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Nr. 207. Dienstag den 6. September 1898
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Amtlicher.
^taOt&reie ^anau.
Bekanntmachung.
Personen, welche gegen Entgeld fremde, noch nicht 6 Jahre alte Kinder in Kost und Pflege nehmen wolle«, bedürfen dazu nach der Regierungs-Polizeiverordnung vom 17. Februar 1881 der Erlaubniß der Polizeibehörde. Diejenigen Personen in hiesiger Stadt, welche derartige Kinder in Pflege haben, ohne im Besitz der polizeilichen Erlaubniß zu sein, fordere i$. auf, diese Erlaubniß alsbald — spätestens bis 1. Oktober er. — hier nachzusuchen.
Bei den bezüglichen Anträgen ist:
a) der Name des in Pflege genommenen Kindes, sowie Ort und Tag seiner Geburt,
b) Name, Stand und Wohnung seiner Eltern, bei unehelichen Kindern Name, Stand und Wohnung der Mutter, sowie des Vormundes,
c) Name, Stand und Wohnung der Kostgeberin genau anzugiben und erforderlichen Falls amtliche Nach- weisung darüber vorzulegen.
Nach Ablauf des Anmeldetermines wird durch Polizeibeamte eine allgemeine Revision stattfinden, um festzustellen, ob gleichwohl noch Personen vorhanden sind, welche Kostkinder ohne Erlaubniß in Pflege haben; gegen diese wird dann strastechtlich eingeschritten werden.
Hanau am 31. August 1898.
Königliche Polizeidirektion.
P. 9077 v. Schenck.
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^and^rei^ ^anau. Belaimtmachuageu des Königlichen LandrathsamteS.
Bekanntmachung.
In Sachen betreffend die Entziehung von Grundeigentum nach Maßgabe des GesetzeS vom 11. Juni 1874 behufs Erweiterung des Bahnhofs Mainrur habe ich als Enteignungskommissar zur Feststellung der Entschädigung in Gemäßheit des § 25 a. a. O. einen Verhandlungstermin auf
Dienstag den 20. September d. Js., vormittags 10 Uhr, in das hiesige Landrathsamtsgebäude, Paradeplatz 1, avberaumt, zu welchem die Betheiligten zur Wahrnehmung ihrer Rechte unter der Verwarnung geladen werden, daß bei ihrem Ausbleiben ohne ihr Zuthun die Entschädigung festgestellt und wegen Auszahlung oder Hinterlegung der letzteren verfügt werden wird. In dem Termin ist jeder an den zu enteignenden Grundstücken Berechtigte
befugt zu erscheinen und sein Interesse an der Feststellung der Entschädigung sowie bezüglich der Auszahlung und Hinterlegung derselben wahrzunehmen.
Hanau am 31. August 1898.
Der Königliche Landrath
V. 9309 v. Schenck.
Der Bürgermeister Otto Franz Grün zu Großauheim ist auf fernere 12 Jahre zum Bürgermeister dieser Gemeinde gewählt und bestätigt worden.
Hanau am 2. September 1898.
Der Königliche Landrath
A. 3522 v. Sche» ck.
In Glauberg, Kreis Büdingen, ist die Maul- und Klauenseuche und in Bingenheim, Kreis Büdingen, die Schweine- rothlaufseuche festgestellt und Gehöftsperre angeordnet worden.
Hanau am 5. September 1898.
Der Königliche Landrath v. Scheuck.
Dicllstnmhrichten aus dem Kreise.
Gefunden: Eine gelbe Broche, einen Halbmond darstellend.
Hanau am 6. September 1898.
^taöt&rei# (^anau.
OMMmschunZerr des OLerdürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Firma Karl P. Fues, Papierfabrik hier, hat unter dem 4. August d. Js. ein Gesuch um Ertheilung der ©£ nehmigung zur Anlage eines neuen Wasserrades in ihrer an der Kinzig belegenen Papierfabrik eingereicht.
Indem wir Interessenten hiervon Nachricht geben, bemerken wir, daß auf Grund deS § 86 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 Pläne und sonstige Unterlagen im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 21 des Rathhauses, zur Einsicht aufgelegt sind.
Einwendungen sind innerhalb 14 Tagen vom 30. August d. Js. an bei uns einzubringen.
Hanau den 25. August 1898.
Der Stadtausschuß bei Stadtkreises Hanau.
Dr. Gebeschus» 13082
Drahtnachrichten des „Ha». Anz."
k Berlin, 6. Septbr. Die „Dsf fische Zeitung" berichtet, daß unserer Kavallerie eine gründliche Reorganisation bevor-
steht. Die bisherige Organisation soll aufgegeben und aus den bestehenden 93 fünften Schwadronen 23 neue Regimenter gebildet werden. Darnach würden die Kavallerie-Regimenter fortan nur aus je vier Schwadronen bestehen. Begründet wird die Reorganisation mit der taktisch angeblich nothwendig gewordenen Aufstellung der Kavallerie-Divisionen schon im Friedensverhältniß.
