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Amtliches Grgan für HtuöL- uuö Lanökreis Hanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Är. 206.

Montag den 5. September

««tUche«.

LanöKvsis ^anau.

SLkamltmachuugev des Königlichen Landrathsamtes.

In einem Gehöft zu Ranstadt, Kreis Büdingen, ist die Schweinerothlaufseuche festgestellt und Gehöstsperre angeorduet worden.

Hanau am 2. September 1898.

Der Königliche Landrath

V. 9623 v. Schenck.

Dicustnachnchten aus dem Kreise.

Gefunden: Ein Kontobuch, lautend auf Wilhelm und Geiger. Ein kleines Portemonnaie von Drahtgeflecht, am Schalterraum in der Post liegen geblieben. Ein schwarzer Damenregevschirm.

Zugelaufen: Ein Foxterrier, weiß mit braunen Ohren, m. Geschl.

Hanau am 5. September 1898.

^faM^ret0 ^banau.

WüktrmwachvvM des Lbelbürgermeisseramtes.

Bekanntmachung.

Die für den Auf» und Umbau des Bttwal- tungsgebäudes im Gaswerk erforderlichen Erd-, Maurer-, Steinhauer-, Zimmer-, Dachdecker- und Spengler- arbeiten, sowie Anlieferung von Malzeifen werden hiermit ausgeschrieben.

Pläne, Arbeitsauszüge und Bedingungen liegen von heute an im Stadtbauamt I, Zimmer Nr. 23 des Rathhauses, für Bewerber zur Einsicht auf und können Arbeitsauszüge für Mark,50 daselbst bezogen werden.

Angebote sind mit entsprechender Aufschrift, verschlossen, bis zum 10» Sept., bvrm. 11 Uhr, bei genannter Amts­stelle einzureichen, woselbst die Eröffnung derselben um die genannte Zeit erfolgen wird.

Hanau den 31. August 1898.

Der Magistrat.

B 0 d e. 12753

Deutsch englische Verständigung.

Die Ueberraschungen der letzten Tage in der Weltpolitik sind um eine neue bereichert worden. Wir haben bereits in letzter Nummer die Mittheilungen aus englischer Quelle ver­öffentlicht, die einen deutsch-englischen Präliminarvertrag zur Aufrechthaltung der beiderseitigen Interessen als fait accompli ankündigen. Wir glauben nicht, daß die englischen Angaben

Leuilletsir.

Me Kmserfahrt nach dem heiligen Lande.

3. Konstantinopel. II.

In ihrem Innern bietet die nicht mehr im byzantinischen Geschmack geschmückte Stadt nicht viel SehevSwerthes.- Der Verkehr in den Straßen verbietet sich von selbst. So be» uutzen denn die Fremden jeden Augenblick, um daS unver- Sletchliche landschaftliche Bild zu genießen und sich aus daS Wasser zu begeben. Dies geschieht meistens in KaikS, Fahr« ^ugeu, die Konstantinopel eigenthümlich sind, ähnlich wie die' Gondeln Venedigs, ungemein schmal und lang gebaut, sodaß wau mit der größten Vorsicht ein« und auSsteigen muß; diese KaikS werden mit trefflichen Ruderschlägen uugemetn schnell vorangctriebev. Oder man nimmt einen der großen Lokal- bawpfer, die beständig von der Schiffbrücke abgehen. Größere Ausflüge in die schöne Umgegend zu unternehmen, ist immer lohnend.

Hier auf der Schiffsbrücke" gehen die Fremden spazieren. Man sieht hier viel Leben zu Wasser und zu Lande. Schrill pfkifeude Dampfer kommen an und fahren ab, rasche KaikS Eschen wie Libellen über die blauen Wasser, Botschafterwagen goldverbrämten Kawaffen (Gendarmen) oder Minister- Wen mit berittener Eskorte poltern donnernd in eiliger Hast über die Planken der Schiffsbrücke, schwere mit Ochsen spannte Lastwagen ächzen daher. Zerlumpte, malerischr Hitler tasten ihre Wege durch die Menge zu den Mildthati-

vor die Frauenwelt fehlt. Wohl steht man hier und ^,?"!chleirrte Frauen auS dem türkischen Volke oder modern N"°ete Europäerinnen, aber sie verschwinden in der Menge.

vornehmen Türkinnen bleiben zu Hause oder fahren im

in dem angegebenen Umfang zutreffend sind und stehen zumal der Meldurg von einem über Nacht vorgeschlagenen Schutz- und Trutzbündniß zwischen Deutschland und England sehr skeptisch gegenüber. Thatsache aber ist jedenfalls, daß bereits seit mehreren Monaten eine deutsch-englische Verstän­digung über gewisse Einzelfragen darunter auch das Auf­geben der deutschen Ansprüche auf die Delagoa-Bai gegen Kompensationen, die zur Zeit nicht genannt zu werden brauchen angestrebt wurde.

