Oesterreich geplant. Diese Erhöhungen sollen bereits in das nächste Budget ausgenommen werden.

Liste, 7. Septbr. 200 Arbeiter, die in einer Woll­spinnerei in Hellemmes beschäftigt waren, sind infolge Lohn- differenzen ausständig.

Madrid, 7. Septbr. Der .Kriegsminister hat ein Tele­gramm aus Kuba erhalten, wonach der Dampfer Leo XIII. demnächst mit 1500 Mann, darunter 500 Kranken von Caimanera an Bord abgehen wird. Der Kriegsminister hat : sofort ein Telegramm dorthin abgesandt, um festzustellen, in ; welchen Hafen der Dampfer einlaufen wird. Man ver- muthet, daß sich auch General Torral an Bord befindet, ! da man von demselben seit dem 2. September keine Nachricht i erhalten hat.

Manila, 7. Septbr. Die Führer der Eingeborenen haben sich gestern versammelt, um über den Vorschlag der Annexion der Philippinen durch die Vereinigten Staaten oder Bildung einer selbständigen Republik zu berathen. Von

Daß der Zucker nicht nur wohlschmeckend ist und uns daS Leben versüßt, sondern auch ein wichttger Faktor für den Aufbau und die Entwicklung des menschlichen Körpers, können wir schon bei der Ernährung der Säuglinge sehen; vie Muttermilch ist erheblich reicher an Fett, vor allem aber an Zuckergehalt, als die Kuhmilch. Und wir sind bei jeder künst­lichen Ernährung der Neugeborenen genöthigt, der Ersatzmilch Zucker zuzusetzen, um ihr denselben Nährwerth zu geben, den die natürliche Säuglingsnahrung haUxfei &

Ein starkes Bedürfniß nach Zucker und anderen Süßig­keiten bleibt dem Kinde noch lange erhalten, und es ist durch­aus verkehrt, ein Kind, das (selbstverständlich in bescheidener Weise) seinem Verlangm nach Süßigkeiten Ausdruck gibt, deshalb als naschhaft zu tadeln oder gar zu bestrafen, und eS möglichst von Süßigkeiten fernzuhalten, weil andere Nahrungsmittel angeblich vielnahrhafter" sind. Natürlich darf die Verabfolgung von Süßigkeiten nicht übertrieben werden. Aber der Organismus weiß ganz genau und fordert sich ganz prompt ein, was ihm zukommt; und wir werde« stets sehen, daß die Kinder, die ständig ein gewisses Zucker- quantum zugetheilt bekommen, viel weniger naschhaft sind, als andere Kinder, bei denen durch das Verbot von Süßig­keiten die Begierde danach stark gesteigert wird.

Sehr treffend bemerkt Bunge in seinen chemisch-physiolo­gischen Bettachtungen der Ernährung, baß die Vorliebe und der Hang zu Süßigkeiten das Normale sei, und daß die Ge­ringschätzung oder gar Abneigung stets ein Zeichen einer ge­wissen Geschmacksdegeneration sei, meist heroorgerufen durch fortgesetzten Genuß von Tabak, Alkohol und starken Gewürzen. Das weibliche Geschlecht ist nicht naschhafter als das männ­liche ; es hat sich lediglich dadurch, daß es weniger trinkt und raucht, den normalen Geschmack gewahrt. Andererseits werden wir stets sehen, daß ein Mann, der sich das Rauchen und

Diese Wirkung des Zuckers, die der großen Menge er­staunlich und schwer verständlich erscheinen muß, hat für den Arzt nichts überraschendes. Die medizinische Wissenschaft hat bereits seit einer Reihe von Jahren darüber Klarheit ver­schafft, welche Bedeutung der Zucker für den Stoffwechsel des menschlichen Organismus hat, und daß seine Bedeutung als Nahrungsmittel durchaus nicht in entsprechender Weise ge­würdigt wird.

In den folgenden Zeilen soll in aller Kürze versucht werden, den wirklichen Werth des Zuckers im Haushalt des menschlichen Körpers festzustellen, und damit zugleich einige Anhaltspunkte zu geben, wie man eigentlich zu den erwähnten Versuchen in der Armee gekommen ist.

Hierbei gilt es zunächst gewisse Vorurtheile zu überwinden, die man dem Zucker in weitesten Kreisen nach alter Gewohn­heit entgegenbringt. Man rechnet nämlich den Zucker nicht zu den Nahrungsmitteln, sondern zu den Genußmitteln, rangirt ihn also in dieselbe Kategorie wie z. B. Kaffee oder Gewürze, und beehrt ihn außerdem noch mit dem Vorurtheil, daß er kein ganz harmloses Genußmittel ist, sondern für Zähne und Magen schädlich werden kann. Für die Zähne aber kann der Zucker nur dann schädlich sein, wenn sie bereits schlecht sind, wenn er in den Löchern cariöser Zähne lagern und in­folge mangelnder Reinigung der Zähne Zeit zur Zersetzung finden kaun. Für gesunde Zähne (und auch für stets ge­nügend gereinigte) ist er absolut unschädlich; der beste Beweis dafür sind die tadellos guten Zähne der kolossalen Zucker­mengen konsumirenden Neger in"den Zuckerplantagen. _

Auch daß der Zucker für den gesunden Magen gefährlich werden kann, ist "nur eine Fabel. Wenn man sich freilich den Magen mit allzuviel Sügigkeiten überladet, so kann das Erbrechen, Magenkatarrh und ähnliches zur Folge haben; aber dasselbe geschieht auch, wen« man sich den Magen mit anderen Nahrungsmitteln, Fleisch, Fett, Brot n. a. üderfüllt.