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«r. 205.
1898
Hieezn „Amtliche Beilage" Nr. 55.
rUMÄlichrS.
Verpachtung eines Wirth schafts-Etabliffements.
Das 21/» km von Hanau und 14 km von Frankfurt a/M. an der Frankfurt Hanauer Eisenbahn (Station Wilhelmsbad) gelegene, mit schönem Park umgebene domänen- fiskalische Wirthschafts-Etabliffement Wilhelmsbad, bestehend aus der sog. großen und kleinen Wirthschaft nebst komfortablen Logierhäusern, entsprechenden Nebengebäuden und 47 ar 17 qm Gemüsegarten, soll mit dem zugehörigen Mobiliar anderweit vom 1. April 1899 ab aus sechs oder zwölf Jahre öffentlich meistbietend verpachtet werden.
Zweiter Termin hierzu ist auf Donnerstag den 28. September d. Js., vormittags 10 Uhr, an Ort und Stelle, und zwar in das Parterrezimmer rechts in der großen Wirthschaft avberaumt.
Das bisher abgegebene Pachtgebot beträgt 3300 Mark. Zur Uebernahme der Pachtung wird ein disponibles Vermögen von 36 000 Mk. erfordert und es haben Pachtbewerber über den Besitz eines solchen, sowie über ihre persönliche Qualifikation zum Wirthschaftsbetriebe, durch glaubhafte Zeugnisse sich spätestens im Termin auszuweisen.
Die Pachtbedingungen werden im Termin vorgelesen, können aber schon vorher im Büreau des Königlichen Domänen- Retttamts — Frohnhof Nr. 4 — dahier eingeschen oder von da, gegen Erstattung der Schreibgebühren, bezogen werden.
Die Vorzeigung der Pachtobjekte kann, nach vorausgegangener Anmeldung, durch den Königlichen Schloßgärtner Bauer in Wilhelmsbad jederzeit erfolgen.
Gewünscht werdende weitere Auskunft wird von dem Unterzeichneten ertheilt.
Hanau am 27. August 1898.
Der Königliche Domänenrath
Bell. 12874
Drahtnachrichten des „Hau. Anz."
Berlin, 3. Septbr. Der „ Nation alzeitmrg" zufolge werden die Landtagswahlen keinesfalls vor Anfang November stattfinden. Eine sonstige Bestimmung über den Zeitpunkt derselben ist noch nicht getroffen.
Berlin, 3. Septbr. Nach einer weiteren Drahimeldung aus Pontresina ist Professor Nasse beim Abstieg vom Piz Palan infolge Bruchs einer Schneebrücke sammt seinem Führer in eine Gletscherspalte gestürzt. Der Tod ist infolge Erstickung eingetreten. Der Führer scheint gerettet zu sein.
Berlin, 3. Septbr. Wie aus London gemeldet wird, wurde daselbst gestern Abend von verschiedenen Seiten bestätigt, daß die Konferenzen zwischen dem deutschen Botschafter Grafen Hatzfeld und dem ersten Lord des Schatzes Balfour als Vertteter SaliSbmyS eine wichtige Vereinbarung zum Zwecke hatte. Die „Pall Mall Gazzette" will sogar erfahren haben, ein englisch-deutscher Vertrag sei in dieser Woche von Hatzfeld und Balfour unterzeichnet worden. Der Vertrag sei beschränkten Umfanges, schließe aber ein Offensiv- und De- fensiv-Bündniß in gewissen Eventualitäten ein. Eine weitere Folge der Vereinbarung sei, daß England dieselbe cordiale zustimmende Haltung zu der Note des Zaren ergreift, wie die deutsche Regierung.
Hannover, 3. Septbr. Auf eine Ansprache des Stadtdirektors Traum, welcher dem Kaiser bei der Ankunft einen Ehrentrunk überreichte, erwiderte dieser, indem er für den herzlichen Empfang dankte und auf das Wohl der Stadt Hannover trank. Beim Festmahl im Schloß ließ der Kaiser in einem Trinkspruche die Provinz Hannover hoch leben.
gab dem Wunsche Ausdruck, daß das Projekt der Verbindung des Ostens mit dem Westen auf dem Wasserwege, welches in diesem Winter den Volksvertretern zur Annahme ?orgelegt werden soll, für die Provinz von nachhaltiger Wirkung und Vortheil sein möge. Der Kaiser schloß mit dem Wunsche, daß sowohl durch dieses große Werk, auf dessen Annahme er hoffend rechne, als durch die Entwickelung der blühenden Landwirthschaft die Provinz Hannover weiter blühen und gedeihen möge unter Gottes Schutz und in ficherem Frieden.
Die heutige N
Lemberg, 3. Septbr. Die Zeitung „Slovo Polski" hält trotz aller Dementis seine Nachricht aufrecht, daß eine Modifikation der Sprachen-Verordnungen zu Gunsten der Deutschen beabsichtigt wird. Gras Thun soll sich geäußert haben, daß es. doch leichter sei, die Sprachen-Verordnungen auszuheben, als die Verfassung.