Ueber die Angelegenheit liegen folgende sich theilweise widersprechende Telegramme vor:

Berlin, 3. Septbr. Hinsichtlich der vielen Berathungen zwischen der deutschen und englischen Diplomatie, die an­scheinend von englischer Seite so ungemein aufgebauscht wer­den, tritt in hiesigen Kolonialkreisen die Vermuthung auf, daß es sich wahrscheinlich um die entgiltige Lösung der bezüg­lich des Salaga-Gebietes (deS neutralen Hinterlandes von Togo) schwebenden Fragen handelt, und daß jetzt ein Boden gesunden sei, wonach die Theilung dieses neutralen Gebietes vorgenommen werden könne. Wir geben dieser Vermuthung mit Vorbehalt hier Raum.

Berlin, 3. Septbr. DieNational-Ztg." behauptet, die Meldungen englischer Blätter vcn einem deutsch-englischen Schvtz- und Trutzbündniß seien unbegründet. Weder sei die englische Regierung in der Lage, ein solches Bündniß abzu- schließen, noch bestehe in den maßgebenden deutschen Kreisen die geringste Neigung, die eigene auswärtige Politik mit der einer anderen Macht irgendwie zu itentifiziren. Es könne sich nur um eine Abmachung kolonialer Natur handeln.

Köln, 3. Septbr. DerKöln. Ztg." wird aus Berlin gemeldet: Ueber neue deutsch-englische Abmachungen bringen englische Blätter eine Reihe Angaben, die auch in die deutsche Presse übergegangen sind. In erster Linie wird die Nach­richt von einem deutsch-englischen Schutz- und Trutzbündniß lancirt; damit werden dann Verabredungen über die Delagoa- Bai, die Stellung Englands in Egypten und angebliche deutsche Pläne bezüglich Kleinasiens in Zusammenhang ge­bracht. Für deutsche Leser braucht wohl kaum betont zu wer­den, deß diese Mittheilungen dem wirklichen Stande der Dinge nicht entsprechen können. Wenn sie berechttgt wären, müßte daraus geschloffen werden, Deutschland habe sich ver­pflichtet, in allen Theilen der Welt der britischen Politik Hreresfolge zu leisten; dies aber wäre gleichbedeutend mit eirem Frontwechsel unserer Politik, von dem selbstverständlich nicht die Rede ist. Damit soll nicht gesagt sein, daß Deutsch­land und England sich nicht über besondere Fragen verstän­digt haben könnten, z. B. über eine gemeinsame Anleihe für Portugal, die der nothleidende Zustand der portugiesischen Finanzen über kurz oder lang erheischen könnte.

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geschlossenen Wagen. Der Turban ist in Konstantinopel die Ausnahme. Der schwarze Rock, der rothe Fez bilden die Regel in der türkischen MäNnerbekleidung und tragen nicht zur Mannigfaltigkeit bei. Man sieht belebte Straßen in Galata, die vom Windhauche bewegte Mohnseldern gleichen, Fez neben Fez, wie rothe Blumen.

Konstantinopel eignet sich wenig zu längerm Aufenthalt. Der gesellige Verkehr beschränkt sich auf die Botschafter-HotelS und die Häuser der europäischen Kolonien. Es gibt kein Lokal, um den Abend zu verkürzen, keinen Korso, keinen Ort, an welchem sich die elegante Welt zu Wagen oder zu Fuß bewegen könnte, eS sei denn, daß man diesüßen Wasser von Europa" in den Sommermonaten dazu zählt. So näm­lich nennt in Konstantinopel der Volksmund ein von Woffer durchzogenes Wiesevthal am obern Ende deS goldenen Horns, wo sich am Freitag Nachmittag ein gutes Stück türkischen Volkslebens abspirlt, und wo bei Skutari an den süßen Wasser» Asiens zwei kleine Flüsse münden, nachdem sie sich vorher vereinigt haben, die süßeS Waffer enthalten, während daS im goldenen Horn salzig ist. Die Klößchen durchfließen das Thal Kiathanü und hierher in dieses Thal, welches mit hübschen Baumgr»ppen uud saftigen Wiesen geschmückt ist, wo zahlreiche Kaffeehäuser und Brücken sich finden, pilgern an jedem Freitage, dem türkischen Wochrufeiertoge, viele Tausende türkischer Frauen zu Fuß, zu Wagen, auf Eseln und Pferden, per Dampfer und im schnellen Kaik, um die Einförmigkeit ihreS Daseins für eiueu Tag in der Woche zu vergessen.

Hier kann man das türkische Volksleben betrachten: Kin­der in phantastischen Kostümen machen den Eindruck einer Maskerade, die auf dem Boden auSgebreiteten Teppiche und Strohmatten am Rande des WafferS, die fliegenden Kaffce- schänken, welche hin und her Kaffee, Eis, Früchte und Ge­bäck anbieten, die fidelnden Zigeuner, die bulgarischen Huten,

Tagesschau.

Bon der Marine. Laut telegraphischer Meldung an das Ober-Kommando der Marine ist S. M. S.Kaiserin Augusta", Kommandant: Kapitän zur See Köllner, am Samstag von Manila nach Hongkong in See gegangen.