Berlin, 6. Septbr. Dem „Lokalanzeiger" wird aus Kopenhagen gemeldet: Die Kräfte der Königin Louise sind im Abnehmen. Sie hat sehr schlechte Nächte mit Anfällen von Athemnoth. Die Tage sind bester, so unternahm sie noch gestern eine kurze langsame Spazierfahrt in einem kleinen Ponnywagen im Schloßgarten.
Kiel, 6. Septbr. Im Arbeüerpark der kaiserliche» Werft wurde eine Linde gepflanzt und daneben ein Granitblock aufgestellt, mit der Inschrift: Diese Linde ist zu Ehren des Andenkens des Fürsten Bismarck gepflanzt.
Breslan, 6. Septbr. Die Sozialdemokraten des Wahlkreises Liegnitz-Goldberg-Haynau beschloßen die selbst- ständige Betheiligung an der Landtagswahl. Wo es angängiger erscheint, soll für die Freisinnigen gestimmt werden.
Wien, 6. Septbr. Der Regierung nahestehende Kreise versichern, Gras Thun werde einen letzten Appell an den Reichsrath richten, die Ausgleichsfrage gegenüber der Obstruktion ruhen zu lasten. Sollte diese Aufforderung wirkungslos bleiben, so werde nicht blos die sofortige Auflösung des Reichsraihes, sondern auch die Vornahme der Neuwahlen noch in diesem Jahre erfolgen, und zwar auf Grund der oktroirten Wahlordnung, wonach die Vertretung der oppositionellen Deutschen wesentlich herabgemindert würde.
Wien, 6. Septbr. Seit vorgestern tagt hier die Vereinigung der Agrarier aus Oesterreich und Deutschland zur Erörterung der Schutzmaßregeln für die Landwirthschaft. Den Verhandlungen wohnen auch Vertreter der interessirten Ministerien sowie auswärtiger Regierungen bei. Reichstagsabgeordneter Lücke und Dr. Haha verlangten gestern ein einiges Vorgehen Europas gegen Amerika.
Budapest, 6. Septbr. Der Vizepräsident der Abgeordnetenhauses, Berzeviczy, hat wegen einer Differenz mit dem Präsidenten Szilagyi demissionirt.
Prag, 6. Septbr. Zwei Tagelöhner, welche einen Feldhüter in eine Feldhütte einsperrten und diese anzündeten, sodaß der Feldhüter verbrannte, wurden vom Schwurgericht zum Tode verurtheilt.
Paris, 6. Septbr. Nach anfänglicher Weigerung hat sich General Zurlinden nun doch bereit finden lassen, daS Portefeuille des Krieges zu übernehmen, nachdem in einer längeren Unterredung mit dem Präsidenten Faure und Briston seine anfänglichen Bedenken bis zu einem gewissen Grade zer-
Feuilleton
Amsterdamer KiLder.
Zur Krönung der Königin von Holland, 6. September.
Von Ernst Förster.
' (Nachdruck verbateno
„Das nordische Venedig I" Wie unendlich oft ist dieser Vergleich aus Holland« Hauptstadt angewandt worden! Ich denke mir, daß ihn einer jener „sentimentalen" Reisenden des vorigen Jahrhunderts zuerst gemacht haben mag, die die große europäische Tour unternahmen und ihre Beobachtungen gern in geistreichen Aper^üs niederlegten, bei denen eS ihnen auf einige Schiefheit bei Urtheils nicht gerade ankam. Und schief genug ist der Vergleich. In Venedig stille Lagunen, von schweigsamen Gondeln lautloS durchfurcht; in Amsterdam belebte Wasserstraßen, von Kähnen, Booten und Dampfern unablässig belebt; dort alles Vergangenheit, verfallene Größe, welancholische Geschichte, hier eine rastloS thätige und strebende Gegenwart; dort imponirende, kunstvolle, mannigfaltige, aber baufällige Adels-Paläste, hier lange Reihen nüchterner, mono- ioner, solider Bürger- und Kaufmannrhäuser; dort HeSperien» blauer Himmel und bewegliches, schönheitsreiches, aber trägeS Volk, hier Hollands grauer Horizont und der langsame und langweilige, gediegne und zielbewußte Myuheer; dort ein Srvßartig harmonisches Jneinandergreifen von Natur und Kunst, hier ein Wunderwerk menschlichen FleißeS und mensch- [9er Thatkraft, einer traurigen Schlammwüste und dem ze» ' v^enden Ozeane abgerungen.