Rom, 3. Septbr. Die Antwort Italiens auf den russischen Abrüstungsvorschlag ist gestern Abend nach Petersburg abgegangen. Blättermeldungen zufolge haben die Konferenzmächte sich verpflichtet, an den bestehenden Verträgen nicht zu rütteln.
London, 3. Septbr. Das Gerücht, Portugal habe die Delagoa-Bay an England verkauft, wird dahin modifizirt, daß die Bay an eine englische Gesellschaft verpachtet werden soll.
London, 3. Septbr. Der Schnellzug nach Manchester, der London um 10’/* Uhr gestern Abend verließ, entgleiste bei Wellington. Mehrere Wagen wurden vollständig zertrümmert. Drei Passagiere, sowie der Lokomotivführer wurden getödtet, mehrere Reisende schwer verützt.
London, 3. Septbr. Morning Post bestätigt, daß Balfour die Unterzeichnung eines Präliminar - Vertrages zwischen der deutschen und englischen Regierung zur Aufrechterhaltung der beiderseitigen Interessen gestern vollzogen hat.
Brüssel, 3. Septbr. Die Vorarbeiten zum Bau des neuen Hafens sind gestern begonnen worden. Ein ganzes Stadtviertel wird demnächst niedergerissen werden.
Paris, 3. Septbr. Mehrere Blätter befürworten den Vorschlag, Frankreich solle durch ein Plebiszit über die Angelegenheit des Dreyfus-Prozesses entscheiden. Dupaty de Clam wird streng überwacht. Seine Verhaftung ist nur noch eine Frage von Stunden.
Paris, 3. Septbr. Die Berufung Picquarts wurde vom Kassationshof zurückgewiesen. Henry werden bei der heutigen Ueberführung der Leiche keine Ehrenbezeugungen erwiesen.
Paris, 3. Septbr. Mehrere Journale verlangen, daß Henrys Intimus, der Major Lauth, dessen Zeugenschaft gegen Picquart schwer inS Gewicht fiel, jetzt in Untersuchung gezogen werde.
Paris, 3. Septbr. Dupaty de Clam ist durch den Spruch des Kassationshofes der Zivijustiz entzogen und wird vor kein Disziplinargericht gestellt, es sei denn, daß neues Material gegen ihn zum Vorschein kommt.
Paris, 3. Septbr. Immer deutlicher tritt der Zwiespalt zwischen Cavaignac und Brisson in der Revistonsfrage zu Tage. Der Moment ist gekommen, welcher Faure zur Entscheidung zwischen beiden Richtungen drängt. Bisher ist es unmöglich, vorherzusehen, ob Brisson oder Cavaignac des Feld behaupten wird. Faure dürfte einen vollständigen Ministerwechsel vorziehen. Hierdurch würde allerdings die sofortige Einberufung des Parlaments erforderlich.
Die Sozialdemokraten unter sich.
In der sozialdemokratischen Parteimaschine ist wieder eine Schraube los. Eine lebhafte Fehde ist innerhalb der Partei anläßlich der Frage, wie sich die Sozialdemokratie zu den preußischen Landtagswahlen stellen solle, ausgebrochen. Der jedem Kompromiß abholde Bebel, der vor einigen Jahren so scharf mit Vollmar ins Gericht gegangen ist, zeigt sich plötzlich als Opportunist und speit Gift und Galle aus gegen die Berliner Genossen, die sich um die Beschlüsse des Hamburger Parteitages nicht im Mindesten kümmern, sondern auf eigene Faust Politik machen. Der Parteipapst erläßt im „Vorwärts^ eine fulminante Erklä'.ung gegen diesen Geist des Aufruhrs und kündigt eingehende Rechenschaftsnahme für den nächsten Parteitag an. Die von Bebel mit Namen gezeichnete Kundgebung gestattet einen interessanten Blick hinter die Kouliffen des sozialistischen Theaters. Wir sehen deutlich, daß es dort zur Zeit wieder recht lebhaft hergeht und die nach außen so gerne dokumentirte Einheit und Konsequenz nur auf schwachen Füßen steht. Bebel erklärt offen heraus, daß die Verhandlungen und Beschlüsse der Partei in Preußen über die Betheiligung an den Landtagswahlen wenig verlockend zu einer weiteren Theilnahme an der Diskussion seien und sagt dann wörtlich:
Es herrscht eine Zerfahrenheit, wie sie bisher nach meiner Erinnerung noch niemals in ähnlicher Weise bei einer praktischen Frage hervorgetreten ist. In einer ganzen Reihe von Fällen handeln Städte und Bezirke, als gäbe es weder einen Parteiverband noch Beschlüsse dieses Partei- Verbandes, die zu respektiren die Pflicht eines Jeden ist, i einerlei, ob er damit einverstanden ist oder nicht. Denn immer umfaßt außer dem Unterhaltungsb
! ein anderes ist es, die gefaßtm Beschlüsse zu kritisiren, um womöglich ihre Abänderung herbeizusühren, oder, wie es jetzt geschieht, ihr Vorhandensein zu verleugnen oder in der praktischen Anwendung über sie hinausgehen. Daß es so kommen würde, war nach dem Inhalt des Hamburger Beschlusses vorauszusehen. Als ich im vorigen Jahre kurz nach dem Hamburger Parteitage mir erlaubte, in der „Neuen Zeit" die über die Wahlbethelligung gefaßtm Beschlüsse zu kritistren und sie in der Gestalt, in der sie schließlich Annahme gefunden hatten, als einen Nonsens zu bezeichnen, wurde mir dieses Wort mehrfach übel genommen. Die jetzigen Erlebnisse in der Wahlbetheiligungsfrage zeigm schlagend, wie berechtigt mein Urtheil war. Der Beschluß zeigt sich als verfehlt, weil die Direktive, die er gibt, durchaus unzulänglich ist. Ein Theil der Parteigenossen handelt sogar direkt wider den Beschluß, indem er im Widerspruch mit demselben die Nichtbetheiligung an der Wahl beschließt (Berlin), obgleich alle Bedingungen für eine Betheiligung vorhanden sind. Ein anderer Theil geht über den Beschluß hinaus, weil er ihm unzulänglich erscheint, und handelt im Sinne der von mir vorgeschlagenen Resolutionen, obgleich diese durch Annahme des Amendements Mittag, das lautete: Kompromiffe und Bündnisse mit anderen Parteien dürfen nicht abgeschlossen werden, hinfällig geworden sind."