Reichstagswahlstatistik von 1898. Im Bureau des Reichstags ist nunmehr aus den Wahlakten eine vor­läufige Zusammenstellung der Wahlergebnisse bei den letzten Reichstagswahlen aufgemacht worden. Danach hat seit 1893 die Zahl der Wahlberechtigten zugenommen von 10,628,292 auf 11,440,353. Abgegeben wurden 7,752,353 giltige Stimmen gegen 7,673,972 im Jahre 1893. Ungiltig waren 34,737 Stimmen. Vor? den giltigen Stimmen fielen auf (die eingeklammerten Zahlen bedeuten diejenigen von 1893) die Teutschkonservativen 872,973 (1,038,353), Deutsche Reichspartei 331,508 (438,435), Deutschsoziale Reformpartei und andere Antisemiten 242,046 (263,861), Zentrumspartei 1,454,278 (1,468,501), Polen 243,846 (229,531), National­liberale 975,543 (996,980), Freisinnige Vereinigung 194,945 (258,481), Freisinnige Volkspartei 553 740 (666 439), unbe­stimmte liberale Richtungen 65,822, Deutsche Volkspartei 108,493 (166,757), Sozialdemokraten 2,105,305(1,786,738), Bund der Landwirthe 121,374, Bayerischer Bauernbund 140,a04, Elsäffer 107,415 (114,702), Deutsch-Hannoveraner 105,161 (101,810), Dänen 15,437 (14,363), Christlich- soziale 48,734, Nationalsoziale 23,185, unbestimmte und zer­splitterte 42,221 (129,022).

Eine Landestz ersammlung der national- liberalen Partei ist auf Sonntag den 18. September nach Berlin einberufen, um den Aufruf zu den Landtagswahlen zu beschließen, dessen Entwurf in einer für den 17. Septbr. anberaumten Sitzung des Zentralvorstandes der Partei festgestellt wird. An der Landesversammlvng werden die Mitglieder der nationalliberalen Fraktion des Abgeordnetenhauses seit 1893, die neuerwählten nationalliberalen Reichstagsabgeordueten, die bereits aufgestellten Landragskaudidaten, sowie die Obmänner der Landtagswahlkreise theilnehmen. Außer der Beschluß­fassung über den Wahlaufruf wird ein werterer wesentlicher Zweck der Versammlung die Berichterstattung über die Wahl- auSsichten in den einzelnen Wahlkreisen sein.

Der Borstand des deutschen Kriegerdnndes erklärt seine Zustimmung zu dem Rundschreiben des mecklen­burgischen Kriegerverbandes, daß die Bethätigung sozialdemo­kratischer Gesinnung in irgend welcher Art und selbstverständ­lich daher auch die Abgabe eines sozialdemokratischen Stimm­zettels schlechterdings und unter allen Umständen unvereinbar sei mit dem Geist und dem Wortlaut der Satzungen aller Vereine deS mecklenburgischen Kriegerverbandes und unverein­bar daher auch mit dem ferneren Verbleiben in der Vereins- Gemeinschaft.

JA! II welche die Sackpfeife mißhandeln, die bunten Staatskaroffen der Vornehmen, die jungen, auf der Fahrstraße galoppirenden Reiter, das alleS ist unter dem Zusammenklingen der Flöten, Geigen, Schalmeien, Pauken, Dudelsäcke und TambouriuS für den Fremden ein farbenreiches und interessantes Bild.

Sehenswürdigkeiten Konstantinopels, au denen kein Frem­der Vorbeigehen kann, sind die Aja Sofia, der Selctsnik und der Bazar. An jedem Freitag besucht der Sultan eine Moschee von seinem Palast Dildiz KioSk auS unter dem Aufmarsch der Truppen, die Spalier bilden in festlicher Auffahrt. Der Zweck dieses sich wöchentlich wiederholenden Schauspiels ist der, den Sultan als treuen Auhäger deS Propheten, als Kalifen Beherrscher aller Gläubigen seiner Hauptstadt und seinen Truppen zu zeigen. Freilich, in dem gebeugten Manne mit dem sorgenschweren Antlitz, der heute auf dem Thron der Kalifen sitzt, dürfte auch der treueste Ottomane den geistigen Nachfolger Muhammeds II., des ErobererS von Byzanz, kaum erblicken. ~

Man zeigt den Fremden auch das Serail, einen großen mit Festungsmauern und Thürmen umgebenen Garten, in dem eine Anzahl von Gebäuden stehen, die einst dem Sultan zur Residenz dienten; jetzt find Ministerien darin und Woh­nungen der »erwittwcteu Sultaninnen. Die mit Divanen, Teppichen und Kronleuchtern wöblirten Kiosks und Empfangs­säle, die dicke Platane der Janitscharen, die Nägel, an denen die Köpfe der enthaupteten Paschas einst bei Bab Humaium ausgehäugt, das Loch in der Mauer, durch welches die schuldigen Sultaninnen in einem Sack in den BoSporus geschleudert wurden, die Waffen in der Kirche der heiligen Irene, welche ein Arsenal geworden, hatten nur ein unter­geordnetes Intereffe.

Der Franzose Pierre Loti durfte die Schatzkammer deS alten Serails, des Schlaffes des Kalifen bei Konstantinopel, besichtigen, was sonst nur wenigen vergönnt ist. Er schildert