Und dennoch hat der sentimentale Reisende, den wir unS den Vater des Vergleiches zwischen Amsterdam und Würdig denken, ein wichtiges, beiden Städten gemeinsames ^'°went instinktiv richtig herausgesühlt: den großen Reiz der
belebten Wasserflächen, die ja überall einem Städtebilde die wirkungsvollste Schönheit und Eigenart verleihen und in Deutschland z. B. Hamburg so sehr zum Vortheil gereichen. Was aber Amsterdams volle Eigenthümlichkeit erst ins rechte Licht stellt, daS ist der Umstand, daß seine Wasserflächen nicht seit uralten Zeiten ein Geschenk der Natur sind, sondern daß wir ihre allmähliche Entstehung im Verlaufe der Menschengeschichte genau verfolgen können. Denn wenn wir unS an die Stelle der heutigen Metropole vor 700 Jahren versetzen, so finden wir nur die trägen Laufes dahinfließende Amstel, und da, wo noch heut der Hauptoerkehrilplatz der Stadt, der „Dam", durch feinen Namen die Erinnerung an dies Ereig- «tß bewahrt hat, einen Damm, denen die Herren von Amstel gegen die verheerende See errichtet und mit einem Schlosse besetzt haben. Ein Fischerdorf siedelt sich im Schutze seiner Mauern an, und schwerlich wäre auS diesem Fischerdorfe je etwaS geworden, hätte sich nicht im 14. Jahrhundert ein elementares Naturereigniß vollzogen. DaS Meer brach über die schutzlose Küste herein, bildete die Zuydersee und entsandte einen Abfluß, daS Y, bis zur Amstelmündung. Da war das Fischerdorf zur Seestadt geworden und konnte die unter schweren KriegSläuften leidenden Rivalinnen Haarlem und Selben überflügeln. AlS dann in dem Kampfe gegen Spanien auch daS blühende Antwerpen niederging, begann Amsterdams Glanzzeit, und seine Entwickelung spiegelt sich deutlich in den Kanälen, den Grachten, die im Halbkreise, an beiden Endpunkten sich auf Y stützend, gezogen wurden und von Penck sehr treffend die Jahresringe deS Wachsthums AwsterdamS genannt worden sind. Die winklige Altstadt umschließt he FestvngS- (Sir geb) Gracht; 1585 wurde die Erweiterung der Stadt nöthig, die die Heerex-Gracht bezeichnet, und die Keysers-, Prinsen- und schließlich die äußere Singel-Gracht zeigen, wie die Stadt bis 1658 immer neues Terram brauchte. So entstand ganz allmählich das charakteristische Stadtbild
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Amsterdams; zahllose, von Ulmen begleitete Wasseradern von zahllosen Brücken überspannt, enge, winklige Straßm — alle gewissermaßen von Natur dem D zustrebend, der großen Wasserstraße, die Amsterdams Pulsader, die Grundlage seines Wohlstandes bildet. Sehr hübsch sagt Hansjakob, daß die Stadt gewissermaßen ihre Arme nach all' den Schiffen und Fremdlingen öffnet, die ihrem „Meerbusen" sich nahen. Es kam freilich die Zeit, wo die Amsterdamer ihr stilleS N nicht mehr mit der alten Liebe ansahm. Es war ihnen zu entlegen; die Schiffe begannen den weiten Umweg durch die Zuydersee zum D zu scheuen und zogen den seeuähereu Hafen Rotterdam vor. Da gingen die Amsterdamer wieder unverzagten Muthes daran, die Natur und ihre Ungunst zu besiegen und legten den großen, für alle Seeschiffe zugänglichen Kanal an, der Amsterdam direkt mit der Nordsee verbindet. Seit der Vollendung dieser gewaltigen kulturtechnischen Leistung (1876) ist Amsterdam in ein Stadium neuer Blüthe getreten; die Stadt ist ins Y selbst vorgerückt, dessen Eindämmung ein Terrain gab, durch dessen Verkauf ein erheblicher Theil ter Millionen des KanalbaueS wieder herausgeschlagen wurde. Hier im Neulande des D liegt auch der Hauptbahuhof, und wer mit der sporvej in Amsterdam eiu- fährt, der genießt sofort den großartigen Blick auf die mächtigen Hafenanlagen mit ihrem dichten Mastenwalde, wo der gewaltige Ostindienfahrer neben dem flinken Zuydersee- boote und dem Küstendampfer liegt.
WaS so der Natur abgerungen wurde, muß auch weiter stets von neuem ihr abgerungen werden. Allnächtlich wird in die Grachten frisches Wasser eingelassen, damit sie nicht verschlämmen. Daß Amsterdam ganz auf einer Moor- und Schlammschicht ruht, muß zu seinem Nachtheile Jeder, der ein Haus bauen will, erfahrm. Nur auf Pfählen, die in den unteren festen Sand eingerammt werden, können hier Häuser ruhen; auf solchen Pfählen steht ganz Amsterdam.