Zum Schlüsse folgt eine Denunziation derjenigen Parteitage und Konferenzen, die sich besonders widerspenstig gezeigt haben. Die Abrechnung beim nächsten Parteitag in Stuttgart kann somit recht nett werden.
Der gegenwärtige Stand des Diakoniffen- werkes.
In dem letzten Heft des „Armen- und Kranken freundes" wird in Vorbereitung zu der regelmäßig alle 3 bis 4 Jahre stattfindenden General-Konferenz der zum Kaiserswcrthrr Verbände gehörigen Diakoniffenhäuser der zahlenmäßige Nachweis über die Entwickelung des Verbandes geführt. Als im Jahre 1864 der Begründer der Diakonissensache, Pastor Fliedner, starb, gehörten dem Verbände 30 Häuser an, vor 10 Jahren waren es 57, jetzt sind es 80. Erfreulicherweise nimmt auch die Zahl der Schwestern stetig zu: 1864 standen 1600, 1868 2100 Schwestern in der Arbeit und von da an bat sich etwa alle 10 Jahre die Zahl fast verdoppelt (1878 3900, 1888 7100, 1898 13,300). In ähnlichem Verhältniß steht das Wachsthum der Arbeitsfelder: von 368 im Jahre 1864 sind sie bis 1898 auf 4745 gewachsen und zwar auch ungefähr alle 10 Jahre sich verdoppelnd.
Am lebhaftesten ist in Deutschland die Betheiligung an der Diakonissensache in Rheinland und Westfalen, wo die beiden größten Diakoniffenhäuser: Kaiserswerth 1005 und Bielefeld 777 Schwestern zählen. In letzterer Zeit sind dort in Sobernheim a. Nahe und Witte« a. Ruhr neue Diako- nissenhäuser entstauben, welche auch schon einen Bestand von 126 und 147 Schwestern haben. Nach Bielefeld folgt Stuttgart mit 642, Königsberg mit 531, Neuendettelsau mit 453, Bern mit 422, Christiania mit 371 Schwestern. Unser hessisches DiakoniffenhauS — an Alter das 29. — ist an Größe das 30. mit 180 Schwestern.
Die größte Zunahme ist natürlicher Weise bei den größten Häuser zu bemerken. Allen voran steht Bielefeld, das in den letzten 4 Jahren um 137, Stuttgart, das um 135 und Königsberg, das um 128 Schwestern gewachsen ist. Unser hessycheS DiakoniffenhauS hatte in dieser Zeit eine Zunahme von 52 Schwestern. Es ist also auch bei uns ein erfreuliches Auswärtsgehen zu bemerken; freilich haben immer noch 16 Diakoniffenhäuser einen größeren Schwesternzuwachs gehabt als unser Landesdiakoniffenhans.
Interessant ist auch die Vergleichung der Einnahmen bezw. Ausgaben der Diakoniffenhäuser. Die 30 Häuser des Jahres 1864 nahmen 813,000, die 80 Häuser 1897 nahmen fast 11 Millionen Mark ein, welche Summe zum Wohle der Menschheit und zum Dienst an Armen und Elenden verwendet wurde.
Sehen wir noch, wie sich die Anstalten auf die verschiedenen Länder vertheilen. Allen voran geht Deutschland mit 52 Diakoniffenhäusern, es folgen Rußland und Niederland mit je 7, die Schweiz mit 4, Amerika mit 3, Frankreich mit 2, England, Dänemark, Oesterreich, Ungarn, Schweden mit je 1 DiakoniffenhauS.
Außer diesen gibt es noch eine kleine Zahl solcher Häuser, welche nicht dem KaiserSwerther Verbände der Mutterhäuser
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